Die Reise geht weiter

Samstag, 23.5.

Als ich Anfang April nach Hause kam, hatte ich schon seit ca. 2 Wochen neben der Erkältung mit gelbem Schnupfen 3 Nagelbettentzündungen und 2 kleine Wunden an den Fesseln, die offenbar spontan entstanden waren. Darum war ich in der letzten Woche auf Ko Tao auch nicht mehr schwimmen gegangen. (Bei den Eltern bekam ich noch solche Entzündungen auf der Zunge, die zum Glück nach zwei Tagen von selbst verschwanden.)

Über Ostern, ganz zu Hause in Rimhorn, hab ich das mit einer antibiotischen Salbe behandelt, die ich noch von der Fahrradtour im August hatte. Damals war plötzlich mein dicker Zeh entzündet gewesen. Der Plan war, mit der Creme übers OsterWE zu kommen und auf jeden Fall mal zum Arzt zu gehen. An dem Dienstag nach Ostern dann war ich hocherfreut, dass alle meine wunden, eitrigen Stellen endlich gut abheilten. Es war noch QuarantäneWoche und so bekam ich erst für eine Woche später einen Termin beim Hausarzt.
Am gleichen Tag begann mein Mittelfinger links zu schmerzen. Hab ich wahrgenommen, aber unter Rheuma eingeordnet. Zur Nacht wurde es so schlimm, Schmerzmittel (Novalgin) halfen nix, dass ich die doofe 116117 anrief.
Die geben einem nix!
Die Tante Doctor brachte mir um halb eins ein Rezept Ibu und ATB (Antibiotikum: Ciprofloxacin, die Gifthexe! Das macht einem die Sehnen kaputt und ist fast schon verboten, deswegen). Ich kann nicht fahren, jetzt, mitten in der Nacht mit höllenschmerzendem steifen Finger!
Die doofen Sprüche musste ich auch auf mich nehmen: ‚Ich kann Ihnen jetzt auch keine Freunde besorgen.‘ Und ‚Ich kann sie auch ins Krankenhaus schicken. Da rate ich Ihnen aber von ab in diesen Zeiten.‘ Und: ‚Ich geb Ihnen doch jetzt keine Lokalanästhesie.‘
Den Rest der Nacht verbringe ich stöhnend, weinend und brüllend.
Dann fahre ich zur morgendlichen Öffnung runter zur Apotheke. Ibus helfen für ca. 3 Stunden, in denen ich erschöpft in tiefen Schlaf falle. Danach überdosiere ich immer mehr.
Am Donnerstag früh schicke ich Bilder meines Fingers zum Hausarzt, der will auch nur ATB verschreiben. Ich muss auf den Nachmittag warten, um ihn wieder zu erreichen. Ich brauche JETZT was gegen die Schmerzen!
Inzwischen hatte ich einhändig einen KoTao Banana Cake gebacken, um mich abzulenken. Voll Horror.
Ich hatte schon vor den Schmerzen mit den Elteren ein Kaffetrinken für heute ausgemacht. Anstatt dorthin zu fahren, holt mein Papa mich ab und bringt mich beim Hausarzt vorbei, Überweisung holen. Denen war inzwischen eingefallen, dass des Hausarztes erste Idee zu meinem Finger gewesen war: ich soll zum Orthopäden.
Fahren wir also ganz bis nach Wertheim, weil der Orthopäde in Höchst nebenan meinen AutoUnfall vor der Reise betreut hatte und mich am Schluss scheiße fand wegen der dissoziativen Anfälle.
Auf der Fahrt brülle ich Papa ständig an, komplett außer mir.
Ich hatte mal Innenohrentzündung. Die Schmerzen jetzt sind vergleichbar. Aber länger, länger…Kettensägenmassaker!
Das muss einfach aufhören!
Der Orthopäde schickt mich postwendend zum nahegelegenen Krankenhaus.
Dort muss ich elend lange warten, habe 40°Fieber und bekomme dann eine Infusion mit Novaminsulfon!
Das wird nix helfen!!
Wieder alleingelassen versuche ich, mich über den Spruch der Assistentin ‚als Infusion ist es wirksamer‘ zu beruhigen. So lange brülle ich in dem Untersuchungszimmer wie am Spieß und drehe fast durch, weil es dauernd nach Butterkeksen und Spekulatius riecht. Ich schaue sogar in allen Fächern und Schubladen.
Endlich wirkt der Kram und mit eiskaltem Wasser überm Waschbecken bekomme ich sogar einige kostbare Minuten Schmerzfreiheit hin.
Da kommt der Arzt.
Und verschreibt mir:
Schmerzmittel und ATB!!
Ich nage ewig an ihm rum: Ich bin nicht zufrieden damit! Die Schmerzmittel werden nicht helfen! Nein, auch Ihr Opioid ist nicht wirksam genug, hatte doch schon Tramadol wegen Rheuma, das hat auch nix geholfen…etc.
Bekomme eine Schiene mit Verband und soll morgen zum Verbandswechsel wiederkommen!
Dann schicken sie mich raus. Ich muss auf dem Hof in der mittlerweile kühlen Abendluft erst noch auf Papa warten, der mittlerweile heimgefahren war.
Die Notapotheke um die Ecke nimmt die Rezepte nicht an, weil vier Punkte darauf fehlen. Papa mit mir also zurück.
Sobald ich die Medis habe, schlucke ich zuerst das Opioid Tilidin. Ah! – Om…
Über Nacht wieder recht schlimme Schmerzen, aber diesmal dank der Droge 2 Meter entfernt von mir.
Am Morgen ruft der liebe Arzt an, ich werde doch operiert, solle nüchtern bleiben.
Der Chefarzt Dr. Vögeli persönlich erklärt mir, was er tun wird, wie er schneiden wird. Ich bin so dankbar, dass er ganz klar ist und eine gute selbstbewusste Ausstrahlung hat. Vertraue ihm sofort. Endlich einer, der was tut. Und die Verheißung, dass dadurch irgendwann die Schmerzen aufhören könnten.
An diesem Freitag wird der D3 auf ganzer Länge am Rücken im Zickzack aufgeschnitten. Dabei auch das DIP (Fingerendgelenk), das ebenfalls vereitert war, geöffnet und gespült.
Am Montag drauf muss die palmare Seite folgen: im Zickzack von der Fingerspitze bis in die Mitte der Handfläche.
Zugenäht wird jeweils nur lose mit wenigen Stichen und es wird ein antibiotisches Hosengummi reingelegt.
Die Wunden schwären weiter. Besonders am Fingerrücken sieht es eine gute Woche nach der OP scheiße aus, wie eine aufgeplatzte, verbrannte Grillwurst.
Ich mache mir ernstlich Sorgen um meinen Finger. Sogar weiterhin um eine Sepsis.
Am folgenden Montag wird nochmal alles aufgeschnitten, ausgedehntes Debridement (Wundsäuberung mit Spülung und Glattschneiden der Wundränder) und zugenäht.
Drei Vollnarkosen, 2 Wochen Krankenhaus.
Bin schon seit 1.5. entlassen und muss alle zwei Tage zum Wickeln. Nehme seit 4 Wochen HammerATB. Papa fährt mich.
Weil er nicht will, dass ich Auto fahre, darf ich auch noch nicht nach Hause, muss bei den Elteren ausharren. Hat alles Vor- und Nachteile.
Gestern hat der Oberarzt gemeint, das Endgelenk könne ich wohl nicht mehr strecken, die Sehne sei eingeschmolzen. Hoffe, er hat nicht recht. Ich mache jeden Tag Bewegungsübungen. Will bald wieder Rad fahren können. Wenn die Nähte stabil genug sind und die Finger kräftig.
Ich will wieder Gitarre spielen können!
Letzten Samstag habe ich mir die letzten Fäden selbst gezogen. Der zweite Oberarzt, der zum Glück nicht operiert hatte, hat mich tags zuvor davon überzeugt, dass es besser ist, nicht mehr wieder zu kommen. Hat mir beim Fäden zerschnipseln derart weh getan, dass mir schlecht wurde.
Die Narbenpflege (und Bewegungsübungen) wird noch Monate dauern. Die Sehnen sind auf beiden Seiten fast auf ganzer Länge verklebt, der Finger ziemlich steif.
Manchmal scheinen die Narben und Verklebungen derart zu schrumpfen, dass es meinem Finger plötzlich furchtbar eng wird.
Letzte Nacht bin ich deseegen dreimal aufgewacht. Gelinde Panik, weil ich das Gefühl habe, dass ich mit Bewegungs- und Dehnungsübungen, warmen Bädern und Narbengelmassagen nicht mehr hinterher komme.
Jetztiger Stand der Dinge:
So, das war eine weitere Odyssee. Ich brauchte keine Abenteuer mehr. Hoffe, es wird nun ruhiger.
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Leben ist das mit der Freude und den Farben. Nicht das mit dem Ärger und dem Grau.

Eine lange Heimreise

Sonntag, 29.3

So, der erste Schritt klappt schon mal wunderbar. Komme ich 10 min vor der halben Stunde Eincheckzeit an. Ist der Pier zu, Boot gecanceled.

Braucht aber ne Zeit, bis mir das einer erklärt. Zum Shop, zum Glück gegenüber, Geld zurück, zum Hauptpier rennen, Formblätter ausgefüllt…und total verschwitzt aufs Schnellboot. Sieht so aus, als hätte ich den letzten Platz.

Aus meinen Nachgoogleungen weiß ich, das es das letzte Boot für heute ist.

Bye bye Koh Tao.

Gegen die Aufregung mache ich gleich auf dem Boot die Meditation.

Dann buche ich mein Hotel um, weil ich nun auf einem anderen Pier andocke. Nu lieg ich – nachdem mich Schwärme von HalloTaxiTaxis zur verzweifelten Weißglut gereitzt haben – schön gelangweilt im gemütlichen Hosteldormbett. In einer super hässlichen Stadt.

Ganz alleine zu Hause.

Montag, 30.3.

Über Nacht krabbeln Winzameisen übers Laken und über meine Arme. Da ich sie bei der NachtBeleuchtung nicht sehen kann, denke ich, ich spinne.

Mein Tagwerk für heute ist erledigt:

-Früh aufstehen, netter- und überraschenderweise ein early breakfast bekommen,

-3,5 km (noch im Schatten) zum Immigration Center laufen,

-Pass kopieren lassen, die heutige Nummer 106 bekommen (obwohl erst um 8:30 geöffnet werden wird, sind 105 Leute schon vor mir da),

-mit einem TaxiMotorrad zum neuen Hostel nahe beim Abfahrtspier (Nathon pier) fahren.

Da bin ich nun und bekomme direkt ein Mittagessen gekocht.

Übrigens läuft es jetzt visummässig so in Thailand: erst muss man sein Visum regulär verlängern. Ein normales Visa on arrival hat 30 Tage. Man darf einmal um 30 Tage verlängern.

Wenn das aus verkehrstechnischen oder anderen triftigen Gründen nicht reicht, kann man in der gegebenen besonderen Situation auch in seiner Botschaft in Thailand eine weitere Verlängerung beantragen.

Sie empfehlen, das gleich zu tun. Da ich nun aber bald meinen Flug habe, will ich erstmal abwarten, ob alles so schön klappt.

Nachmittag lazy im Bett, Fenster auf, ein wenig Wind reinlassen.

Wie erwartet, ist es auf Koh Samui noch scheiße heißer, als auf Koh Tao. Außerdem wusste ich dort halbwegs, wo ich mich im Schatten verkriechen konnte.
Vor Ort ist auf der einen Seite der mehr oder weniger baumlose, jedenfalls schattenlose Strand.

Und auf der anderen die dicke Straße.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich abends seit 3 Tagen ätzende Schmerzen bekomme und ich mich ja von Überhitzung fernhalten muss. Habe jeden Abend 38,18- 37,8 erhöhte Temperatur.

Mit (Paracetamol) medizieren und meditieren, oft duschen, nicht nachmittags rausgehen, ruhig und ‚cool‘ bleiben, hoffe ich, die nächsten Tage zu meistern, damit ’sie‘ mich durchlassen.
Nach der Schnellbootfahrt gestern gabs schon die erste Fiebermesspistole auf die Stirn.

Ist trotzdem scheiße heiß.

Ich habe das Gefühl, für mein (lädiertes) Immunsystem unter derart erschwerten Umständen zu sorgen, ist eine ganz neue Aufgabe für mich.

Die beiden Hostelbesitzer sind Schwestern. Herzallerliebst und der englischen Sprache mächtig die eine. Die andere kocht wunderbar und soll nun auch ein ausgebildetes MassageHändchen haben.

Eigentlich will ich nicht, denke mein RheumaBody ist zu aufgewühlt. Aber Herzallerliebst kann einfach zu gut Englisch.

Muss aber warten, sie ist gerade auf Hausbesuch bei einem Stroke.

Da hänge ich mal eben die Gitarre vom Nagel. Endlich wieder. Ein leiser Anfang nach sooo langer Zeit.

Die Massage tut weh!

Ganz schlimm AuaauaMassage. Ihre Hände fühlen sich in der Tat fachkundig an. Und so lasse ich sie gewähren.

Sie hackt übelst auf meinen schmerzhaftesten Triggerpunkten rum, die sie mühelos findet und bis in die tiefsten Winkel meines Fleisches verfolgt.

Und spricht dabei lieb und sanft mit Herzallerliebst.

Dienstag, 31.3.

Ich schlafe, wie ein Baby.

FS mit local Kaffe.
Abschied von den zwei Engeln. Die MassageKöchin verkauft mir zum Abschied noch ein richtig starkes Öl für das ordentlich geschwollene Handgelenk.

——

Ich denke, die oberflächliche Gelassenheit ist eine ganz normale Reaktion in Krisensituationen dieser Größenordnung. Dazu nicht nur für jeden einzelnen selbst von großer Wichtigkeit, sondern auch für die Möglichkeit des weiterhin guten Miteinanders.
Nicht auszudenken, wenn wir alle emotional würden.

Wie der Schweizer zum Beispiel, der mich beim Warten im Immigration Center aggressiv angemacht hat. Na, vielleicht war er nur enttäuscht, weil er dableiben will und das echt keinen Spaß mehr macht. Ohne Leute. Aber auch mit geschlossenen Bars. „GEHT DOCH ALLE NACH HAUSE!“

Ich finde es allerdings auch wichtig, dass man sich bei aller Oberflächlichkeit im Klaren bleibt, in welcher Situation wir uns befinden. Soweit wir überhaupt fähig sein können uns darüber ein umfassendes und ‚wahres‘ Bild zu machen.
Wir sind alle auch zutiefst verletzt und erschüttert. Oder nicht?
Weiter denke ich: und darunter, unter dieser erschütterten Schicht, sind und bleiben wir heil.
Nach wie vor hilft es mir, wenn ich zu deutliche Bilder sehe und von Emotionen überspült oder gar weggespült zu werden drohe, mich im Hier und Jetzt zu orientieren:

Gerade fahre ich auf der Fähre aufs Festland und habe einen schönen lauen Platz gefunden.
Eine Bank an der Seite des Schiffes, im Schatten. Mit wenig Wind.
Ich habe ein köstliches FS im Magen. Gerade gehts mir gut!

Hallo ihr Lieben,

Tagesziel erreicht, ich bin im Surat Thani Airporthostel.

Gestern habe ich mich spaßeshalber mal zum Pier begeben, um vorsichtig nachzufragen, ob meine vorgestern online gebuchte Fähre um 11:00 überhaupt fährt (gebranntes Kind).

Nein, tut sie leider nicht, ich soll eine Stunde früher kommen.

„Geht nicht auch die um 12:00?“ „Nee, geht nicht.“ (No go)

Eben hat auch das Hostel in Bangkok zugemacht. Sie bieten an, dass man canceln kann oder zum gleichen Preis wechseln.

Ist ja ok, solange alles so läuft, dass man ohne großen Stress weiterkommt.

Mein Flug nach Bangkok für morgen Abend steht, wie geplant.

Ja, ist easy zur Zeit, in Schwierigkeiten zu geraten. Und schwierig, die Stresshormone unter Kontrolle zu behalten. Denen würde ich nur zu gerne ein wenig Oxytocin entgegensetzen. Aber woher nehmen…

Von wegen Tagesziel erreicht.
Vor ein paar Minuten hatte ich das Handy lautlos gestellt. Nur Zufall, dass ich zeitnah reinschaue.
16:03 trudelt eine urgent Nachricht von Thai smile ein: mein Flug nach Bangkok für morgen Abend ist gecancelt. Der Ersatzflug, den sie mir anbieten, ist zu spät für meinen Flug nach London.
Ich merke richtig, wie ich Adrenalin ausschütte und rote Wangen kriege. Ruhig bleiben.
Der tägliche Flug nach Bangkok mit der gleichen Gesellschaft ist für heute nicht mehr buchbar. Ich finde bei einer anderen Fluggesellschaft noch einen Flug für morgen, ohne Gepäck und zum falschen Flughafen in Bangkok und recht teuer. Sollte alles kein Problem sein. Ist gebucht.
Ich lege mich kurz zurück. Mal durchatmen.
Ok, es ist noch früh genug. Ich packe in Ruhe meine Sachen, gehe runter, bitte den Hostelmann um seinen angebotenen Shuttelservice. Ich will probieren, ob ich vor Ort, also im Flughafen direkt, noch einen Platz für heute kriegen kann.

Mittlerweile habe ich die Umbuchung für heute Abend in der Hand (ja!), die andere Gesellschaft lässt mich nicht stornieren (ohne Kommentar) und ich habe schon meine Knöpfe an der Bluse angenäht.
Nu ist Eincheckzeit.
1,5 h nach der Horrormail.

Das nenne ich mal effektives Handeln.

Sa Ta Na Ma und Paracetamol vor dem Boarding (mit Pistole, versteht sich).

Also, jetzt schlafe ich halt 3 Nächte in Bangkok, statt 2.
Mir kommt das Ganze vor, wie in diesen animierten Filmen. IceAge oder so. Wo immer einer über eine Brücke läuft, die hinter ihm zusammenbricht.
Bisher hat garnix von meinem Plan geklappt. Aber ich bin in Bangkok. Und sogar 1 Tag früher.
Dennoch finde ich, ich habs verdient, dass die letzten zwei Flüge und die Heimfahrt aus FFM reibungslos ihrem Plan folgen.
Immer nur den Gleichmut und einen kühlen Kopf bewahren.
Garnicht so leicht, bei 36° im Schatten.

Im Moment ist es prima. Das Hostel hat ein kriminell zu erklimmendes roof top mit Aussicht auf den Flughafen.

Es ist schön ruhig hier. Dazu weht ein laues Lüftchen.

Mittwoch, 1.4.

Halb 7 begebe ich mich zum FS. Bin wohl der einzige Gast. (Nee)
Sitzgelegenheit draußen auf der kleinen Straße.

Ich habe gestern Nacht schon gesehen: mein Hostel, direkt am Flughafen gelegen, befindet sich in einem kleinen Dorf. Viele Bäume und blühende Büsche.
Es ist so still hier, dass ich mich förmlich eingeladen fühle, ganz in Ruhe meinen Kaffee zu trinken.
Ein altersschwacher Hundeopi schleicht sehr langsam durchs Bild. Wörtlich alle paar Schritte hält er an, hechelt, ruht aus. Das ändert sich aprupt, als eine adrette Hundedame erscheint.
Strack und stolz geht der Schwanz nach oben, Körperspannung steigt, ‚ich bin ein ganzer Kerl!‘ Leichtfüßig steigt er der desinteressierten Dame nach.
Unterdessen zuppeln zwei Miniaturtäubchen auf der Betonstraße hin und her und suchen nach Krümeln.
Eine Frau kommt, gießt die Papajabäume gegenüber und kehrt das BlätterMüllGemisch der Straße zur Verdunstungsverhinderung um die Stämme.
Meine Hosteldame kommt dazu, hilft kehren. Dann schauen beide hoch in den Tamarindenbaum. Nicht so viele Früchte dieses Jahr.
Nebenan kommt Oma raus. Mit ihrem Gehbock schafft sie es zur Bank vor der Tür. Ihr herzallerliebster FuchurHund, nicht ganz sauber,

freut sich über seinen Freigang. Der ganze Kerl will nicht mit ihm (ihr) spielen.
Ich hole mir Gemüsereis, den ich gewissenhaft von Wurststückchen befreie. Jetzt kommt der Enkel raus, entweder zur Oma bindungsgestört oder Morgenmuffel. Vor seinem Motorrad stolziert ein wohlgeratener Hahn auf die Straße. Oma und ich beobachten sein buntes Treiben, während Enkel davonknattert.
Garnicht lange, kommt er wieder, hat jetzt einen kurzen Blick für Oma übrig, an einer Hand abzählbare Worte. Und er überreicht ihr eine Plastiktüte mit Styroporbox unbestimmten Inhalts. Oma scheints nicht zufrieden…
Es passiert so viel auf der stillen Straße, das kann ich garnicht alles beschreiben.
Habe längst keine Bange mehr, mir könnte die zwei Tage langweilig werden.
Wie ich so in Ruhe weitersitze, mich an einem guten Ort geborgen fühle, kommen die Tränen. Ich bin so, so traurig!
Das geht vorbei, wie alles andere hier auf der stillen kleinen Dorfstraße.

Am Millionenflughafen.

Bangkok hat über 8 Millionen Einwohner. Ach, echt?

Gegen 8e kommt doch eine zugeneigte englische Familie, raus. Sie haben den Flug mit EVA heute, um dieselbe Zeit.
Ich kann nicht mitkommen, da mein Flug nicht änderbar ist. Ich müsste für weit über 500€ stornieren. Besser warten. Wenn er storniert wird, bekommt man den Preis ersetzt. Abzüglich horrender Servicegebühren, versteht sich.
Noch gibt es 1 Tag später einen (und auch in der Folgezeit noch den einen oder anderen) Direktflug von Lufthansa. Ich denke, es ist einer der Rückholflüge. (Nee, die sind mit Condor) Den gabs nämlich vorher noch nicht.

Dann lasse ich mir das Törchen zum Flusssteg öffnen. Und laufe so lange darauf in einer Richtung, bis mir vor Hitze schwindelig wird.
Peinlich: ich dachte, da wär niemand. Aber ich treffe doch ein paar Menschen und ich habe meinen Mundschutz nicht dabei.
Ist besser, man zeigt, dass man mitmacht. Sind alle gleich viel beruhigter.

Schöner langer langweiliger Nachmittag im Bett. Bloggern.
Als ich zum frühen Dinner rauskomme, sitzt Oma auf der anderen Seite der Straße im Schatten. Und unterm Tamarindebaum haben sich paar Nachbarn eingefunden.
Dem jungen Mann, der gerade mit seiner Frau schäkert muss ich unbedingt einen dummen Kommentar einschenken und so kommen wir ins Gespräch.
Nach ner Weile fragt er, wo ich denn hinwill.
Da meint er in breitem Münsteraner Platt, dass wir denn ja auch Deutsch reden könn.
Nee oder? Komm, mach Sachen. Ha!
Das gibt unserem Gespräch eine so krasse Wendung,
dass ich ihn gleich auch frage, was er denn da in seinem Eimer hat. Den hab ich schon die ganze Zeit fasziniert beäugt.
„Bier.“
„Komm, nich Bier. Die bringen dich um. Warmes Bier im Sandeimer aus Strohalm.“
In einem langen entspannten Gespräch, erzählt er unter anderem, dass er vorher mein Hostel gemanagt hat, aber gerade nebendran die 3MioButze (Baht = 90.000€) als Restaurant und Hostel gekauft hat. Gerade jetzt ist es schlüsselfertig. Also nach einem richtig langen Gespräch, und es hat über 35°, frage ich ihn, ob ich mal ein Foto machen darf. Ich denke so, das Motiv, dass er grad trinkt, oder der Eimer auf dem Tisch steht…

…und es war noch warm.

Übrigens gibts die Eimerchen so zu kaufen.

Mit Strohhalm. Sagt er.

Ich geh im 7/11 noch schön für den abendlichen RoofTop einkaufen: Trinkjoghurt und Mandarinen. Und für den Heimweg ein Mangoeis am Stiel. Das sogar fast ein kleines bisschen nach Mango schmeckt. Ach, ich bin zufrieden.

Bin wieder super eingenordet. Mir gehts prima. (Hab außerdem noch mit Töchterchen geplaudert, wie schön!)

Ich glaube, was ich am meisten vermissen werde, ist dieses mühelose rumliegen in lauer Abendluft. Und schöner Umgebung.
Sei es auf einem heißen Stein oder auf dem RoofTopTisch.

Donnerstag, 2.4.

Ich checke nach, es gehen nur noch einige Inlandflüge und sehr wenige nach draußen.
Das bedrückt mich. Beklemmend ist das. Seit Vorgestern darf niemand mehr ins Land. Noch 30 Stunden. Bitte macht die Grenzen nicht zu.

Immernoch im Bett.

Ich stelle mir vor, dass ich dem Eimerbier trinkenden jungen Mann begegne.

Ich liege ziemlich lange und mache mit ihm Therapie. Bin richtig drin in der PhantasieWelt.

Am Ende weiß ich; das will ich machen: Traumatherapie. Das kann ich, da liegt meine Energie.
Es ist Psych, was ich so liebe. Und es ist Einzeltherapie. Worin ich unendlich besser bin, als in der Gruppe, wie in einer psychotherapeutischen Klinik.
Dann geht meine Phantasie weiter, dass ich in Breuberg bin, einen Patienten spontan nach PITT behandle und dafür an den Pranger gestellt werde, weil es nicht ‚ergotherapeutisch‘ ist.
Den Breuberg von innen sehen ist gut. Gerade für den Anfang, bis ich mich sortiert habe.
Aber ich will PITT praktizieren.

Was gefällt mir eigentlich an der PITT so gut?
Mir gefällt es selbst, wenn ich tief berührt werde, wenn ich spüre, dass jemand wirklich bei mir ist.
Und mir gefällt es ebenso, jemand anderen tief zu berühren und diese Verbindung aufzubauen. Für die intensive Zeit der Therapiestunde ganz für jemanden da sein zu können und zu dürfen.

——

BACKPACKER
Mein Rucksack schließt sich so langsam und er ist ‚packed‘, vollgestopft mit vielseitigen, intensiven Erlebnissen.
Ich fühle mich dankbar, eine so große Ladung heimtragen zu dürfen.

——
Der ganze Prozess, Angefangen von den ersten Informationen über den Zerfall von allem, was einmal Halt gegeben hatte, hat was von einem Schiff, das im tosenden Sturm von einer Sekunde zur anderen hin und hergeworfen wird. Nichts hat mehr Bestand, als würde das Schiff in Tausend Stücke zerschellen.
Das Warten. Das ist, wie doch noch das Rettungboot erwischen. Ohne Paddel. Warten, ob, wann und wo man ankommt. Nichts ist gewiss.
Ein Gefühl, wie eine Kokosnuss im Weiten Ozean zu treiben.

Niemand sollte das allein durchstehen.

——

FS, oder: unsere daily soup gib uns heute

Die Hosteldame hat mir einen Teller mit Gemüsereis gemacht, weil ich heute tatsächlich der einzige Gast bin.

Mit Wurststückchen, die ich wieder gewissenhaft rauspule.

Als sie abräumt, bringt sie die Wurst zum ganzen Kerl. Prima Verwendung!

Die junge schöne Dame kommt zu spät.

Vermisst es, sich desinteressiert zu zeigen. Offenbar sucht sie ihren ganzen Kerl. Dreht sich um, stutzt, mit einem deutlichen ‚Hä?‘- Ausdruck auf ihrem hübschen Gesicht.

Hier nochmal Oma, diesmal mit den Winztäubchen.

Spaziergang diesmal zur anderen Seite.

Beachtlich, die vielen sündhaft teuren Straßenlampen.

Bis zum völlig überdrehten Ammata Lanta Ressort.

Mittagessen: Yoghurte von 7/11.
Laaange Mittagspause.

Nach 17:00 klopft es, und die Hosteldame kommt rein. Mit einem Teller Mango sticky rice. Oh lecker! Hab ich mir nie besorgt und nu krieg ich es so.
Seit gestern abend oder heute morgen ist sie auch besonders freundlich zu mir. Ob sie es bereut, dass sie mich angelogen hat? Ich hatte sie nämlich gefragt, ob ich mal den Dorm sehen könnte, um Tag zwei und drei ein wenig Geld zu sparen. Daraufhin hat sie ihr Gesicht verzogen und dann so getan, als würde sie telefonieren. Nee, ist ausgebucht. Hehe.
Ich glaube, ihr ist klar, was mein Blick aussagte.
Habs dann so stehen gelassen. Ist doch ok.
Nun hab ich ein schlechtes Gewissen, weil ich den Enkel mit Hahn foftgrafiert hab und zu spät gesehen, dass ihm das garnicht behagt.
Sorry 🙄!
Ich war so fasziniert, dass der Hahn aufs Wort hört. Da träumt so mancher Hundebesitzer von.

Soll ein Kampfhahn sein. Ist aber ganz lieb.

Ich weiß nicht, wies den anderen geht. Aber in dieser Situation- nowadays- kann ich anderen und mir ganz leicht verzeihen. Naja, besser den anderen.

Heute Nachmittag wird mir doch die Zeit lang.
Ich lieg schon wieder im Bett, dabei wollte ich doch zum 3MioButzenMann, dass der mir was kocht. Aber jetzt habe ich ja gerade sticky rice…einkaufen will ich auch später, damit mein Trinkyoghurt bisschen kühl ist, wenn ich ihn auf dem RoofTop genieße…
Hm, sie hat mir mit ihrem sticky rice voll meine Routinen durcheinander gebracht.
Nee, komm, ich geh jetzt raus!

Essen vom Nachbarn.
RoofTopRomantik.

Ist doch kein Zufall, dass ich mich ausgerechnet jetzt (der permanente Druck von außen hinterlässt natürlich auch im inneren System seine Spuren) ‚verliebe‘. Das heißt, dass ich beginne, meine Gedanken sehnsüchtig an jemanden zu heften.
Da ist ein Anteil von mir, der spielt nicht nur, der IST dauernd der Held, muss es sein. Ich klopfe mir auf die Schultern dafür, wie ich gerade diesen letzten Abschnitt der Reise meistere.
Ich denke diesen Anteil habe ich früher ‚das Mutterkonstrukt‘ genannt. Einen funktionierenden innerpsychischen Anteil, der dem vierjährigen Mädchen das NichtMehrLispeln beigebracht hat.
Der andere, bedürftige Anteil, zeigt sich garnicht direkt. Aber durch ein Gefühl warmen Verbundenseins mit André.
Allerdings entspricht die Bindung ja wieder meinem Standartmodell: ich warte.
Daher gehe ich in eine Beobachterposition und beende das.
Ausgerechnet heute Nacht schreibt André, dass er zu Hause gelanded ist. Aber knapp und lieblos.
Ich werde wütend!
Juhuu!
Zumindest ‚von Ferne‘. In diesem Fall lohnt es, das mal nicht fallen zu lassen oder wieder zu verdrängen. Sondern angucken.
Ich glaub, ich hab das immer gefühlt, nur nie benannt und regelmäßig übergangen.
Ich versuch mal zu übersetzen: „Die ganze Zeit tust du so lieb und verbindlich rum. Und nun, wo ich dich brauche, bist du kalt!“
Meine ’normale‘ Reaktion auf das Gefühl wäre: „Ja, ich kann VERSTEHEN, dass du so knapp antwortest. Du kommst ja offensichtlich gerade erst heim von einer langen, beschwerlichen Reise. Ruh dich erstmal aus. Ich werde ABWARTEN, ob du mir später, in ein paar Tagen, vielleicht, einen längeren liebevolleren Brief schickst.“

Es fällt mir einfach sauschwer, wütend zu werden, wenn ich, wie hier, schon sehe, wie unfair das ist. Aber deswegen darf ichs doch fühlen. Oder sollte mir wenigstens darüber bewusst sein.

Interessant ist auch, wenn ich mein Held bin, gehts mir gut. Wenn ich bezogen bin, kann ich, muss nicht unbedingt, ganz klein und bedürftig werden. Kein Zustand, den ich jetzt brauche.

Freitag, 3.4.

Viel zu früh lasse ich mich mit dem billigen Haustaxi zum Flughafen kutschieren.

Ich will einfach vor Ort sein, wenn am Schluss doch noch Änderungen angesagt werden sollten.

Hab mir ja die StrandMatte gekauft und hau mich auf die Sitzbänke vor der passenden Check-inReihe.

Spooky, alle Flüge gecancelt, bis auf die paar hellgrünen.

Die Hallen sind entsprechend leer.

In Bangkok darf man erst zum Boarding aufs Gate. Nach der Security kauf ich mir einen superteuren Mangoyoghurt und habe ein prima Mittagessen mit Mandarinen und Crackern. Ohne Peanutbutter. Die ist mir eben abgenommen worden. Auf den Wartebänken des Flughafens, auch schon bei und auf der Fähre, findet man rote Kreuze oder grüne Häkchen aufgeklebt. Hier nicht abwechselnd, sondern es sind zwei Sitze freizuhalten.

Als ich mich zum Boarding begebe, ist plötzlich eine Menge los. So viele Menschen auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Es ist ein großer Flieger mit zehn Sitzen pro Reihe. Ich bin in Reihe 48 und hinter mir gehts noch ewig weiter. Demnach müssen wir mehr, als 600 Passagiere sein. Kann das angehn?

Ich sitze im Mittelblock und habe zwei Jungs neben mir.

The man who carries his skull back home.

Er sitzt rechts neben mir. Die Beine der mittleren Stuhlreihen sind für drei Sitze ausgelegt. Irgendwie haben sie es geschafft, vier Sitze darauf zu montieren. Wir sitzen derart dicht, dass unsere Schultern nicht nebeneinander passen.

Meinen rechten Fuß muss ich in seinen Fußraum stecken, ansonsten müsste ich ihn irgendwie saublöd nach links ums Stuhlbein knicken.

„Pass auf, dass du die Styroporbox nicht umtrittst. Da ist mein Schädel drin!“

“Was?“

“Ja, hier, fühl mal!“

Oben rechts fehlt tatsächlich ein 5-Mark-großes Stück Schädeldecke unter seinem Skalp.

Es stellt sich heraus, dass der junge Engländer Tauchlehrer auf Koh Phangan ist. 6 Wochen vorher beim Motorrad fahren ausgerutscht, im Krankenhaus aufgewacht. Nach 1 Woche haben sie ihm zum Abschied den Schädelknochen mitgegeben. Von der druckentlastenden OP hatte er bis dahin garnix gewusst.

Daraufhin hat er wohl in dem englischen Krankenhaus seiner Wahl angerufen mit der Frage, ob sie den Knochen zum Verschluss benutzen würden. Mit anderen Worten, ob es sich lohnt, mit Skull zu reisen. Wollten sie ihm aber nicht sagen.

Sag ich, tja, deshalb sitze ich jetzt hier neben dir. Vorausgesetzt, dein Knochen ist intakt und noch lebendig, werden sie lieber ihn nehmen, als ein passendes Stück Plastik zu drucken.

Interessanterweise ist sein einziges neurologisches Symptom der Ausfall seines Geruchs- und Geschmackssinnes. Es braucht weitere zwei, drei Tage, bis ich kapiere, dass es auch ein CoronaSymptom sein kann. Und der junge Mann hat dauernd seinen Mundschutz unter der Nase und rotzt, schnieft und hustet vor sich hin…

Zu meiner linken ein noch jüngerer Mann. David aus irgendwo bei Kassel oder so.

„Hast du eigentlich schon eine Unterkunft in London?“

“Nee, hab ich vergessen zu buchen.“

“Siehste mal. Ich hab vergessen, jemand zu fragen, ob er mein Zimmer mit mir teilt. Hab extra mit zwei Betten gebucht. Ist nicht weit vom Flughafen. Magste?“

Das sind so ungefähr unsere ersten Sätze. Ist das Thema auch geritzt.

Die dreizehn Stunden gehen echt recht flott rum.

Gute Unterhaltung von beiden Seiten, dann wieder schöne lange Ruhephasen. Bloß scheiße kalt hier.

Bemerkenswert ist noch die Gasdusche, die man uns unangekündigt angedeihen lässt. Zu Beginn des Fluges und mittendrin, vor dem Essen. Ich nehme mal an, dass die mit dem stinkenden Gift normalerweise die Möbel desinfizieren.

Das LuxusIbisHotel erreichen David und ich gerade zur schönen Schlafenszeit. Ah, duschen, ausstrecken! Aber dann friere ich mir die Hucke voll, bis ich zwei Hosen und meine Jacke über dem Schlafanzug anhabe. Mein Körper hat einen Monat lang verlernt, die Heizung anzuschalten.

Samstag, 4.4.

Recht früh aus den Federn, schön rechtzeitig mit dem FlughafenShuttleBus eigetrudelt. Der ausgewiesene Check-in Schalter für unseren LufthansaFlug ist noch zu. Aus Langeweile probieren wir die Check-in Apparate. Geht aber nicht. Eine Angestellte kommt und weist uns an, uns an der langen Schlange an einen anderen Schalter anzustellen. Lauter chinesische Astronauten!

Wir bekommen unsere Karten. „Da ist kein Sitzplatz ausgewiesen. Den bekommen Sie beim Boarding.“ So sagt meine Dame. David ist woanders durch. Seine Dame sagt: „Ist ein Stand-by-Ticket. Sie müssen sich beim Boarding hinten anstellen und sehen, ob Sie noch einen Sitzplatz bekommen. Wenn nicht: um 16:30, 7 h später, fliegt noch einer.“

Da stehen wir dann am Ende zu siebt, nachdem die ganzen Astronauten on board sind.

Zwei werden noch reingelassen. Eine Astronautin weint: warum darf die andere rein? Die BoardingDame erklärt: „Ich musste mich irgendwie entscheiden. Sie sehen aus, as if you would understand.“

Sowas sagt sie zu mir auch, if I would understand? Ich sage, es gäbe zwei Arten von Understanding. Und merke, dass ich ziemlich stinksauer bin. Frage einen Boardingmann: „Wie viele dürft ihr denn überbuchen?“ „10%.“

Verdammt, das wären bei geschätzten 200 Fluggästen 20! Sauerei!

Dann bekommen wir zugesichert, dass wir 250€ auf unserer Kreditkarte gutgeschrieben kriegen und Essensgutscheine im Wert von 10£. „Sind aber nur ein oder zwei Geschäfte offen.“

Ist klar, wir laufen nochmal durch den Geisterflughafen. Das einzige Lebensmittelgeschäft nimmt unsere Vouchers nicht. Müssen wir also zur Apotheke. Durch diesen Spaziergang stecken wir auch unsere kleine Welt für die nächsten sieben Stunden ab. Wir müssen ja im Boardingbereich bleiben.

In der Apotheke gibt es eine Wand mit lecker Essensangeboten. Als ich kapiere, dass unser Gutschein für zwei Bundles (Sandwich nach Wahl, Getränk, auch Saft, nach Wahl und eine Nachspeise) und ein Leckerli reicht, hebt sich meine Laune in euphorische Sphären! Essen!

Mit je einer prall vollen Tüte verlassen wir glücklich die Apotheke. Insgesamt viel Geld verdient in 7h Nixtun. Ist doch ok.

Nach der Raptormahlzeit finden wir im Übergang zum benachbarten Boardingbereich noch eine Lounge. Da lümmeln wir gemütlich unsere Zeit ab.

Fahrplangerecht kommen wir kurz nach 19:00 Uhr in FFM an, Davids Mama gibt mir das Geld für seine Übernachtung, ich lege die richtige SimKarte ein und um kurz nach halb 8e sitze ich schon draußen in der Sonne, mit Blick auf die A3 und rufe Gunnar an.

Die leeren Züge fahren auch pünktlich.

Von 9 gebuchten Booten, Flügen, Unterkünften haben in der Heimreisewoche auf Anhieb zwei geklappt. Der Flug von Bangkok nach London und die Unterkunft im Hotel dort.

Mit den Eltern praktiziere ich social distancing.

Aber sie lassen mich nicht mit meinem Auto nach Hause fahren, da es noch nicht angemeldet ist.

Dazu brauche ich in CoronaZeiten einen Termin bei der Zulassungsbehörde. Und den bekomme ich erst am Donnerstag Nachmittag!

Solange bringt mir Papa das Frühstück ans Bett und bei den anderen Mahlzeiten esse ich etwas abseits am Tisch. Als ich dauernd was helfen soll, auf- und abtragen zu Beispiel, insistiere ich. „So viel kann ich mich garnicht desinfizieren.“ Doch ich kriege zu hören: „Wir glauben nicht, dass du krank bist.“

Ohne Worte. Und was ist mit den Eiter- und Erkältungsbakterien?

Der ThaiLandErinnerungsEimer von Romke:

Donnerstag, 9.4., vor dem OsterWE

Endlich daheim!

Koh Tao, 3. Woche und Abschiedtage

Donnerstag, 19.3.

Großkampftag mit Blog und Orga.

Ich bleib aber, im Gegensatz zu Meloni…

…wohlgelaunt.

Die Western Union Zahlung ist da. Gehe ich mal zur Bank.

DIE SCHMEIßEN MICH RAUS!

Die Post nebenan hat auch Western Union. Der Mann kennt mich ja schon von der Briefaktion. Aber er und sein Kollege ziehen sicht- und hörbar die Luft ein…

Bevor sie etwas sagen können:

„Ich war garnicht in Deutschland! Im Dezember und Januar war ich in Thailand und im Februar in Myanmar und jetzt bin ich auch schon wieder mehr, als zwei Wochen im Lande!“

Das war witzig vorgetragen. Und-

– geht doch!

Hab allerdings für den Wechselkurs nochmal einen Thunfisch 🐟 dreingeben müssen.

Die Idee für ein neues T-Shirt ist geboren:

🇩🇪I’m German!🇩🇪

Don’t worry,

wasn’t at home.

🌏

🐟🏝🐠

Freitag, 20.3.

Mit dem ’neuen‘ Bikini (der hängt schon seit Wochen auf der Leine und hat offensichtlich kein Frauchen mehr) gehe ich zum Geheimstrand.

Als erstes treffe ich Schlangi…

…die sich gleich in ihr Kästchen verkrümelt und lieb und ängstlich ausschaut.

Dann schnorchel ich rüber zum Jansom Beach und darf mal wieder einen blue spotted sting ray beobachten. Tauche auch ein bisschen runter zu ihm. Nicht zu nah!

Am Strand angelangt, während ich noch im flachen Wasser stehe, bedrängt mich ein kleiner Schwarm dieser SträflingsFischlein (schwarz-weiß gestreift). Die sind sonst immer ganz lieb. Jetzt ist mir komisch zumute, aber ich bleibe fasziniert stehen und beobachte, wie sie sich um mich herum formieren. Alle ganz nah, mit der Nase zu mir! Bis mich einer ins Bein beißt!

Trotzdem traue ich mich, mich am Strand, halb im brühwarmen Wasser liegend, zu sonnen.

Als ich weiter schnorcheln will, mache ich einen Riesensatz ins Wasser und ein paar kräftige Schwimmzüge. Einmal umdrehen: ha, hab sie abgehängt!

Ich schnorchle bis zu den Bamboo Huts, sonne mich wieder, gehe zu Fuß zurück, schwimme zur anderen Seite zur Sensi Paradise Bucht, wo man ein wirklich vor sehr langer Zeit versenktes Wrack ersnorkelen kann. Riesending.

Auf dem ‚Heimweg‘ entdecke ich diese nice ungebuchte Hütte in der Bucht.

Guter Platz, um auch am Tage zu malen oder zu schreiben. Weil Tischchen available. (Hab ich dann aber nie benutzt.)

Danach biege ich noch eben ins Resort nebendran ab, neue Wege zu erkunden.

Auch nicy, sone Hütte mit Meerblick,…

…aber scharf bewacht!

Duschen, eincremen (shit, natürlich mal wieder Sonnenbrand an den ehemals weißen Stellen), ruhen.

Im Starlight Restaurant gibts diesmal einen Squid für mich mit frischer Kokosnuss.

Zurück gehe ich die Treppe runter zu den zugehörigen Bungalows, wo ich schon mal auf einer Terrasse einen Platz auf einer Liege mit Auflage ergaunert habe.

Ob ich hier mal schlafe? Schön windstill.

Das war wieder mal ein richtig schöner Urlaubstag. Nach all dem Schnacken und Googlen über neue Infos und schwindende Möglichkeiten.

Samstag, 21.3.

Mitten in der Nacht wache ich schweißtriefend auf. Die Zimmertür ist zu!

Zum deliranten Klogang lasse ich sie natürlich auf. Ist wieder zu, als ich wieder komme.

Ein ausgedehnter unschöner Streit mit einer unausgegorenen Giftziege folgt.

“I have this FEELING, somebody could come” vs. “ich will nicht krank werden, nassgeschwitzt und lauter Fans machen Wind. Und bisschen Sauerstoff im Zimmer bei 35° kann doch nicht schaden”.

Ob wir auch langsam nervös werden? Ich auch?

Heute morgen bekomme ich von Anja den Spruch zugesendet:

„Hoffnung ist nicht der Glaube daran, dass etwas gut ausgeht.

Sondern es ist die Gewissheit, das etwas Sinn hat.

Egal, wie es ausgeht.“

Wie passend! Denn immerhin habe ich mich mal ordentlich gestritten, wie jeder vernünftige Mensch, habe unvernünftig argumentiert und auch den zwei anderen lieben Mensch im Zimmer den Schlaf geraubt!

Ich glaube, aus mir wird noch was.

15:00 Uhr. Habe mir gerade eine kleine Bambushütte außerhalb der Stadt, aber in Richtung Berge angeschaut.
Nach dieser Horrornacht fühlt es sich wirklich so an, als würde ich krank.
Unangenehmes Gefühl im Unterleib
Wackelige Knie.
Ab und an Fröstelschauer.
Mal sehen. Gelassen bleiben und in Ruhe dem Plan folgen.
[ ] Mango shake in der Stadt
[ ] Nach Boot zum richtigen Pier für Immigrationsamt fragen
[ ] Roland fragen
[ ] Picknicken
[ ] Einen guten Platz zum Ausruhen finden
Boot geht um 9:30, prima!
In meiner geheimen Bucht wird gerade Masse Laub verbrannt und Roland ist auch nicht da.
Ich schleppe mich weiter, darauf bedacht, schön langsam zu machen. Und auszusehen, wie jemand, der schön langsam macht.
Kein Anhaltspunkt vorher. Ich schleppe mich bis zum Podest. Die Liegen sind jetzt in der Sonne.
Also gibts mein Picknick auf der Treppe, wo immerhin mäßig kühler Schatten ist. Dann ruhe ich mich als „Schwarzlieger“ auf einer Bambusliege eines ungebuchten Bungalows aus.
Ich merke, dass ich seit Tagen einfach nur einen guten Platz für mich suche.
Oft google ich nach Unterkünften. Nicht nur hier auf Koh Tao, auch auf Phangan, Samui, in Krabi…
Ein bisschen Privatsphäre ist gleich mindestens viermal so teuer. Und meist nicht mal gut, schön oder praktisch.
Der Teil, der mit dem Ablauf des Visums nach Hause will wächst gerade deutlich.
Na, erstmal abwarten. Krank kann ich mich im Flughafen nicht blicken lassen.
Jetzt kommen Leute die Treppe runter. Höre sie die ganze Zeit schon reden. Erholsam ist das (schwarzliegen) nicht.
Schlage mich weiter durch zum Sai Nuan Beach, zu meinem Außenwohnzimmer

im günstigen nicen offenen Restaurant mit Meerblick, wo ich mit einem jungen Spanier spreche. Das Bungalow für 4000 Baht pro zwei Wochen. Also fast doppelt so teuer und ohne FS. Aber der Strand ist so schön. Und der Weg zur Stadt. Und die beiden lieben Restaurants und der SitzgelegenheitPavillon…
Und ein eigenes Zimmer!
Auf dem Heimweg durch den zivilisierten Dschungel muss ich teils das Handylicht anmachen. Nicht mehr so viel Batterieladung. Nu ruft Anja an. Habe heute Mittag beim Schwarzliegen rausgefunden, dass die BambooHuts freies Wifi ohne Passwort haben. Rufe ich Gunnar und Anja also von dort zurück und genieße die laue Abendluft und den Sternenhimmel inclusive Sternschnuppe.

Wir sind wieder zu dritt im Zimmer. Entziegt. Die Fansituation verbessert. Tür ist auf: Aaah!
Ich nehme zum ersten Mal wieder eine ganze Olumiant, weil das rechte Handgelenk sich seit Tagen schleichend bemerkbar macht.

Sonntag, 22.3.

Nach der kurzen Schwächelphase gestern Mittag gehts mir wieder prima.

Seit ca. 10 Tagen stehe ich immer so gegen 6:30 auf, wackele als Zombie zum Frühstücksaußenplatz runter, genieße die relative ‚Kühle‘ und geschäftige ‚Ruhe‘ des frühen Morgens und trinke erstmal einen Kaffe.

Wenn ich dann so langsam was sehen kann, male ich oft noch ein wenig.
Dann trudeln nach und nach die Mitbewohner ein und ich kann bei dem wunderbaren und reichhaltigen FS schön gesellig sein. Futtere bis Ende Buffettime einen Teller nach dem anderen. Und manchmal verquatsche ich mich noch mit einem Gast. Ist mir nur recht. Bis sich alles verstreut, ist es oft schon 11 Uhr oder sogar später.
Heute packe ich mir nach einem entspannenden AfterFrühstückSchlummer wieder ein kleines Picknick ein. Hm, aber ich hab nix, was satt macht.
Oh, gut, kauf ich gegenüber schnell a bunch of lecker lady finger bananas. Unterwegs der obligatorische Mangoshake, um die Hitze des Tages durchzustehen. So wackele ich zum ersten Mal den SaireeBeach entlang. SUP (Stand up Paddle Board) leider zu teuer.
Während meiner kleinen SchattenPicknickpause am Strand läuft mir der nette irische Alki aus unserem Hostel übern Weg. Weinflasche in der Hand.
„Trink nicht so viel in der Sonne!“
Ich will eigentlich garnicht so viel mit ihm und seiner netten Freundin zu tun haben. Des Odeurs und der Attitude wegen.
Nu sitzt er neben mir, wenigstens im Schatten, nach einigen knallsonnigen Auf- und Abläufen am Strand.
Und weint.
Sein Ziehopa ist gerade gestorben.
Seine nette Freundin kann allerdings seine Trauer nicht vertragen und hat sich verzogen. Da bin ich mal wieder ganz Mitmensch und hab für eine Weile ein Ohr für ihn.

Als er mir irgendwas erzählt von seinen Leuten, die in gewissen privaten Etablissements absteigen und ihn dabei haben wollten…hier unterbricht er sich selbst und sein ganzer Körper ist Ausdruck von Kummer und Abscheu…4 Tage…wieder eine Unterbrechung…4 Tage blieben die da drin…was sie diesen Kindern antun.

Mir wurde bei seinen Ausführungen unangenehm zumute.

Thailändische Mädchen werden offenbar immernoch zuhauf von ihren Familien zum Verkauf ihrer Seele in üble Spilunken geschickt. Damit sie ein wenig Geld nach Hause bringen.

Nur weiß ich nicht, inwieweit ich einem chronischen Alki gerade diese Geschichte inclusive emotionaler Rechtfertigungen glauben darf. Bald biege ich das Gespräch auf sicheres Terrain und finde einen Ausgang aus der Situation.

Dann laufe ich bis zum Ende des laaaangen Strandes, lege meine Tasche zu einer lieben jungen Mutter plus ein paar verbindende Putzerworte.
Und snorkel in Richtung der beiden kleinen vorgelagerten Inselchen, die ich eigentlich mit SUP erfahren wollte.
Zwei Ausstiege, bei dem dritten kratze ich mich an scharfkantigen Muscheln, die auf den Steinen kleben, weil es nichtmal zum Resort richtig gut raus geht. Schwimm ich noch um die Ecke. Aber seit dem ich mich auf dem Pier ein wenig warmgesonnt hatte, wird mir schon bisschen kalt im Wasser.
Ich schwimme zu einem schnorchelnden Jungen, der offenbar raus will und weiß, wo.
Der wird dann auch, im flachen Wasser stehend, von diesen barbarischen kleinen Sträflingsfischen gebissen. Aber erst nachdem ich meine Story zum Besten gegeben habe.
Und er nimmt mich stante pedes mit seinem Bike mit zum Strand.
Muss ich zwar wieder viel zurücklaufen. Aber immerhin ist mir warm.
Auf dem SchlenderSchlenderHeimweg, wieder am Strand entlang, treffe ich ein paar Mitbewohner und wir spielen Frisbee bis zum ultimativ schönsten Sunset der Saison.
Der Sairee Beach ist echt noch recht gut gefüllt. Ich wundere mich über die Zahl der Touris. Übrigens ist der ganze Strand deutlich anders als unser. Schön angelegt und viel touristischer. Ich mag ihn trotzdem nicht. Oder gerade deswegen.

Pause auf meinem heißen Stein.

Montag, 23.3.

Gestern hat mein (mittlerweile einziger, oh, schöne Ruhe!) Zimmergenosse von sich deutlich erhöhenden Fallzahlen auch in Thailand gesprochen.
André, mein Reisefreund aus Canada bricht jetzt doch seinen Aufenthalt in Australien ab und kehrt heim…
Gerade, als ich einen guten Flug für das Ende meiner Visumzeit gefunden habe, ruft er überraschend an.
Danach ist es auf einmal sehr leicht, mich zu entscheiden. Ich weiß garnicht genau, warum.
Flugs ist der Flug gebucht.
Ich habe noch eine Woche Urlaub bis dahin.
Und plötzlich fühle ich mich richtig fröhlich und wie erleichtert: die Würfel sind von meiner Seite gefallen und ich bins zufrieden.
Boot nach Surat Thani, Flug nach Bangkok und dann direkt nach FFM.
Ob mein Flieger am 1.4. (eine Viertelstunde vor Visumende) plangerecht abhebt, oder der Flug verschoben oder gecanceled wird…waaas mer ned.

Wird halt auch in ein paar Wochen nicht besser.

Ich frage mich ernsthaft: wie fühle ich mich eigentlich?
Bin ich relaxt oder panisch?
Ich denke, weder noch. Bin zwar im Allgemeinen gelassen, aber natürlich sitzt auch mir die dornige Corona tief im Nacken. Jedes Gespräch dreht sich darum, jeder Gedanke, jede Info, die ich ergoogele.
Ich sage mal so: ich fühle mich im Allgemeinen gelassen, stabil, besonnen…sowas.
Aber ich meine auch, da muss doch eigentlich Trauer und Verzweiflung sein, wenn ich an die Gesamtsituation denke. Kann ich nur faserweise, aber keinesfalls als Gesamtkostüm empfinden. Ist wohl zu groß, zu gewaltig, um mich an das Gefühl dazu heranzuwagen.

Max (der in Nepal gestrandet ist), Danke für deine Nachricht!
Hmhm, habe gerade vor deiner Sprachnachricht intensiv an meine Begegnung mit, ja, dem mütterlichen Schoß in Tenbuche/Nepal gedacht.
Hab ich dir erzählt, ja? Die weibliche Stimme, die sagte, es ist so, als wenn du in der Küche stehst und was kochst. Sieht dann auch zwischendrin chaotisch aus.
Und jetzt habe ich so gefragt: echt? Gilt das auch noch für diese Situation?
Da bekam ich die Antwort: ja, denn wir brauchen diesen schlimmen Augenöffner (und eventuell noch schlimmere) um von unseren unguten Gewohnheiten zu lassen und in Richtung Liebe und Mitgefühl umzudenken.
Ich hab es diesmal nicht in Worten gehört. Eher in so etwas, wie einem Gefühlsbild. Aber ich denke, ich habe es einigermaßen angemessen übersetzt. Und nun spricht du auch davon. Hast du es in etwa so gemeint?

Übrigens nennen die Sherpas Mt Everest Chomolungma, goddess mother of the world.

Und es macht keinen Unterschied, ob jemand Gott spielt oder ob das virus auf natürliche Weise entstanden ist.
Es folgt dem großen Plan.

Nach der Frage nach den Gefühlen zur Weltsituation haben sich bei mir offenbar Türen geöffnet und die Trauer kommt nach und nach mehr durch.

Ich habe gerade das Gefühl, wir haben so viel zu lernen.
Nicht verdrängen. Auch nicht drin versinken.
Aber wahrnehmen, was ist.
Liebevoll sein.
Ich denke, ich bin es und merke doch an jeder Ecke, dass ich geizig bin, auf meinen Vorteil bedacht…
Ich musste weinen, als ich zum Beispiel las, dass deutschland Frankreich unterstützen will und Russland Italien…
…während wir alle mehr oder weniger zu Alleinkämpfern mutieren.
Es ist noch kein greifbarer Gedanke reif in meinem Gehirn, meiner Seele. Aber mir ist klar, dass wir sehr viel zu lernen haben, uns anders zu verhalten.
War nach dem Essen im Außenwohnzimmer meines LieblingsBuchtRestaurants noch bei der jungen Gitarre spielenden BambooBungalowWohngruppe. Vielleicht passierte es, als ich sagte, ich hätte mich entschieden zu gehen.
Ich verlasse die Gruppe mit einem Gefühl, dass es ihnen wurst ist, ob ich noch da bleibe.
Du gehörst nicht dazu.
Vorgestern gehörte ich dazu, als ich nach dem Bungalow fragte, weil ich dachte, ich würde bleiben.
Vielleicht war es sowas, vielleicht war es aber auch das Gefühl, das ich ausstrahle. Nah am Schmerz. Das mag keiner.
Lieber trinkt man Bier und raucht Zigaretten.
Was der Grund war für mich, zu gehen.
Ich spüre so sehr, DASS ich anders bin. Aber WIE anders eigentlich?
So viele Nächte stundenlang auf den Steinen. Aber nach Sonnenuntergang waren IMMER bald alle weg.
Die Fahrradtouren, darüber habe ich im August schon geschrieben. Warum finde ich mein Lebtag niemand, der das mit mir genießt?
Es kann doch nicht sein, dass es niemand schön findet.
Immerhin läuft gerade jemand den nächtlichen Pfad entlang. Ich sitze übrigens gerade nah am WaldPfad auf einem großen Stein. Dort, wo ich mit Romke am Anfang mal ein Picknick hatte.
Und ein Schnorchler sucht mittels Taschenlampe die Fische im Wasser.
Es ist so ruhig.
Vorhin, als ich herlief, kam es mir gespenstisch vor, wie später nach dem Sonnenuntergang das grüne Komplementärlicht am Horizont.

Vielleicht ist es deshalb so gut, zu den Sternen hochzusehen, weil das alles hier unten den Lauf der Dinge da oben überhaupt nicht juckt.

Dann leuchtet ein Mann, wohl der Schnorchler, von einem großen Stein nahe der Küste und der teuren Ressort Bungalows zu mir hoch.
„Hello? Are you alone? You should go home. Its not save for a lady.“
„Oh, thank you, that you care for me. I feel save and the stone is warm. I will go home, soon. Don’t worry.“
Ich bin schon immer gerne nachts dunkle Wege durch den Wald gelaufen.
Und der Sternenhimmel ist auch heute Nacht wieder bei mir.
Er ist mir so bekannt und vertraut.
Es ist, als warte ich.
Auf ein Zeichen.

Ein paar Meter weiter mache ich Rast auf der Aussichtsplattform der Bamboo Huts. Hutflechteversuch mit einem Kokospalmenblatt, das ich mir auf dem Herweg zurechtgelegt hatte. Youtube Anleitung.

Dienstag, 24.3.

Langes FS, StrandSpazier-

und SchnorchelTag mit Natalia.

Incl. HutKurs.

Mittwoch, 25.3.

Langes FS, Telefonat 2 mit André. Orga.

Nachdem der Hostelmann auf meine Nachfrage immer noch keine Seife nachgefüllt habe, kaufe ich eine. Macht wenig Sinn, wenn er alle Zimmer desinfiziert und wir uns nach dem Klogang und überhaupt die Hände nicht ordentlich waschen können. Dachte ich so.

Telefonat mit Gunnar und Anja. Das ist immer schön.

Es heißt im ersten Landsleutebrief, der mich nach meiner Registrierung vor gut einer Woche erreicht, Thai Air stelle seinen Betrieb ab 1.4. ein.
Versuch, herauszubekommen, ob meine Flieger noch gehen.

Oft bin ich im Hintergrund traurig. Nun werde ich auch zunehmend nervös.
Im Ganzen kann ich noch gut gelassen bleiben. Aber ich fühle mich schon seit Wochen durchsetzt. Wie mit einem Pilzgeflecht, das sich immer weiter in mir ausbreitet und festigt.
Ich muss aufpassen, dass es mich nicht schwächt.
Hier und jetzt:
Mir geht es gut. Habe in den letzten zwei Tagen ein wenig Probleme mit einer anderen Handsehne gehabt. Aber nun auch meine Periode bekommen. Seit einiger Zeit eine gute Entschuldigung für etwas mehr Schmerzen, Emotionen, reduzierte Energie.

Donnersrag, 26.3.

Gestern und heute war ich garnicht wandern und schwimmen.
Heute morgen hat Fan, unsere Hostelfrau uns nach dem FS erzählt, dass wir nun nur von 7:00 – 19:00 Uhr draußen sein dürfen und dabei beständig Maske tragen müssen.
Später bin ich aufs Zimmer. Mist, wenn ich heute Abend zum heißen Stein gehe, muss ich nach Hause, bevor es abkühlt.
Mir ist es heute den ganzen Tag zu warm. Dann gehe ich erst nach 17:00 Uhr los zum Einkaufen (Strandmatte, damit ich mich auf den Flughäfen überall hinlegen kann. Lange Wartezeiten ohne Liegemöglichkeit werden mir schnell zur Tortur). Und zum Sonnenuntergang.

Tatsächlich denke ich nicht grad, ich platze vor Hitze. Aber es ist einfach zu viel und ich muss ja gerade da heim, wo es erst anfängt, etwas kühler zu werden.
Dusche hilft nix. Messe ich mal spaßeshalber Fieber. Ist 38.17 (rectal). Kann das von Wechseljahrshitze/ Periode und Überhitzung kommen? Bitte drückt mir die Daumen, dass ich nicht krank bin, wenn ich losfahre!
2 Tee, 2 Paracetamol, zwei kleine Wickeltücher, die ich abwechselnd überall auf dem Körper plaziere.
Ich bin nicht übermäßig nervös. Vertraue der Wirkung der Paras.
Ich fühle mich auch nicht wirklich fiebrig. Nur einfach super heiß! Vor allem zum Kopf hoch.
Der Hals ist dick und etwas gereizt, seit ich vorgestern mit Natalia lange schnorcheln war.
Mein Bauch is a Mess. Keine Schmerzen. Aber irgendwie voll und durcheinander. Wie an der Chi Nei Tsang Schulung, als ich auch meine Periode hatte.

Freitag, 27.3.

Hitzewanderung über die Haupstraße zur Shark Bay mit der Koh Tao left over Familie.

Der weiße gleißende MorgenStrand, nur dürftiger Halbschatten unter kleinen Bäumen…

Ich fühle mich von der Sonne bedroht. Und es wird ja zum Nachmittag hin noch viel schlimmer.

Außerdem mag ich nicht baden. Der grünen, heißen Brühe wegen. Und wegen einer wunden Stelle am Fuß.

Keine Abkühlung in Sicht. Kaum hab ich mich hingelegt…

…überkommt mich das dringende Gefühl, fliehen zu müssen.

Mein Plan: zu den Steinen am Ende des Strandes zu laufen, eventuell durch Wasser zu waten und den Pfad nach oben finden, der mich schon einmal nah an der Küste entlang und oft im Wald, nach Hause geführt hat.

Streckenweise ist es dennoch, wie durch Wüste laufen. An einem Bungalow tropft eine Wasserleitung. Ich stehe solange davor und drehe meine weiße Kaputzenbluse darunter, bis sie ganz nass ist. Komme mir richtig survivalmäßig vor.

Ah, da erreiche ich mein Außenwohnzimmer. Heute gibt es ZWEI Shakes. Erst Zitrone on Ice. Eine Nachmittagspause im Vollschatten der Bar und zum Dinner Cocosshake, wie immer. Einfach, weil es so schön ist, den kalten Krug in Händen zu halten.

Wie eine handvoll Hoffnung.

Ich verziehe mich heute ausnahmsweise schon etwas früher.

Und genieße den Sonnenuntergang, ganz alleine, auf der FotoShootingBank.

Ich möchte beten. In dieser Ruhe kommt der Schmerz hoch. Ich weine für mich und die Welt.
Habe das Gefühl, die so lange unterdrückten Tränen lassen meinen Kopf fast platzen. Jetzt erst recht, als sie alle auf Einmal rausdrängen.

Ich weine immernoch laut, als ich weiterlaufe.
Als ich den Picknickstein erreiche, bekomme ich mein Zeichen: ein großer Kranich fliegt auf, in Richtung Koh Phangan, Koh Samui. Und dann dreht er einige majestätische Kreise. Gewaltig schön anzusehen.

Den Rest des Heimweges fühle ich mich schon wieder ausbalanciert.

Samstag, 28.3.

Heute Orga- und Aufbruchtag.
Nach dem FS holen mich die Mädels erst noch zum Yoga auf dem Dach. Mein Zimmergenosse Pawel will es leiten.

Duschen, Wäsche, liegen, Lunch, liegen.
Da lese ich auch, das ist irgendwie gerade meine Bibel, mein PNI Buch. PsychoNeuroImmunologie. Ist mir neulich zufällig in die Hände gefallen. Ich hatte eigentlich was anderes gesucht. Komisch. Für dieses Thema interessierte ich mich schon so lange…nie was gelesen.
Nun beschreibt der Autor eine Studie, die besagt, dass die Teilnehmer, die täglich 12 Minuten Sa Ta Na Ma – Meditation gemacht haben, danach ein deutlich verbessertes Immunsystem (oder bestimmte Marker gegen Entzündung) hatten. Da leg ich doch mein Handy weg und probiere es gleich mal aus.

– Macht mich wirklich schön ruhig. Das wende ich jetzt öfter an.

Medizieren (Paracetamol, um beim FieberpistolenTest an Piers und Flughäfen nicht durchzufallen) und meditieren!

Das ist von nun an meine Reiseapotheke.

Abends laufe ich ein letztes Mal zum Sonnenuntergang an den Strand. Und nehme beim sonst gut besuchten Prawnee’s ganz alleine ein Dinner ein (dort hatte ich das Dankeschön Dinner mit dem deutschen Paar, das mir Geld abgehoben hatte).

Ein letzter Blick zurück.

Über die Zeit!

Sonntag, 29.3.

Letztes FS.

Die Tische sind über Nacht hoch auf den RoofTop gewandert.

Nur unser FamilienTisch ist noch da.

Abschied. Herzliche Umarmungen. Oh, meine Koh Tao Familie. Ihr wart mir ein guter Halt.

Koh Tao, 2. Woche

Donnerstag, 12.3.

Neues Mädel, Strandspaziertag mit Dinner am Sai Nuan Beach.

Vorher Kuscheltime mit einem süßen RastaWischMopp.

Es ist immer wieder schön, jemandem ‚meinen‘ Geheimstrand zu zeigen. Danke, lieber Nori.

Heute ist der 1.Tag, an dem ich die halbe Dosis Olumiant einnehme. Weil ich lange keine Schmerzen hatte. Das linke Handgelenk sieht wieder ziemlich gut aus. Belasten kann ich beide aber noch nicht.
Irgendwas passiert, kippt, sinkt in mir. Der Esprit.
Alles ist nicht mehr so bunt, der innere Stolz hat keine Kraft mehr. Hitzedepression kündigt sich an.

Freitag, 13.3.

Zimmertag.
Abends 1 h SUP, weiteres Training für die Arme, neben Schwimmen.
Dann hot stone, mein Lieblingsabendplatz.
Dennoch fühle ich mich traurig, alleine.
Mal abgesehen davon, dass die Kreditkate noch nicht da ist, würde ich gerne wieder aktiver werden. Meine Suche nach Gua Sha Kursen in Thailand ist frustran. Ich dachte ja, ich könnte so einen Kurs auf Koh Phangan, der Nachbarinsel machen. Finde aber nur Angebote auf Thai in Bangkok und englischsprachig nur in Chiang Mai. Da hat es neben der – wohl regelmäßig um diese Jahreszeit – immer brutaler werdenden Luftverschmutzung, satte 38°!

Immerhin gebe ich mir selbst eine ordentliche Massage für die rechte obere Extremität mit meinem GuaShaHorn.

Samstag 14.3.

Strandhopping.

Erst einmal auf der Hauptstraße quer über die Insel.

Dann an der Küste zurück.

Mir geht es wieder prima.

View point des View Point Resort, Blick zum FreedomBeach

Zwischendurch immer wieder Schnorcheln. Und abends bin ich wieder mal am Sai Nuan Beach…

Sonntag 15.3.
Mit Albin quatsche ich nach dem FS am Rauchertisch.
We get on well und plötzlich reden wir uns über alle Themen, die wir so auf Lager haben den ganzen Tag die Hucke voll. Inclusive spätem Lunch.
„Ich muss dringend auf Klo und was essen, weiß nur nicht in welcher Reihenfolge.“ Da ist es schon 14:30.

Albin unterscheidet zwischen Party backpackern und suchenden backpackern.

Ich aktiviere mich kurz vor Sonnenaufgang doch in die weite Welt hinaus und lege mich mal wieder für Stunden auf den Heißen Stein…

Auf dem Weg nach Hause:
Was machst du denn hier?

A bit hot, yah?

So ein liebes Schweinchen. Völligst tonusreduziert, grinst fein und schmatzt ab und an zufrieden vor sich hin.

Montag, 16.3.

Ich male morgens Andre fertig, gehe zum secret beach schnorcheln, hänge im Bett ab. Heißer Stein

Dienstag, 17.3.

Zum Test, obs geht und zur Sicherheit, weil die KreditKarte noch nicht da ist, tätige ich eine Western Union Überweisung an mich selbst.
Die letzten Tage habe ich dauernd Gespräche mit jedem, googlen nach infos. Bin unentschieden: verlängern oder heimfahren?

Es ist jedenfalls klar, dass wir nicht mehr weiterreisen. Kaum noch Länder offen.

Heißer Stein, kein Sonnenuntergang, kaum Sterne.

Ein Zimmergenosse steckt mir, dass der Brief (mit der Kreditkarte) da ist. Yepp! 😀

Mittwoch, 18.3.

Mit einem deutschen Mädel morgens vor ihrer Abfahrt an den secret beach. Die Sicht ist besser. Ein Wechselfisch: zwischen sandfarben mit braunen Tigerstreifen und natogrün mit hellblauen Punkten!
Tanz mit Nadelfischen.
Erster Igelfisch mit CamouflageMuster und riesigen Robbenaugen.
Roland aus Würrrzburrrch taucht auf. Er lebt seit dreißig Jahren auf der Insel und kostenlos in einem alten Bungalow – das Resort gehört wohl einem Freund – in der secret beach Bucht.

Lange unterhalten wir uns. Unter anderem springt für mich die Empfehlung dabei heraus: geh doch zu Johnny’s travel agency. Die wissen am ehesten alles über Visa und co.

Wieder im Hostel muss ich 5 junge Leute verabschieden. Unter anderem Albin.
Nach langer OrgaMittagspause bewege ich mich mal zur Agency.
Ok, ich gehe nächste Woche nach Koh Samui und verlängere von 1.4. zu 30.4. (Kann ich ja trotzdem jederzeit heimfahren, wenns pressiert. Aber ich hab dann auch die Optionen offen, zu bleiben.)

Heute gönne ich mir Super Tuna im Starlight am secret beach!

Die beiden ThaiMädels sind mit mir die einzigen Gäste im Restaurant.

———————–

Was bisher noch zu kurz gekommen ist:

Jeden Tag, andauernd, halten wir den Informationsfluss am Laufen. Morgens beim Frühstück, auf dem Zimmer, bei Strandspaziergängen…

…immer, immer wird darüber geredet: bleibst du, wohin gehst du, welche Länder sind gesperrt…der Flug gestrichen…etc. außerdem regen die Gespräche oft dazu an, etwas bestimmtes, wie Flüge oder auch zum xten Mal über Reisewarnungen nachzugooglen. Mal zu fragen, ob die Boote noch täglich alle Inseln und das Festland anlaufen, etc.

Ich habe mich am Montag, 16.3. in die Kriesenvorsorgeliste eingetragen. Allerdings bisher keine email zu aktuellen Reisebestimmungen in Thailand bekommen. Thailand hat im Moment nix dagegen, die Touristen zu behalten. Die meisten sind dennoch schon weg. Der Tourismus in Thailand war diese Saison eh mau. Koh Tao war allerdings in meiner ersten Woche noch recht bevölkert. Wegen der vielen Motorbikes konnte man kaum über die Straße gehen.

Wäre prima, ich könnte sagen: dieser Tage wird es schön ruhig. Ist eher spooky still ob des Grundes dafür.

Meine sich eventuell schnell ändernde Entscheidung zu diesem Zeitpunkt:

Ich bleibe noch bis Dienstag da und fahre dann mit dem Boot nach Koh Samui, wo ich im Immigration Center mein Visum vom 1.4. auf dem 30.4. verlängern lasse. Mehr geht zumindest unter normalen Umständen nicht. Eventuell fahre ich zurück nach Koh Tao. Ist doch nett, hier.

Ich tät ja auch gerne innerhalb Thailands reisen, ist aber überall noch heißer. Dieser Umstand (gefühlte 35° bei Tag und Nacht) erschwert mir ja auf Koh Tao bereits die aktive Tagesgestaltung. Ist keine Klage!

Ich genieße es in vollen Zügen, faul zu sein, solange ich davon nicht so abschlaffe, wie Schweini.

Wenn ich das richtig einschätze, bin ich trotz allem noch überdurchschnittlich aktiv.

Und ich bin noch lange nicht fertig mit Erholen. Wenn ich bedenke, in welchen desolaten Zustand mich die Ereignisse der letzten Wochen zu Hause versetzt haben. Und darüber hinaus, wie ungekannt ich noch Wochen und Monate danach auf stressige Situationen, wie der Aufenthalt in GroßstadtBahnhöfen, reagiert habe. –

Außerdem brauche ich lange, gute Zeiten der Ruhe, um die Überfülle an sich stetig ändernden Informationen, Gedanken und Optionen zu Entscheidungen auskristallisieren zu lassen.

Übrigens gebe ich recht wenig Geld aus. Die Übernachtung inclusive königlichem Frühstück…

mit täglich Bananenkuchen, täglich wechselndem weiteren Gebäck, Pancakes, fried rice, Möhrenstreifen und jeder Menge Obst (wobei ich mir 3-5 solcher Teller reinhaue) kostet gut 5€. Eine billige  Restaurantmahlzeit gönne ich mir am Tag und einen Fruchtshake (Mango oder Cokos, mmmmh!). Das macht nochmals ca. 5€ (Der Tuna war eine rühmliche Ausnahme, die ich auf jeden Fall wiederhole). Und dann etwas Picknick für die dritte Mahlzeit. Macht durchschnittlich etwa 15€ pro Tag und mit weiteren Extras (wie sündhaft teurer Sonnenmilch) 500€/ Monat. So, no worries.

Das Rheuma Medikament Olumiant reicht aktuell bis Anfang Juli, sicher kann ich es noch weiter strecken.

Die leere Packung könnte sich ja ebenfalls zu einem worse case entwickeln, falls keine Flieger gehen. Mache ich mir aktuell aber keine Sorgen. Zur Not gibts immer Cortison. Die Auslandskrankenversicherung, die erstmal bis 27.4. läuft, kann ich jederzeit vor Ablauf verlängern. Wäre ziemlich saudumm, wenn ich das vernachlässigen würde, right?

Koh Tao

Dienstag, 3.3.

Flug von Mandalay nach Surat Thani

Mittwoch, 4.3.

BankNerverei ohne Worte.

Superkurzgefasst: den ganzen Tag bis in die Nacht telefoniert, auch mit INGTelefonChefe (da kann ich Ihnen auch nicht helfen, obwohl ich mir gut vorstellen kann, wie es Ihnen jetzt geht. Ich nehme Sie heute Nacht auch sicher mit nach Hause. Sie haben doch onlineBanking. Fragen Sie doch eine Person Ihres Vertrauens, ob die Ihnen was abhebt…), als meine Girokarte, die nun eigentlich funktionieren sollte, gegen 22:30 Uhr dreißig nach unendlichen Versuchen in unzähligen ATMs plötzlich einbehalten wurde.

Mit zitternden Lippen stehe ich davor und versuche, zu begreifen, obwohl ich es nicht will.

“Nein…Nein!“

Jetzt habe ich gar keine Karte mehr. Und die neue VisaCard fliegt wochenlang nach Thailand…

Essen ist auch erstaunlich schwer zu finden.

Requiescant in pacem.

Vegetables? No have!

Dann eben Obsttag.

So golden gefallen mir die Flattermänner auch besser

Donerstag, 5.3.

Der 7:30 Uhr pPickUp kommt zu früh, dabei ist das kostenlose FS so wichtig! Mache ich mir noch schnell die zweiten 4 Toasts fertig.

Schedule ist geändert, erst der PickUp Mann sagt, wir fahren vom Pier in Surat Thani noch ne Stunde Bus.

Der Junge, den ich beim AufDenBusWarten treffe, geht auf der Winzinsel Koh Tao Volunteeren. Prima, neben SleepingOnTheBeach eine weitere Möglichkeit, Geld zu sparen und eventuell doch nicht zu verhungern, bis hoffentlich meine Kreditkarte ankommt.

Unser Schiff hopped von Koh Samui über Koh Phangan nach Koh Tao, anstatt direkt nach Koh Tao zu fahren. Fürs letzte Stück steigen Konstantin und Vivian zu. Im Laufe eines angeregten Gespräches erwähne ich bloß das Malheur mit den Karten. Konstantin gleich: ich helf dir!

Auf Koh Tao erstmal gemeinsam Kaffee trinken, Geld überweisen und von den netten jungen Leuten abgehoben kriegen ist eins.

Ich bin wieder reich!

Aus lauter Dankbarkeit lade ich die zwei natürlich für morgen zum Abendessen ein!

Freitag, 6.3.

Nori, der überdrehte ältere Japaner, der ein Bett neben mir schläft, zeigt mir heute nach dem FS den Zugang zu seinem Geheimstrand.

Netter InselErkundungsSpaziergang mit drei Schnorchelgängen.

Die deutsche Familie vom FS mit zwei zuckersüßen Hopsern treffe ich am 3. Platz, dem Sai Nuan Beach. Er isst Käse!!!! Schneidet Scheiben von einem ganzen Stück!!!

Wenige Sekunden später weiß ich, wos den gibt.

Nach einem Powernap zu Hause geh ich mal nach nebenan. Zufällig ist da die gleiche Bank, die auch meine GiroKarte verschluckt hat. Ok, ich kann die Karte auf der Weiterreise in Surat Thani abholen. Weiß garnicht, ob ich sie überhaupt haben will. Funktioniert ja eh nicht. Hab aber auch vergessen, meine Hostelschlüssel abzugeben… kann ich ja dann gleich beides erledigen.

Der Kunde nach mir ist Romke. Hat beim letzten Withdrawel seine Karte im Automaten vergessen. Da geht mein Helferherz natürlich auf. Sowieso und weil ich gerade noch so extrem dankbar bin, dass mir so unkompliziert und freundlich geholfen wurde.

„Ich würde dir ja gerne für dich was aus dem Automaten ziehen. Aber ich hab ja selbst keine Karte.“

Allerdings weiß ich, wie hungrig Geldlosigkeit macht. Und schwups ist Romke zum Sonnenuntergangspicknick mit Käse und zum Dankbarkeitsabendessen mit dem Paar Vivian und Konstantin eingeladen.

Schöner lustiger Abend.

Samstag, 7.3.

Ich lieg den ganzen Tag mehr oder weniger nur im Bett rum und schäle mich zum Sonnenuntergang

und einem späten Dinner aus den Federn.

Sonntag 8.3.

Zwei deutsche Mädels wollen mit mir motorbiken gehen. Aber ich traue mich weder zu dritt, noch selbst eins zu fahren.

Dafür habe ich girly Einkaufsglück, gehe schnorcheln und treffe mich später mit Romke, der mich über die Insel fährt.

In dem Kloster, das wir auf dem Berg entdecken, würde ich gerne volunteeren,

um den Drachen fertig zu malen.

Noch mehr schnorcheln. Ich sehe meinen ersten und recht großen Barrakuda und zwei Blaupunktrochen.

Das Wasser ist brühwarm und durch einen jährlichen (Plankton?)Strom von irgendwoher ist die Sicht nicht super. Es gibt kaum lebende Korallen. Und da wirken selbst die bunten Fische ausgebleicht. Schnorcheln ist trotzdem schön.

Zum Sonnenuntergang…

…haben wir ein nices billiges Dinner am 3. Strand.

Montag, 9.3.

GirlyTag. Chiara und Nina zeige ich den ganzen Tag (ab 11, oh, was trödeln die beiden lieben Mädels so!) meine Geheimstrände. Wir genießen die schöne üppige Natur.

Am ersten Schnorchelspot finde ich unter Wasser, festgezurrt an ein paar dieser kurzen fleischigen Wasserpflanzen, ein Bikinioberteil. Ich weiß nicht, was mich getrieben hat, es mizunehmen. Will am Strand gerade damit rumwedeln und meine Mädels fragen, wers haben will. Ein einziges Paar liegt am Strand. Da springt die Dame schon auf: „Oh, das ist meiner, oh Danke, ich habe ihn gestern hier vergessen und dann kam die Flut…“

Ein paar Minuten später schenkt sie mir ein Armband!

Sie war gerade dabei gewesen, es zu knüpfen. Eigentlich sollte es zu Hause auf Sardinien verkauft werden.

Dann gehts weiter in Noris Fußstapfen. Natürlich machen wir auch GirlyFotoSessions…

…und bleiben bis zum Dinner am dritten Strand.

Da sehe ich übrigens einen ordentlichen BlackTipReefShark.

Wir sind drei voll feine Singles. Was ist los mit euch Männern?

Dienstag, 10.3.

Heute mache ich endlich meine geplante ‚Wanderung‘ nach Au Luek. Auf die andere Seite der Insel.

Nervig, diese Bezahlstrände! Ich will garnicht an den Strand. Ob ich ohne Bezahlen durchlaufen kann, um einen anderen Weg wieder hochzugehen? Natürlich nicht!

Drehe ich mich kurz entschlossen auf den Fersen um – der steile Weg durch die brüllende Sonne ist jetzt viel kürzer – und finde, dank maps.me, den Pfad nach nebenan, hinunter zu den großen runden Granitsteinen. Da habe ich zwischendurch sogar eine hübsche Aussicht auf Ao Luek.

Ich stapfe durch verwilderte Natur…

…und finde ein verlorenes Paradies.

Ein eingewachsenes Restaurant und mehrere Bungalows mit Meerblick.

Der süße Matz bewacht die alte Küche.

Schließlich finde ich den alten Pfad nach unten…

…und habe einen nicen, ein wenig abkühlenden Swim incl. BabyShark.

Zum Nachbarstrand möchte ich gerne rüberklettern. Erst über die dicken runden Granitsteine dann über ausgewaschene Felsen. Ein Spalt…

…hindert mich nicht am Weiterkommen. Ich muss bloß recht lange nach der Stelle suchen, an der ich mich ohne weiteres rübertraue.

Leider ist der nächste Spalt echt zu groß. So muss ich mich mit der Aussicht auf Ao Hin Ngam…

…begnügen und zurückklettern.

Mein nächster Snorkeltrip geht bis in diese Bucht. Ich bin froh, dass meine Arme schön mitmachen. Übrigens habe ich die ganze Zeit, auch im Wasser, meine weiße Bluse mit Kapuze an. Ich habe nirgends so viele Menschen mit Sonnenbrand gesehen, wie auf dieser Insel. Bei paar 30° (nachts kühlt es runter auf 27°, aber nicht in unserem Dorm, weil seit zwei Nächten irgendein Trottel die Balkontür zumacht) ist es schon morgens um 8te angenehm brüllend heiß.

KokosSprossen

Kurz zu Hause, dann 4h mit Picknick auf einem großen Stein.

Außerdem ist Vollmond. Den besinge ich natürlich wieder. Zum dritten Mal in Thailand.

Mittwoch, 11.3.

Wunderbar: ein Tag gefüllt mit Nixtun.

Die Sonne zieht vorbei…

…mein zweiter Schattenplatz am Strand: ups…

…das soll man ja (‚aus nahe liegenden Gründen‘, jetzt weiß ich endlich, was das heißt) nicht machen. Muss ich noch mal Umziehen.

Vielleicht wollten mir die beiden nassen Stinkehunde genau das sagen, als sie plötzlich bei mir auf der Matte standen, triefend und sandig und mich so mit schief gelegtem Kopf anguckten: ‚meinste echt?‘

Heute am Tag habe ich mich erstaunt gefragt: ‚wie konnte ich es gestern Abend auf dem Stein 4 Stunden aushalten?‘

Jetzt bin ich wieder da, schon 2 h. Der Stein ist immernoch schön warm. Auf dem ruhigen Meer, das Wasser ist wieder wie Öl, dümpeln eine Menge Schiffe. Die Lichter der ‚Stadt‘ auf der anderen Seite der Bucht spiegeln sich in langen verzerrten Streifen im Wasser. Gedämpft weht LiveMusik herüber. Dieselben Lieder habe ich ein paar Abende zuvor schon einmal gehört, als ich nebenan aß.

Ab und zu weht auch ein laues Lüftchen, Wetterleuchten. Selten ein kleines Wellengeplätscher. Über mir der Orion…

Ich träume so vor mich hin, zufrieden, mit Käsegeschmack im Mund.

Und mag nicht heim.

Bagan

Montag, 24.2.

Genau mit meiner Ankunft im Hotel in Baghan, teilt Mingde mir mit, dass Ella verstorben ist und Lisa sie im Wald beerdigt hat.
Ich bin froh und auch sehr still. Es ist alles so, wie es sein soll.

Das Hotel ist staubig. Von außen, weil alles staubig ist. Und von innen, weil under construction. Überall liegt ein feiner Steinstaubschleier. Auch in meinem Dorm. Ich bin allerdings allein im Zimmer. Das ist gut.
Die Tür ist gleich an der Frühstücksdachterrasse. Aber die geht nach hinten raus. Bedrückend.
So laufe ich erstmal in die (touristische) Stadt und suche den Fluss. Und einen Platz, um in Ruhe an Ella zu denken.

Mir ist klar, dass meine Bilder die Wahrheit verschleiern. In Myanmar ist es nicht schön. Ganz und garnicht. Weder am Strand, noch am See, noch auf der Busfahrt (einzig die royal mountain forests von Kalaw waren hübscher), noch in dieser berühmten Stadt.

Wenn ich schöne Bilder mache, dann deshalb, weil ich die Nadeln im Heuhaufen finde.
Ok. Davon gibt es zugegebenermaßen einige.

Es ist so schön lau. Ich habe einen prima Platz mitten im weiten Sand ausgesucht, um zu mir zu kommen.

Telefoniere auch mit den lieben Eltern (O-Ton Mama: „Wann kommst du nach Hause?“ Könnte ich direkt weinen. So schön, das zu hören.), bis es längst dunkel ist.

Da wuselt was an mir vorbei. Eine Ratte?

Die HandyTaschenLampe bringt es an den Tag (kann man das so sagen, in der Nacht?)

Mit dem gleichen HandyLicht fädele ich mich umständlich wieder ins Stattleben ein.

Eine einzige Straße macht Touristress. Mit netten Einkaufsmöglichkeiten und hübschen aber sündhaft teuren Restaurants.

Es nervt mich, dass ich dauernd gefragt werde, ob ich dies und das kaufen will. Ich kann nicht eine Sekunde auf die Lunghistoffe schauen, ohne angelabert zu werden.

Dass es hier aufdringlicher zugeht, ist ja verständlich. Alles auf Tourismus ausgebaut. Und nu kommt keiner.

Dienstag, 25.2.

Am Sonntag früh mixte ich mir das Borax an. 1 Tl auf einen Liter. Und nahm seitdem morgens und abends einen kleinen Schluck.
Heute wache ich zum ersten Mal seit Monaten (seit der Pneumonie, aber ich hatte es auch auf der Radtour) ohne verklebte Augen auf. Dabei war es in den letzten Wochen so schlimm. Mir sind vor allem allnächtlich, aber oft auch tagsüber, die Augen ‚ausgelaufen‘. Mit so einem ollen klebrigen Schleim und Hautzellen und noch ein paar Dingen, von denen man nix genaues wissen will.

Der ganze Tag ist mal wieder der Geldbeschaffung gewidmet.
Gestern Abend habe ich bereits vergeblich versucht, am ATM vorm Haus Geld zu ziehen.
So wundert es mich nicht, dass es wieder nicht klappt und mache mich auf die Wanderschaft. Das nächste Hotel hat entgegen des Tips meiner Hoteldame garkeinen Automaten, aber ich werde zur nächsten Bank weitergeschickt. Am Automaten klappt es wieder nicht. Nein, in der Bank kann man mir da leider nicht weiterhelfen, hier gibts nix Bares. Die Straße runter sollen ‚ganz viele‘ Automaten zu finden sein.
Mir verhagelt es so langsam die Laune. Einer ist kaputt, dem nächsten tut es wieder leid…außerdem sind die Automaten nun auch nicht soo dicht beieinander.
Da, wieder eine Bank!
Wieder nix. Doch wollen sie mir drinnen helfen. Als es wieder (10 x am Handgerät versucht, übrigens auch die GiroCard) nicht geht, meint die nette Dame, ich solle meine Bank anrufen. Gut, dass ich einen Skypeaccount habe. Naja, hätte auch ne Sim mit Telefonie kaufen können. Aber komm da mal drauf in dieser Situation.
Ich meine, diesmal war alles richtig: ich habe eine Pin für meine Kreditkarte, das Konto ist gedeckt, die Automaten haben Internetanschluss…
Und ich hab bloß noch 10000Kyat (6€).
Ruf ich also meine Bank (mehrmals) an (mit den üblichen Problemen, wie Warteschleife, Nrn bereithalten…).
„Äh, tja, ich sehe hier, Ihre Visa ist gesperrt. Die müssen Sie direkt anrufen. Hier, die Telefonnummer. Die sind erreichtbar von 8-17:00.“ Und, wie spät ist es gerade zu Hause? Ah, nur drei Stunden warten. Das geht ja noch.
In der Zeit latsche ich zu einem anderen Hostel. Meins ist supermondän. Hätte ich ja nix gegen. Aber auch bisschen einsam. Ist ne zeitlang auch cool. Jedenfalls fand ich virtuell einen etwas günstigeren Dorm. Der wär real auch ok. Ich schau mir alles an (Dorm, Matratzen, Klos…Sogar eine Gitarre hängt draußen). In der OpenAirLobby sitzen vier nett wirkende Leute. Ich probiere am Schluss noch das WLan. Da brauche ich gutes, weil ich ja bloggen will. Checke ich also die 1BildHochladeDauer.
In der Zwischenzeit meint ein netter junger Backpacker, es wär ihm jüngst auch passiert.
Visa gesperrt ohne Hinweis per Email oder so.
Die Karte wär aber dann per Telefon instantan freigeschaltet worden.
Ich checke auf meinem Rundweg ein weiteres Hostel, das aber im Vergleich schon recht schäbig ist und auch kein besseres WLan bietet.
Den Rest der Zeit warte ich ‚zu Hause‘ und bin jetzt ziemlich zufrieden damit, hier meine Ruhe bei superbilligem Luxus zu haben (ich denke, manche Hotels haben extra einen billigigen Dorm, um in booking.com bei ‚Preis aufsteigend‘ ganz vorne zu erscheinen).
Aber ich bin supersauer! WAS SPERREN DIE EINFACH MEINE KARTE, OHNE BESCHEID ZU GEBEN!
Dazu wieder die elende Warteschleife. Die Dame am Telefon holt mich auch nicht gerade professionell runter, sondern reagiert ebenfalls gereizt. Schließlich hätten tatsächlich mehrere dubiose Zugriffsversuche stattgefunden. Und, ja, man hätte mir mehrfach geschrieben.
Hallo, ich bin im Ausland, sicher ‚weiß‘ die Karte das auch. Warum bekomme ich keine Email?
Ja, da müssen Sie eine Karte kaufen, die das kann…
Wie auch immer. Schließlich bekomme ich meine Karte für ein paar Minuten freigeschaltet und kann abheben. Für Myanmar bin ich schonmal gerettet.
Dann soll ich ING nochmal anrufen. Die sollen mir ja die neue Karte schicken.
Ich organisiere mir eine Tüte InstantKaffe, mein Kuchenstückchen und RestSchoki und mache aus einem FrühstücksHallTisch eine Office.
Wie lange dauert die Briefzustellung nach Thailand? Wo genau werde ich (für länger) sein, wenn der Brief (hoffentlich) ankommt? Reicht mein Geld (Restgeld vom letzten Thailandbesuch +100€) bis dahin?
Buchen, Anfragen, googlen…
Als ich den netten ING-Mann erreiche, kann ich wieder freundlich sein. Er entsperrt nach einem langen guten Gespräch (Was zur Folge hat, dass Skype sich beschwert, weil meine Kreditkarte den Anruf nicht begleicht.) meine GiroKarte. Und wir machen aus, dass er meine neue Visa nach Hause schickt, von wo Arno sie mir nach KohTao/Thailand ins Hostel schicken soll. Weil ich zwei Wochen Mindestwohndauer vorweisen müsste, wenn der ING-Mann es direkt schicken würde. Und auch den Postmann abpassen.
Außerdem kommt raus, dass Karten oft gesperrt werden, weil Auslandabhebungen getätigt werden. (Deshalb ist auch meine Giro in Südkorea gesperrt worden.) Als wäre es nicht normal, dass einer eine Reise tut.
Zur Sicherheit schreibt er mal auf, wo ich mich probably in den nächsten Monaten aufhalten werde…
Mann, Mann, Mann.
Ich hab Hunger.

Zum Dinner erhebe ich also meinen erschöpften Leib und motiviere ihn zu einer kleinen gemächlichen Runde um den Block. Das Essen im nächsten local Restaurant ist super lecker. Zwei Sträßchen weiter wandle ich unversehens durch ein richtig rural Dörflein. Ein Mann wäscht sich vor seinem offenen Haus. Traditionell mit SchalenDusche. Und Lunghi. Ein Dutzend wunderschöner großer Kühe, mit Pflanzenseilen an einem alten Holzgerüst angebunden, leuchten sanft im Abendlicht, ein Kälbchen versucht lieb, sein Gleichgewicht auf einem Häufchen aus Kieseln zu halten. Links davon eine Pagode, dahinter ein weiter Platz, Palmen am pastellorangenen Horizont. Alles sieht so wunderlich paradiesisch aus. Ich befinde mich in einem längst vergangenen Jahrhundert…

Gestern Abend und heute Morgen aufdringlich touristischer MoneyMoney Stadtbetrieb und dann dies…
…das, was nach dem EIGENTLICHEN aussieht.
Mir ist ob der Gegensätze schon wieder nach weinen zumute. Und ich fühle mich totmüde, noch ehe das letzte Abendlicht verloschen ist.

26.2. Mittwoch

Tempeltag mit E-bike

Aufstehen hat nicht geklappt, ich muss nach dem lecker FS nochmal schlafen. Schätze, gestern war anstrengend.
Gegen 10:00 Uhr leihe ich mir ein E-(motor)bike und los gehts.

Ich finde die Pagoden aus Backstein sehr ansprechend. Warum waren die eigentlich verputzt?

Die Antwort:

Viele Pagoden beherbergen einen Buddha oder auch vier, für jede Himmelsrichtung.

In dieser sieht man auch schön die recht gut erhaltenen Wandbilder.

Ich habe viel Spaß auf dem E-bike. Tausenden von Pagoden in dieser sonnig-sandigen Steppenlandschaft hinterherjagen. Ich lasse mir alle Zeit der Welt, um ein paar davon anzuschauen.

An den Treibsand unter den Rädern gewöhne ich mich schnell.

Der dumme BaganViewTower. 5$ wollen sie dafür, dass man da raufstapft. Die spinnen, die Baganesen. Hab ich natürlich nicht gemacht.

Auf dem Metallpodest unter dem rosa Busch links halte ich eine Siesta. Ja, es ist so sengend heiß, wie es aussieht.

Nachmittagsessen in einem hübschen Lokal an der Straße. Super freundliche Bedienung. Sogar an den Fisch, den mir der nette Mann credenzt (‚if you like?‘), traue ich mich: ein Taum!

Für insgesamt 1,50€

Lackwarenmanufaktur

Von den Handwerkshallen und vor allem den Ausstellungsräumen bin ich ziemlich geflasht. Der ‚Lack‘ ist eigentlich Naturplastik aus einem Gummibaum. Sie fertigen auch wahnsinnsdekorierte Möbel, wie Tische, Stühle und Schränke in dieser Technik. Die meisten Mitarbeiter sind Männer, die zärtlich die Materialien einmassieren. Die eigentlichen Künstlerinnen sind aber diese Mädchen.

New Bagan ist absolut nicht das, was ich mir vorgestellt hatte: eine aufstrebende aus dem Boden gestampfte Touribefriedigungs- und GeldausdenTaschenLeieranstalt.
Nee. Isn Dorf. Und richtig nett.

Der Sonnenuntergangsplatz auf den Pagodentreppen am River. Irgendwie denken die Baganesen nicht, dass ein Fluss für Foreighner interessant sein könnte. Ist alles sandig, müllig, trostlos. Dabei könnte es hier ruckzuck ganz nice sein.

Auf dem NachHauseWeg wirds dunkel, weil ich immernoch so trödele und an etlichen Pagoden Halt mache.

Hier, das Märchenschloss unter den Pagoden:

In dem netten local Lokal um die Ecke sitzt ein netter Mann, der mit mir eine Flasche Bier teilt. Und sich über die Tische hinweg mit mir unterhält.

„Es ist gefährlich für die Foreighner, Ebikes auszuleihen. Die meisten wissen nicht, wie das Licht angeht.“

Da beuge ich mich zu ihm rüber, soweit es geht: „Genau das war mein Problem!“

Hahaha, sind se alle belustigt.

(Hab ich schon angekricht, aber nicht so, dass es auch die Straße beleuchtet hätte. Der Hostelmann zeigts mir dann: Der Schalter ist auf der falschen Seite! Na, dort hab ich garnicht erst gesucht!)

Inzwischen quatscht der Biermann mit einem anderen Herren (da sitzen grundsätzlich nur Männer, wie abends in allen Lokalen).

Ich nur: „Lach jetzt nicht!“

„Der ist von der Straßenpolizei. Guck, das Auto…“

„Zu spät.“

Netter Abend.

Donnerstag, 27.2.

Schattentag: ich schreibe bloß blog und so und schleiche nur fürs Mittag- und Abendessen ein wenig draußen rum.

Freitag ist Freutag, 28.2.

Ebike!

Diesmal finde ich den abgelegenen Tempel, den maps.me als bekletterbar angibt. Tatsächlich kann man noch raufsteigen (ist nämlich verboten seit diesem Jahr oder so, weswegen alle Treppen versperrt sind. Und überall Jungs rumlungern, die einen für viel Geld zu einer bekletterbaren Pagode bringen wollen.)

Die Pagode ist nicht groß. Aber die Matalltür zur Dachtreppe tatsächlich nicht verschlossen.

Grotti wohnt hier im Dunkeln, sieht im Blitzlicht eher aus, wie Höhlenmalerei und wartet auch entsprechend lange, bis ich mit Fotografieren fertig bin.

Die (unbewohnten) Vogelnester, die oft zur Deko in Restaurants hängen.

Ich halte mich hier oben länger auf. Ein wirklich schöner Ort.

Ups, beim Raufsteigen hatte ich die übersehen.

Am Fuße einer der üblichen Buddhastatuen habe ich diese kleine Figur gefunden.

Sie irritiert mich sehr. Denn sie sieht eher nach Göttinnenkult aus. Lieg ich da falsch?

Dann gehts weiter.

Ein hübscher sleeping Bhuddha

Der fette Dhamma-yan-gyi Phato

Eine seiner Mauern taugt für einen prima Powernap.

Da braucht man schon etliche Minuten, um innen einmal rumzulaufen. Richtig abgefahrene Konstruktion aus dem 12. Jhd! Ist die gotische Bauweise eigentlich von denen zu uns oder von uns zu ihnen gewandert? Die hohen Spitzbögen und komplizierten Gänge. Etagen…aus recht kleinen Backsteinen. Echt gewagt.

Eine Treppe hatte kein explizites „Don’t go there!“ -Schild. Bin ich an dem Gitter vorbei natürlich rauf. Hab ich aber gleich bisschen bereut, weil steil und so…

Außerdem konnten mich ja oben alle sehen. Das war bisschen peinlich.

Pagode in old Bagan mit Flussblick

Ein ekliger BethelNussMitWeißerPasteInBlattWickelStand

Als ich den alten Mississippi-Dampfer entdecke, ist Mustafa schon auf dem Schiff. Hätte mich sonst garnicht hochgetraut, denn dort lebt eine Familie.

Htilo Minlo mit neuem Schirm

Samstag, 29.2.

Halbtagebike

Am ‚Hafen‘ erbarmt sich ein junger Mann und sammelt den gröbsten Müll auf eine Feuerstelle. Übrigens ist die Müllverbrennungshalde der Stadt ein wenig außerhalb. Macht keinen Spaß, auf der Straße, die daran vorbeiführt, zu fahren. So lange kann man garnicht Luft anhalten.

Klosterhöhle

Nachmittags gehe ich nochmal zu Fuß zu meinem Lieblingstempel.

Unterwegs versuche ich mal, die Hässlichkeit der Welt in Schönheit einzufangen. Meine neueste Idee.

In und auf meiner Pagode verbringe ich einige Stunden…

…bis die Sonne längst untergegangen und es stockfinstere Nacht ist. So lau, so fein. Ich unterhalte mich gut mit einem portugiesischen Paar (das, wie die anderen von einem Guide hergeführt wurde). Und genieße noch einige Minuten in Stille, als sie gehen.

Ich müsste jetzt garnicht weiterreisen. Mittlerweile finde ich, dass Bagan der schönste Ort in Myanmar ist.

Sonntag, 1.3.

4:25 Uhr klingelt unverschämterweise mein Wecker. In 18 Minuten, 2 Minuten zu früh, bin ich unten in der Lobby. Der nette Hotelmann fährt mich mit Ebike zum ‚Hafen‘.

Nach langer Zeit, die wir auf den SchiffsStühlen dahindämmern, wird es endlich hell.

Eine supernette und relaxte Fahrt (12Stunden). Mit nur 4 weiteren Gästen auf dem mittelgroßen Schiff.

Mandalay ist keine Reise wert.

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Erkenntnisse Myanmar

Ich denke viel über Manipulation nach.
Zwei Themen haben es angeregt. Zuerst das supergiftige Borax, dann der vermaledeite Coronavirus.

Wenn ich Berichte von den Boraxgläubigen lese, denke ich, ihre Behauptungen stehen zum Teil auf Treibsand. Aber das offizielle Sicherheitsdatenblatt, aufgrund dessen Borax nahezu weltweit nicht mehr verkauft werden darf, ist sogar dumm.
Aber es wirkt. Auf der ganzen Welt.
Genauso der völlig harmlose Coronavirus. Alle Welt ist in Panik. Wegen jeder Grippe infizieren sich und sterben mehr Menschen.
Es ist nur Politik. Und schwächt in diesem Fall China und Südostasien. Ja, sogar NepalUrlauber sagen deswegen ab. Wegen eines einzigen Krankheitsfalles!

Die beiden Geschichten bringen mich dazu, darüber nachzudenken, wie viel wir außer dem manipuliert weden?
Wo bleibt da das Vertrauen?
Wenn ich einkaufe, will ich wissen, ob gesundheitschädliche Stoffe dabei sind.
Best Naphtalene balls…

…werden in Myanmar offenbar noch in Massen verkauft. Aber der Käufer denkt sicher, er hat ein prima Produkt gegen Motten. Wiki sagt, das hilft nichtmal.
Aber das Internet sagt auch, Borax helfe nicht so gut gegen Pilze (z.B. Fußpilz) und sei dabei giftiger, als die Medis, die man in der Apotheke kaufen kann.
Wie auch immer. In der Mudita School wird trotz unseres dauerhaften Murrens immernoch mit Klamottenwaschpulver Geschirr gewaschen. Weil es billiger ist.
Und es enthält auch kein Perborat mehr.
Dafür Benzolsulfonsäure. Und das ist gemäß dem Sicherheitsdatenblatt, ebenfalls von Merck, wesentlich giftiger für Ratten. ‚Bei Verschlucken starke Ätzwirkung des Mundraumes und des Rachens sowie Gefahr der Perforation der Speiseröhre und des Magens.‘ Hallo, bei einem ph-Wert von 2.
Traurig ist das.

Mudita, 5. Woche

Mittwoch, 19.2.

Ich treffe Matteo wieder! Zu einem Dinner beim InderMyanmaresen. Er musste seine Pläne ändern und ist unversehens in der gleichen Stadt. Was für eine Freude!

Ein netter Abend, obwohl er erkältet ist und ich total fertig.

Ella geht es immer schlechter und nun ist auch noch Ivi aufgetaucht. Ein anderes kleines Hundchen, das plötzlich von ein paar Mönchbuben angeschleppt wurde. Ivi macht alle nervös und mich k.o., weil er dauernd zu mir herläuft, winselt, was will, Ella stört, vor allem beim Essen und ihr alles wegisst, er beißt sie auch (genauso, wie der große Psychodog, den die anderen, als er noch klein war, Dramadog getauft hatten, wie ich kürzlich erfuhr. Psychodog kommt auch dauernd her, macht alles kaputt, was ihr zwischen die Zähne kommt. Zum Beispiel die Bambusmatte auf der Terrasse, die Matratzen, die einige draußen als Yogamatten missbrauchen. Ich lasse nix mehr draußen liegen. Schon garnicht meine Schuhe. Außerdem beißt auch sie Ella, wenn sie spielen, immer fester, bis Ella knurrt und richtig hinterherbeißen muss, damit Psychodog aufhört.)…

Und nun ist Ella viel zu schlapp um sich zu wehren. Ich werde so WÜTEND!

Donnerstag, 20.2.

Ella und Yvi mal friedlich

Ella ist sehr schwach. Dennoch steht sie plötzlich vor dem Bad und schaut mich genauso auf erbarmungswürdig wackeligen Beinen an, wie sie auch auf der Straße stand und schaute. Dann, in meinen Armen, atmet sie sehr hart.

Es ist schrecklich mitanzusehen. In den folgenden Stunden ist mir 100% klar, sie stirbt in dieser Nacht. Ich lege sie so zwischen meine Beine, dass die Rippen den besten Raum haben, sich zu weiten.

Wir sitzen vor dem Badhaus auf einem kleinen Plastikhocker und schauen beide der Sonne beim Untergehen zu.

Der Himmel wird rot.

Bald wird Ella so schlappi. Nur Fell und innen Schlamm. Keine Knochen, keine Muskeln. Ich singe ihr stundenlang Mantras vor.

Sie hat garkeinen Tonus und verliert zuerst Wasser, später mehrfach Stuhl.

Irgenwann wird es so kalt und spät, dass ich ins Bett muss. Ich wickle Ella fein in beide Lunghis, Schnüffeldeckchen und Bausack und lege sie in dieser wärmenden Packung in ihr Kartonhaus.

Mitten in der Nacht fiept sie und ich gehe raus. Da steht sie auf, wie ein Zombie. Schüttelt sich und wackelt ein paar unbeholfene Schritte. Ich halte sie eine gute Weile lieb im Schoß. Dann gehen wir wieder schlafen.
Am Abend, als ich Ella begleite, müssen wir über offenbar dicke Boxen irgendwo im Dorf ein scheußliches Hörstück anhören. Müssen wir das hören? Oropax helfen nicht viel. Die ganze Nacht bellen Hunde, Ivi und Ella fiepen.

Freitag, 21.2.

Do und Fr so früh, gegen 4e, diese scheußliche RadioPropagandapredigt laut fürs ganze Dorf.

Was soll ich lernen. Aushalten oder abhauen?

Ich drücke die Oropax tiefer in die Ohren. Hoffe auf ein kleines bisschen Ruhe.
Nach dem Wahnsinnsdelir liege ich morgens lethargisch im Bett.
Als ich endlich die Stöpsel rausnehme, zwitschern Vögel.
Ich muss wieder weinen.

Da bewegt sich was an meinem Bein. Es ist Ella.

Die nächsten Tage ist Ella schlappi, müde, aber stabil und isst auch ab und wann etwas.

Stove mit Pipes zum Tank ausprobiert: keine Zirkulation. Der Tank muss höher!

Matheo kommt zu Besuch und bringt Rene mit. Ich zeige ihnen unseren Stove und die Kloster-Höhle. Dann essen wir im Bamboo Garden, unserem klosterschuleigenen Restaurant.

Anschließend tragen wir BetonSteine hoch, die wir unter den Tank schieben. Nee, so können wir den Ofen nicht befeuern, die Pipes stehen nun viel zu sehr unter Spannung. Ich hätte sogar gerne eine zweite Reihe Steine eingesetzt zur nächsten Probe, ob das Wasser nun zirkuliert.

Somit ist mein Projekt abgeschlossen. Denn Michael kommt erst am Donnerstag wieder, um die Pipes zu verbessern.

Ha! Da haben wir noch schön Zeit für Kaffe auf der AnnaKuti Terrasse. Dann muss Matteo zu seinem Bus.

Der Rest des Nachmittags bleibt relaxt, ich kann in Ruhe mit einigen Leuten quatschen und mache ein Rehearsal mit Zaw. Er liebt ‚Heaven‘ von Bryan Adams.
Zur Nacht ein letztes Lagerfeuer mit bisschen Gitarrenmusik mit Zaw und einigen anderen.

Ella ist schwach, aber brav.
Mingde versucht, Yvi wegzubringen, aber er kommt immer wieder.

Auch Mingdes Idee: rund um Psychdog regnet es Steine, damit sie sich nicht mehr wohlfühlt hier. Wirkt ziemlich gut. Sie kommt seltener her.
Dann bringe ich Ella Essen und Yvi kommt zuerst aus der Hundebox, dreht Ella dabei völlig trampelig wie eine Wurst herum!
Ich sperre ihn in seine Box, die ich kurzerhand mit Tape schließe. Und weit hinters Haus trage. Er ist dick genug, um die Nacht dadrin zu bleiben.
Aber er denkt, es ist ein Spiel „escape the box“ und steht bald wieder auf der Matte, ohne Mux. Ich stopfe ihn wieder rein, das Loch war echt klein, ich muss es erst aufschneiden. Und klebe diesmal ordentlich zu. Natürlich lasse ich noch genügend Luft.

Ich will heute Nacht schlafen!
(Nicht nur) heute war ich schon einige Male stinkwütend auf Ivi. Ich hätte ihm den Hals umdrehen können. Ich fühle, dass ich echt morden könnte und mich richtig zurückhalten muss. Auch, ihn nicht mit dem Fuß gewaltvoll wegzutreten. Stattdessen habe ich ihn dann ein paar Mal in die Box gesperrt. Aber nicht ernsthaft mit Schnur zugemacht. Sicher denkt er deshalb, es ist ein Spiel, weil es leicht war, zu entkommen. Aber warum denkt er, und auch Psychodog, er kann immer wieder zu mir kommen, happy schwanzwedelnd, nach Kuscheln oder Futter heischend? Ich war nie nett zu ihm.

Yvi hat in der Nacht so gefiept, dass irgendjemand ihn wohl rausgelassen hat. Dann hat sich offenbar Lisa erbarmt und ihn zu ihrer weit entfernten Kuti mitgenommen (von da kam Yvi auch schon öfter wieder zu uns).

Samstag, 22.2.

Von Lisas Hausgenossin höre ich: „The dark box, this is traumatising dogs…“

So ein Satz bringt mir nix. Ich hätte vorher echte Unterstützung gebraucht.

Die anderen finden die Puppies teils süß und nehmen sie mal auf den Arm. Aber kümmern tat sich niemand. Lisa, die YviMama sein wollte, ist grundsätzlich nicht erreichbar.

Und mir ist alles zu viel.

Gegen halb 12 verlasse ich das Terrain mit Sack und Pack um mit dem Radel in mein Hotel in Nyaung Shwe zu fahren. Super, ich kann, wie erhofft, früh einchecken.

Dieser Tag ist der Sauberkeit und Ordnung gewidmet.  HEIß duschen, aaaaah! Mit FLIEßENDEM Wasser! Eine Wohltat!

Wäsche: mal richtig in der Maschine waschen!

Heute gebe ich meine Wäsche in die laundry. Der Mann dort verkauft auch Silber. Da frag ich sofort nach Borax.

(Andre, den ich in Chiang Mai getroffen habe, hat mir ja wärmstens empfohlen, mal darüber nachzugooglen. Borax gegen Entzündungen (Rheuma) und Pilze…)

Nee, der WäscheMann lötet nicht, reinigt nur. Mit Alaun und Seifennuss macht er das im Feuer oxidierte Silber schön hell.

Für abends zum WäscheAbholtermin will er aber einen Termin mit seinem Bruder machen. Der ist der Goldschmied. Wir quatschen dann lange rum, ist es wirklich Borax? Kann ja kein Englisch. Nur der Wäschemann ein bisschen. Es stellt sich raus, dass das Mineral wirklich unter Feuer schmilzt und er verrät mir, dass man es auch benutzt, um Reiscracker schön blasig zu kriegen. Na, dann kanns immerhin nicht (super) giftig sein. Und Borax schäumt auch. Macht man ja Seife von und Isolierschaum.
Am Ende sollte ich nix dafür bezahlen. Da steht zum Glück seine Frau mit Baby im Arm hinter mir, als ich mich hilfesuchend umsehe. Kriegt das Baby was für lecker Essen. Kann sonst noch nicht viel, aber nach Geld greifen und lieb lächeln geht schon.
Da sind alle froh.

Mal sehen, wies wirkt.

Sonntag, 23.2.

Ausflug zum Tofu Palace mit Rene. Ich habe lange überlegt, ob ich ihn mitnehme. Gestern beim Dinner hat er sich ordentlich daneben benommen.

Dann habe ich mir gedacht, dass ich durchaus routiniert seine doofen aufdringlich-vereinnahmenden Annäherungsversuche abfedern kann und habe mich FÜR Geselligkeit entschieden.

Unterwegs hüpfen wir kurz in die Hotsprings. Nice!

Und was für eine Überraschung auch. Ich wusste garnicht, dass die Hotsprings auf dem Weg liegen. Wir haben beide zufällig Tücher dabei, mit denen wir baden können.

Tofu Palace

Yam hatte einst die prima Idee, Touristen durch sein Dorf zu führen, das in trationeller künstlerischer Handarbeit leckere Snacks herstellt.

Man darf von allem probieren…

Hier werden die superleckeren Chickbean snacks gebrutzelt.

Die sticky Ricecracker…

…werden in den heißen Steinen ganz schön puffig. Mit Borax?

So viel Zucker! Die rechteckigen Platten sind Rohzucker aus Zuckerrohr.

Noch mehr Zucker: die kleinen Kringel sind voll mit triefendem Syrup

100% Zucker! Für handgeknotete Bonbons.

Zum Glück gibts danach eine Reisweinprobe. Selbstgebraut, versteht sich und superlecker. Allerdings traue ich dem Gerät nicht wirklich über den Weg. Methanol macht blind…

Übrigens stellt man im Dorf auch die leckeren Sonnenblumenkerne (in Schale) her: sie werden mit Ingwer, Knoblauch, Salz und Zucker gedünstet und dann draußen auf Bambusmatten getrocknet.

Nun endlich der Chickbean Tofu:

Der vorher fermentierte Sud muss stundenlang überm Feuer gerührt werden.

Als wir den stinkigen fermented SojaTofuplättchen beim Trocknen zusehen, fängt es unversehens an, zu regnen.

Schön warmer Regen. Trotzdem bricht hektisches Treiben aus und wir helfen den Dörflern beim Einpacken.

Zum Abschluss Snacks und lecker lecker Tofusalat im Tofu Palace.

Proppevoll mit Snacks und Eindrücken machen wir uns auf den Rückweg.

Unterwegs gibts Kaffe und das angebotene Eis ist zu tempting…

Wir sind superhappy mit unserer kleinen Tour.

Zum FarewellDinner habe ich meine Leute ins nahe local Restaurant eingeladen. Da verkaufe ich auch mein Rad an Jess.

Alles erledigt. Morgen kann’s losgehen:

Kaddi wieder on tour!

An dieser Stelle möchte ich mal stichpunktartig zusammenfassen, was ich nicht in Ordnung fand in der MonasterySchool. Und ein wenig beschreiben, wie der Alltag war.

Minus –
  • Luftverschmutzung (betrifft ganz Südostasien): oft konnten wir die Berge auf der anderen Seite des schmalen Sees überhaupt nicht sehen. Selbst der nächste Hügel war oft halb im Dunst verschwunden. Jeden Tag brennen die Leute Felder oder Gebüsch ab. Dazu wird mit hochverschmutzenden Brennstoffen gekocht. Was zu erhöhter Kindersterblichkeit führt. Von 180 gemessenen Ländern schneidet Myanmar am 171 schlechstesten ab. Unsere überdachte Outdoorküche war schwarz vor Ruß. Neben den Feuerstellen haben wir (warum auch immer: mit Wäschewaschmittel) abgewaschen. Ich verstehe nicht, wie man in dem beißend ätzenden Qualm den ganzen Tag arbeiten kann. Warum werden eigentlich keine Solarkochstellen verwendet? Wichtiger Faktor: Plastikmüllverbrennung
  • Projekte: viele Volunteers waren nicht mit ihren Aufgaben zufrieden. Es wurde viel mit Zement gebaut. Zum Beispiel Pfade und Treppen. Wir wurden auch nicht nach unseren Fähigkeiten befragt (zum Antrag gab es einen Fragebogen darüber. Aber es interessierte niemanden). Das gab allgemein Unmut.
  • Prioritäten: viele Volunteers verstanden nicht, warum wir diese Dinge bauen sollten, besonders die Arbeit an der Höhle von Mokkhita, die nur für Darkretreat bestimmt war. Während die kleinen Mönche keine Betten haben, also direkt auf dem Boden schlafen und allgemein schlimme hygienische Verhältnisse hatten. Viele Kinder hatten Kopfhautpilz. Und teilten ihre Rasierklingen(!). Niemand stoppte das.
  • Clinic room: ich war an drei Morgenden dort. Dann hatte ich genug gesehen.
  • Müllproblem: einige von uns sammelten den Müll aus dem Bach. Vor der Schule ist ein Kiosk. Die Besitzer meinen, ein Fluss sei dazu da, den Müll wegzutragen. Da hilft auch ein Mülleimer, der von der Schule geleert wird (theoretisch), nix. Hinter dem Kiosk kommt direkt die kleine Brücke zum SchulGelände. Die Kinder kaufen was und schmeißen den Müll in den trägen Bach. Fast noch beschissener finde ich, dass die Essensreste aus der Küche (vermischt mit Plastikmüll) auch dort landen. Das fault natürlich. Weswegen ich mir gleich einen Herpes eingehandelt hatte. Ich habe ein paar Tage später wieder hinunter in den Bach geschaut. Traurig, das.
  • Hunde: dutzende auf dem Hof, alle krank, niemanden kümmerts.
  • Ort: ohne Rad ein Gefängnisgefühl. Zu weit weg, um mal in die Stadt zu gehen. Mein Projekt war außerdem meistens bei unserem Haus, das abgelegen auf einem Hügel war. So hab ich kaum Kontakt mit den Kindern gehabt.
  • Mokkhita selbst wirkte sehr freundlich, war aber nicht verbunden. Wie ich fand, weder mit uns noch mit den Kids. Einmal haben abends alle Kids kleine Theaterstücke aufgeführt. Richtig mit Bühne und so. Die Dorfeltern waren auch da. Alles superlieb. Jaime und Mokkhita haben als einzige auf Stühlen gesessen (während alle anderen standen). Es war dann zwar Jaime, der zu allem Überfluss noch gelacht hat und jovial mit der Hand gewedelt: könnt ihr mal beiseite gehen, damit wir was sehen…
Kam mir vor, wie der König mit seinem Berater. Doppelplusungut.
Dazu residiert Mokkhita auf dem Hügel, am weitesten abgelegen in seiner Luxuslehmkuti mit Kaffemaschine und Internet, ganz neuem chique desighntem und auffallend accurat gearbeitetem augenförmigem Lagerfeuerplatz (mit augenförmiger Betonsitzmauer für mehr als 20 Leute, weswegen wir jetzt immer mittwochs hier am Lagerfeuer sitzen, anstatt in der Meditationshall) und kreisrunder Yogaplattform mit Blick auf den InleSee.
Ja, und die Höhle gleich nebendran ist auch bald fertig. In einem Dammatalk, bei dem es mal wieder um die Hinderungen zu tiefer Meditation ging (zum Beispiel Unruhe, Zweifel, Müdigkeit: Zustände, die auftauchen, bei dem Versuch, sich in Meditation zu versenken.), hab ich Mokkhita mal gefragt, ob der Wille zur Macht auch eine Hinderung sei. Mokkhita redet ja gut und er kam in zwei Sätzen darauf zu sprechen, dass dem Machtwillen immer ein Drang zur Kontrolle zugrundeliege. Darauf ich: na, wenn Meditation LOSLASSEN ist, dann ist es ja das Gegenteil von Kontrolle!
Ich weiß nicht, ob er verstanden hat, dass ich ihn meinte, mit dem Machtwillen. Vielleicht habe ich wenigstens einen Samen gelegt.
Was ich richtig genossen habe: +
  • Kontakt: wir waren um die 30 Volunteers. Teils Locals. Es war sehr leicht, mehr oder weniger guten und tiefen Kontakt zu haben.
  • Job: speziell in den letzten Wochen mochte ich mein Projekt und ich verstand mich super mit einem meiner beiden Kollegen: Nano. Michael war auch nett.
  • Umgebung: die KlosterHöhle mit der warmen Ausstrahlung und den vielen Buddhastatuen war in nur 5 min zu Fuß erreichbar. In 15min war man auf dem ruhigen Haushügel mit Sonnenuntergangs- und Seeblick. Ohne Luftverschmutzung wäre es sicher eine super Aussicht gewesen.
  • Lagerfeuerplatz an unserer Kuti: ja, auch wir haben verbrannt.
  • Allgemein: es gab gefiltertes Wasser und drei Mahlzeiten pro Tag mit Reis und Gemüse von unterschiedlicher Qualität.
19:00-21:00 Dammatalk (sehr interessant), Meditation und sagen, was wir heute gemacht haben (langweilig, mit einem Hauch Kontrolle)
Das Programm hat nicht viel Freizeit gelassen. Außerdem hatte ich mich um Ella zu kümmern und ihr oft was kaufen müssen. Zum Beispiel alle zwei Tage Milch. Allein durch den Tagesablauf war ich ziemlich unter Druck.

Mudita, 4.Woche

Dienstag, 11.2.

Unser Ofen ist fertig! Die nächsten Tage werden den Rohrverbindungen gewidmet. Unterdessen kann die LehmZementwand schön trocknen.

Mittwoch, 12.2.

Traum von einem VogelStrauß, der sich in der Hüfte teilt. Ich finde ihn total eklig und renne heim, aber er schiebt sich auf seinen zwei Beinen irgendwie zum Eingang. Ich renne nach hinten ins Haus und habe Angst, dass ich ihn nochmal sehen muss, geschweige denn, ihm begegne.

Bin sehr lange wach.
Denke, der Vogel symbolisiert meine Spaltung und die Schattenseite, die ich nicht sehen will.
Ich träume nochmal, in Richtung Annahme, kann mich aber nicht erinnern.

Donnerstag, 13.2.

Heute Nachmittag will Max mit mir eine Stunde Theta healing machen. Um mir zu zeigen, was das überhaupt ist. Außerdem habe ich schon seit Tagen im Kopf, dass ich ihm etwas erzählen möchte:
Ella hat jeden Tag mindestens morgens, meist jedoch ein paar Mal am Tag Balley Time.
Als sie mal so auf meinem Bauch liegt, ganz entspannt, ganz ruhig, läuft plötzlich ein Film in mir ab. Was, wenn Ellas Mutter sehr stolz nach Hause kam, um ihre Welpen dem Besitzer vorzustellen. Dieser aber mit großer Wut reagiert, die Hundekids wild entschlossen ins Auto packt und weit entfernt in den Straßengraben pfeffert.
Vielleicht hat dieser ‚Film‘ nur eine Sekunde gedauert. Genau in diesem Moment schreckt Ella hoch, der Kopf auf dem kerzengerade gestreckten Hals 100% Aufmerksamkeit und Aufruhr. Ich bin mir sicher, sie hat das gleiche gespürt.

Außerdem würde ich ihm gerne von meinen Gedanken über die ‚Hölle‘ berichten.
Neulich habe ich plötzlich gesagt: ‚Ich komm ja aus der Hölle.‘
Ich habe überhaupt nicht gedacht dabei. Max hat sofort sein Gesicht verzogen und gesagt: „Sag sowas nicht. Mach: ‚cancel“.
Das hat mich dazu veranlasst über Hölle und Gut und Böse nachzudenken. Ich glaube, Hölle und Himmel ist bloss erfunden. Wahr sind die Schattenseiten, die wir verdrängen. Ich denke, dass ich das meinte, als ich sagte, ich komme aus der Hölle.
Früher war Hölle, Höhle, dunkel… das gleiche, oder?.

Ist überhaupt krass: wir werden aus dem Paradies vertrieben, weil wir vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse essen. Und dann labert man uns mit Himmel und Hölle voll. (Übrigens auch im Buddhismus.) Das ist auch wieder nix anderes als eine Wertung. Wohl sogar die krasseste Wertung überhaupt. Und die Indianer sagen…nee, ich meine Buddha sagt, du wirst nur glücklich, wenn du mal das Werten sein lässt und das Streben nach Glück…

Ich denke, wir haben Schattenanteile, die wir tief ins Dunkel verdrängen und unsere geliebten Lichtanteile, mit denen wir uns nur zu gerne identifizieren.

Heute morgen liegt Ella wieder auf meinem Schoß, die Jacke geschlossen. Und sie jammert und fiept noch eine Weile, wie jeden Morgen, bis sie Ruhe findet.
Ich stelle mir vor, wir sind eins. Nicht nur verbunden an diesem unendlich weit entfernten Punkt, an dem alle Wesen verbunden sind. Sondern jetzt eins.
Die Schuhe ziehe ich aus. Nackte Füße auf kaltem Beton. Aber ich möchte die Verbindung zum tiefen Punkt spüren. Ich atme tief. Bald kommt ein tiefer Schmerz hoch. Ich mache alle Türen auf, atme. Bin gleichzeitig Ich, Ella, Schmerz, und weise Alte.
Ellas Herz geht ganz doll und schnell. Ihr Körper ist so heiß. Sie ist zu einem Ball zusammengerollt. Mein inneres Kind auch. Ich weine wieder. Atme durch die Nase ein, durch den Mund aus. Sehr tief. Und lang. Das innere Kind-Bild löst sich auf. Löst sich lichtvoll in meinen Körper hinein.
Wir sitzen noch eine Weile so, bis es sich gut anfühlt.
Als ich die Schuhe wieder anziehe und das rechte Bein über das linke schlage, fühle ich mich, wie Shiva auf dem Bild, das ich in der Küche stehen habe:
Die rechte Seite dunkel, die linke hell.
Ying und Yang, Licht und Schattenanteile.

Ella braucht eine zweite BalleyTime.
Nach der Arbeit am Vormittag fühle ich mich plötzlich sehr schwach.

Psychodog hat heute in unserem Haus geschlafen. Hat sich einfach eingeschlichen. Jetzt stürmt er auf uns zu, als ich mit Max den Hausberg hinauflaufe. Und begleitet uns. Ich spüre, dass er heute wichtig ist (Als Symbol für ätzende Schattenateile), ja, die ganze Zeit wichtig war in der Inszenierung des Ortes, der Situationen hier für mich.
Theta healing.
Ich spreche kurz über Rheuma, Wechseljahre und Trauma.
Das Gegenteil von traumatischem Alleinsein ist Geborgenheit.
Max geht in sich, ich lasse los. Tatsächlich ist mein Innen leer. Mittendrin taucht auf: „für mich ist gesorgt!“
Max sieht auch Großartigkeit und Erhabenheit.
Ich ducke mich: ach, herrje! Da muss ich ja wirklich die Praxis eröffnen!
Er sagt, mein höheres Selbst ist immer für mich da, ist um mich herum, wie eine Hülle (ich sehe sie lichtvoll) und umarmt mich.
Später fügt er noch etwas hinzu. Aus ‚mal bin ich selbstbewusst, mal nicht‘ macht er: meiner Ichstärke kann ich immer vertrauen.
Außerdem erzähle ich, ich fühle, seit ich mich, mein inneres Kind in mich selbst lichtvoll integriert habe, dass das schwarze Ei nicht mehr da ist.
Max sieht auch, wie ich es auskacke.

Heute habe ich noch mehr Schrauben am Haus festgezogen und das Klo reinigbar gemacht (Das HockeKloPorzellan war mit Zement und Kleber verschmiert, so dass es immer angekackt aussah.) Gestern den Zementplatz gefegt.
Außen, wie innen.

In den letzten Tagen fühle ich mich ausgeglichener, gefestigter und habe weniger Schmerzen.
Ich bin mir sicher: wegen dieses Prozesses bin ich hier.

Samstag, 15.2.

Bootstour, Inlelake

Am Morgen ist es so diesig, dass wir in einem unbestimmbar großen See von NICHTS schwimmen. Das graue Seewasser geht irgendwo in den gleichmäßig grauen Horizont über. Gleichzeitig scheint von oben die Sonne und lässt nur die nahen Dinge farbig erscheinen.

Mit lautem Motorgeratter und eingbauter Vibrationsmassage fahren wir highspeed in 2 h zum nächsten See. Saukalt, weil nur die Sonne wärmt, die Luft aber kühl bleibt. Nach einer Mittagspause (ah, endlich warm) in einer verlassen wirkenden Hüttenansammlung hinter einem Pagodenwald fahren wir zu einer größeren Pagodenstätte. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Ich spüre eine sehr weibliche Energie und stelle dann fest, dass nur LocalFrauen da sind.

Bei der sehr routinierten Töpferin machen wir einen weiteren Stop.

Zum Abend hin haben wir Gegenwind und so werden wir ziemlich nass. Zum Glück ist es eine der ersten recht lauen Nächte. Bis wir unser OutdoorDinner beim bekannten InderMyanmaresen einnehmen, sind wir schon wieder trocken.

Sonntag, 16.2.

Fahrradtour mit Lisa

Erst fahren wir zum Markt. Lisa bekommt eine Portion Bethelnuss zum Probieren geschenkt und kaut heroisch ziemlich lange drauf  herum.

Die Bethelnussstücke werden zusammen mit einer weißen Paste (keine Ahnung aus was sie besteht, aber sie soll die Stücke ein wenig ankleben) in ein Blatt gewickelt. Diese Packung kommt im Ganzen in den Mund (desjenigen, der sich das traut). Die Nuss macht sofort die Spucke rot. Und es entwickelt sich schnell ganz viel davon, weswegen die Straßen voll sind mit roten Spuckeflecken. Wesentlich schlimmer, als unsere Kaugummiflecken zu den schlimmsten Zeiten. Inzwischen wird es Lisa etwas seltsam zumute. Sie schaut mich aus relaxtglasigen Augen an und meint, es wirke eigendlich nicht so doll. Na, dann fahren wir mal los.

An dieser Schule (aha, daher das Desighn unserer Lehmkutis)…

…wird Lisa etwas schlecht und sie muss bisschen Pause machen.  Aber ich hab Hunger und die Bamboo Hut ist nicht weit.

Endlich erreichen wir die nicy Holzbrücke, die ca. 500 m in den InleSee hineinragt.

Ich hab mir ja vorgestellt, dass man vom Ende der Brücke schön über den See gucken kann (den man von außen aus der Nähe kaum zu Gesicht bekommt, wegen der weiten Sumpflandschaft drumherum). Doch Pustekuchen: Der Steg hört vor einem aufs Wasser gebauten Dorf auf. Der Blick ist total von den Häusern versperrt.

Trotzdem nicy.

Montag, 17.2.

Zum Abschied macht Max (er fährt heute mit dem NightBus) noch HealingTime mit Ella.

Mudita, 3. Woche

Dienstag, 4.2.

15m halbzölliges Kupferrohr mit Sand füllen. Eine echte Herausforderung.

Nachmittags bauen wir eine Welle, um eine Spirale aus dem Rohr zu drehen. Das klappt auch erst ganz gut.

Ein kurzes Stück Rohr ist nicht ordentlich mit Sand befüllt und klappt zusammen. Wir müssen es absägen und neu anfangen.

So ist unsere Arbeit immer wieder von Erfolgen und Rückschlägen und auch von frustrierender Werkzeug-und Materialbeschaffung geprägt.

Immerhin haben wir ja auch nicht wirklich eine Ahnung von dem, was wir da machen. Sollen aber mit dem improvisieren, was wir haben. Sprich: zaubern.

Abends treffe ich Mingde in der Stadt. Ich wollte mal wieder lecker Zusatzkalorien kaufen, zu Fuß in die Stadt laufen (weil eins der Kids das letzte Rad kaputtgespielt hat) und mit TukTuk zurück. Ich habe doppelt Glück: erstens kann ich mit den drei netten Französinnen laufen, die nur für zwei Tage kamen und zweitens hält Kyaw mit dem Van für uns an und bringt uns direkt zum Markt.

Gut, dann kann ich mir ja mit Mingde ein TukTuk teilen. Und ich laufe noch etwas mit ihm mit. „Oh, dieser Laden hat viele brauchbare Dinge! Ich liebe es, jeden Tag etwas dafür zu tun, unsere Lebensqualität zu verbessern!“ Und er kauft Eimerchen und Bürstchen fürs Klo, Stangen mit Aufhängehaken… „und jetzt noch ein Fahrrad!“

Der erste Laden vermietet nur, aber er schickt uns um die Ecke zu einem GebrauchtRadHändler. Der will 40000 Kyat (25€) für jedes Rad. Kauf ich mir auch eins. Mingde ist übrigens mit dem platten vierten Rad hergefahren. Das gibt er nun gleich zur Reparatur. Für 1,20€.

Cool, mein Rad (ist bisschen klein, aber) hat sogar Gangschaltung und Korb!

Mittwoch, 5.2.

Heute drehen wir eine super Spirale

und heizen die zwecks Entspannung über Feuer.

In der Mittagspause will ich spontan ein Picknick mit Ella machen. Habe prima Obst und Kekse dazu vom gestrigen Einkauf. An der Brücke treffen wir Mingde, der sein Rad probiert. Da kommt er spontan mit.

Wir fahren zum nahen StauSee. Der ist ja nicht superschön. Aber das Picknick ist recht friedlich, da auch Ella zufrieden an getrockneten Bananscheiben nagt.

Abends wackele ich mit Ella auf unseren Haushügel. Zum ersten Mal eine halbwegs schöne Aussicht. Wenns nicht so furchtbar diesig wär… Zurück nehme ich einen anderen Weg, weil ich nicht nochmal übers Feld will, komme durch ein nettes Dörfchen und muss kurz vor dunkel noch durchs Dickicht, wo ich mir tausende von winzigen Dornen in die Hosen lade, mit denen ich schlafen muss.

Mokkhita und einige andere sind in dieser Woche unterwegs. Und so machen wir abends Yoga. Das tut mir recht gut.

Donnerstag, 6.2.

Gerüst schweißen und den teils feucht gewordenenen Sand mit verzweifelten Ideen aus der Kupferspirale herausmeditieren.

Abends gehe ich mit Zaw nochmal hoch zum Aussichtsberg

und nun weiß ich auch einen guten Pfad.

Mingde hat mir gestern schon ein paar Slippers (außderdem einen Toaster und etliche Kleinigkeiten) von einem neuerlichen Einkauf mitgebracht. Heute bringt er einen Duschvorhang, damit wir endlich das prima, aber offene Bambushausbad (hat stehendes kaltes Wasser in einem Betonbecken, das wir immer wieder befüllen müssen) benutzen können. Also drehe ich eine dickere Schnur aus dünner Plastikschnüre und baue alles zusammmen. Dann mache ich noch prima Haken aus Draht und Verschlussösen aus meinem SüdkoreaBrillengummi. Außerdem bauen wir Ella aus einem Karton, den ich in der Dinning Hall entdeckt habe, eine erstklassige Hundehütte. Mir gefällt Mingdes SituationsVerbesserungsEnergie und ich bekomme Spaß daran und Power, mit zu machen.

Freitag bis Sonntag, 7.-9.2.

Eigentlich will ich ja mit ein paar anderen Volunteeren die dreitägige Wanderung von Kalaw zurück an den InleSee machen. Aber Mokkhita erlaubt es einigen nicht. Teils, weil sie Lehrer sind und bei mir halt so, weil dann alle einen Tag freinehmen wollen… Dabei habe ich sogar angeboten, an einem WE Tag zu arbeiten.

Statt dessen will ich mit Nano (Projektkumpel) und seiner Freundin die TagesBootstour über den Inle See machen, aber das verschieben die beiden dann.

Ich jammere nicht. Statt dessen kann ich endlich wieder RELAAAAXEN.

Ich male zwei Bilder und trage mit Mingde Essen für Max in die Retreathütte.

Am Sonntag ist nachmittags Vollmond. Hier wird aber schon in der letzten zunehmenden Nacht, also am Samstag gefeiert.

Vor einigen Tagen schrieben Gunnar und Sven mir, dass Charly gestorben ist.

Das hat mich zuerst sehr traurig und betroffen gemacht. Dann habe ich gedacht: nun ist er da, wo noch Adler kreisen.

Am Freitag wohne ich der Beisetzung und der anschließenden Feier innerlich bei. Am Samstag und Sonntag singe ich das Mondlied extra für ihn und in Erinnerung an die letzte Vollmondparty im September bei ihm zu Hause am Gartenlagerfeuer.

Montag, 10.2.

Der Rocket Stove bekommt eine Wand aus Lehm-Zementgemisch. Mir geht es von Tag zu Tag besser.

 

Mudita Foundation 2. Woche

Dienstag, 28.1.

Heute organisiere ich einen Plastikkorb mit Deckel. Ich darf aber die Decke nicht mehr nehmen.
Ella fiept ab zwei. Ich gehe nicht hin, weil ich keine Lösung weiß. Betontüten um den Korb zum Isolieren? Kann kaum wieder einschlafen.

Von einem intensiven Traum wache ich auf. Mir geht es wieder recht gut.
Stehe dann um viertel nach 6 auf, um Ella zu füttern und der Korb ist leer. Kann sie nirgends finden.
Das finde ich voll langweilig.
Dann liegt sie bei Zaw auf dem Bauch.
Deshalb komme ich ein wenig zu spät zu den Kindern, um im Dorf auf Mönchart Essen zu holen. Da kann ich Ella noch mit aufgewärmter Milch (+ heißes Wasser) zuende füttern. Da fährt sie voll drauf ab.
Sie klettert auf die Betonbank am Lagerfeuerplatz!
Heute sammele ich Müll vom Hof. Ella ist oft bei mir.

Bekommt aber in unbeaufsichtigten Momenten Bananenkuchen und einen Lollistiel. Später hat sie Durchfall.
Sie ist von Anfang an sauber!

Am Abend mache ich einen langen Spaziergang zum See mit Ella.

Heute keine Prozesse. Rheuma ist auch besser.

Mittwoch, 29.1.

Confidence, anger: Ella bellt und knurrt nicht nur mit erwachsenen Hunden. Sie beißt sie auch, wenn sie ihr ans Futter gehen.
Abends kurzer Spaziergang zur nahen Höhle.

Unter dem Schlangendrachen ist ein tiefes Loch in der Höhle.

Überhaupt krabble ich mit HandyTorch durch die teils engen Höhlengänge: Stromausfall. Da hilft auch der Spendenaufruf für HöhlenStrom nix.

Von Ella lerne ich so viel:
über überbordenden Lebenswillen (Du bist der Lebensfunke, der sich selbst erhält), über selbstbehauptende Aggression, seine Bedürfnisse zur Not mit allerlei Tricks durchzusetzen, darüber, den ganzen Tag einfach nur im Augenblick zu leben.

Gestern habe ich mich beim Abendmeeting bis nach der Meditation durchgequält. Wir sollen halt nicht währenddessen rausgehen.

Für heute Abend habe ich mir einen Stuhl organisiert.

Klar falle ich auf. Ist ok. Aber ich merke, der Stuhl ist nicht wirklich bequem. Obwohl ich insgesamt weniger Schmerzen habe, oder vielleicht auch deshalb, muss ich diesmal während der Medi raus, um einen Anfall zu vermeiden.

Ich fühle mich auch als Teil der Gemeinschaft sauelend, weil ich einfach nicht mitfließen und mich einbringen kann.

Donnerstag, 30.1.

Ella macht ab halb zwei Terz im Korb. Zaw holt sie irgendwann raus. Ich will, dass sie die Nachtruhe akzeptiert. Als sie auch bei Zaw noch anhaltend quiekt, bringe ich sie raus. Vielleicht muss sie mal? Aber sie saugt mir so herzzerreißend, supernervös und kraftvoll an den Fingern rum, dass ich ihr was zu essen mache: Reis mit Milch. Raptormahl. Danach ist wieder Ruhe, aber mir ist kalt. Besonders kalte Nacht. Als sie gegen sechse jammert, mache ich deshalb, was ich absolut nicht wollte: ich nehme sie mit ins Bett. Sie zittert morgens eh immer stundenlang.

Den ganzen Morgen fühle ich mich voll gestresst und empfindlich. Ich habe Mokkhita gestern Abend noch geschrieben, dass es mir leid tut, dass ich schon wieder raus musste aus dem Abendmeeting. Dass ich aber so langsam verstehe, was eigentlich in mir geschieht. Heute morgen bietet er mir per WhatsApp an, mir Bescheid zu geben, wenn er Zeit für ein kurzes Gespräch mit mir hat.

Er kommt auch kurz vorbei. Aber nur für Arbeitsanweisungen.

Von 11-13:00 sperre ich Ella wieder weg. Sie braucht die Ruhe zum Glück auch. Und ich hau mich bisschen aufs Ohr. Als ich zum Mittag gehen will, hat mich jemand eingesperrt!

Mein Nervenkostüm ist schon so runter, dass ich panisch reagiere. Erstmal haltlos geweint. Dann in die Gruppe geschrieben, ob mich jemand retten kann. Dann erst gesehen, dass es auch ein Fenster zur Terrasse gibt, aus dem ich aussteigen kann. Entwarnung. Trotz meiner Panik ist mir das peinlich. Auf dem Weg runter kommt Antoine mir entgegen, mal nachsehen. Supernett, aber ich muss wieder heulen.

Endlich beim Mittag, ist bereits alles abgedeckt. Und zu meinem heutigen Spüldienst bin ich auch zu spät.

Ich mache meinen Teller aus den großen Pötten voll und futtere, die ganze Zeit heulend, weil ich es nicht mehr kontrollieren kann.

Gleich wieder hoch ins Bett, ich bin heute und morgen krank! Das würde mir mit WE dreieinhalb Tage Ruhe verschaffen.

Marcela findet eh die ganze Zeit, dass ich mich zu viel um Ella kümmere (wie soll man sich denn um ein Baby weniger kümmern, außer, es wegzugeben?) und nimmt Ella mit runter. Zu Max oder Louis. „Milch ist im Restaurantkühlschrank.“

Kaum ist sie draußen, will ich Mokkhita Bescheid geben, um mich freizustellen. Aber ich kann nicht aufstehen.

Ewig später sagt Zaw Bescheid, dass was mit mir nicht stimmt. Antoine und Emma kommen und sind lieb bei mir. Ich kann mich schon aus der Verkrampfung des Anfalles lösen, bis Mokkhita kommt, den sie angerufen haben. Ich bin auch schon wieder ein wenig ansprechbar, aber noch total erschöpft. Dennoch kann ich Mokkhita endlich in wenigen  Sätzen sagen, was los ist. Das tut gut. Vor allem, weil er super nett reagiert.

Am späten Nachmittag kommt Max mit Ella hoch. Sie hat nix gegessen, er wusste nichts von der Milch, das Restaurant ist auch schon zu und er muss weg.

Hab ich mich nochmal mobilisiert. Ich hätte es echt brauchen können, dass mir die EllaBelastung mal eine Weile genommen wird.

Immerhin, wenn sie heute Nacht Terz macht, kümmert Zaw sich.

Freitag, 31.1.

Entspannung!

Endlich kann ich mich um mich selbst kümmern. Vor allem Körperpflege ist wichtig. Nägel schneiden, duschen und so. Wobei die ‚Dusche‘ kaputt ist. Muss ich oben am Tank die Schüsseltechnik anwenden. Ist mir egal. Mir geht es so gut mit dem Gedanken, dass ich gleich wieder shiny bin.

In Ruhe Kaffe trinken…der Vormittag geht viel zu schnell rum.

Nach dem Mittag bringe ich die Milch zum Restaurantkühlschrank und frage in einem unbedachten Moment, ob es was zu helfen gibt. Ja: Kekse machen!

Wenn das mal nicht beglückend ist. Es kommen etliche Gäste und ich habe nebenbei prima Unterhaltung.

Später leihe ich mir ein ‚Fahrrad‘ aus. Von 4 Rädern ist eines halbwegs bewegbar, aber ohne Korb.

Ella wird schon mal 2h survival hinbekommen. Ich wollte zur Apotheke, nach Borax fragen. Andre von den ChiangMai AcroYogis hatte mir das gegen (rheumatische) Entzündungen und auch Pilze empfohlen. Kann man aber zu Hause nicht kaufen. Weil angeblich ätzend und giftig. Das ist mal Quatsch. Ich würde das ohne Bedenken pur auf die Haut schmieren.

Borax habe ich früher zum Löten von Silber verwendet. Außerdem ist es ein altes Hausmittel gegen Ameisen und Schimmel.

Hier habe ichs auch nicht bekommen. Ist aber auch ein Kleinstädtchen.

Ella sitzt brav vor unserer Haustreppe und freut sich, als ich kurz vor dunkel ankomme.

Samstag, 1.2.

Na, dann kann ich wohl auch mal auf einen Halbtagstrip. Berühmte ShanNudeln zum Frühstück, hot springs for umme ca. 30min Fahrt entfernt und großangelegtes Picknick auf dem Tempelberg nebendran.

Ich hab einen Smiley im Tee.

Ich hatte einen prima Tag und Ella ist auch super zurechtgekommen, hat die Gegend erkundet und sich mit anderen Hunden näher bekannt gemacht.

Sie kriegt nach einem Willkommensschläfchen (meinerseits mit Kaffe) erstmal cold springs.

Am Nachmittag zeichne ich Lukas, der letzte Woche aus seinem Retreat kam. 5 Tage waren geplant, aber er hatte abbrechen müssen, wegen des Feuers.

Auf jeden Fall hat er’s gesehen, als ich Andi abmalte. Den deutschen Mitarbeiter des Soe KoKo Beach house in Ngwe Saung.

Und Lukas wünschte sich auch ein Bild. Mit Haaren. Die hatte er sich nämlich für seinen Retreat abratzen lassen und war etwas traurig darüber.

Während einer Zeichenpause entdecke ich den kleinen Hund, der seit drei Tagen auch auf unserer BambooHouseTerrasse schlief. Tot. Offenbar an inneren Blutungen.

Es geht mir erstmal garnicht gut damit. Schon der zweite, den ich entdecke. Ich bitte wieder Jaime, ihn wegzutragen.

Ella hat heute auch nicht so viel gegessen.

Sonntag, 2.2.

Oh, Bettzeit von 20:00 bis 7:00. Das tut gut. Ella kommt prima alleine zurecht, habe ihr gestern ein DraußenNachtLager gemacht. Das ist noch besser.

Jetzt muss ich bloß noch ab und zu vorbeischauen, was zu essen auffüllen und kuscheln.

Relaxtag. Einmal wackel ich die 5min zum Nachbartempel.

Gestern habe ich Lukas gezeichnet, heute Jaime.

Da hab ich mir ziemlich die Augen mit verdorben. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu lange dran sitze.

Andererseits mag ich üben. Wird ja auch langsam immer besser. Und Zaw will ein Bild und auch Paula. Außerdem habe ich noch ein paar ‚Altlasten‘.

Vor dem Abendessen gehe ich mit Ella spazieren. Irgendwie skurril, dass sie als Baby bei Fuß läuft. Ich bin stolz auf sie, wie hurtig sie schon läuft und es schafft, steil rauf und runter zu klettern.

Abends halten die Schulkinder eine Theaterveranstaltung.

Montag, 3.2.

Es kommen etliche neue Volunteere. Unter anderem Mingde, ein bereits auf den ersten Blick durch und durch zwanghafter junger Chinese. Und irgendwie auch supernett. Ich treffe ihn gleich früh morgens auf der Terrasse. Er hat ein Teeset und ein Kaffeset dabei. Vom Feinsten.

Außerdem kommt auch ein liebes junges Paar aus Chile. Mit Nano werde ich die nächsten Tage am Ofen arbeiten. Aber das Kupferrohr kommt erst morgen. Und so machen wir nochmal einen BeschäftigungsTherapieTag.