Mudita, 4.Woche

Dienstag, 11.2.

Unser Ofen ist fertig! Die nächsten Tage werden den Rohrverbindungen gewidmet. Unterdessen kann die LehmZementwand schön trocknen.

Mittwoch, 12.2.

Traum von einem VogelStrauß, der sich in der Hüfte teilt. Ich finde ihn total eklig und renne heim, aber er schiebt sich auf seinen zwei Beinen irgendwie zum Eingang. Ich renne nach hinten ins Haus und habe Angst, dass ich ihn nochmal sehen muss, geschweige denn, ihm begegne.

Bin sehr lange wach.
Denke, der Vogel symbolisiert meine Spaltung und die Schattenseite, die ich nicht sehen will.
Ich träume nochmal, in Richtung Annahme, kann mich aber nicht erinnern.

Donnerstag, 13.2.

Heute Nachmittag will Max mit mir eine Stunde Theta healing machen. Um mir zu zeigen, was das überhaupt ist. Außerdem habe ich schon seit Tagen im Kopf, dass ich ihm etwas erzählen möchte:
Ella hat jeden Tag mindestens morgens, meist jedoch ein paar Mal am Tag Balley Time.
Als sie mal so auf meinem Bauch liegt, ganz entspannt, ganz ruhig, läuft plötzlich ein Film in mir ab. Was, wenn Ellas Mutter sehr stolz nach Hause kam, um ihre Welpen dem Besitzer vorzustellen. Dieser aber mit großer Wut reagiert, die Hundekids wild entschlossen ins Auto packt und weit entfernt in den Straßengraben pfeffert.
Vielleicht hat dieser ‚Film‘ nur eine Sekunde gedauert. Genau in diesem Moment schreckt Ella hoch, der Kopf auf dem kerzengerade gestreckten Hals 100% Aufmerksamkeit und Aufruhr. Ich bin mir sicher, sie hat das gleiche gespürt.

Außerdem würde ich ihm gerne von meinen Gedanken über die ‚Hölle‘ berichten.
Neulich habe ich plötzlich gesagt: ‚Ich komm ja aus der Hölle.‘
Ich habe überhaupt nicht gedacht dabei. Max hat sofort sein Gesicht verzogen und gesagt: „Sag sowas nicht. Mach: ‚cancel“.
Das hat mich dazu veranlasst über Hölle und Gut und Böse nachzudenken. Ich glaube, Hölle und Himmel ist bloss erfunden. Wahr sind die Schattenseiten, die wir verdrängen. Ich denke, dass ich das meinte, als ich sagte, ich komme aus der Hölle.
Früher war Hölle, Höhle, dunkel… das gleiche, oder?.

Ist überhaupt krass: wir werden aus dem Paradies vertrieben, weil wir vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse essen. Und dann labert man uns mit Himmel und Hölle voll. (Übrigens auch im Buddhismus.) Das ist auch wieder nix anderes als eine Wertung. Wohl sogar die krasseste Wertung überhaupt. Und die Indianer sagen…nee, ich meine Buddha sagt, du wirst nur glücklich, wenn du mal das Werten sein lässt und das Streben nach Glück…

Ich denke, wir haben Schattenanteile, die wir tief ins Dunkel verdrängen und unsere geliebten Lichtanteile, mit denen wir uns nur zu gerne identifizieren.

Heute morgen liegt Ella wieder auf meinem Schoß, die Jacke geschlossen. Und sie jammert und fiept noch eine Weile, wie jeden Morgen, bis sie Ruhe findet.
Ich stelle mir vor, wir sind eins. Nicht nur verbunden an diesem unendlich weit entfernten Punkt, an dem alle Wesen verbunden sind. Sondern jetzt eins.
Die Schuhe ziehe ich aus. Nackte Füße auf kaltem Beton. Aber ich möchte die Verbindung zum tiefen Punkt spüren. Ich atme tief. Bald kommt ein tiefer Schmerz hoch. Ich mache alle Türen auf, atme. Bin gleichzeitig Ich, Ella, Schmerz, und weise Alte.
Ellas Herz geht ganz doll und schnell. Ihr Körper ist so heiß. Sie ist zu einem Ball zusammengerollt. Mein inneres Kind auch. Ich weine wieder. Atme durch die Nase ein, durch den Mund aus. Sehr tief. Und lang. Das innere Kind-Bild löst sich auf. Löst sich lichtvoll in meinen Körper hinein.
Wir sitzen noch eine Weile so, bis es sich gut anfühlt.
Als ich die Schuhe wieder anziehe und das rechte Bein über das linke schlage, fühle ich mich, wie Shiva auf dem Bild, das ich in der Küche stehen habe:
Die rechte Seite dunkel, die linke hell.
Ying und Yang, Licht und Schattenanteile.

Ella braucht eine zweite BalleyTime.
Nach der Arbeit am Vormittag fühle ich mich plötzlich sehr schwach.

Psychodog hat heute in unserem Haus geschlafen. Hat sich einfach eingeschlichen. Jetzt stürmt er auf uns zu, als ich mit Max den Hausberg hinauflaufe. Und begleitet uns. Ich spüre, dass er heute wichtig ist (Als Symbol für ätzende Schattenateile), ja, die ganze Zeit wichtig war in der Inszenierung des Ortes, der Situationen hier für mich.
Theta healing.
Ich spreche kurz über Rheuma, Wechseljahre und Trauma.
Das Gegenteil von traumatischem Alleinsein ist Geborgenheit.
Max geht in sich, ich lasse los. Tatsächlich ist mein Innen leer. Mittendrin taucht auf: „für mich ist gesorgt!“
Max sieht auch Großartigkeit und Erhabenheit.
Ich ducke mich: ach, herrje! Da muss ich ja wirklich die Praxis eröffnen!
Er sagt, mein höheres Selbst ist immer für mich da, ist um mich herum, wie eine Hülle (ich sehe sie lichtvoll) und umarmt mich.
Später fügt er noch etwas hinzu. Aus ‚mal bin ich selbstbewusst, mal nicht‘ macht er: meiner Ichstärke kann ich immer vertrauen.
Außerdem erzähle ich, ich fühle, seit ich mich, mein inneres Kind in mich selbst lichtvoll integriert habe, dass das schwarze Ei nicht mehr da ist.
Max sieht auch, wie ich es auskacke.

Heute habe ich noch mehr Schrauben am Haus festgezogen und das Klo reinigbar gemacht (Das HockeKloPorzellan war mit Zement und Kleber verschmiert, so dass es immer angekackt aussah.) Gestern den Zementplatz gefegt.
Außen, wie innen.

In den letzten Tagen fühle ich mich ausgeglichener, gefestigter und habe weniger Schmerzen.
Ich bin mir sicher: wegen dieses Prozesses bin ich hier.

Samstag, 15.2.

Bootstour, Inlelake

Am Morgen ist es so diesig, dass wir in einem unbestimmbar großen See von NICHTS schwimmen. Das graue Seewasser geht irgendwo in den gleichmäßig grauen Horizont über. Gleichzeitig scheint von oben die Sonne und lässt nur die nahen Dinge farbig erscheinen.

Mit lautem Motorgeratter und eingbauter Vibrationsmassage fahren wir highspeed in 2 h zum nächsten See. Saukalt, weil nur die Sonne wärmt, die Luft aber kühl bleibt. Nach einer Mittagspause (ah, endlich warm) in einer verlassen wirkenden Hüttenansammlung hinter einem Pagodenwald fahren wir zu einer größeren Pagodenstätte. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Ich spüre eine sehr weibliche Energie und stelle dann fest, dass nur LocalFrauen da sind.

Bei der sehr routinierten Töpferin machen wir einen weiteren Stop.

Zum Abend hin haben wir Gegenwind und so werden wir ziemlich nass. Zum Glück ist es eine der ersten recht lauen Nächte. Bis wir unser OutdoorDinner beim bekannten InderMyanmaresen einnehmen, sind wir schon wieder trocken.

Sonntag, 16.2.

Fahrradtour mit Lisa

Erst fahren wir zum Markt. Lisa bekommt eine Portion Bethelnuss zum Probieren geschenkt und kaut heroisch ziemlich lange drauf  herum.

Die Bethelnussstücke werden zusammen mit einer weißen Paste (keine Ahnung aus was sie besteht, aber sie soll die Stücke ein wenig ankleben) in ein Blatt gewickelt. Diese Packung kommt im Ganzen in den Mund (desjenigen, der sich das traut). Die Nuss macht sofort die Spucke rot. Und es entwickelt sich schnell ganz viel davon, weswegen die Straßen voll sind mit roten Spuckeflecken. Wesentlich schlimmer, als unsere Kaugummiflecken zu den schlimmsten Zeiten. Inzwischen wird es Lisa etwas seltsam zumute. Sie schaut mich aus relaxtglasigen Augen an und meint, es wirke eigendlich nicht so doll. Na, dann fahren wir mal los.

An dieser Schule (aha, daher das Desighn unserer Lehmkutis)…

…wird Lisa etwas schlecht und sie muss bisschen Pause machen.  Aber ich hab Hunger und die Bamboo Hut ist nicht weit.

Endlich erreichen wir die nicy Holzbrücke, die ca. 500 m in den InleSee hineinragt.

Ich hab mir ja vorgestellt, dass man vom Ende der Brücke schön über den See gucken kann (den man von außen aus der Nähe kaum zu Gesicht bekommt, wegen der weiten Sumpflandschaft drumherum). Doch Pustekuchen: Der Steg hört vor einem aufs Wasser gebauten Dorf auf. Der Blick ist total von den Häusern versperrt.

Trotzdem nicy.

Montag, 17.2.

Zum Abschied macht Max (er fährt heute mit dem NightBus) noch HealingTime mit Ella.

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