Bagan

Montag, 24.2.
Genau mit meiner Ankunft im Hotel in Baghan, teilt Mingde mir mit, dass Ella verstorben ist und Lisa sie im Wald beerdigt hat.
Ich bin froh und auch sehr still. Es ist alles so, wie es sein soll.

Das Hotel ist staubig. Von außen, weil alles staubig ist. Und von innen, weil under construction. Überall liegt ein feiner Steinstaubschleier. Auch in meinem Dorm. Ich bin allerdings allein im Zimmer. Das ist gut.
Die Tür ist gleich an der Frühstücksdachterrasse. Aber die geht nach hinten raus. Bedrückend.
So laufe ich erstmal in die (touristische) Stadt und suche den Fluss. Und einen Platz, um in Ruhe an Ella zu denken.

Mir ist klar, dass meine Bilder die Wahrheit verschleiern. In Myanmar ist es nicht schön. Ganz und garnicht. Weder am Strand, noch am See, noch auf der Busfahrt (einzig die royal mountain forests von Kalaw waren hübscher) noch in dieser berühmten Stadt.

Wenn ich schöne Bilder mache, dann deshalb, weil ich die Nadeln im Heuhaufen finde.
Ok. Davon gibt es zugegebenermaßen einige.

Es ist so schön lau. Ich habe einen prima Platz mitten im weiten Sand ausgesucht, um zu mir zu kommen.

Telefoniere auch mit den lieben Eltern (O-Ton Mama: „Wann kommst du nach Hause?“ Könnte ich direkt weinen. So schön, das zu hören.), bis es längst dunkel ist.

Da wuselt was an mir vorbei. Eine Ratte?

Die HandyTaschenLampe bringt es an den Tag (kann man das so sagen, in der Nacht?)

Mit dem gleichen HandyLicht fädele ich mich umständlich wieder ins Stattleben ein.

Eine einzige Straße macht Touristress. Mit netten Einkaufsmöglichkeiten und hübschen aber sündhaft teuren Restaurants.

Es nervt mich, dass ich dauernd gefragt werde, ob ich dies und das kaufen will. Ich kann nicht eine Sekunde auf die Lunghistoffe schauen, ohne angelabert zu werden.

Dass es hier aufdringlicher zugeht, ist ja verständlich. Alles auf Tourismus ausgebaut. Und nu kommt keiner.

Dienstag, 25.2.

Am Sonntag früh mixte ich mir das Borax an. 1 Tl auf einen Liter. Und nahm seitdem morgens und abends einen kleinen Schluck.
Heute wache ich zum ersten Mal seit Monaten (seit der Pneumonie, aber ich hatte es auch auf der Radtour) ohne verklebte Augen auf. Dabei war es in den letzten Wochen so schlimm. Mir sind vor allem allnächtlich, aber oft auch tagsüber, die Augen ‚ausgelaufen‘. Mit so einem ollen klebrigen Schleim und Hautzellen und noch ein paar Dingen, von denen man nix genaues wissen will.

Der ganze Tag ist mal wieder der Geldbeschaffung gewidmet.
Gestern Abend habe ich bereits vergeblich versucht, am ATM vorm Haus Geld zu ziehen.
So wundert es mich nicht, dass es wieder nicht klappt und mache mich auf die Wanderschaft. Das nächste Hotel hat entgegen des Tips meiner Hoteldame garkeinen Automaten, aber ich werde zur nächsten Bank weitergeschickt. Am Automaten klappt es wieder nicht. Nein, in der Bank kann man mir da leider nicht weiterhelfen, hier gibts nix Bares. Die Straße runter sollen ‚ganz viele‘ Automaten zu finden sein.
Mir verhagelt es so langsam die Laune. Einer ist kaputt, dem nächsten tut es wieder leid…außerdem sind die Automaten nun auch nicht soo dicht beieinander.
Da, wieder eine Bank!
Wieder nix. Doch wollen sie mir drinnen helfen. Als es wieder (10 x am Handgerät versucht, übrigens auch die GiroCard) nicht geht, meint die nette Dame, ich solle meine Bank anrufen. Gut, dass ich einen Skypeaccount habe. Naja, hätte auch ne Sim mit Telefonie kaufen können. Aber komm da mal drauf in dieser Situation.
Ich meine, diesmal war alles richtig: ich habe eine Pin für meine Kreditkarte, das Konto ist gedeckt, die Automaten haben Internetanschluss…
Und ich hab bloß noch 10000Kyat (6€).
Ruf ich also meine Bank (mehrmals) an (mit den üblichen Problemen, wie Warteschleife, Nrn bereithalten…).
„Äh, tja, ich sehe hier, Ihre Visa ist gesperrt. Die müssen Sie direkt anrufen. Hier, die Telefonnummer. Die sind erreichtbar von 8-17:00.“ Und, wie spät ist es gerade zu Hause? Ah, nur drei Stunden warten. Das geht ja noch.
In der Zeit latsche ich zu einem anderen Hostel. Meins ist supermondän. Hätte ich ja nix gegen. Aber auch bisschen einsam. Ist ne zeitlang auch cool. Jedenfalls fand ich virtuell einen etwas günstigeren Dorm. Der wär real auch ok. Ich schau mir alles an (Dorm, Matratzen, Klos…Sogar eine Gitarre hängt draußen). In der OpenAirLobby sitzen vier nett wirkende Leute. Ich probiere am Schluss noch das WLan. Da brauche ich gutes, weil ich ja bloggen will. Checke ich also die 1BildHochladeDauer.
In der Zwischenzeit meint ein netter junger Backpacker, es wär ihm jüngst auch passiert.
Visa gesperrt ohne Hinweis per Email oder so.
Die Karte wär aber dann per Telefon instantan freigeschaltet worden.
Ich checke auf meinem Rundweg ein weiteres Hostel, das aber im Vergleich schon recht schäbig ist und auch kein besseres WLan bietet.
Den Rest der Zeit warte ich ‚zu Hause‘ und bin jetzt ziemlich zufrieden damit, hier meine Ruhe bei superbilligem Luxus zu haben (ich denke, manche Hotels haben extra einen billigigen Dorm, um in booking.com bei ‚Preis aufsteigend‘ ganz vorne zu erscheinen).
Aber ich bin supersauer! WAS SPERREN DIE EINFACH MEINE KARTE, OHNE BESCHEID ZU GEBEN!
Dazu wieder die elende Warteschleife. Die Dame am Telefon holt mich auch nicht gerade professionell runter, sondern reagiert ebenfalls gereizt. Schließlich hätten tatsächlich mehrere dubiose Zugriffsversuche stattgefunden. Und, ja, man hätte mir mehrfach geschrieben.
Hallo, ich bin im Ausland, sicher ‚weiß‘ die Karte das auch. Warum bekomme ich keine Email?
Ja, da müssen Sie eine Karte kaufen, die das kann…
Wie auch immer. Schließlich bekomme ich meine Karte für ein paar Minuten freigeschaltet und kann abheben. Für Myanmar bin ich schonmal gerettet.
Dann soll ich ING nochmal anrufen. Die sollen mir ja die neue Karte schicken.
Ich organisiere mir eine Tüte InstantKaffe, mein Kuchenstückchen und RestSchoki und mache aus einem FrühstücksHallTisch eine Office.
Wie lange dauert die Briefzustellung nach Thailand? Wo genau werde ich (für länger) sein, wenn der Brief (hoffentlich) ankommt? Reicht mein Geld (Restgeld vom letzten Thailandbesuch +100€) bis dahin?
Buchen, Anfragen, googlen…
Als ich den netten ING-Mann erreiche, kann ich wieder freundlich sein. Er entsperrt nach einem langen guten Gespräch (Was zur Folge hat, dass Skype sich beschwert, weil meine Kreditkarte den Anruf nicht begleicht.) meine GiroKarte. Und wir machen aus, dass er meine neue Visa nach Hause schickt, von wo Arno sie mir nach KohTao/Thailand ins Hostel schicken soll. Weil ich zwei Wochen Mindestwohndauer vorweisen müsste, wenn der ING-Mann es direkt schicken würde. Und auch den Postmann abpassen.
Außerdem kommt raus, dass Karten oft gesperrt werden, weil Auslandabhebungen getätigt werden. (Deshalb ist auch meine Giro in Südkorea gesperrt worden.) Als wäre es nicht normal, dass einer eine Reise tut.
Zur Sicherheit schreibt er mal auf, wo ich mich probably in den nächsten Monaten aufhalten werde…
Mann, Mann, Mann.
Ich hab Hunger.

Zum Dinner erhebe ich also meinen erschöpften Leib und motiviere ihn zu einer kleinen gemächlichen Runde um den Block. Das Essen im nächsten local Restaurant ist super lecker. Zwei Sträßchen weiter wandle ich unversehens durch ein richtig rural Dörflein. Ein Mann wäscht sich vor seinem offenen Haus. Traditionell mit SchalenDusche. Und Lunghi. Ein Dutzend wunderschöner großer Kühe, mit Pflanzenseilen an einem alten Holzgerüst angebunden, leuchten sanft im Abendlicht, ein Kälbchen versucht lieb, sein Gleichgewicht auf einem Häufchen aus Kieseln zu halten. Links davon eine Pagode, dahinter ein weiter Platz, Palmen am pastellorangenen Horizont. Alles sieht so wunderlich paradiesisch aus. Ich befinde mich in einem längst vergangenen Jahrhundert…

Gestern Abend und heute Morgen aufdringlich touristischer MoneyMoney Stadtbetrieb und dann dies…
…das, was nach dem EIGENTLICHEN aussieht.
Mir ist ob der Gegensätze schon wieder nach weinen zumute. Und ich fühle mich totmüde, noch ehe das letzte Abendlicht verloschen ist.

26.2. Mittwoch
Tempeltag mit E-bike

Aufstehen hat nicht geklappt, ich muss nach dem lecker FS nochmal schlafen. Schätze, gestern war anstrengend.
Gegen 10:00 leihe ich mir ein E-(motor)bike und los gehts.

Ich finde die Pagoden aus Backstein sehr ansprechend. Warum waren die eigentlich verputzt?

Die Antwort:

Viele Pagoden beherbergen einen Buddha oder auch vier, für jede Himmelsrichtung.

In dieser sieht man auch schön die recht gut erhaltenen Wandbilder.

Ich habe viel Spaß auf dem E-bike. Tausenden von Pagoden in dieser sonnig-sandigen Steppenlandschaft hinterherjagen. Ich lasse mir alle Zeit der Welt, um ein paar davon anzuschauen.

An den Treibsand unter den Rädern gewöhne ich mich schnell.

Der dumme BaganViewTower. 5$ wollen sie dafür, dass man da raufstapft. Die spinnen, die Baganesen. Hab ich natürlich nicht gemacht.

Auf dem Metallpodest unter dem rosa Busch links halte ich eine Siesta. Ja, es ist so sengend heiß, wie es aussieht.

Nachmittagsessen in einem hübschen Lokal an der Straße. Super freundliche Bedienung. Sogar an den Fisch, den mir der nette Mann credenzt (‚if you like?‘), traue ich mich: ein Taum!

Für insgesamt 1,50€

Lackwarenmanufaktur

Von den Handwerkshallen und vor allem den Ausstellungsräumen bin ich ziemlich geflasht. Der ‚Lack‘ ist eigentlich Naturplastik aus einem Gummibaum. Sie fertigen auch wahnsinnsdekorierte Möbel, wie Tische Stühle Schränke in dieser Technik. Die meisten Mitarbeiter sind Männer, die zärtlich die Materialien einmassieren. Die eigentlichen Künstlerinnen sind aber diese Mädchen.

Alt Bagan ist absolut nicht das, was ich mir vorgestellt hatte: eine aufstrebende aus dem Boden gestampfte Touribefriedigungs- und GeldausdenTaschenLeieranstalt.
Nee. Isn Dorf. Und richtig nett.

Der Sonnenuntergangsplatz auf den Pagodentreppen am River. Irgendwie denken die Burmesen nicht, dass ein Fluss für Foreighner interessant sein könnte. Ist alles sandig, müllig, trostlos. Dabei könnte es hier ruckzuck ganz nice sein.

Auf dem NachHauseWeg wirds dunkel, weil ich immernoch so trödele und an etlichen Pagoden Halt mache.

Hier, das Märchenschloss unter den Pagoden:

In dem netten local Lokal um die Ecke sitzt ein netter Mann, der mit mir eine Flasche Bier teilt. Und sich über die Tische hinweg mit mir unterhält.

„Es ist gefährlich für die Foreighner, Ebikes auszuleihen. Die meisten wissen nicht, wie das Licht angeht.“

Da beuge ich mich zu ihm rüber, soweit es geht: „Genau das war mein Problem!“

Hahaha, sind se alle belustigt.

(Hab ich schon angekricht, aber nicht so, dass es auch die Straße bekeuchtet hätte. Der Hostelmann zeigts mir dann: Der Schalter ist auf der falschen Seite! Na, dort hab ich garnicht erst gesucht!)

Inzwischen quatscht der Biermann mit einem anderen Herren (da sitzen grundsätzlich nur Männer, wie abends in allen Lokalen).

Ich nur: „Lach jetzt nicht!“

„Der ist von der Straßenpolizei. Guck, das Auto…“

„Zu spät.“

Netter Abend.

 

Donnerstag, 27.2.

Schattentag: ich schreibe bloß blog und so und schleiche nur fürs Mittag- und Abendessen ein wenig draußen rum.

Freitag ist Freutag, 28.2.

Ebike!

Diesmal finde ich den abgelegenen Tempel, den maps.me als bekletterbar angibt. Tatsächlich kann man noch raufsteigen (ist nämlich verboten seit diesem Jahr oder so, weswegen alle Treppen versperrt sind. Und überall Jungs rumlungern, die einen für viel Geld zu einer bekletterbaren Pagode bringen wollen.)

Die Pagode ist nicht groß. Aber die Matalltür zur Dachtreppe tatsächlich nicht verschlossen.

Grotti wohnt hier im Dunkeln, sieht im Blitzlicht eher aus, wie Höhlenmalerei und wartet auch entsprechend lange, bis ich mit Fotografieren fertig bin.

Die (unbewohnten) Vogelnester, die oft zur Deko in Restaurants hängen.

Ich halte mich hier oben länger auf. Ein wirklich schöner Ort.

Ups, beim Raufsteigen hatte ich die übersehen.

Am Fuße einer der üblichen Buddhastatuen habe ich diese kleine Figur gefunden.

Sie irritiert mich sehr. Denn sie sieht eher nach Göttinnenkult aus. Lieg ich da falsch?

Dann gehts weiter.

Ein hübscher sleeping Bhuddha

Der fette Dhamma-yan-gyi Phato

Eine seiner Mauern taugt für einen prima Powernap.

Da braucht man schon etliche Minuten, um innen einmal rumzulaufen. Richtig abgefahrene Konstruktion aus dem 12. Jhd! Ist die gotische Bauweise eigentlich von denen zu uns oder von uns zu ihnen gewandert? Die hohen Spitzbögen und komplizierten Gänge Etagen…aus recht kleinen Backsteinen. Echt gewagt.

Eine Treppe hatte kein explizites „Don’t go there!“ -Schild. Bin ich an dem Gitter vorbei natürlich rauf. Hab ich aber gleich bisschen bereut, weil steil und so…

Außerdem konnten mich ja oben alle sehen. Das war bisschen peinlich.

Pagode in old Bagan mit Flussblick

Ein ekliger BethelNussMitWeißerPasteInBlattWickelStand

Als ich den alten Mississippi-Dampfer entdecke, ist Mustafa schon auf dem Schiff. Hätte mich sonst garnicht hochgetraut, denn dort lebt eine Familie.

Htilo Minlo mit neuem Schirm

Samstag, 29.2.

Halbtagebike

Am ‚Hafen‘ erbarmt sichvekn junger Mann und sammelt den gröbsten Müll auf eine Feuerstelle. Übrigens ist die Müllverbrennungshalde der Stadt ein wenig außerhalb. Macht keinen Spaß, auf der Straße, die daran vorbeiführt, zu fahren. So lange kann man garnicht Luft anhalten.

Klosterhöhle

Nachmittags gehe ich nochmal zu Fuß zu meinem Lieblingstempel.

Unterwegs versuche ich mal, die Hässlichkeit der Welt in Schönheit einzufangen. Meine neueste Idee.

In und auf meiner Pagode verbringe ich einige Stunden…

…bis die Sonne längst untergegangen und es stockfinstere Nacht ist. So lau, so fein. Ich unterhalte mich gut mit einem portugiesischen Paar (das, wie die anderen von einem Guide hergeführt wurde). Und genieße noch einige Minuten in Stille, als sie gehen.

Ich müsste jetzt garnicht weiterreisen. Mittlerweile finde ich, dass Bagan der schönste Ort in Myanmar ist.

Sonntag, 1.3.

4:25 Uhr klingelt unverschämterweise mein Wecker. In 18 Minuten, 2 Minuten zu früh, bin ich unten in der Lobby. Der nette Hotelmann fährt mich mit Ebike zum ‚Hafen‘.

Nach langer Zeit, die wir auf den Stühlen dahindämmern, wird es endlich hell.

Eine supernette und relaxte Fahrt (12Stunden). Mit nur 4 weiteren Gästen auf dem mittelgroßen Schiff.

Mandalay ist keine Reise wert.

Erkenntnisse Myanmar

Ich denke viel über Manipulation nach.
Zwei Themen haben es angeregt. Zuerst das supergiftige Borax, dann der vermaledeite Coronavirus.

Wenn ich Berichte von den Boraxgläubigen lese, denke ich, ihre Behauptungen stehen zum Teil auf Treibsand. Aber das offizielle Sicherheitsdatenblatt, aufgrund dessen Borax nahezu weltweit nicht mehr verkauft werden darf, ist sogar dumm.
Aber es wirkt. Auf der ganzen Welt.
Genauso der völlig harmlose Coronavirus. Alle Welt ist in Panik. Wegen jeder Grippe infizieren sich und sterben mehr Menschen.
Es ist nur Politik. Und schwächt in diesem Fall China und Südostasiem. Ja, sogar NepalUrlauber sagen deswegen ab. Wegen eines einzigen Krankheitsfalles!

Die beiden Geschichten bringen mich dazu, darüber nachzudenken, wie viel wir außer dem manipuliert weden?
Wo bleibt da das Vertrauen?
Wenn ich einkaufe, will ich wissen, ob gesundheitschädliche Stoffe dabei sind.
Best Naphtalene balls…

…werden in Myanmar offenbar noch in Massen verkauft. Aber der Käufer denkt sicher, er hat ein prima Produkt gegen Motten. Wiki sagt, das hilft nichtmal.
Aber das Internet sagt auch, Borax helfe nicht so gut gegen Pilze (z.B. Fußpilz) und sei dabei giftiger, als die Medis, die man in der Apotheke kaufen kann.
Wie auch immer. In der Mudita School wird trotz unseres dauerhaften Murrens immernoch mit Klamottenwaschpulver Geschirr gewaschen. Weil es billiger ist.
Und es enthält auch kein Perborat mehr.
Dafür Benzolsulfonsäure. Und das ist gemäß dem Sicherheistdatenblatt, ebenfalls von Merck, wesentlich giftiger für Ratten. ‚Bei Verschlucken starke Ätzwirkung des Mundraumes und des Rachens sowie Gefahr der Perforation der Speiseröhre und des Magens.‘ Hallo, bei einem ph-Wert von 2.
Traurig ist das.

Mudita, 5. Woche

Mittwoch, 19.2.

Ich treffe Matteo wieder! Zu einem Dinner beim InderMyanmaresen. Er musste seine Pläne ändern und ist unversehens in der gleichen Stadt. Was für eine Freude!

Ein netter Abend, obwohl er erkältet ist und ich total fertig.

Ella geht es immer schlechter und nun ist auch noch Ivi aufgetaucht. Ein anderes kleines Hundchen, das plötzlich von ein paar Mönchbuben angeschleppt wurde. Ivi macht alle nervös und mich k.o., weil er dauernd zu mir herläuft, winselt, was will, Ella stört, vor allem beim Essen und ihr alles wegisst, er beißt sie auch (genauso, wie der große Psychodog, den die anderen, als er noch klein war, Dramadog getauft hatten, wie ich kürzlich erfuhr. Psychodog kommt auch dauernd her, macht alles kaputt, was ihr zwischen die Zähne kommt. Zum Beispiel die Bambusmatte auf der Terrasse, die Matratzen, die einige draußen als Yogamatten missbrauchen. Ich lasse nix mehr draußen liegen. Schon garnicht meine Schuhe. Außerdem beißt auch sie Ella, wenn sie spielen, immer fester, bis Ella knurrt und richtig hinterherbeißen muss, damit Psychodog aufhört.)…

und nun ist Ella viel zu schlapp um sich zu wehren. Ich werde so WÜTEND!

Donnerstag, 20.2.

Ella und Yvi mal friedlich

Ella ist sehr schwach. Dennoch steht sie plötzlich vor dem Bad und schaut mich genauso auf erbarmungswürdig wackeligen Beinen an, wie sie auch auf der Straße stand und schaute. Dann, in meinen Armen, atmet sie sehr hart.

Es ist schrecklich mitanzusehen. In den folgenden Stunden ist mir 100% klar, sie stirbt in dieser Nacht. Ich lege sie so zwischen meine Beine, dass die Rippen den besten Raum haben, sich zu weiten.

Wir sitzen vor dem Badhaus auf einem kleinen Plastikhocker und schauen beide der Sonne beim Untergehen zu.

Der Himmel wird rot.

Bald wird Ella so schlappi. Nur Fell und innen Schlamm. Keine Knochen, keine Muskeln. Ich singe ihr stundenlang Mantras vor.

Sie hat garkeinen Tonus und verliert zuerst Wasser, später mehrfach Stuhl.

Irgenwann wird es so kalt und spät, dass ich ins Bett muss. Ich wickle Ella fein in beide Lunghis, Schnüffeldeckchen und Bausack und lege sie in dieser wärmenden Packung in ihr Kartonhaus.

Mitten in der Nacht fiept sie und ich gehe raus. Da steht sie auf, wie ein Zombie. Schüttelt sich und wackelt ein paar unbeholfene Schritte. Ich halte sie eine gute Weile lieb im Schoß. Dann gehen wir wieder schlafen.
Am Abend, als ich Ella begleite, müssen wir über offenbar dicke Boxen irgendwo im Dorf ein scheußliches Hörstück anhören. Müssen wir das hören? Oropax helfen nicht viel. Die ganze Nacht bellen Hunde, Ivi und Ella fiepen.

Freitag, 21.2.

Do und Fr so früh, gegen 4e, diese scheußliche RadioPropagandapredigt laut fürs ganze Dorf.

Was soll ich lernen. Aushalten oder abhauen?

Ich drücke die Oropax tiefer in die Ohren. Hoffe auf ein kleines bisschen Ruhe.
Nach dem Wahnsinnsdelir liege ich morgens lethargisch im Bett.
Als ich endlich die Stöpsel rausnehme, zwitschern Vögel.
Ich muss wieder weinen.

Da bewegt sich was an meinem Bein. Es ist Ella.

Die nächsten Tage ist Ella schlappi, müde, aber stabil und isst auch ab und wann etwas.

Stove mit Pipes zum Tank ausprobiert: keine Zirkulation. Der Tank muss höher!

Matheo kommt zu Besuch und bringt Rene mit. Ich zeige ihnen unseren Stove und die Kloster-Höhle. Dann essen wir im Bamboo Garden, unserem klosterschuleigenen Restaurant.

Anschließend tragen wir BetonSteine hoch, die wir unter den Tank schieben. Nee, so können wir den Ofen nicht befeuern, die Pipes stehen nun viel zu sehr unter Spannung. Ich hätte sogar gerne eine zweite Reihe Steine eingesetzt zur nächsten Probe, ob das Wasser nun zirkuliert.

Somit ist mein Projekt abgeschlossen. Denn Michael kommt erst am Donnerstag wieder, um die Pipes zu verbessern.

Ha! Da haben wir noch schön Zeit für Kaffe auf der AnnaKuti Terrasse. Dann muss Matteo zu seinem Bus.

Der Rest des Nachmittags bleibt relaxt, ich kann in Ruhe mit einigen Leuten quatschen und mache ein Rehearsal mit Zaw. Er liebt ‚Heaven‘ von Bryan Adams.
Zur Nacht ein letztes Lagerfeuer mit bisschen Gitarrenmusik mit Zaw und einigen anderen.

Ella ist schwach, aber brav.
Mingde versucht, Yvi wegzubringen, aber er kommt immer wieder.

Auch Mingdes Idee: rund um Psychdog regnet es Steine, damit sie sich nicht mehr wohlfühlt hier. Wirkt ziemlich gut. Sie kommt seltener her.
Dann bringe ich Ella Essen und Yvi kommt zuerst aus der Hundebox, dreht Ella dabei völlig trampelig wie eine Wurst herum!
Ich sperre ihn in seine Box, die ich kurzerhand mit Tape schließe. Und weit hinters Haus trage. Er ist dick genug, um die Nacht dadrin zu bleiben.
Aber er denkt, es ist ein Spiel „escape the box“ und steht bald wieder auf der Matte, ohne Mux. Ich stopfe ihn wieder rein, das Loch war echt klein, ich muss es erst aufschneiden. Und klebe diesmal ordentlich zu. Natürlich lasse ich noch genügend Luft.

Ich will heute Nacht schlafen!
(Nicht nur) heute war ich schon einige Male stinkwütend auf Ivi. Ich hätte ihm den Hals umdrehen können. Ich fühle, dass ich echt morden könnte und mich richtig zurückhalten muss. Auch, ihn nicht mit dem Fuß gewaltvoll wegzutreten. Stattdessen habe ich ihn dann ein paar Mal in die Box gesperrt. Aber nicht ernsthaft mit Schnur zugemacht. Sicher denkt er deshalb, es ist ein Spiel, weil es leicht war, zu entkommen. Aber warum denkt er, und auch Psychodog, er kann immer wieder zu mir kommen, happy schwanzwedelnd, nach Kuscheln oder Futter heischend? Ich war nie nett zu ihm.

Yvi hat in der Nacht so gefiept, dass irgendjemand ihn wohl rausgelassen hat. Dann hat sich offenbar Lisa erbarmt und ihn zu ihrer weit entfernten Kuti mitgenommen (von da kam Yvi auch schon öfter wieder zu uns).

Samstag, 22.2.

Von Lisas Hausgenossin höre ich: „The dark box, this is traumatising dogs…“

So ein Satz bringt mir nix. Ich hätte vorher echte Unterstützung gebraucht.

Die anderen finden die Puppies teils süß und nehmen sie mal auf den Arm. Aber kümmern tat sich niemand. Lisa, die YviMama sein wollte, ist grundsätzlich nicht erreichbar.

Und mir ist alles zu viel.

Gegen halb 12 verlasse ich das Terrain mit Sack und Pack um mit dem Radel in mein Hotel in Nyaung Shwe zu fahren. Super, ich kann, wie erhofft, früh einchecken.

Dieser Tag ist der Sauberkeit und Ordnung gewidmet.  HEIß duschen, aaaaah! Mit FLIEßENDEM Wasser! Eine Wohltat!

Wäsche: mal richtig in der Maschine waschen!

Heute gebe ich meine Wäsche in die laundry. Der Mann dort verkauft auch Silber. Da frag ich sofort nach Borax.

(Andre, den ich in Chiang Mai getroffen habe, hat mir ja wärmstens empfohlen, mal darüber nachzugooglen. Borax gegen Entzündungen (Rheuma) und Pilze…)

Nee, der WäscheMann lötet nicht, reinigt nur. Mit Alaun und Seifennuss macht er das im Feuer oxidierte Silber schön hell.

Für abends zum WäscheAbholtermin will er aber einen Termin mit seinem Bruder machen. Der ist der Goldschmied. Wir quatschen dann lange rum, ist es wirklich Borax? Kann ja kein Englisch. Nur der Wäschemann ein bisschen. Es stellt sich raus, dass das Mineral wirklich unter Feuer schmilzt und er verrät mir, dass man es auch benutzt, um Reiscracker schön blasig zu kriegen. Na, dann kanns immerhin nicht (super) giftig sein. Und Borax schäumt auch. Macht man ja Seife von und Isolierschaum.
Am Ende sollte ich nix dafür bezahlen. Da steht zum Glück seine Frau mit Baby im Arm hinter mir, als ich mich hilfesuchend umsehe. Kriegt das Baby was für lecker Essen. Kann sonst noch nicht viel, aber nach Geld greifen und lieb lächeln geht schon.
Da sind alle froh.

Mal sehen, wies wirkt.

Sonntag, 23.2.

Ausflug zum Tofu Palace mit Rene. Ich habe lange überlegt, ob ich ihn mitnehme. Gestern beim Dinner hat er sich ordentlich daneben benommen.

Dann habe ich mir gedacht, dass ich durchaus routiniert seine doofen aufdringlich-vereinnahmenden Annäherungsversuche abfedern kann und habe mich FÜR Geselligkeit entschieden.

Unterwegs hüpfen wir kurz in die Hotsprings. Nice!

Und was für eine Überraschung auch. Ich wusste garnicht, dass die Hotsprings auf dem Weg liegen. Wir haben beide zufällig Tücher dabei, mit denen wir baden können.

Tofu Palace

Yam hatte einst die prima Idee, Touristen durch sein Dorf zu führen, das in trationeller künstlerischer Handarbeit leckere Snacks herstellt.

Man darf von allem probieren…

Hier werden die superleckeren Chickbean snacks gebrutzelt.

Die sticky Ricecracker…

…werden in den heißen Steinen ganz schön puffig. Mit Borax?

So viel Zucker! Die rechteckigen Platten sind Rohzucker aus Zuckerrohr.

Noch mehr Zucker: die kleinen Kringel sind voll mit triefendem Syrup

100% Zucker! Für handgeknotete Bonbons.

Zum Glück gibts danach eine Reisweinprobe. Selbstgebraut, versteht sich und superlecker. Allerdings traue ich dem Gerät nicht wirklich über den Weg. Methanol macht blind…

Übrigens stellt man im Dorf auch die leckeren Sonnenblumenkerne (in Schale) her: sie werden mit Ingwer, Knoblauch, Salz und Zucker gedünstet und dann draußen auf Bambusmatten getrocknet.

Nun endlich der Chickbean Tofu:

Der vorher fermentierte Sud muss stundenlang überm Feuer gerührt werden.

Als wir den stinkigen fermented SojaTofuplättchen beim Trocknen zusehen, fängt es unversehens an, zu regnen.

Schön warmer Regen. Trotzdem bricht hektisches Treiben aus und wir helfen den Dörflern beim Einpacken.

Zum Abschluss Snacks und lecker lecker Tofusalat im Tofu Palace.

Proppevoll mit Snacks und Eindrücken machen wir uns auf den Rückweg.

Unterwegs gibts Kaffe und das angebotene Eis ist zu tempting…

Wir sind superhappy mit unserer kleinen Tour

Zum FarewellDinner habe ich meine Leute ins nahe local Restaurant eingeladen. Da verkaufe ich auch mein Rad an Jess.

Alles erledigt. Morgen kann’s losgehen:

Kaddi wieder on tour!

An dieser Stelle möchte ich mal stichpunktartig zusammenfassen, was ich nicht in Ordnung fand in der MonasterySchool. Und ein wenig beschreiben, wie der Alltag war.

 –
Luftverschmutzung (betrifft ganz Südostasien): oft konnten wir die Berge auf der anderen Seite des schmalen Sees überhaupt nicht sehen. Selbst der nächste Hügel war oft halb im Dunst verschwunden. Jeden Tag brennen die Leute Felder oder Gebüsch ab. Dazu wird mit hochverschmutzenden Brennstoffen gekocht. Was zu erhöhter Kindersterblichkeit führt. Von 180 gemessenen Ländern schneidet Myanmar am 171 schlechstesten ab.
Unsere überdachte Outdoorküche war schwarz vor Ruß. Neben den Feuerstellen haben wir (warum auch immer: mit Wäschewaschmittel) abgewaschen. Ich verstehe nicht, wie man in dem beißend ätzenden Qualm den ganzen Tag arbeiten kann.
Warum werden eigentlich keine Solarkochstellen verwendet?
Wichtiger Faktor: Plastikmüllverbrennung
Projekte: viele Volunteers waren nicht mit ihren Aufgaben zufrieden. Es wurde viel mit Zement gebaut. Zum Beispiel Pfade und Treppen. Wir wurden auch nicht nach unseren Fähigkeiten befragt (zum Antrag gab es einen Fragebogen darüber. Aber es interessierte niemanden). Das gab allgemein Unmut.
Prioritäten: viele Volunteers verstanden nicht, warum wir diese Dinge bauen sollten, besonders die Arbeit an der Höhle von Mokkhita, die nur für Darkretreat bestimmt war. Während die kleinen Mönche keine Betten haben, also direkt auf dem Boden schlafen und allgemein schlimme hygienische Verhältnisse hatten. Viele Kinder hatten Kopfhautpilz. Und teilten ihre Rasierklingen(!). Niemand stoppte das.
Clinic room: ich war an drei Morgenden dort. Dann hatte ich genug gesehen
Müllproblem: einige von uns sammelten den Müll aus dem Bach. Vor der Schule ist ein Kiosk. Die Besitzer meinen, ein Fluss sei dazu da, den Müll wegzutragen. Da hilft auch ein Mülleimer, der von der Schule geleert wird (theoretisch), nix. Hinter dem Kiosk kommt direkt die kleine Brücke zum SchulGelände. Die Kinder kaufen was und schmeißen den Müll in den trägen Bach. Fast noch beschissener finde ich, dass die Essensreste aus der Küche (vermischt mit Plastikmüll) auch dort landen. Das fault natürlich. Weswegen ich mir gleich einen Herpes eingehandelt hatte. Ich habe ein paar Tage später wieder hinunter in den Bach geschaut. Traurig, das.
Hunde: dutzende auf dem Hof, alle krank, niemanden kümmerts.
Ort: ohne Rad ein Gefängnisgefühl. Zu weit weg, um mal in die Stadt zu gehen. Mein Projekt war außerdem meistens bei unserem Haus, das abgelegen auf einem Hügel war. So hab ich kaum Kontakt mit den Kindern gehabt.
Mokkhita selbst wirkte sehr freundlich, war aber nicht verbunden. Wie ich fand, weder mit uns noch mit den Kids. Einmal haben abends alle Kids kleine Theaterstücke aufgeführt. Richtig mit Bühne und so. Die Dorfeltern waren auch da. Alles superlieb. Jaime und Mokkhita haben als einzige auf Stühlen gesessen (während alle anderen standen). Es war dann zwar Jaime, der zu allem Überfluss noch gelacht hat und jovial mit der Hand gewedelt: könnt ihr mal beiseite gehen, damit wir was sehen…
Kam mir vor, wie der König mit seinem Berater. Doppelplusungut.
Dazu residiert Mokkhita auf dem Hügel, am weitesten abgelegen in seiner Luxuslehmkuti mit Kaffemaschine und Internet, ganz neuem chique desighntem und auffallend accurat gearbeitetem augenförmigem Lagerfeuerplatz (mit augenförmiger Betonsitzmauer für mehr als 20 Leute, weswegen wir jetzt immer mittwochs hier am Lagerfeuer sitzen, anstatt in der Meditationshall) und kreisrunder Yogaplattform mit Blick auf den InleSee.
Ja, und die Höhle gleich nebendran ist auch bald fertig. In einem Dammatalk, bei dem es mal wieder um die Hinderungen zu tiefer Meditation ging (zum Beispiel Unruhe, Zweifel, Müdigkeit: Zustände, die auftauchen, bei dem Versuch, sich in Meditation zu versenken.), hab ich Mokkhita mal gefragt, ob der Wille zur Macht auch eine Hinderung sei. Mokkhita redet ja gut und er kam in zwei Sätzen darauf zu sprechen, dass dem Machtwillen immer ein Drang zu Kontrolle zugrundeliege. Darauf ich: na, wenn Meditation LOSLASSEN ist, dann ist es ja das Gegenteil von Kontrolle!
Ich weiß nicht, ob er verstanden hat, dass ich ihn meinte, mit dem Machtwillen. Vielleicht habe ich wenigstens einen Samen gelegt.
Was ich richtig genossen habe:
+
Kontakt: wir waren um die 30 Volunteers. Teils Locals. Es war sehr leicht, mehr oder weniger guten und tiefen Kontakt zu haben.
Job: speziell in den letzten Wochen mochte ich mein Projekt und ich verstand mich super mit einem meiner beiden Kollegen: Nano. Michael war auch nett.
Umgebung: die Höhle mit der warmen Ausstrahlung und den vielen Buddhastatuen war in nur 5 min zu Fuß erreichbar. In 15min war man auf dem ruhigen Haushügel mit Sonnenuntergangs- und Seeblick. Ohne Luftverschmutzung wäre es sicher eine super Aussicht gewesen.
Lagerfeuerplatz an unserer Kuti: ja, auch wir haben verbrannt.
Allgemein: es gab gefiltertes Wasser und drei Mahlzeiten pro Tag mit Reis und Gemüse von unterschiedlicher Qualität.
19:00-21:00 Dammatalk (sehr interessant), Meditation und sagen, was wir heute gemacht haben (langweilig, mit einem Hauch Kontrolle)
Das Programm hat nicht viel Freizeit gelassen. Außerdem hatte ich mich um Ella zu kümmern und ihr oft was kaufen müssen. Zum Beispiel alle zwei Tage Milch. Allein durch den Tagesablauf war ich ziemlich unter Druck.

 

 

Mudita, 4.Woche

Dienstag, 11.2.

Unser Ofen ist fertig! Die nächsten Tage werden den Rohrverbindungen gewidmet. Unterdessen kann die LehmZementwand schön trocknen.

Mittwoch, 12.2.

Ttaum von einem VogelStrauß, der sich in der Hüfte teilt. Ich finde ihn total eklig und renne heim, aber er schiebt sich auf seinen zwei Beinen irgendwie zum Eingang. Ich renne nach hinten ins Haus und habe Angst, dass ich ihn nochmal sehen muss, geschweige denn, ihm begegne.

Bin sehr lange wach.
Denke, der Vogel symbolisiert meine Spaltung und die Schattenseite, die ich nicht sehen will.
Ich träume nochmal, in Richtung Annahme, kann mich aber nicht erinnern

Donnerstag, 13.2.

Heute Nachmittag will Max mit mir eine Stunde Theta healing machen. Um mir zu zeigen, was das überhaupt ist. Außerdem habe ich schon seit Tagen im Kopf, dass ich ihm etwas erzählen möchte:
Ella hat jeden Tag mindestens morgens, meist jedoch ein paar Mal am Tag Balley Time.
Als sie mal so auf meinem Bauch liegt, ganz entspannt, ganz ruhig, läuft plötzlich ein Film in mir ab. Was, wenn Ellas Mutter sehr stolz nach Hause kam, um ihre Welpen dem Besitzer vorzustellen. Dieser aber mit großer Wut reagiert, die Hundekids wild entschlossen ins Auto packt und weit entfernt in den Straßengraben pfeffert.
Vielleicht hat dieser ‚Film‘ nur eine Sekunde gedauert. Genau in diesem Moment schreckt Ella hoch, der Kopf auf dem kerzengerade gestreckten Hals 100% Aufmerksamkeit und Aufruhr. Ich bin mir sicher, sie hat das gleiche gespürt.

Außerdem würde ich ihm gerne von meinen Gedanken über die ‚Hölle‘ berichten.
Neulich habe ich plötzlich gesagt: ‚Ich komm ja aus der Hölle.‘
Ich habe überhaupt nicht gedacht dabei. Max hat sofort sein Gesicht verzogen und gesagt: ‚Sag sowas nicht. Mach: ‚cancel“.
Das hat mich dazu veranlasst über Hölle und Gut und Böse nachzudenken. Ich glaube, Hölle und Himmel ist bloss erfunden. Wahr sind die Schattenseiten, die wir verdrängen. Ich denke, dass ich das meinte, als ich sagte, ich komme aus der Hölle.
Früher war Hölle, Höhle, dunkel… das gleiche, oder?.

Ist überhaupt krass: wir werden aus dem Paradies vertrieben, weil wir vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse essen. Und dann labert man uns mit Himmel und Hölle voll. (Übrigens auch im Buddhismus.) Das ist auch wieder nix anderes als eine Wertung. Wohl sogar die krasseste Wertung überhaupt. Und die Indianer sagen…nee, ich meine Buddha sagt, du wirst nur glücklich, wenn du mal das Werten sein lässt und das Streben nach Glück…

Ich denke, wir haben Schattenanteile, die wir tief ins Dunkel verdrängen und unsere geliebten Lichtanteile, mit denen wir uns nur zu gerne identifizieren.

Heute morgen liegt Ella wieder auf meinem Schoß, die Jacke geschlossen. Und sie jammert und fiept noch eine Weile, wie jeden Morgen, bis sie Ruhe findet.
Ich stelle mir vor, wir sind eins. Nicht nur verbunden an diesem unendlich weit entfernten Punkt, an dem alle Wesen verbunden sind. Sondern jetzt eins.
Die Schuhe ziehe ich aus. Nackte Füße auf kaltem Beton. Aber ich möchte die Verbindung zum tiefen Punkt spüren. Ich atme tief. Bald kommt ein tiefer Schmerz hoch. Ich mache alle Türen auf, atme. Bin gleichzeitig Ich, Ella, Schmerz, und weise Alte.
Ellas Herz geht ganz doll und schnell. Ihr Körper ist so heiß. Sie ist zu einem Ball zusammengerollt. Mein inneres Kind auch. Ich weine wieder. Atme durch die Nase ein, durch den Mund aus. Sehr tief. Und lang. Das innere Kind-Bild löst sich auf. Löst sich lichtvoll in meinen Körper hinein.
Wir sitzen noch eine Weile so, bis es sich gut anfühlt.
Als ich die Schuhe wieder anziehe und das rechte Bein über das linke schlage, fühle ich mich, wie Shiva auf dem Bild, das ich in der Küche stehen habe:
Die rechte Seite dunkel, die linke hell.
Ying und Yang, Licht und Schattenanteile.

Ella braucht eine zweite BalleyTime.
Nach der Arbeit am Vormittag fühle ich mich plötzlich sehr schwach.

Psychodog hat heute in unserem Haus geschlafen. Hat sich einfach eingeschlichen. Jetzt stürmt er auf uns zu, als ich mit Max den Hausberg hinauflaufe. Und begleitet uns. Ich spüre, dass er heute wichtig ist (Als Symbol für ätzende Schattenateile), ja, die ganze Zeit wichtig war in der Inszenierung des Ortes, der Situationen hier für mich.
Theta healing.
Ich spreche kurz über Rheuma, Wechseljahre und Trauma.
Das Gegenteil von traumatischem Alleinsein ist Geborgenheit.
Max geht in sich, ich lasse los. Tatsächlich ist mein Innen leer. Mittendrin taucht auf: „für mich ist gesorgt!“
Max sieht auch Großartigkeit und Erhabenheit.
Ich ducke mich: ach, herrje! Da muss ich ja wirklich die Praxis eröffnen!
Er sagt, mein höheres Selbst ist immer für mich da, ist um mich herum, wie eine Hülle (ich sehe sie lichtvoll) und umarmt mich.
Später fügt er noch etwas hinzu. Aus ‚mal bin ich selbstbewusst, mal nicht‘ macht er: meiner Ichstärke kann ich immer vertrauen.
Außerdem erzähle ich, ich fühle, seit ich mich, mein inneres Kind in mich selbst lichtvoll integriert habe, dass das schwarze Ei nicht mehr da ist.
Max sieht auch, wie ich es auskacke.

Heute habe ich noch mehr Schrauben am Haus festgezogen und das Klo reinigbar gemacht (Das HockeKloPorzellan war mit Zement und Kleber verschmiert, so dass es immer angekackt aussah.) Gestern den Zementplatz gefegt.
Außen, wie innen.

In den letzten Tagen fühle ich mich ausgeglichener, gefestigter und habe weniger Schmerzen.
Ich bin mir sicher: wegen dieses Prozesses bin ich hier.

Samstag, 15.2.

Bootstour, Inlelake

Am Morgen ist es so diesig, dass wir in einem unbestimmbar großen See von NICHTS schwimmen. Das graue Seewasser geht irgendwo in den gleichmäßig grauen Horizont über. Gleichzeitig scheint von oben die Sonne und lässt nur die nahen Dinge farbig erscheinen.

Mit lautem Motorgeratter und eingbauter Vibrationsmassage fahren wir highspeed in 2 h zum nächsten See. Saukalt, weil nur die Sonne wärmt, die Luft aber kühl bleibt.  Nach einer Mittagspause (ah, endlich warm) in einer verlassen wirkenden Hüttenansammlung hinter einem Pagodenwald fahren wir zu einer größeren Pagodenstätte.  Wir fühlen uns hier sehr wohl. Ich spüre eine sehr weibliche Energie und stelle dann fest, dass nur LocalFrauen da sind.

Bei der sehr routinierten Töpferin machen wir einen weiteren Stop.

Zum Abend hin haben wir Gegenwind und so werden wir ziemlich nass. Zum Glück ist es eine der ersten recht lauen Nächte. Bis wir unser OutdoorDinner beim bekannten InderMyanmaresen einnehmen, sind wir schon wieder trocken.

Sonntag, 16.2.

Fahrradtour mit Lisa

Erst fahren wir zum Markt. Lisa bekommt eine Portion Bethelnuss zum Probieren geschenkt und kaut heroisch ziemlich lange drauf  herum.

Die Bethelnussstücke werden zusammen mit einer weißen Paste (keine Ahnung aus was sie besteht, aber sie soll die Stücke ein wenig ankleben) in ein Blatt gewickelt. Diese Packung kommt im Ganzen in den Mund (desjenigen, der sich das traut). Die Nuss macht sofort die Spucke rot. Und es entwickelt sich schnell ganz viel davon, weswegen die Straßen voll sind mit roten Spuckeflecken. Wesentlich schlimmer, als unsere Kaugummiflecken zu den schlimmsten Zeiten. Inzwischen wird es Lisa etwas seltsam zumute. Sie schaut mich aus relaxtglasigen Augen an und meint, es wirke eigendlich nicht so doll. Na, dann fahren wir mal los.

An dieser Schule (aha, daher das Desighn unserer Lehmkutis)…

…wird Lisa etwas schlecht und sie muss bisschen Pause machen.  Aber ich hab Hunger und die Bamboo Hut ist nicht weit.

Endlich erreichen wir die nicy Holzbrücke, die ca. 500 m in den InleSee hineinragt.

Ich hab mir ja vorgestellt, dass man vom Ende der Brücke schön über den See gucken kann (den man von außen aus der Nähe kaum zu Gesicht bekommt, wegen der weiten Sumpflandschaft drumherum). Doch Pustekuchen: Der Steg hört vor einem aufs Wasser gebauten Dorf auf. Der Blick ist total von den Häusern versperrt.

Trotzdem nicy.

Montag, 17.2.

Zum Abschied macht Max (er fährt heute mit dem NightBus) noch HealingTime mit Ella.

Mudita, 3. Woche

Dienstag, 4.2.

15m halbzölliges Kupferrohr mit Sand füllen. Eine echte Herausforderung.

Nachmittags bauen wir eine Welle, um eine Spirale aus dem Rohr zu drehen. Das klappt auch erst ganz gut.

Ein kurzes Stück Rohr ist nicht ordentlich mit Sand befüllt und klappt zusammen. Wir müssen es absägen und neu anfangen.

So ist unsere Arbeit immer wieder von Erfolgen und Rückschlägen und auch von frustrierender Werkzeug-und Materialbeschaffung geprägt.

Immerhin haben wir ja auch nicht wirklich eine Ahnung von dem, was wir da machen. Sollen aber mit dem improvisieren, was wir haben. Sprich: zaubern.

Abends treffe ich Mingde in der Stadt. Ich wollte mal wieder lecker Zusatzkalorien kaufen, zu Fuß in die Stadt laufen (weil eins der Kids das letzte Rad kaputtgespielt hat) und mit TukTuk zurück. Ich habe doppelt Glück: erstens kann ich mit den drei netten Französinnen laufen, die nur für zwei Tage kamen und zweitens hält Kyaw mit dem Van für uns an und bringt uns direkt zum Markt.

Gut, dann kann ich mir ja mit Mingde ein TukTuk teilen. Und ich laufe noch etwas mit ihm mit. „Oh, dieser Laden hat viele brauchbare Dinge! Ich liebe es, jeden Tag etwas dafür zu tun, unsere Lebensqualität zu verbessern!“ Und er kauft Eimerchen und Bürstchen fürs Klo, Stangen mit Aufhängehaken…“ und jetzt noch ein Fahrrad!“

Der erste Laden vermiedet nur, aber er schickt uns um die Ecke zu einem GebrauchtRadHändler. Der will 40000 (25€) für jedes Rad. Kauf ich mir auch eins. Mingde ist übbrigens mit dem platten vierten Rad hergefahren. Das gibt er nun gleich zur Reparatur. Für 1,20€.

Cool, mein Rad (ist bisschen klein, aber) hat sogar Gangschaltung und Korb!

Mittwoch, 5.2.

Heute drehen wir eine super Spirale

und heizen die zwecks Entspannung über Feuer.

In der Mittagspause will ich spontan ein Picknick mit Ella machen. Habe prima Obst und Kekse dazu vom gestrigen Einkauf. An der Brücke treffen wir Mingde, der sein Rad probiert. Da kommt er spontan mit.

Wir fahren zum nahen See. Der ist ja nicht superschön. Aber das Picknick ist recht friedlich, da auch Ella zufrieden an getrockneten Bananscheiben nagt.

Abends wackele ich mit Ella auf unseren Haushügel. Zum ersten Mal eine halbwegs  schöne Aussicht. Wenns nicht so furchtbar diesig wär… Zurück nehme ich einen anderen Weg, weil ich nicht nochmal übers Feld will, komme durch ein nettes Dörfchen und muss kurz vor dunkel noch durchs Dickicht, wo ich mir tausende von winzigen Dornen in die Hosen lade, mit denen ich schlafen muss.

Mokkhita und einige andere sind in dieser Woche unterwegs. Und so machen wir abends Yoga. Das tut mir recht gut.

Donnerstag, 6.2.

Gerüst schweißen und den teils feucht gewordenenen Sand mit verzweifelten Ideen aus der Kupferspirale herausmeditieren.

Abends gehe ich mit Zaw nochmal hoch zum Aussichtsberg

und nun weiß ich auch einen guten Pfad.

Mingde hat mir gestern schon ein paar Slippers (außderdem einen Toaster und etliche Kleinigkeiten) von einem neuerlichen Einkauf mitgebracht. Heute bringt er einen Duschvorhang, damit wir endlich das prima, aber offene Bambushausbad (hat stehendes kaltes Wasser in einem Betonbecken, das wir immer wieder befüllen müssen) benutzen können. Also drehe ich eine dickere Schnur aus dünner Plastikschnüre und baue alles zusammmen. Dann mache ich noch prima Haken aus Draht und Verschlussösen aus meinem SüdkoreaBrillengummi. Außerdem bauen wir Ella aus einem Karton, den ich in der Dinning Hall entdeckt habe, eine erstklassige Hundehütte. Mir gefällt Mingdes SituationsVerbesserungsEnergie und ich bekomme Spaß daran und Power, mit zu machen.

Freitag bis Sonntag, 7.-9.2.

Eigentlich will ich ja mit ein paar anderen Volunteeren die dreitägige Wanderung von Kalaw zurück an den InleSee machen. Aber Mokkhita erlaubt es einigen nicht. Teils, weil sie Lehrer sind und bei mir halt so, weil dann alle einen Tag freinehmen wollen… Dabei habe ich sogar angeboten, an einem WE Tag zu arbeiten.

Statt dessen will ich mit Nano (Projektkumpel) und seiner Freundin die TagesBootstour über den Inle See machen, aber das verschieben die beiden dann.

Ich jammere nicht. Statt dessen kann ich endlich wieder RELAAAAXEN.

Ich male zwei Bilder und trage mit Mingde Essen für Max in die Retreathütte.

Am Sonntag ist nachmittags Vollmond. Hier wird aber schon in der letzten zunehmenden Nacht, also am Samstag gefeiert.

Vor einigen Tagen schrieben Gunnar und Sven mir, dass Charly gestorben ist.

Das hat mich zuerst sehr traurig und betroffen gemacht. Dann habe ich gedacht: nun ist er da, wo noch Adler kreisen.

Am Freitag wohne ich der Beisetzung und der anschließenden Feier innerlich bei. Am Samstag und Sonntag singe ich das Mondlied extra für ihn und in Erinnerung an die letzte Vollmondparty im September bei ihm zu Hause am Gartenlagerfeuer.

Montag, 10.2.

Der Rocket Stove bekommt eine Wand aus Lehm-Zementgemisch. Mir geht es von Tag zu Tag besser.