Inle lake, Mudita

Dienstag, 21.1.

Flug von Yangon nach Heho.

Oben links der Inle Lake.

An der Info des Airports frag ich erstmal nach public transportation. Nee, nur Taxi. Wie teuer? 20-25000.
Ich gehe raus und nochmal zurück, weil ich auf Klo muss. Treffe Emma auf dem Flughafenklo: will sie auch in die Stadt? Nee, zur Monastery. Volunteering?
Ja, da will ich auch hin.
Prima, teilen wir uns ein Taxi.
Ohne die Situation mit ihr wäre ich beinahe ohne meine dicke Tasche gefahren.
Dann gehen wir raus und der TaxiMaffiaObermacker meint 30000. Nee, wir zahlen 20000. Alle Taxis hier kosten so viel! Das glauben wir nicht. Nach ner Weile unerträglichen Feilschens gehen wir einfach in Richtung Stadt. Weil mein Flugzeugsitznachbar mir gesagt hat, 500m weiter wärs billiger.
Nu ruft der Chefe persönlich doch hinter uns her: 25000!
Schon aus Prinzip nicht.
Ein Taxi fährt uns hinterher. Ich sage, für 22000 gehts ok. Zahlt jeder 0,60€ mehr, als geplant. Geht ja.
Die Ankunft auf dem Gelände der Klosterschule ist erstmal ziemlich gechillt. Keiner bemerkt uns. Auf Nachfrage werden wir zur Restaurantbar geschickt. Wir sind auch halb verdurstet, weil wir nix mit in den Flieger nehmen durften.
Nach einer Weile taucht Kyaw auf, erklärt uns bisschen was und will uns erst um 4e wieder sehen.

Ah, Mittagspause in unserer Bambushütte.

Mein rosa glitzerndes SchlafMoskitozelt bekomme ich später, aber jetzt ist es warm genug, um auf den Bambusmatten zu ruhen. Da kommt Antoine und quatscht mit mir und überhaupt sind alle super gesellig und freundlich.

Kyaw zeigt uns zwei Mudita Filmchen und die Häuser des Hofes.
Dann wird es schon dunkel und kühl. 6e Abendessen. Reis und Gemüse. Wird unsere Dauermahlzeit 3x am Tag.
19:00 Uhr hoch zum Meditationsraum. Weil Miles gesagt hat, es wäre ein Steinhaus und deutlich wärmer, gehe ich nicht nochmal meine Daunenjacke holen. Ein Fehler. Es wird inzwischen richtig kalt und zugig.
Mokkhita, der deutsche Mönch, leitet den Abend, beantwortet Fragen. 1/2 h Meditation, dann erzählt jeder kurz, was er heute gemacht/gearbeitet hat.

Die Nacht ist mit einer dickeren Plastikkuscheldecke, einer dünnen Decke, einer dünnen Schaumstoffmatratze (3cm), Schlafanzug, zweiter Hose und Daunenjacke ‚recht‘ kalt.

Mittwoch, 22.1.
Ich soll zu Samuel gehen. Der baut gerade hinter unserem Haus einen Raketenofen, um damit Wasser für die Dusche zu heizen (wieso eigentlich mit Feuer? Sonne ist doch meist im Überfluss vorhanden). Ein Pilotprojekt. Mit Öfen kenne ich mich ja garnicht aus. Aber das Gerüst soll aus Rundstahl gefertigt werden. Also flexe ich Stahlstangen auf Länge, biege sie grade und dann wieder krumm zu Außenstangen und Haltekreisen. Alle finden mich toll, weil ich so prima Kreise machen kann, auch Mokkhita kommt im rechten Moment vorbei. Das gefällt mir schon sehr. Aber meine Hände mögen diese Arbeit garnicht. Mal sehen, wies heute Abend wird.

Zwischen 4 und 6 ist frei. Nach einer kurzen kalten SchalenDusche gegen den gröbsten Staub laufe ich mal in die Stadt. Hm. Fahrrad ausleihen wär nächstens besser. Dann kann ich an den See, Obst und Creme kaufen. Die Luft ist in dieser Region sehr trocken.

Nach dem Abendessen wird Feuer hinter dem Klosterkomplex gemeldet.
Wir wissen erst garnicht, was los ist. Plötzlich ist es sehr nah. Und ein munterer böiger Wind weht zum Kloster.
Aber es stellt sich heraus, dass alle Feuer gelegt sind, wie jedes Jahr. ‚Damit man besser durchs Dickicht kommt.‘ Und das nahe Feuer wurde von Leuten aus der Stadt gelegt, um dem ferneren Feuer im Falle Einhalt zu gebieten.
Mokkhita selbst erklärt es uns. Er kam von den ferneren Feuerstellen, wo auch die meisten Volunteers halfen, nachdem wir ihn angerufen hatten, dass das Feuer dem Kloster so nah kommt.
Alles gut. Irgendwelche Leute legen ständig Feuer. Dass es außer Kontrolle geraten kann, ist egal. Man muss dann selbst darauf achten, dass seine Hütten nicht abbrennen.
Ich bin müde.

Donnerstag, 23.1.
Gestern gab es wegen des Feuers keinen Meditationsabend. Aber ich denke viel darüber nach, wo die Grenzen sind zwischen ’seinen Körper beobachten und zum Beispiel Haltungsschmerzen beim Meditieren einfach zu akzeptieren und eventuell vorübergehen zu lassen‘. Und: auf die Stimme seines Körpers (und seiner Seele ) zu hören und echte Grenzen zu spüren und einzuhalten.

Am Vormittag baue ich Teile für das Gerüst des Holzeinfüllstutzens. Gegen Ende bekomme ich von der ungewohnten bodennahen Arbeit einen leichten Hexenschuss.
Ok, bisschen vorsichtig aufräumen und Kaffe trinken. Marcela ist auch mit von der KaffeParty und erklärt mir, dass sie zusammen mit zwei Psychotherapeutinnen eine Yogawoche organisiert.
Und zwar Mitte Mai in Sardinien, wo sie wohnt.
Ok, könnte prima in meine Pläne passen. Ich hätte auch Freude daran, dort meine frisch erlernte Chi Nei Tsang anzubieten.

Zu Mittag fühle ich mich leicht fröstelig, obwohl es jetzt warm ist.

Was sagt mir der Hexenschuss?

Stopp, jetzt!

Also mache ich in meinem Schlafzelt ein paar Dehnübungen für den unteren Rücken, die allesamt aussehen, wie eine schöne lange entspannte Mittagspause.
Wenn ich so liege, gehts mir relativ gut. Aber ich bin auch traurig und verzweifelt, dass ich gerade so viele Baustellen habe. Für körperlichen Einsatz bin echt überhaupt nicht zu haben (angesagt war ja clinic room. Da ist aber nur am halben Vormittag Arbeit für einen) und ich möchte bald mit Mokkhita reden.
Als es beginnt, kühler zu werden, schäle ich mich von der Matraze und mache mir Tee. Erst zum Abendessen um 6e gehe ich runter.

Damma-talk (sehr interessant, wie Mokkhita über Buddhismus und co. spricht), die Meditation und die anschließende ‚was haben wir denn den ganzen Tag gemacht‘-Runde sitze ich auf heißen Kohlen. Beziehungsweise dünnhäutigen Sitzhöckern und mit schwellenden, schmerzenden, steifen Handgelenken. Mir ist einfach nicht wohl.

Der ewige Rauch legt sich auf meine Bronchien. Da macht nichtmal atmen Spaß.

Für mich ist jeder Sonnenuntergang Weltuntergangsstimmung. Aber der 20 Jahre junge Max kann sich von dem tiefglutroten Licht göttlich verzaubern lassen. Siehste mal.

Freitag, 24.1.
Beim FS erwische ich Mokkhita. Eigentlich will ich mit ihm einen Termin für ein vernünftiges Gespräch ausmachen. Aber dann sind wir schon mittendrin.
Ok, ich werde nicht die Bambushütte und Tischplatten schleifen, sondern mithelfen, den Bericht für eine Zeitung zu schreiben. Außerdem den Müll unter der Brücke am Eingang zum Hofgelände aufsammeln.
Mal sehen, was mein Rücken dazu sagt. Aber ich bin sehr zufrieden mit Müllmeditation.
Mokkhita erklärt mir außerdem, dass die Leute des Convenient Store auf der anderen Seite der kleinen Brücke schon des öfteren aufmerksam gemacht wurden. Es wurde auch schon mehrmals Müll eingesammelt, aber der Fluss ist dazu da, dass er den Müll wegträgt.
Samuel erklärt es einfach: früher war alles in Bananenblätter eingewickelt. Die Leute verstehen nicht, was jetzt anders ist. Sie haben es doch immer so gemacht.
Die Kinder kaufen sich Kleinigkeiten im Laden und schmeißen die Plastiktütchen ins Bachbett.
Genauso Küchenabfälle. Ich kann einfach nicht verstehen, wieso es in den drei Jahren nicht möglich war, ein Umdenken bei den Schülern, den Lehrern und dem anderen Personal zu erwirken.

Abends rede ich eine Weile mit dem französichen Paar Marie/Jan. Als ich zum Dinner gehe, bin ich der einzige foreighner. Komisches Gefühl. Sind alle ausgeflogen.

Mit Saw gehe ich zum frischbetonierten Lagerfeuerplatz oben bei unseren Volunteershäusern. Wir lassen ein munteres Feuerchen prasseln.

Er fragt die richtige, ob ich Gitarre spielen kann. Und ich freue mich darauf, demnächst mal wieder bisschen zu üben, eventuell mal paar Liedchen mit Saw vom Blatt zu spielen.

Nach und nach kommen paar Leutchen zurück und wir machen irgendwas zwischen private Dhamma-Talk und philosophieren.

Samstag, 25.1.

Mit Mokkhita und zwei Handvoll Volunteers zum alten Holztempel.

Wir meditieren dort und Mokkhita erklärt die Paramis.

Ist alles garnicht soweit entfernt von den 10 Geboten und co und was die anderen Religionen an weisen Lehren zu bieten haben.

Anschließend essen wir in einem Lokal und jeder schlappt kurz über den Markt. Prima, alle kulinarischen Minderversorgungsängste getilgt.

Wieder zurück

Endlich Dusche!

Zwar kalt, aber erträglich mit anschließendem Sonnenbad.

Sonntag, 26.1.

Ausflug zu der großen Höhle. Ich habe mich im letzten Moment dazu entschieden, obwohl ich fast schon zugesagt hatte, mit Antoine und vielen anderen Volunteers den Bootstag auf dem InleSee zu machen.

Gestern hatte ich mich mit Max (20), der heute auch zu der Höhle will, super unterhalten. Außerdem ist es etwas weiter weg (1,5h mit dem Van) und wer weiß, ob ich nochmal die Gelegenheit habe.

Mokkhita fährt selbst, wie gestern auch. Plötzlich schwenkt er großzügig aus. Mitten auf der Straße steht ein trauriger, klappriger Miniwelpe.

Max und ich sagen gleich: nee, nich mitnehmen!

Wir haben schon einige Dutzend ausgezehrter und notgedrungen vegetarischer Hunde aller Altersstufen auf dem Hof. Nebendran ist die Hundeauffangstation mit rund 250 Exemplaren. Jede Nacht hören wir einige atemberaubend unheimliche Heul-Jaul-Bellkonzerte.

Ein Bub ist schon von der heute vollbesetzten Ladefläche hinten abgestigen und hat den Welpen aufgehoben.

Irgendwie bin ich wohl im falschen Moment an der richtigen Stelle. Denn plötzlich öffnet sich mein Arm und -schwupps- ist es drin, das wollknäuelgroße Wollknäuel. Mokkhita hebt es kurz fachmännisch hoch: ’sie‘. Ok, dann Ella. Hatte nämlich gerade was von Emma erwähnen wollen und ihren Namen falsch gesagt.

Ella ist völlig ausgezehrt und besteht quasi bloß noch aus einer stehenden Hautfalte gepaart mit einem respekteinflößenden Überlebenswillen.

Als ErsteHilfeMaßnahme bekommt sie Wasser aus erster Hand.

Max und Ella

Mit Ella beim Picknick,…

…in der 9000 BuddhaHöhle.

In der Fresszeile vor der Höhle bekommen wir etwas Kondensmilch geschenkt.

Ella in der Papiermanufaktur.

Sie ist sauber!

Endlich zu Hause improvisiert Max ein Abendessen mit verdünnter Kondensmilch und Haferflocken. Aber sie will so gut, wie nichts essen.

Ein Kind stibitzt Ella, als ich kurz auf Klo gehe. Große Suche im Dunkeln. Endlich kommt sie mit einem im Garten gefundenen Lunghi in einen Eimer, zugebunden mit meinem orangenen Halstuch, das längst ihr Schmuddeltuch geworden ist.

Wir braten sie fast am Lagerfeuer. Immerhin hat sie jetzt warm. Heute darf sie im Eimer, isoliert mit einer dicken Decke in unserem zugigen und saukalten Bambushaus schlafen.

Montag, 27.1.

Morgendliche Raubtierfütterung.

Mit 5 von den kleinsten Mönchen gehe ich heute zum ersten mal in der Village Essen ‚holen‘.

Die fummeln alle Minute aneinander rum, um die Tücher halbwegs zu befestigen. Ist trotzdem saukalt.

Danach habe ich kaum Zeit für ein schnelles FS.
Wusste nicht, dass heute GutenMorgenVersammlung mit allen Schülern ist.

Dann gleich Montagsversammlung der Volunteers im PC Raum: mir ist kalt.
Danach: ich soll doch die BambusKloHütte schleifen und Bambusrohre reinigen. Ich merke, es tut mir nicht gut, rupfe mehr die Bambusfusseln und lasse Marcela mehr schrubben.
Derweil hüpft Ella um uns rum, ich habe ständig ein Auge auf sie.
Mittagspause im BambooGardenRestaurant. Mal was anderes essen, als Reis und Gemüse.

Nachmittags BambusHütte streichen mit GlanzPolitur und Verdünner. Nicht Öko. Rechts tuts ordentlich weh, so male ich mit links.
Nach einer Weile wirds auch da merkbar. Ich will nicht warten, bis es wieder schlimm wird. Habe ein Recht auf Unversehrtheit! Warum muss ich doch schleifen und malen? Wir hatten es doch besprochen!
Ich suche Mokkhita und schreibe ihm, kann ihn aber nicht erreichen.
Auf der Terrasse habe ich einen early childhood Prozess, muss viel weinen.

Dann gehe ich in die Stadt, Milch für Ella kaufen. Sie trinkt die Milch! Kaufe ich gleich noch eine kleine Packung.
Mir geht es jetzt schon ziemlich elend. Aber die Schmerzen werden zum Abend hin noch schlimmer. Vor allem unterm linken Daumen. Aber auch Füße, Knie.
Nach dem Dinner noch mal Raubtierfütterung. In der MeditationHall machen wir Yoga statt Meditation. Mir tut alles weh, zäh, ungelenkig, kann kaum mitmachen. Sonnengruß sowieso nicht. Wieder Prozesse, weinen. Bei der Abschlussentspannung muss ich mich bald hinsetzen, weil ich verkrampft atme. Dann erzählt Mokkhita auch noch von der ‚fürsorglichen Mutter‘. Ich spüre die Wut für eine Weile: warum war sie es nicht (im Krankenhaus, als ich 2 war), konnte es nicht sein?
Wegen der Flucht, des halb Erfrierens im Schiff, wegen Opa?
Ich erlebe mich auch zweigleisig mit Ella: fürsorglich und wieder hart(?) oder zumindest distanziert.

 

 

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