Travelschule

Sonntag, 29.12.

Zu 9e bin ich mit den chinesischen Mädels im Park verabredet, wo sie mich abholen wollen. Matteo und ich können aber noch schön Tschüß sagen und uns versprechen, dass wir uns über unsere Reise auf dem Laufenden halten. Ich interessiere mich sehr für seine Idee, für 1 Monat in die Berge zu gehen, um den dort ansässigen Karen (Bergvolk) bei der Arbeit zu helfen. Sie haben nette Ideen, Nutzpflanzen auf naturverträgliche Weise anzubauen.

In der Schule werde ich echt überrascht. Ich bekomme eine Königssuite

und Ella macht mir lecker Essen.

Dananch kriege ich einen spontanen Müdigkeitsflash. Das nette Zimmer machts mir leicht. Später fahren wir zu einem LocalMarket. Während die anderen ernsthaft für unseren HotPot und das morgige feierliche DumplingGelage einkaufen, zeigt Ella mir, was schmeckt und was nicht. Beziehungsweise, was es überhaupt ist. Ich probiere mich durch, bis ich einen ReisballBauch habe.

Bambusreis, leicht süß,

und ein BlaubeerReisbällchen.

Das Kokosdessert lasse ich mir für morgen. Ella spricht auch fließend Thai und nutzt fleißig ihre Sprachkenntnisse. Oder besser: wendet sie locker und selbstverständlich an.

Nach dem HotPot zeigen die Mädels mir das offiziele Schulvideo. Das ist interssant, da sie semesterweise lernen. Beispielsweise 4 Monate nur English oder ab 14 auch nur Mathe…jeweils im Superintensivkurs. Ella macht gerade Thai.

Vom Schulbetrieb selbst kriege ich aber leider nichts mit, weil Feiertage sind. Bevor ich kam, gab es eine einwöchige Schulung für die Eltern. Ich höre auch von der älteren Tochter des Direktors, dass die Schulkinder nach der Gesinnung der Eltern ausgesucht werden. Man ist hier sehr stolz auf die vergleichbar sauguten Leistungen der Schüler, ihr selbstbewusstes Auftreten und auch darauf, dass Schüler schon mit 17 wiederum Lehrer von jüngeren Klassen sind.

Wenn ich Ella und die anderen fröhlichen Mädels sehe (sind grad keine Jungs da), denke ich, dass das ganze Programm tatsächlich die jungen Seelen der Kids auf gute Weise unterstützt.

Während es wie aus Eimern schüttet, finde ich leicht in einen tiefen Schlaaaf.

Montag, 30.12.

Morgenspaziergang alleine.

Ab 10e große DumplingHerstellungsParty

mit anschließendem Fressfest.

Danach falle ich spontan für Stunden ins FootKoma.

Um wieder etwas zu mir zu kommen, mache ich einen weiteren kleinen Spaziergang ins ‚Dorf‘, oder besser, in etwas belebtere Straßen. Ich habe noch keinen Dorfkern oder so gesehen.

Um 18:00 Uhr gehen wir rüber zum Festplatz. Die 100 Schälchen mit je drei chinesischen Dumplings auf Bananenblatt, verziert mit Cherrytomaten, werden gefahren.

Alle sind sehr schön angezogen.

Bald gehen die Vorstellungen auf der großen Bühne los. Die übertrieben dicken Lautsprecher tun ihrem Namen alle Ehre.

Zuerst treten die Lahu (eines der vielen Bergvölker) mit ihren wunderschönen Trachten auf.

Wenig später ‚meine‘ lieben Mädels mit ThaiChiTanz.

Ella und Moana zeigen einen wunderschönen Hochzeitstanz und werfen am Schluss Bonbons in die Menge. Das war keine ganz selbstlose Idee. Schließlich mussten sie vorher die Qualität prüfen.

Gleich danach bin ich dran. Die ganze Schule ist sehr darauf aus, das Selbstvertrauen der Schüler zu fördern. Was ihr offenbar auch gelingt. Also versuche ichs auch mal. Und führe mich (gefühlt) auf, wie eine Diva (schlechtes Gewissen nach dem Motto, don’t overestimate yourself). Macht aber auch SPASS. Das ist ja wichtiger.

Dann genießen wir so viel, wie wir können, von dem Essen, das die anderen mitgebracht haben. Was für eine tolle Idee: Share Food Celebration!

Dienstag, 31.12.

Meinen Morgenspaziergang fange ich diesmal in die neue Richtung an: zum Festplatz. Über die Brücke… und dahinter sollen ein paar Cafes oder Restaurants sein. Sieht aber alles zu aus. Beim Nachfragen werde ich zur anderen Seite des Dorfes geschickt.

Oh, so ein schönes Cafe! Eine Oase.

Dieses Mädel liebt ihren Hund über alles.

Alleine heute macht sie mindestens 20 Fotos von ‚ihr‘. Und sie hat sie schon 12 Jahre.

Wir kommen prima ins Gespräch. Außerdem ist sie die „Schwester“ der Wirtin Waew.

Der Kaffee ist auch super. Zu schade, dass morgen zu ist.

Während meiner lazy Mittagspause fällt mir siedend heiß ein, dass ich meinen lieben Mädels echt ein Geschenk machen möchte. Also zurück zum Cafe. Waew hat eine prima rosane Papiertüte, aber nur 4 von den lecker lecker selbstgemachten Energybars. Spontan schickt sie ihren Bruder, mich mit dem Mofa zum nächsten Supermarkt und local market zu fahren. Ich freue mich riesig, dass alles einfach wird, wenn die Leute so freundlich sind.

So komme ich easy zu einer vollen Tüte LearningFood für die Kids und zu dem Genuss einer weiteren Tasse richtigen Kaffees. Waew erzählt mir, dass sie Kochkurse für Kindergruppen gibt und zeigt mir Bilder von süßen Hopsern, die konzentriert im Teig matschen.

Zum Schluss mag ich ihr ein klein wenig Trinkgeld geben, aber sie schaut mich nur irritiert an. „Na, als kleines Symbol, dass ich dankbar bin für alles, was ihr für mich getan habt.“

Als ich mich konsequent weigere, das Wechselgeld anzunehmen, hüpft sie zu einem Regal um die Ecke und zaubert ein kleines Fläschen mit Pflanzenstückchen eingelegt in etwas Öl hervor: „Rieche dran, wenn du fühlst, dass eine Erkältung im Anmarsch ist.“

Herzlicher Abschied

Sylverster selbst wird wie bei uns innerhalb der Familien gefeiert. Meine chinesischen Mädels feiern garnicht, schließlich haben sie erst im Februar Jahreswechsel. Ich bin auch noch superzufrieden von gestern und will früh ins Bett.

Da weht aber von draußen ein immer aufgeregter anmutender Geräuschcoctail in mein Schlafzimmer.

Ich widerstehe zunächst aus lauter Faulheit und weil ich mir denke, ‚was soll ich schon sehen?‘

23:15 Uhr reißt es mich dann doch für einen Sylvesterspaziergang aus den Federn.

Diese Erlebnisse habe ich in lediglich einer guten Stunde eingeheimst:

– Das Tor ist abgeschlossen, die Mauer ums Grundstück ca. 3 m hoch.

– Ha, das Gartentörchen und die Einfahrt zum Nutzgarten sind noch auf. Was aber, wenn die Gärtner die Tore schließen, bevor ich zurück bin? Ich klopfe mal an der Tür der Gärnterhütte.

– Oh Schock, da sitzt ein junger Mann im Schneidersitz. Ich denke erst, der ist nackt. Puh, hat aber eine hautfarbene Shorts an. Weil er kein englisch versteht, ruft er einen riesigen dicken BabyMann. Der versteht schon nach einer Weile, muss aber Mama fragen. Nu wird die auch noch geweckt. Mann, mann, mann, tut mir alles so leid. Ok, die Tore dürfen aufbleiben.

– Draußen auf der Straße ist

– NICHTS

– Ich mache mich auf in Richtung Festzelt und plane einen Rundweg durchs Dorf.

– Eine der berühmten Laternen am Himmel lässt meinen Blick folgen und prompt sehe ich eine laaaange Sternschnuppe

– Die ersten Menschen: 5 Männer, 1 Frau. Sie halbnackt, tanzt auf dem Auto. Die Musik ist laut für 5000. Unfotografierbar peinlich. Ich muss mir einen Ruck geben, zurückgehen, winken, „HappyNewYear“ durch den Krach hindurch schreien und mit übertriebenen Gesten fragen, ob ich die bizarre Szene fotografieren darf.

– Danach wieder Leere und Dunkelheit. Sternschnuppe 2

– 1000 Frösche und 1000000 Grillen sind auf der anderen Seite meines ländlichen Rundweges tatsächlich lauter, als die Jungs.

– 1 junger Mann fragt mich, ob er mich auf seinem Mofa mitnehmen darf?

– 1 junges Paar fährt mir auf der einsamen Straße hinterher und fragt, ob ich Hilfe brauche?

1.1. 🌟 ✨🎆✨🌟

– Um Mitternacht herum bin ich im Dorf und sehe mindestens 20 Raketen und lauter fliegende Laternen, außerdem eine handvoll Leute, denen ich ein frohes Neues wünschen kann.

Mit diesen Laternen wurden seit Wochen viele Häuser geschmückt. Hier ein Tor auf meinem Weg

– Zum krönenden Abschluss fliegt im dunklen, dunklen Wald ein einzelnes Glühwürmchen.

Überaus zufrieden starte ich das neuegeborene Jahrzehnt mit einem guten langen Schlaaaf.

Am Morgen bin ich so froh, dass ich ein Geschenk in der Hand habe. Da bekomme ich, obwohl ich schon die drei Tage durchgefüttert wurde, eine pralle Obsttüte und die Zutaten für die Suppe vom HotPot.

Ella möchte wissen, wie die Grashüpfer geknüpft werden.

Und danach falten Yuki und Ella mit mir den kleinen Drachen. Das macht so Spaß: einmal zeigen, schon kapiert und umgesetzt.

Großer Abschied:

Modesty fährt mich nach Chiang Mai. Nicht ohne mich einzuladen, wenn ich wieder mal nach Chiang Mai oder Kunming komme. „Du kannst Urlaub in unserer Schule machen und Lehrer sein.“

Im Park möchte ich erstmal bei einer Tasse Kaffee zu mir kommen. Stattdessen komme ich intensiv mit einem holländischen älteren (endlich!) Ehepaar ins Gespräch.

Wieder ‚zu Hause‘ bin ich wirklich bisschen traurig. Die Mädels waren so lebhaft.

Abends im Park zur Kokosnuss, empfiehlt mir einer der AcroYogis das Massagehaus im Wat (Tempel) Pan Whaen. Ich genehmige mir dort eine superschöne (was für ein Unterschied zu der in Bangkok!) und zudem günstige (in einem großen offenen Raum mit bestimmt 16 Matratzen) ThaiMassage.

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4 Gedanken zu „Travelschule“

  1. Liebe Kaddi, ich lese manchmal deinen Blog weiter und finde ihn immer superspannend. Bin noch in der ETPraxis in HD und denke öfter an Dich. Deinen Laptop hatte ich zuletzt häufig in Einsatz- bin Dir fürs Überlassen echt sehr dankbar. Ich wünsche Dir ein supergutes, ziemlich gesundes Neues Jahr 2020 und noch viel Spaß beim Reisen. Liebe Grüßle 🙂

    1. Oh, liebe Sabine,
      so schön, von dir zu hören! Wie geht es dir? Du bist echt tapfer, dass du in der ET so lange durchhälst. Oder ist es hoffentlich nun besser? Gab es wieder Änderungen?
      Du weißt ja dann sicher, dass ich mich zu Hause wieder neuorientieren muss. Danach ist mir zur Zeit noch garnicht. Neben dem ständig mehr oder weniger krank sein erhole ich mich sehr langsam von den kürzlichen Turbulenzen zu Hause.
      Hoffentlich ist es so, wie ich es mir einbilde und ich erwische einen Virus nach dem anderen, weil ich gerade in den Wechseljahren bin. Das birgt immerhin den Keim der Hoffnung, dass ich bald wieder eine stabilere Gesundheit haben könnte. Jetzt kann man mich natürlich fragen, warum ich auf lange Reise gehe, wenn ich regelmäßig alle Monate krank werde. Ich kann dir nur sagen: das macht zu Hause auch keinen Spaß und verursacht jedesmal Existenzängste (Job verlieren, nicht arbeitsfähig sein…). Hier draußen kann ich das viel gelassener nehmen. Ohne unter Druck zu stehen. Und nebenbei richtig schöne Erlebnisse und Begegnungen haben.
      Dir auch ein gelassenes, freudiges, gesundes 2020 mit vielen nährenden Begegnungen
      Kaddi

  2. Hallo liebste Kaddi,
    wenn ich das alles sehe, was du schreibst, kann ich mir kaum noch vorstellen, dass du auch noch was Anderes machst. 🙂
    Auf jeden Fall freue ich mich, dass es dir gesundheitlich wieder besser geht und hoffe, dass der Rest deiner so-weit-weg-Zeit da etwas entspannter wird. Ich drück dich jetzt mal ganz fest und schleuder dich knuddelmäßig einmal um mich rum (stell mir quasi vor, wie das jetzt in echt wäre). Naja, und vermiss dich auch ein bisschen. Und das, obwohl ich immer noch schneckenhäusig drauf bin. An Weihnachten hab ichs wenigstens wieder mal zum Kuscheln in Frankfurt geschafft. Als Belohnung konnte ich mit einer hübschen Frau aus Darmstadt kuscheln.
    Ach ja, alle außenrum sind verliebt. Und ich kann mich drüber freun, dass es allen so gut geht. Und wenn ich deine Fotos sehe mit dem sonnigen Himmel, dann sieht das Grau bei uns am Himmel nicht mehr ganz so grau aus.
    Ich hatte ja im November frei und jetzt zwischen den Jahren auch. Es hat mich auch diesmal wieder nicht hinaus in die Welt gezogen. Aber Balkonienurlaub ist ja grad ganz groß im Kommen – hab ich gelesen. Mir war nach Stille und die hatte ich auch und das hab ich auch genossen. Jetzt bin ich gespannt, was das nächste Jahr bringt.

    Ich wünsch dir einen guten Jahresanfang und weiter eine wunderschöne Zeit mit viel netten Menschen!
    Alles Liebe
    Rainer

    1. Lieber Rainer!
      Für einen schneckenmäßigen Rainer schreibst du schön viel. Danke dir sehr für das Fanster ’nach Hause‘. Mir sind diese Anbindungen sehr wichtig. Wie Wurzeln, die mich halten und nähren.
      Nee, ich will noch nicht zurück. Aber ich weiß ganz genau, dass die Zeit kommen wird, wo ich es ganz doll will, einfach genug haben werde.
      Für die nächste Zeit sind erstmal ein Kurztrekking in den Bergen mit Kontakt zu den HillTribes, eine MassageSchulung und in Myanmar dann 1 Woche Superrelaxstrandurlaub geplant.
      Lieber Rainer, ich bin auch neidisch, die Singles müssen jetzt wohl zusammenhalten!
      Wünsche dir einen guten Rutsch und
      Alles Liebe
      Kaddi

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