Einmal wenigstens Mt Everest sehen

Wie jeder gute Tourist will ich natürlich auch unsere sehr, sehr hohen Herrschaften sehen. Und wie jeder gute Tourist latze ich jede Menge Geld dafür. Der Flug KTM Luckla ist unverschämt überteuert.

Das Essen unterwegs kostet auch ordentlich. Allerdings muss man beachten, dass alles von Portern, meist Sherpas und einiges auch von Lasttieren (Maulsesel und Yaks) hoch in die Dörfer getragen werden muss.

Die Porter werden nach Kilo bezahlt, weswegen sie oft über 100 davon tragen. Bei einem Körpergewicht von 50kg unvorstellbar. Halbe Häuser, halbe Supermärkte. Oft bloß mit einem Kopfriemen.

Später habe ich noch viel absurder bepackte Porter gesehen.

Donnerstag, 21.11.
Nach halb durchwachter Nacht weckt mich der Wecker um 4:30.
4:50 bin ich unten im Foyer, dann warte ich draußen. 5:05 werde ich nervös und wecke die Staff. Einer ruft an. Ok, in 5 min wird ein Taxi kommen.
Check in ist schnell und leicht. Dann sitzen wir in der Boarding Hall. Mein Flug 401, 6:15 Uhr ist nicht auf der digitalen Tafel angezeigt. Ich frage jemanden, der offiziell aussieht. Er meint bloß, dann geht der Flug wohl später, ist eh schlechte Sicht und alle Flughäfen geschlossen…
10 nach 6 kommt die Dame vom Ticketschalter ziemlich erleichert auf mich zu: „Wo waren Sie denn, hab Sie überall gesucht.“ Na, eigentlich bin ich mit meiner knallorangenen Jacke leicht zu finden.
Sie gibt mir ein anderes Ticket 301.
Ok, wir müssen eh warten.
Irgendwann verspätet dürfen wir in den Shuttlebus steigen.
Das ist unser Flieger

Wir müssen aber „mind. 30 min oder auch unbestimmte Zeit“ im Bus warten, Lukla hätte gute Sicht, aber der alternative Flughafen eben nicht.
Dann die Nachricht, nee, doch noch länger, als eine weitere Stunde. Also fährt der Bus zurück und wir boarden wieder aus.

Mit 2h delay kommen wir schließlich in Lukla an. Uns wurden Plätze zugewiesen und ich saß leider auf der falschen Seite. Auf der anderen sah man nämlich die ganze Zeit die weißen Bergkämme des Himalaya.
Die Landung auf der 400m kurzen Rollbahn habe ich mir dramatischer vorgestellt. Dramatisch war sie eher überhaupt nicht. Sanft aufkommen ohne Ruckeln locker abbremsen und gut.
Dann folgt allerdings die Orientierungslosigkeit. Wohin jetzt? Irgendwo soll ich doch auch das Trekkingpermit kaufen… zunächst mal den Ausgang finden. Der ist gerade Baustelle. Da spricht mich ein Nepali an, ob ich einen Guide bräuchte, oder einen Porter. Was will der tragen, mich? Mein Rucksack hat 3kg.

Darum nenne ich das, was ich hier tue auch nicht Trekking, so dern ‚einen Spaziergang machen‘. Trekking ist mit Schlafsack.
Dann schlappe ich auf einen RoofTop, um Übersicht zu gewinnen. Cool, den kleinen Fliegern bei Start und Landung zuzusehen.

Ganz klein, an der Kante, hebt das Flugzeug gerade ab.

Unten entdecke ich das sehr zierliche NepaliMädel aus unserem Flieger. Sie macht in einigen Tagen beim EverestMarathon mit und will sich schon mal akklimatisieren. Sie weiß auch nicht, wo der Ticketschalter ist, hat aber den gleichen Weg, nimmt mich schon mal mit und fragt jeden: „Dai, wo ist der Ticketschalter?“
Da liefert sie mich ab und ich weiß jetzt auch wos langgeht.

Das arme Mädchen war mit den Zehen aus der Sandale gerutscht. Hab sie wieder reingetan.

Anfangs habe ich garkeine gute Laune. Ich fühle mich alleine. Ist schon eine Umstellung (, ohne jemand an der Seite). Ich weiß aber auch, daß sie mir bald gelingen wird.
So nach und nach laufe ich mich warm und so nach und nach dringt die wildnatürliche Schönheit der Landschaft zu mir durch.
In Phagding bin ich zum Lunch. Eine garstig arrogante deutsche Tischnachbarin gibt mir die Aufgabe, mich mit mir selbst wohlzufühlen. Ist nicht schwer. Schön warm, essen ist ganz gut. Und das Klo überraschend hochherrschaftlich sauber. Dummerweise war ich vorher schon, da kam das Spülwasser aus einem Loch im Boden zwischen den Füßen wieder hoch.
Der Trekkingpfad ist ganz gut auf Maps.me abgebildet. Inclusive Restaurants und Sehenswürdigkeiten und vor allem Everest View Points.
So hangele ich mich von einem Ort zum nächsten und bin plötzlich am Eingang zum Sargamantha National Park.

Habe heute morgen schon 16€ gelatzt, hier wollen sie nochmal 24€.

Das Dörfchen, das ich ein paar Minuten später erreiche, Jorsalle,

ist das letzte vor Namche Bazar. Dahin muss man allerdings wohl mindestens 2 h aufsteigen. Hm, 14:30. Zu früh, um hierzubleiben und zu spät, um noch hochzusteigen. Während ich noch überlege, spricht mich ein netter Minihotelbetreiber an und casht mich auch gleich. Draußen sitzt Jörg und gibt mir bei heißem Zitroneningwer einige Tipps. Außerdem lässt er mich seine gute und übersichtliche TrekkingKarte abfotografieren.

Nach einer guten Unterhalteng muss er leider weiter, in Richtung Lukla.
Es ist noch nichtmal 4 und ich will schon gerne bis um 6e mit dem Abendessen warten.
Wird jetzt empfindlich kalt. Bald habe ich alle drei Hosen an.
Jetzt wünschte ich mir, hier wär mehr los.
5e, ich geh mal ne Weile ins Bett.
Das gibt mir die Zuversicht, dass Daunenjacke und zwei Decken reichen werden.
Der Wirt lässt in der DiningHall dauernd die Tür auf, ist eh nicht geheizt.

Freitag, 22.11., Tag 2

Erstaunlicherweise ist es um 6e schon hell genug, um aufzubrechen. So mache ich mich schnell fertig. Shit, ich habe dem Hotelmann gesagt, ich hätte gerne um 7 einen Pfannenkuchen zum FS. Nu ist er noch nicht auf. Ich klopfe an die Tür und rüttle. Schließlich lege ich das Geld ins Zimmer und mache mich auf. Nach ein paar Minuten bekomme ich doch ein schlechtes Gewissen und kehre nochmal um. Da fegt bloß eine Frau vor seinem Haus, aber sie gehört nicht dazu. Sieht so aus, als verstünde sie immerhin, dass der Bai noch nicht auf ist und das Geld auf dem Zimmer liegt.
Anyway, ich geh jetzt. Ich will aus der dreckigen Küche eh keine weitere Mahlzeit. Habe auch den Verdacht, dass das DalBath gestern Abend nicht wirklich frisch war. Hat irgendwie nach Jauche geschmeckt. Der ‚Beweis‘ ist im Klo gelandet.

Solange es noch flach ist, fühle ich mich fit. Aber dann gehts sehr lange sehr steil bergauf. Damit habe ich echt meinen Schaff.
Ich kenn das schon: es kommt mir lang, lang, lange vor und dann bin ich doch recht früh oben.
Oh, Namche Bazar!

Keinen Bock auf Business! Ich touchiere kurz eine enge Straße der Stadt und schlage mich sofort nach rechts den Hügel hoch, klettere über Mäuerchen und finde den Weg zum Nationalpark Everest Aussichtspunkt.

Schon schöne Berge. Ein Nepali erklärt mir, welcher der Everest ist. Kaum zu glauben, denn es ist kaum Schnee drauf.
Lasse mir später erklären, dass es dauerhaft zu kalt ist dort, um Schnee oder Eis anzusetzen. Der Pulverschnee wird schnell von den starken Winden weggeweht.
Der Mann meint, dass ich nach Tengbuche gehen könnte und er zeigt mir den Ort, der in der Ferne auf einem Bergkamm sitzt. 5-6 h von hier.
Wäre heute durchaus noch mit einem Kraftakt machbar, liegt aber zu hoch. 3800m. 1000 mehr. Ich will nicht nochmal den Fehler machen, von einer Nacht auf die andere zu viele hm Unterschied zu haben.
Auf der Karte sehe ich, dass es vorher ordentlich runter und wieder rauf geht. Phunke Tenga an der Brücke ist zwar recht nah, aber auch flach genug, um dort zu schlafen.
Ich schlage mich durch zum Panoramaweg, den man ebenfalls vom Aussichtspunkt sehen konnte. So schön hier!

Ich sehe auch wieder einige Adler. Selbst wenn sie am Gegenüberliegenden Berg fliegen, wirken sie noch riesig.
Der Morgen war eiskalt. Hier scheint die Sonne prall gegen den Berg. Es ist lieblich warm und sieht lieblich aus.
Hinter jeder Kurve wieder die tolle Aussicht auf den Everest, Lhotse, unseren vierthöchsten und Amadablam der von hier durchaus beeindruckender aussieht, als die hohen Herrschaften.
Kurz vor 12 erreiche ich das erste Haus von Khyangjuma. Ich hatte kein ordentliches FS, nur Nüsschen und ne Mandarine. So ist das mein Haus.

2,5 h verbringe ich hier, weil die nette Frau sagt, es ist nur noch eine h nach Phunke. Außerdem schmiede ich mit ihr den Plan, bei ihr zu übernachten, wenn ich zurückkomme.
Lunch, kleine Wäsche, Powernap auf der Mauer. Unterhaltung mit einem älteren Mann, der sich fit halten möchte. Und mit seinen beiden Guides, die ihn später zum Lunchrest ins Bett bringen…die Zeit vergeht einfach nicht. Eine schöne, sonnige langsame Zeit.
Dann stapfe ich unter den letzten wärmenden Sonnenstrahlen nach Phunke runter. Auf dieser Strecke sehe ich den ersten Dampe.

Der scheue metallicblaue pfauenähnliche Nationalparkvogel.
Ich frage im letzten Haus vor der Brücke nach Unterkunft. Ziemlich teuer hier, aber ich bin mit allem zufrieden. Gutes DalBath, Ofen in der Dining Hall, gute Matratzen und prima Decken. Wenn kein weiterer in mein ZweiBettZimmer kommt, brauche ich wieder nicht nach einer zweiten Decke zu fragen.
Bisschen Unterhaltung in der DiningHall am Ofen.

Samstag, 23.11., Tag 3

Nach der Brücke kommt gleich der nächste Checkpoint. Ein brauner Hund liegt da und rappelt sich auf, als ich vorbeikomme. Ich nenne ihn später Moonbear, weil er einen weißen Streifen auf der Brust hat. Aber meistens sage ich ‚Dog‘ zu ihm.

Er begleitet mich den größten Teil des 600hm- Hanges nach oben. So ist es erstaunlich leicht. Wir verlieren uns, weil uns genau bei einer Wegkreuzung einige Kühe entgegenkommen. Ich denke, die Pfade finden sich gleich wieder. Tun sie aber nicht. Fällt mir schwer, so Abschied zu nehmen.

Nach 1,5 h bin ich oben. Huch, erstaunlich klein, das berühmte Dorf mit dem berühmten Kloster.

Ich sitze ein bisschen unschlüssig vor dem Tor zur Monastery und schaue mich versonnen um. Was soll ich jetzt machen? Es reißt mich im Moment nicht, das Kloster zu besuchen, ich komme eh nochmal vorbei. Mein Plan ist, hinterm Berg wieder runter ins Tal nach Milingo zu gehen. Aber das ist lediglich 100 hm tiefer. Alles was ich weitergehe, muss ich eh wieder zurücklaufen, weil heute der mittlere Umkehrtag ist. Es ist fraglich, ob ich einen weiteren guten Aussichtspunkt erreiche…
Dann fallen mir die Fahnen auf der kleinen Anhöhe direkt vor mir auf. Oh, von da…

Ich gehe mehr gelenkt als kontrolliert. Habe aber schon den Plan, meinen kleinen GirlyRucksack unten irgendwo liegen zu lassen. Ne fast volle Wasserbuddel, so knappe 400ml und meine Daunenjacke nehme ich mit.

Auf dem Hüchel angekommen, sehe ich, der Pfad geht weiter steil hoch, hoch zu einer Stupa…na, das könnte ich doch, mit vielen Pausen…

Tatsächlich wird die Aussicht immer atemberaubender. Tatsächlich kann man die EverestGruppe und das ganze Tal, das dorthin führt, wunderbar überblicken. Der Blick zur anderen Seite in Richtung zurück nimmt mich allerdings noch mehr mit.

Ja, bei der Stupa angekommen muss ich mich erstmal voller Dankbarkeit auf einen Sattel, bewachsen mit sonnendurchtränktem trockenen Gras, werfen. So schön! Oder auch umwerfend im wahrsten Sinne!

Da sehe ich, ich könnte doch auch noch zum Gipfel. Da ist ein Stock drauf. Es war also schon mal jemand dort. Ich mein klar, ich merke schon die Höhe, muss dauernd verschnaufen und ich habe nicht viel Wasser, …aber es bockt halt auch unglaublich!

Doch kurz vor finit eine kleine Enttäuschung (wer klettern will, muss auch ’nein‘ sagen können. Gleichzeitig höre ich Nakul immer eindringlicher: ‚don’t got thire!‘) Es wird so steil, ich habe jeden Pfad verloren. Um weiterzuklettern, müsste ich den Fuß über die Hüfte heben. Und wie komme ich wieder zurück?…

Ich knirsche nicht lange mit den Zähnen, es ist eindeutig! Sondern suche mir ein nettes Plätzchen.

Da kommt die sprechende Krähe.

Sie macht eine ganze Zeit mit wirklich besonders absonderlichen unkrähenhaften Geräuschen auf sich Aufmerksam. Als wollte sie ums Verrecken sprechen und hätte voll gesteigerten Spaß dran.

Bis ich ‚Hallo‘ sage. Und sie auch “Hallo“ sagt.

Ich brauche nichts.
Hier oben, in diesen kostbaren Stunden, gehört der ganze überschaubare Himalaya mir alleine.

Dann, nach einem wunderbaren Powernap doch mit dollem Hunger nach unten.
10-14:30 war ich unterwegs. Das bedeutet auch: eine gute Akklimatisierung. Jemand sagte: pro Tag 1000 rauf und 500 wieder runter. Genau das machte ich heute. Könnte ich echt versuchen, hier oben auf 3850hm zu schlafen.
Der Junge vom Tenboche guest house, gibt mir gleich einen Schlüssel, aber als ich ihn bitte, mir was zu essen zu machen, kümmert er sich lieber mit viel Seife um seine Schuhsolen. Ist sicher auch wichtig. Aber ich hab echt Hunger und sage das auch mit Nachdruck (Gunnar, du weißt, was ich meine, ja?)

Da leg ich die Schlüssel wieder ins Fach und gehe zur Bakery.

Die zaubern mir gleich was und hier ist es auch viel sauberer.
Als Nachspeise gibts zur Feier des Tages warmen gedeckten Apfelkuchen.

Bisschen Sahne dazu oder Vanilleis hätte ich auch nicht abgelehnt. Aber ich will nicht klagen: saulecker!
Mit der jungen netten Russin Natscha, einem Japaner, der seit vierzig Jahren immer mal wieder kommt (seine Dauenenjacke kennt schon seinen ersten Trip) und den Leuten von der Bakery verbringe ich einen schönen Abend am Ofen.

Sonntag, 24.11., Tag 4

Der Plan ist aufgegangen. 1000m rauf, 500m runter und dort schlafen. Nicht so dolle Syptome, ich konnte sogar schlafen.
Ja, es gab auch eine Zeit, in der ich gelinde Panik hatte, bloß nicht ans Tauchen denken!
Ich konnte mich aber recht gut selbst beruhigen.
Die Brust hat die ganze Nacht wehgetan. Ich nehme an, dass die Bronchien ausgtrocknet waren.

6:24 auf, zu spät für Morgenrosa
8:15 schön kuschelig ausgeschlafen.
Während alle wohlig in der Sonne sitzen und zufrieden FS mampfen, höre ich sie wieder, im Baum hinter dem Haus, die Sprechende Krähe.

„I saw that craw on the mountain, und nun sitzt sie hier, hört mal, sie will wirklich sprechen!“

„Well, you’ve got a new friend.“

Danach besuche ich die Monastery.
Ich setze mich zum Beten. Kaum werde ich etwas stiller, kommt der heiße Schmerz.
Dankbarkeit, dass ich das alles erleben darf, diese Berge! Dass meine Muskeln und mein Körper mir erlauben, so viel zu wandern. Dass meine Eltern meine Reise überhaupt möglich gemacht haben, indem sie sie mit ihrem Geld, das sie mühevoll verdient haben, finanzieren.

Aber auch Schmerz, bittere Trauer, dass wir Menschen uns so entwickeln. All about money. Nun auch in Thailand. Nepal, Südkorea…
Es ist nicht nur, dass da ein weiteres Land auf mich wartet, in dem ich teuer Geld latzen muss. Klar spricht das meinen Geiz an. Die andere Seite ist aber auch unweigerlich, dass die Menschen in einem weiteren Land den Bezug, die Liebe zu sich selbst verlieren, die Liebe zu Mitmenschen und zur Natur.
Money makes People ugly.
Ich versuche mich zu beruhigen. Nebenbei spüre ich, dass meine Brust nicht mehr schmerzt. Es kommt jemand, ich weiß nicht, ob es ein Mönch ist. Ich habe das Gefühl, er unterstützt mich in diesem Prozess.
Lange Zeit bibbern meine Lippen, verzieht sich mein Gesicht vor hochkommendem Schmerz. Es ist nicht genuge Liebe, um um die Welt zu gehen. There’s not enough love to go around.
Ich versuche, das alles in den pulsierenden rotierenden kosmischen Schoß zu geben, denn es ist ja viel zu groß für mich.
Dann bekomme ich Antwort. Es ist eine weibliche Stime: „Alles ist gut, wie es ist:
Wenn du kochst, sieht es zwischendurch auch schlimm aus in der Küche.
Wenn du dich gegen den Fluss sträubst, verbrauchst du ohne Effekt alle deine Energie.
Geh mit dem Fluss und alles ist leicht
Alles ist gut, wie es ist.“
Dann kann ich mich endlich beruhigen.
Im Grunde hab ich das die letzen Tage ja immer besser gelebt. So: nicht auflehnen gegen die teuren Preise, einfach dankbar sein, dass ich das alles erleben kann und auch genug Geld habe. Und mir kaufen, was ich brauche.
Und der Mann? Geht auch.

Ich bleibe noch eine Weile still sitzen, genieße die Ruhe.

Draußen tönt die sprechende Krähe, meine neue Freundin aus dem Klostergarten.

Übrigens nennen die Sherpas Mt Everest Chomolungma, goddess mother of the world.

„Many Sherpas believe that the summit of Chomolungma is home to the Buddhist goddess Miyolangsangma. It was she, they say, who allowed the first explorers, Sherpa Tenzing Norgay and New Zealander Edmund Hillary, to reach the top in 1953.“

Die Buddhistischen Gebetstrommeln werden immer im Ugrzeigersinn gedreht. Und so stelle ich mir die Süitze des Mt Everest als Nabel der Welt vor, als Nable des göttlichen Schoßes, um den sich eine bestimmte spirituelle Energie dreht.

10:00 ganz langsam mach ich mich auf, ganz langsam gehe ich runter. Genieße die warme Sonne. Abschied von den strahlenden Bergen und von diesem schönen stillen Platz.
Besinnlich-versonnen. Was bedeutet es, mit dem Fluss zu gehen? Das ist wohl gerade meine Aufgabe. Nicht mit dem Kopf zu lösen.
Beim Check out in Phunke Tenga treffe ich einen jungen Mann, dem ich wärmstens empfehle, auch im Hinblick auf Akklimatisierung, auf meinen Berg zu gehen. Er bekommt dieses begeisterte glitzern in den Augen. Ich denke, er macht es.
Auf der Brücke treffe ich alle diejenigen wieder, die in meinem Flieger waren. Sie wollen gerade nach Tenbuche hoch. „Oh, du warst schnell!“

Dann sehe ich ‚meinen‘ guckmaldawarich-Berg von der Seite.

Im übernächsten Dorf kaufe ich einen kleinen Drachen und ein  Meditationsgerät: eine ‚Dorje‘.

Am Dorfende höre ich sie wieder und bleibe eine Weile stehen. Es kommt ein Paar vorbei. „Diese Krähe versucht wirklich zu sprechen. Und sie ist mir von Tenbuche bis hierher gefolgt. – Oh, jetzt denkt ihr, ich bin verrückt. Naja.“

„Ach, was 😬.“

Vor 14:00 bin ich an der Kreuzung.
Ok, die Entscheidung ist einfach: Ich zweige nochmal nach Khumjung ab, um auf den Everest Viev Berg zu klettern.
Von dort sehe ich, dass ich noch etwas weiter laufen muss, um den alternativen Flughafen

und Namche von oben zu sehen.
Das Wort Höhenweg bekommt über dem tiefen, tiefen Tal eine ganz neue Dimension.

Es ist einfach so schön hier und so atemberaubend, dass ich noch etwas umherspazieren möchte.
Genießen!
Everest sherpa resort.

Günstiges Essen draußen an der Menütafel. Soll ich die nette Dame aus Khyanjuma hintergehen?
Ich frage nach dem Bettpreis:
110$!
Ich glaub echt, der verarscht mich. Zeigt mir aber die Karte. Auf der stehts tatsächlich.
Schon ne gute LAGE. Mit EverestBlick und so…

Unten zahle ich 2 $.
Dann spaziere ich jetzt mal nach Hause. Mittlerweile halb vier. Ein gutes Stündchen werde ich schon brauchen.
Muss wieder bisschen rauf, das ist schon sauschwer!
Bleischwer.
Ich bücke mich gerade, um Luft zu holen, da rauscht einer von diesen wunderschönen blauen Nationalparkvögeln einen Meter an mir vorbei und fliegt kamikaze runter ins Tal.
Seitdem ich gestern auf dem wunderbaren Berg war, habe ich das Gefühl, in dieser Gegend jeden Pfad zu kennen.
Wie zu Hause…

Oh, ich verliere aber diesen Pfad. Und schlage mich irgendwie durch,

ängstlich, dass ich nochmal ‚rauf‘ muss. Dafür sehe ich Damwild. Und bald auch einen netten vielversprechenden Pfad.

Der Shortcutpfad von Khumjung nach Kyangjuma ist märchenhaft.

Als wir uns wiedersehen, umarmen wir uns spontan, die nette Frau vom Hotel in Kyangjuma, und ich.

Ihr Mann hat 2015 den Mount Everest bestiegen

und führt eine Travelagency in Kathmandu. So ist sie viel alleine.

Dieser Mann hängt auch in ihrer Dining Hall. Sein smartes Lächeln macht mich froh. Sollte ich mir eventuell auch besorgen, son Bild.

Am Abend lerne ich ihren durchaus aufdringlichen persischen Freund kennen. Er will unbedingt, dass ich nach Persien komme und eine seiner teuren Trekkingtouren buche.

Schön fand ich, dass die Dame des Hauses meinte, ich solle lieber den Riegel an meinem Zimmer vorschieben. Manchmal kämen Yaks rein…

Montag, 25.11., Tag 5

Von dem Pakistanimann lasse ich mir gern einen Apfel spendieren, danach gibts kalte Morgenwäsche. In der Dusche gehts, aber vorne am Brunnen ist die Leitung eingefroren.

Schön erfrischt gehts wieder los. Heute ist ein langer Wandertag. Erst flach. Ich hatte mich so auf Sonne am Hang gefreut, aber die dicke Wolke von gestern hat sich über dem Tal ausgebreitet. Allerdings begegne ich einer Gruppe Australiener, die einem Wanderfreundeskreis angehören. Die zwei sehr netten Herren, mit denen ich mich angeregt unterhalte, geben ganz guten Sonnenscheinersatz.
Ihr Guide führt sie allerdings bereits in Namche in ein Museum. Ich kann nicht mit, weil ich Kilometer zählen muss. Natascha hatte mir ein nettes günstiges Hostel in Cheplung empfohlen. Morgen noch 1h nach Lukla, perfekt!
Auf der Bank vor der Klinik hatte ich mich vor drei Tagen im Sonnenschein ein wenig ausgeruht und promt, wie immer, das vergessen, was unter mir meinen Hintern wärmen sollte: mein Halstuch. Nu komme ich wieder da vorbei. Na, wird jemand mitgenommen haben, das wär ja auch gut. Aber ich will über den Zaun  schauen, ob es den Abhang runter geweht ist, denn ich möchte keinen Müll verursachen.

„Was suchen sie?“

„Äh, mein orangenes Halstuch, hab ich vor drei Tagen hier vergessen.“

„Warten Sie!“

Er kommt tatsächlich mit dem alten Ding in der Hand wieder raus. Die gute Situation nütze ich nicht nur für einen Klogang, sondern ich frage auch mal beiläufig nach Volunteering. Er klingt nicht besonders begeistert, aber geundsätzlich ist es schon möglich.

Heute lerne ich mal paar Leute beim Wandern kennen: einen griesgrämig- negativ eingestellten jungen Deutschen, einen komischen LibanonRussen, der mir ein Video zeigt, wie er das große Gepäck eines überladenen Porters für ein paar Meter rauf und wieder runter trägt. Zwei liebe Irinnen, eine kann super deutsch. Eine Wohltat.
Am Road House in Cheplung verabschieden wir uns, sie wollen noch weiter.
Das Wetter ist heute den ganzen Tag meist verhangen und kühl. Ideal zum Tschüss sagen. Einfach nur laufen, nix mehr anschauen müssen. Bloß noch gucken, dass ich warm und satt habe.

Dienstag, 26.11., Tag 6

1 h nach Lukla, ich lerne den Guide Nima kennen, der heute frei hat und gerne mit mir EnjoyTime fabriziert hätte.

Mir war heute Nacht schon klar, dass der Flug verschoben wird, als ich starke Windböen hörte. Es sieht eigentlich ganz gut aus heute, klar, kalt, recht windstill. Dennoch ist den ganzen Morgen noch kein Flieger abgehoben.

Bald gründen wir den ‚Singleclub‘ auf einer netten Mauer in der Sonne. Direkt über dem Rollfeld. Nix los.

Gegen 15:00 geh ich nebenan ins Shangrila, dort treffe ich auch Assad wieder, der sich hervorragend danebenbenimmt und damit alle unterhält und zum Lachen bringt. Zum Beispiel hat er den Flug erst morgen, rennt aber zum Flughafen, als der erste Flieger (von seiner, leider nicht meiner Fluggesellschaft) sich bereit macht.

Wir lachen uns tot über seinen unsinnigen Aktionismus. Aber das macht ihm nix. Könnte doch sein, dass ein Platz frei ist. Heute geht noch genau ein weiterer Flug. Und er spielt das selbe Spiel. Langen sich alle ann Kopp.
Doch dann leitet er mit seiner überbordenden danebenen Energie einen schillernd Bunten Abend ein mit Selbstkaraoke und Tanz.

Hier: Assad und Santosh

Santosh, der Besitzer rückt seine Gitarte raus und macht Livemusik (ich auch).

Das coole ist, Santosh hat ein Lied geschrieben, das ich mag und das perfekt passt. Wenn ich es hier mal verlinken darf:

Zu unserer Spontanparty mit einigen Trekkern, Guides, Dörflern, wird serviert: Bier und Rum (mit heißem Wasser)

Im Laufe des Abends sammle ich noch weitere schöne Lieder. Bald sind bloß noch Assad, ich und die Nepalis feuschdfröhlisch

27.11.
Heimreise
FS, ich verstehe mich gut mit Bicar, der schon gestern Abnd neben mir saß.
Dann Chaos auf dem Flughafen ab 7:30.
Flug geht ca. 10:40, aber dann müssen wir noch auf den nächsten Flug warten, bis der Bus losfährt und wir kommen ab Baghdapur in Stau. Ätzend!
Diese Straße will ich nie mehr fahren. Der mit Nakul geplante Deulikhel-Tag fällt nu eh flach, eventuell ist es von Nagarkot aus eine andere Strecke.

Neben mir im Mini Bus sitzt ein junger Amerikaner. Als wir durch Baghdapur und dann am Kathmandu Airport vorbei trafficjammen, stiert er aus dem Fenster.

„Are you so much interested?“ (In dreckige Straßen, heruntergekommene Häuser…man wills garnicht wissen)

„Äh, no…“

„Astonished?“

„Ha, well, thats a good word!“

Der Bus bringt uns gegen 19:00 ! (anstatt gemütlicher kurzer Direktflug nach KTM, um 10:00, wie gebucht und bezahlt) nach Thamel. 170 m entfernt von meinem Hostel. Ich komme genau an meinen ersehnten Momos (gefüllte Nudeln) vorbei und dann dusche ich erstmal. AH, nach 7 Tagen!
Und natürlich Wäsche. Schön, das Wasser ist voll braun, lohnt sich.
Oben auf dem RoofTop telefoniere ich mit den Eltern. Papa hat vor paar Tagen nur erwähnt, dass es Mama nicht gut geht. Wir brachen das Telefonat ab, weil er mich nicht verstehen konnte. Und sie haben nicht auf meine Mails geantwortet. Toll!
Nun kann ich entlich fragen  was los ist.

28.11. Ausruhtag
Laaange geschlafen, wie ein Stein. Morgens Rheuma in den Handgelenken, wie Sau. Schwer, aus dem oberen Bett herunterzusteigen. Aber ich tausche dann eh, die nette Schweizerin geht. Die machte sich übrigens die gleichen Sorgen um die Welt, wie ich. Da hab ich ihr das mit der Küche verraten, die, bevor das Werk vollbracht ist, schlimm aussieht. Das hat sie voll erleichtert und fröhlich gemacht.
Nach dem FS wieder schön ins Bett. Zu Mittag finde ich am Rand von Thamel ein richtig nettes Lokal,

in dem ich für billig mixed Laphing und Momo verspeise und lange Gitarre spielen darf. Oh, das tut gut.

„Komme wieder!“ „Hm, danke, ich hoffe, dass ichs nochmal einrichten kann.“

Tee auf dem Roof Top, Lunchrest, dann Klamotten aussortieren. Weil ich eh zu viel habe. Aber auf dem Flug nach Bangkok darf ich nur 11kg Gepäck plus Handgepäck mithaben.
Nach 17:00 Treffen mit Nakul. Der hat aber bloß Zeit, mir nochmal seinen Plan darzulegen.

Ich gehe wieder ins Chops & Hops.

Diemal spielen die Jungs, oh, sie singen so schön!

Wieder lasse ich mir ein paar NepaliLiedtitel aufschreiben.

Ein Gedanke zu „Einmal wenigstens Mt Everest sehen“

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