Annapurna Base Camp trekking

Freitag, 8.11.

Ich bin schon um 4e wach und stehe um 5 auf. Stelle meine ganzen Taschen leise vor die Dormtüre um dort noch mal alles richtig zu packen. Die Zeit reicht locker für einen Kaffe.
Der Wasserkocher ist unten im Foyer, wo zwei, manchmal auch drei Mitarbeiter schlafen. Draußen ist auch viel Polizei und in SuperMärkten sieht man einige gelangweilte Mädels an den Gängen sitzen und einen Extramann an der Kasse. So denke ich, die Mitarbeiter schlafen zu unserer Sicherheit dort und weil es eben ihr Bett ist.
Nakul kommt recht pünktlich. ‚Ah, I think, you are coming for me?‘ Es ist auch noch ein Paar hier, das zur Abreise bereit ist. Unten im Foyer ist es noch dunkel. Ich sehe Nakuls Gesicht kaum. Dennoch bin ich instantan erleichtert und erfreut, dass es es ist. Wir verstehen uns auf anhieb. ‚Hello‘, ein Lächeln und eine gute Umarmung.
Wir verbringen die nächsten 10 Tage zusammen. Alles ist gut.

Nakul muss erstmal meinen Schlafsack to rent besorgen. Dann gehts mit dem Taxi zur Überlandbushalte.
Vielleicht hätte ich es noch hingebracht, ein Taxi anzuhalten. Das machen die ja sogar freiwillig. Obwohl am Morgen kaum was los ist. Geht erst um 9e weiter mit Touristenrummel.
Aber der Busplatz macht mir zu schaffen. Es ist alles völlig chaotisch, dreckig und verwahrlost. Der Bus, der unserer sein soll, sieht halbwegs nach Bus aus. Aber, obwohl Nakul kurz hektisch wurde, bevor wir das Taxi hatten: jetzt sind wir die ersten und lange Zeit kein weiterer Fahrgast in Sicht. Wäre ich alleine, ohne Guide unterwegs, hätte mich das nervös gemacht. Tatsächlich fahren wir mit nur einer handvoll Fahrgästen sehr verspätet los. Der Beifahrer hängt sich aus der offenen Tür raus und ruft hektisch und laut nach weiteren Fahrgästen.
Nakul rät mir, mich vorne hinzusetzen, wo mehr Beinfreiheit ist. Er sitzt auf der anderen Seite des Ganges. Mir ist wohl, dass er jetzt näher ist. Als ich mich bisschen anlehne, gibt er mir den Schlafsack rüber, damit ich mich schön drauflegen kann. Er weiß offenbar schon vor mir, was ich will und brauche.
Die Fahrt dauert 7h. Wir haben zwischendurch Pinkelpausen, Lunch und Dinner.
In irgendeiner Stadt hält der Bus plötzlich an und muss angeblich zum Service. Wir steigen in einen Jeep um. Passt alles genau rein.
Auf der mittleren Sizbank sitzt eine alte Frau zwischen uns. Sie schaut mich strahlend an, als könnte sie sehen, dass Nakul und ich uns gut verstehen.
Um das gleich klarzustellen: ich war und bin nicht verliebt. Aber wir haben eine besondere Verbindung, die vom ersten Augenblick an spürbar war. Da wir uns zehn Tage auf der Pelle hockten, war es ein Segen, dass nix erotisches im Spiel war. Durchaus aber Geschwisterliebe.
Kaum sitzen wir im Jeep, gehts steil und rumpelig- immer rumpeliger den Berg hoch. Schon klar, dass der Busfahrer nicht sein schweres Gefährt mit sieben Leuten da hoch hiefen wollte.
Nach elend langer Fahrt landen wir in Nayapul. 50 min walk to Birethati.

Unser erstes Hotel

Ich habe Lust, mir nach den paar Metern mit Rucksack nochmal die Füße ohne Gewicht zu vetreten.

Zum Dinner erklärt Nakul mir, dass ich in jedem Hotel Dinner und Frühstück zu mir nehmen muss, weil sie sonst das Doppelte und Dreifache des Unterkunftpreises verlangen (den er bezahlen muss).
Ich habe überhaupt keinen Hunger. Habe zu Mittag schon wenig gegessen, aber ringe mir ab, eine kleine Suppe zu bestellen. Ich finde das System total beschissen, entdecke aber immerhin die Lücke für mich, meine Bananen, die ich vom Bus aus kaufte, meine Äpfel und Nüsse und Kekse in den Mittagspausen zu essen.
Beim Dinner erklärt Nakul mir seinen Plan.

Er fängt immer wieder einige Tage vorher an, dadurch wiederholt sich seine Rede einige Male. Das ist sehr irritierend. Dazu der starke Akzent und das schwache Englisch. Aber ich komme halbwegs mit.
Mir wärs am Liebsten, dass er einfach nur erklären würde, wie lange und wie viel ups and downs es morgen gibt.

Außerdem umterhalten wir uns zum ersten Mal länger. Nakul ist verheiratet. Er erzählt mir von seiner arrangierten Ehe und dass es üblich ist hier. Wenn die Eltern sich auf ein Arrangement geeinigt haben, haben die Kids die Chance, sich öfters zu treffen, bis zu einem Jahr lang. In der Zeit sollten sie sich einigen. Eine Chance, nein zu sagen, gibt es nicht. Macht mich irgendwie traurig. Aber seine süße ist blutjung und sehr hübsch. Nakul selbst ist 35 und eines von fünf Geschwistern. Zwei weitere sind früh verstorben. Er nennt mich Schwester. Später erfahre ich, wieso sich das so selbstverständlich anhörte. In Nepal nennt jeder jeden kleiner/großer Bruder/Schwester. Bai ist kleiner Brudet, Dai großer. Baini kleine Schwester, Didi geoße.

In meinem Zimmer angekommen, probiere ich den Schlafsack aus, nachdem ich die vergleichsweise halbwegs erträgliche Klosituation überwunden habe. Dann kommt ein junges Mädel in mein Zimmer, um mir eine Decke zu bringen. Ich weiß noch nix von den hiesigen Regeln und wehre ab: nein, ich brauche keine Decke, Nakul hat schießlich den Schlafsack für mich raufgeschleppt.

Samstag, 9.11.

Von Birethati nach Gorepani

Zunächst geht es relativ eben durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet.

Bevor wir den Hüchel, der vor uns liegt, hochsteigen können, müssen wir erstmal ganz runter. Das wird das steilste und anstrengendste Stück des ganzen Weges. Obwohl es bloß so 200hm sind. Es ist heiß, ich muss alle meine Klamotten im Rucksack tragen und ich bin wohl auch einfach noch nicht warm gelaufen.

Wir werden aber mit schönster Natur belohnt.

Ich bin ziemlich geflasht, das sind zwar keine Kirschblüten, sieht aber genauso aus und ist einfach die falsche Jahreszeit.

 

Zwischendurch sehen wir auch die spitze eines ersten weißen Berges hervorblitzen. Nach Ulleri gehts weiter aber weniger steil bergan nach Gorepani.

Das Hotel hat eine Terrasse mit atemberaubender Aussicht. Jetzt kriegt mich erstmal keiner ins Haus.

Zunächst ist er noch etwas wolkenverhüllt, dann zeigt er sich in all seiner Schönheit: Dhaulagiri, mein erster über 8000er. Und der höchste Berg der Region mit 8171m.

Ich bin tief gerührt und muss ein bisschen weinen. Das muss ich ab jetzt öfter. Ist bisschen hart für Nakul, aber was will ich machen. Da mus er durch. Er denkt, er kann damit schlecht umgehen, verhält sich aber furchtbar lieb.

So langsam trudeln die Gäste in der Dining Hall ein. Nakul möchte mit paar Jungs Karten spielen und fragt mich allen Ernstes, ob er sich zurückziehen darf. ‚Äh, ja, be a happy man tonight.“

In der Dining Hall steht auch  ein Holzofen. Guuute Idee. Uns ist ziemlich kalt und so wärmt sich an diesem geselligen Ort jeder erstmal gründlich auf. Es sind drumherum auch ein paar Holzstangen und Schnüre angebracht. Ja, bisschen Wäsche hätte ich auch zu machen. Dazu muss ich raus an den kalten Wasserhahn. Seife liegt da. Während ich so schrubbe, wirds um die Ecke rosa. Ich leg mein nasses Zeug auf eine halbwegs saubere Mauer und nix, wie hin auf die Terrasse.

Da erglüht gerade Annapurna South im Abendrot.

Zum Dinner bestelle ich fortan DhalBath. Reis mit Pupssoße und Curry. Manchmal sind noch etwas Salat, ein paar Pickles und ein dünner Teigkeks dabei. Das einzige Essen, bei dem man kostenlos nach bekommt. Regel ist, dass der Guide bedient. Gerade, als ich einem netten Paar am Tisch erzähle, wie sehr ich es genieße, dass sich jemand um mich kümmert, kommt Nakul und gibt mir Reis nach. Von der anderen Seite kommt jemand aus der Küche und bedient mich mit mehr Curry und Dal. Sehr, sehr freundlich. Das bin ich echt nicht gewöhnt und fühle mich einen Moment wie eine Königin.

Was ich nicht so mag ist, dass die Locals erst essen, wenn die Gäste fertig sind. Ich fände es viel netter, wenn wir alle zusammen essen würden. Das Argument, dass die Küche überfordert wäre, verstehe ich schon. Die Guides essen allerdings eh alle DalBath (auch zu Mittag) und bezahlen dafür auch deutlich weniger.

Ich glaube, die eigentliche Regel dahinter ist: die Gäste werden zuerst und zuvorkommend bedient, weil sie und solange sie für alles zahlen. Übrigens auch für Wifi, das nur einen Abend funktioniert, für das Aufladen der Batterie und warm duschen.

Nach dem Dinner nich ne Runde Ofenwärme, bis die Klamotten trockwn sind. Ich quatsche gerade mit einem anderen Quide, als Nakul um die Ecke kommt. „Er nennt mich geoße Schwester, behandelt mich aber, wie seine Oma: pass auf, es könnte rutschig sein, tritt nicht auf diesen Stein hier, geh nicht zu nah an die Kante….“

Nun aber ab ins Bett. Morgen geht es früh um 5e raus.

Sonntag, 10.11.

Der Plan war, dass Nakul mich weckt. Gut, dass ich doch meinen Wecker gestellt habe. Ich warte einige Minuten in voller Montur, das heißt, mit zwei Hosen, UnterPulli und zwei Jacken, Handschuhe…zusammen mit einem anderen Mädel auf Nakul. Dann kommt ein anderer Guide vorbei, der ihn wecken geht.

Nun kanns losgehen. Sternenklare Nacht. Immer den Hang mit dem wohlklingenden Namen Poon Hill hinan. 400hm. Nakul bremst mich aus. Ich muss nicht so rennen. Bin aber irgendwie excited.

Auf der Hälfte des Weges erkenne ich auch, dass kein Grund zur Eile besteht. Es zeichnet sich erst ganz wenig fadenscheiniges Tageslicht am Horizont ab.

Tatsächlich verbringen wir oben eine geraume Zeit. Bis die Sonne aufgeht. Und bis ich mich endlich lösen kann.

Ich knipse Fotos…

…genieße die sich langsam verändernde Aussicht, springe übermütig auf dem Platz rum, verliere Nakul aus den Augen und suche ihn lange zwischen den hunderten von Besuchern, trinke dann doch einen Kaffe (was übrigens das Foto Knipsen deutlich erschwert…

…und lerne ganz am Schluss noch die wunderbare Margot kennen.

Auf dem Weg runter zum Hotel. Dann gibts ordentliches Frühstück.

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