Nepal

Dienstag, 5.11.
7:30 reichhaltiges FS mit Kartoffelpuffer, Spiegelei und Toast.
Um 8e bin ich am Bahnhof.
Klappt alles prima. Ich bin saumüde und schlafe vor dem boarding und im Flugzeug. In China, etwas nördlich von Hongkong habe ich 4,5 h Aufenthalt. Ich schlafe erstmal ne Runde, bis ich erfahren kann, in welchem Gate das Boarding ist. Dort lege ich mich auf eine gemütliche, weil gepolsterte Spielplatzumrandung und lass die Youngsters um mich herumtoben.

Endlich im Flieger habe ich zwei supernette MaschineningenieurNepali neben mir, die geben mir die ersten Tips. Zum Beispiel, wo ich am besten Jacke und Hose fürs Trecking bekomme. Nämlich im Kalapathar.
Dann schlafe ich ein. Hm, der Tag ist ja auch 3,15h länger.
Das auschecken am Kathmandu Flughafen dauert nevenzerreißend lange. Es gibt Maschinen für Visabeantragung. Aber da keiner kapiert, wies geht, wartet man ewig in der Schlange. Ich will nach dem Geldabheben noch eine DatenSim kaufen. Als die ein Foto von mir wollen, passe ich. Ich habe jede Menge dabei, aber ich weiß gerade nicht, wo und habe einfach keine Lust mehr. Nun der Taxiparcours, den ich erfolgreich neinsagend überwinde und mit einigen unbedeutenden Schwierigkeiten finde ich auch mein heruntergekommenes Hostel. Jetzt ist es so 22:30. Ich fühle mich ausgelaugt und totmüde. Die Tür ist zugesperrt.
Nach einigem Klopfen kommt jemand. ‚Tut mir leid, wir sind ausgebucht.‘ ‚Aber ich habe gebucht.‘ ‚Ist aber nix frei, hier sind nur Doppelzimmer. Aber keine Angst, ich fahre dich in ein anderes Hotel.‘
Ob ich vorher noch duschen will, was trinken…’Nee, bloß zu meinem Bett.‘
Dann schwingt der junge Mann meine Reisetasche auf sein abgewracktes Mofa, ich hintendrauf und los gehts durch Kathmandus slummige Hintergässchen. Vor jedem einzelnen Sträßchen erklärt er mir, ob es schlechter oder besser ist. Die schlechteren sind wirklich schlecht. Zum Glück fährt er langsam, während er mit mir um die halbmetertiefen Schlaglöcher und übriggebliebenen Teerinseln schlingert. Ich muss einmal an einer falschen Stelle ja gesagt haben, denn nun zeigt er mir das Hotel, fährt aber daran vorbei und macht noch ne Runde Sightseeing mit mir.
Es ist ziemlich offensichtlich, dass er für irgendwas anbandeln will. Mir bleibt bis zum Schluss schleierhaft, für was. Im Hotel schleppt er meine Sachen nach oben, nachdem ich den ausgemachten Preis bezahlt habe. Das kann ich zu dem Zeitpunkt aber nicht nachprüfen, weil noch kein Internet. Ich bekomme ein wunderbar großes Zimmer mit sauber wirkendem Doppelbett und nicht sehr furchtbar dreckigem Boden.
Irgendwie druckst er noch rum, bis er endlich erkennt, dass ich bloß schlafen will.
Und das tue ich richtig gut.

Mittwoch, 6.11.

Im Sonnenlicht erkennt man mit etwas gutem Willen die eigenwillige Schönheit in allen Dingen.

Auf dem Weg zum Flughafen, der auch von diesem Hotel nicht weit ist, verlaufe ich mich, weil das GPS mal wieder überhaupt nicht hinterherkommt. Krass staubiger und heruntergekommener Eindruck. Der ‚Fluss‘, der Marker, an dem ich mich schließlich orientieren kann, eine stinkende eingetrocknete Kloake. Verdammt!

Ich denke, der ist aus Bronze, bis ich bemerke, dass die Fliegen um seiner Nase sich träge bewegen.

Bis ich beim Flughafen bin, hab ich von diesem Stadtteil echt genug gesehen.
Ich hole mir die SimCard, aber Google zeigt mir keine öffentliche Verbindung zu meinem Hostel an. Also muss ich ein Taxi nehmen. Es stellt sich heraus, dass ich doch fähig bin, ein wenig zu verhandeln. Ich dachte, Nepal wäre billig, offensichtlich wars das mal. Der Fahrer, der mich für etwas weniger fährt, ist jedenfalls supernett, ohne Aussaugtendenzen und versöhnt mich wieder. Er ruft sogar im Hostel an, damit jemand kommt und mich durch die letzten undurchblickbaren Hintergässchen zum Ziel bringt.
Ich erwarte fast schon Schreckliches, aber ich schließe mein Billighostel gleich ins Herz.
Zunächst traue ich mich allerdings nicht weit vom Hostel weg, weil es verdammt schwer ist mich hier zu orientieren. Alle paar Gässchen hat es auch noch wieder die gleichen Läden.

Auf einer Kreuzung nearby steht ein dicker schwarzweißer Yeti. Prima Merkmal! (Allerdings stelle ich am nächsten Morgen fest, dass sie den alsemol woanders hintun.)
Das Hostel hat, wie fast jeder hier, eine integrierte Reisagentur. Das schrieben sie mir auch schon nach der Buchung. Eigentlich möchte ich bloß paar Tipps für eine selbstorganisierte Trekkingreise bekommen. Aber ich schließe dann doch einen Vertrag für eine Tour mit Guide ab. Der Futterposten scheint mir zu teuer. Und so mache ich aus, dass ich das Essen aus dem Vertrag lasse und selbst vor Ort bezahle.
Er hat denselben Tip für Treckingklamotten, wie auch schon mein Flugzeugnachbar. Und der -huch? -winzige Laden ist gleich um die Ecke. Ein Herr schickt mich aber drei Häuser weiter in den zweiten Stock ins Lager. Hier gibt es in Kompostkästen buchstäblich haufenweise Fakeklamotten  und wohl davon wieder zweite Wahl. Unerreichbar hoch hängen an einer Stange weitere hunderte von Jacken. Mit fällt natürlich trotz der überbordenden Reizüberflutung und der Massen an wühlenden Leuten, sofort die einzige orangene Dauenenjacke ins Auge. Die lasse ich mir von einem gelangweilten jungen Mädel, das flugs auf einen der Komposthaufen klettert, herunterreichen. Sie nennt mir auch nach kurzem abschätzendem Blick darauf einen passablen Preis.
Klar, passt, wie angegossen. Ich hole mir noch einen dünnen, aber wärmenden Pulli dazu. Die Wahl der Hose ist schon schwerer. Aber bald habe ich alles. Zum Bezahlen muss ich wieder in den kleinen Laden ein paar Häuser weiter unten an der Straße. Ich wundere mich, denn im Straßengewühl könnte man zu einfach einfach mit seinen Klamotten verschwinden.
Einer hält eine große Mülltüte auf, der andere zählt die Klamotten rein. Auch er: kurzer abschätzender Scheißegalblick, noch günstigeren Preis genannt, und rein in die Tüte.
Nebendran ist ein Laden, der unter vielem anderem auch diese netten bunten Fähnchen verkauft. Ich will bloß erstmal fragen, was die kosten. Na prima, dann komme ich nach dem Trekking und hol mir welche. Da meint er, er traut jedem Nepali, aber keinem Foreighner und sein Blick sieht echt zutiefst frustriert aus. Ja, meine ich, die Nepali, die alle in diesem Klamottenladen einkaufen, scheinen auch alle zu bezahlen. ‚Klar bezahlen die. Jeder Nepali tut das.‘
‚Weißt du was? Du merkst dir jetzt, dass ich hier war. Ich komme nach dem Trekking wieder und du registrierst dann, dass ich wirklich gekommen bin und tust deinem Herzen was Gutes.‘

Das Abendessen, richtig lecker DalReis mit Gemüse, bekomme ich von der Agenturseilschaft spendiert.

Sogar ein Bier dazu. Zum Glück lasse ich mir das leichtere Bier mit dem schönen Namen ‚Mount Everest‘ empfehlen. Selbst das krieg ich nachher kaum runter.
Man erklärt mir, dass ich soviel essen darf, wie ich möchte, also immer wieder nachbestellen darf. Und je mehr ich esse, desto glücklicher ist dann der Wirt. Prima win-win Geschäft.

Donnerstag, 7.11.
Superlanges Frühstück auf dem Dach

mit einer Japanerin aus Hokaido und dem netten jungen Bettnachbarn aus Holland, mit dem ich dort bereits gestern gute lange Gespräche geführt habe.
Ich habe richtiges Brot geholt von der Bäckerei nearby und wir genießen das alle drei mit Peanutbutter. Jeder steuert was zum FS bei und wir sind super zufrieden.

Heute habe ich den ganzen Tag pretty much of nothing vor. Außer, ein Eratztuch für mein damals in einem Flugzeug vergessenes zu besorgen. Das hatte ich vor ca. 10 Jahren in einem Nepalladen in Kroatien gekauft und echt geliebt.
Nur leider gibt es die nicht mehr. Hier hat echt jeder fast das gleiche Angebot. Im Grunde reicht es, wenn man 5 Geschäfte abklappert. Dann wiederholt sich alles. Hier gibt es Tücher, Klamotten, Leder, Filz, Dinge aus Metall und Futter… etc.

Hier gibt es Kathi Rolls

Ich erreiche den Garden of dreams.

Der ist eingemauert und kostet 3€ Eintritt. Trotzdem alles staubig. Ich werfe nur von der Kasse aus einen kurzen Blick hinein.

Nebendran ist ein Tempel. Alles bisschen anders.

Manche Sträßchen sind bisschen breiter. Dann rauscht der Verkehr mit Affenzahn und mit allem, was irgendwie rollen kann halsbrecherisch durch die Stände und an den Fußgängern vorbei. Das macht mich völlig fertig. Bis ich mich entspanne und einfach mitfließe. Ein strudelnder Fluß.

Hier ist es mal kurz ruhiger, sodass ich mein Handy zücken kann, ohne, das es gleich über den Haufen gefahren wird.

Heute muss ich kalt duschen. Das sonnenkollektorengewärmte Wasser hat wohl nicht für alle gereicht.

Freitag, 8.11.

Alles Gute zum Geburtstag, Ian!

Ich bin schon seit aller Frühe auf und warte auf meinen Guide. Dann gehts 7h mit dem Bus nach Pokhara, besser gesagt, nach Nayapul und in 9-10 Tagen zum Anapurna Base Camp und zurück.

6:15: Mittlerweile ist der Guide da. Er ist sehr nett und ich bin froh, dass ich diese erste Tour nicht auf eigene Faust und alleine mache.

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