ABC

Beim MBC halten wir garnicht erst. Es geht gleich weiter. Aber ich werde nun deutlich langsamer. Gefühlt brauche ich nach drei laaangsamen Schritten eine Pause. In echt sinds vielleicht 10.

Vor uns der Annapurna South und rechts davon taucht hinterm Hüchel sehr gemächlich Herr Annapurna I himself auf.

Noch fasziniert mich mehr der Blick zurück zur Flanke des Fishtail, der uns die ganzen Tage begleitet hat und auf den Annapurna III

Geschafft! Zu Mittag kommen wir nach 4 h Schleicherei (meinerseits) oben beim ABC an und befinden uns somit auf 4100m Höhe.

Nakul schaut nach einem Zimmer für mich. Und ich natürlich nix wie hin zur Moränenkante.

Ich steh noch garnicht dran, da hör ich Nakul zum ersten Mal fast böse, jedenfalls richtig energisch:

„DON’T GO THERE!“

„But…“

„Don’t go there, come back! First Lunch. Later, I will go with you!“

Ich muss jetzt noch über diese Situation lachen. Vor Tagen, gefühlt vor Wochen, hab ich Nakul mal gefragt, ob er böse werden kann. „Nee, eigentlich nicht. Aber ich kann böse schauen!“

„Zeig mal!“

Das war der Totlacher schlechthin, wie er die Augen aufreißt und mit seinem lieben Bubengesicht irgendwas ernsthaftes hinzukriegen versucht.

„DON’T GO THERE!“, wird natürlich unser running gag.

Und: „Ich mach in 99,5% aller Fälle, was du sagst, kleiner Bruder.“

Weil ich’s beim Aufstieg mit der Luft nicht so hatte, empfiehlt Nakul KnoblauchNudelSuppe. Ein Mädel, das ich unterwegs paarmal traf, erzählt, dass wir hier oben 4-6 Liter/d trinken sollen. Obwohl ich seit Tagen dauernd eine trockene Kehle habe und alle halbe Minute beim Aufstieg was getrunken habe, bin ich noch weit davon entfernt.

Endlich geht Nakul mit mir zur Abbruchkante der Seitmoräne. Ich bin richtig brav.

Wir hocken lange auf einem Stein und lauschen dem Gurgeln und Knacken des Gletscherstromes.

Dann will ich unbedingt noch in Richtung des Annapurna South Gletschers. Ein Fels verdeckt bisher die Sicht auf eine Gletscherklippe.

Und dieser See taucht auf. Wie Toma. Nur ausgetrocknet.

Es ist erst halb drei. Bewegen hält warm, aber so richtig viel Sauerstoff ist hier nicht, das ist mal klar.

Ich bestelle mir in der Dining Hall mal wieder eine Kanne heißen Ingwer. Mit Zucker geht das richtig gut runter. Außerdem ist es so nah am Gletscher ordentlich kalt. Da hilft das auch. Was ich echt nicht verstehen kann, ist, dass auch hier keiner die Tür zu macht.

Ich lerne den Finnen Juusha und seinen indischen hübschen Freund kennen. Wir unterhalten uns prima.

Juusha hat bisschen Kopfschmerzen. Mir selbst wird gegen 4:30 so saukalt, dass ich versuchen möchte, im Bett ein bisschen Wärme zu speichern. Mir ist allerdings auch klar, dass es auf meinem Zimmer viel kälter sein wird, als in der Dining Hall. In voller Montur lege ich mich ins Bett und versuche es mit Selbsthypnose. Ich kann mir echt auch ganz gut den Holzofen inclusive Wärme vom Hotel in Ghorepani vorstellen. Dennoch höre ich eine Stunde lang nicht zu zittern auf. Dann gebe ich es auf und schleiche frustriert wieder zur Dining Hall. Hier ist es inzwischen noch etwas wärmer, weil mehr Gäste da sind. Aber ich kriege meine Kälteschauer nicht in den Griff. Sofort ist Nakul zur Stelle.

„Nakul, I made a mistake! Ich bin mit allen Klamotten ins Bett gegangen, aber ich kann nicht aufhören, zu zittern!“

Ich hatte ihn vorher mal gefragt, ob ich die Decke mit in die Dining Hall nehmen darf. Eventuell hat er mich nicht richtig verstanden, jedenfalls dachte ich, es ist verboten. Wegen essen und so. Nun bringt Nakul mir meinen Schlafsack, legt den kompliziert um mich rum, stopft alles zu und rubbelt mich mit ganzem Körpereinsatz warm.

Oh, so langsam…

Dann kommt das Essen und das wärmt zusätzlich von innen. Nakul wird es nicht müde, zu sagen, dass ich viel Dal essen soll, das wärme am besten. Die Portion ist nicht groß und ich bestelle nochmal, aber bald wird mir schlecht, wenn ich nur dran denke, noch einen Bissen runter zu schlucken.

Nakul leiht eine weitere Decke und hetzt mich rüber ins Zimmer. Ich muss alle Jacken anlassen und im  Schlafsack unter zwei Bleidecken liegen. Ob ich Kopfschmerzen hätte. Ja, jetzt schon, ein bisschen.

Ich bin in einem Vierbettzimmer. Bisher wusste ich nur von einer Schweizerin, dass sie es mit mir teilt. Ich hoffte die ganze Zeit inständig, dass sich noch zwei wärmende Körper zu uns gesellen.

Nakul organisiert zwei indische Nepali, die selber auf Trekkingtour sind. Ich soll denen Bescheid sagen, wenn was ist. Sie würden Nakul holen. Aber der ist eh erstmal alle 5 Minuten bei mir. Bringt mir thermoskannenweise heißes Wasser, misst meinen Sauerstoffgehalt im Blut, gibt mir Diamox. Erst über die Stunden hinweg drei halbe, aber mein Kopf platzt bald und die Tabletten helfen immer nur ein paar Minuten, in denen ich besser atmen kann.

Als die zwei NepaliMänner ins Bett gehen, fühle ich mich schon reichlich desolat. Ich denke, zusätzlich zur Höhenkrankheit, machen mir der wochenlange Durchfall und die Erkältung zu schaffen.

Nun reden die zwei so laut mit mir. Wollen sie mich aufmuntern? Aber ihre Stimmen hallen in meinem Kopf nach, wie in einem Blecheimer.

Das grelle Licht ihrer Kopflampen kann ich genausowenig ertragen.

Natürlich schlafen sie ein, ehe ihre Ohren die Kissen berührt haben.

Und schnarchen.

Das zersägt mir die letzten Nerven. Dauernd rüttle ich an einem von ihnen. Als der neben mir aufwacht, geht er gleich zu Nakul, obwohl ich erzähle, mir geht es zwar scheiße, deshalb sitze ich auch an die Wand gelehnt im Bett, weil ich so besser Luft bekomme, aber ich möchte noch warten, bis die zweite Hälfte der Diamox wirkt.

Nakul kam eh alle 5 Minuten. Ich soll trinken, trinken, aber nicht raus. Ja, aber ich muss natürlich dauernd auf Klo. Dann wieder Saurstoff messen…

So geht das die ganze Nacht.

Nun tauscht Nakul mit dem Mann neben mir die Betten. Puh, das ist einfacher. Er bleibt. Und er bleibt an meiner Bettkante und hält mich eine Ewigkeit. Ich fühle mich, wie Familie. Fühle mich ruhig werden.

Wir versuchen zu schlafen.

Irgendwann wird mir warm, heiß! Mein Gesicht scheint zu platzen und die Augen drücken so. Ich will, dass Nakul eine Bleidecke entsorgt. Mein Bett ist so schmal, dass ich nirgends damit hinkann. Er versteht mich falsch und deckt mich wieder damit zu. Da krieg ich voll den Raster, schmeiße die Decke von mir und krieg den Reißverschluss des Schlafsackes nicht gleich auf.

Nun bringt Nakul mir heißes Salzwasser. Kaltes darf ich nicht trinken. Ich will eh dauernd trinken, weil die Kehle so trocken ist.

Dann schnarchen beide wieder und der Mann weiter von mir weg macht diese elenden Schlafapnoegeräusche.

Ich kann das Gesäge nicht aushalten, kriege selbst kaum Luft und bekomme Panik, wenn er keine Luft bekommt. Da lange ich über Nakuls Bett nach ihm und rüttle an seiner Schulter  „Hör auf damit“

Nakul wacht auf und fortan rüttelt er an den anderen Mann : „No need to snore!“

Ich werde erst wieder ruhiger, als ich gegen drei Uhr nach drei halben Diamox über die Nacht nun eine ganze nehmen soll.

Ich stehe schon völlig neben mir und hätte zu allem ja gesagt.

Um 5e wache ich auf, mal wieder auf Klo, aber ich spüre jetzt zum ersten Mal die Kraft wieder in mir aufsteigen. Die Hoffnung, dass ich es ohne Heli nach unten schaffen kann.

6:15 steige ich zum letzten Mal aus den Federn und 10 Minuten später erglüht Annapurna unter einer dicken Wolkenschicht.

Das Spektakel dauert nur wenige Augenblicke. Ich muss wieder weinen, weil ich das erleben darf!

Da höre ich Nakul rechtschaffen aufgebracht hinter mir: „Don’t go there! Don’t go up to the edge, you can see from here! You will get headache, again!“

Aber ich muss jetzt wissen, ob ich ein wenig den Hang hoch gehen kann. Und ich bin sehr vorsichtig. Das ist der Test. Ok, ich kann nachher den Berg heruntersteigen.

Ich lege mich garnicht erst wieder hin, sondern packe meine Sachen und mache mich fertig.

Nach dem FS gehts gleich los und wir hören schon einen Heli kommen. Im Laufe dieses Vormittags mindestens zehn. Irgendwann höre ich auf, zu zählen. Nakul erklärt mir, dass drei Patienten darin Platz finden.

Jeden Tag dreißig mal HeliRescue? Kein Witz. Das muss besser werden. Da gehört wesentlich mehr Aufklärung her. Obwohl ich einiges über Höhenkrankheit wusste, habe ich die Zeichen zu spät erkannt. Sonst hätte ich abends noch runter laufen können, zum MBC.

Nun schleiche ich eben jetzt runter, alles wird gut. Nakul hatte mir in Deurali einen Bambusstock gemacht. Den kann ich jetzt besonders gut gebrauchen.

Kurze Pause im MBC, Tee und etwas liegen.

Als wir weiterstapfen, werde ich richtig übel schlapp. Ich versuche es mit weiteren Verschnaufpausen, aber es hilft nix. Nakul darf wieder meinen Rucksack nehmen und wir hangeln uns Hand in Hand, in der anderen Hand den Stock, vorsichtig den Hang hinunter.

Helikopter Rescue on foot.

Jeder sieht und versteht, was gemeint ist.

Seine Guide Kumpels, die er unterwegs trifft, grinsen fett und ich kann deutlich sehen, dass sie funny comments machen. Is ja auch witzig.

Kann ich prima mitlachen.

Wir passieren Deurali

und machen wieder Lunchrest in Himalaya.

Da sind Affen im Gebüsch. Ich bin voll dankbar, dass ich zwei eine Weile beobachten darf.

Einige Zeit später begegnen wir einer ganzen Horde. Drei bis sechs sitzen auf dem Weg. Dann laufen welche in den Wald hoch und andere kommen nach. Bestimmt 50.

„Wie heißen die eigentlich?“

„Weiß nicht.“

„Ok, für mich ist es einfach. Ich nenne sie Annapurna Monkeys…silent Annapurna Monkeys.“

Denn mir fällt im Nachhinein auf, dass sie keinen Mucks von sich gegebem haben.

Heute schaffen wir es bis Dovan. Auf 2500hm runter.

Ich schlafe, wie ein Baby.

Freitag, 15.11., Tag 8

Schön, wieder deutlich wärmer, hier unten.

Zum tausendsten Mal gehen wir an einigen Nepali Porters voebi.

„Namaste!“

„Amonkipinmahe!“

Die Antwort klingt komisch, ich brauche ein paar lange Sekunden, bis ich die unerwartete Information mit dem Bild, das sich mir bietet, zusammenbekomme.

Dass alle fett grinsen, ist ja normal. Einer steht vornübergebeugt und bekommt sein Haar gewaschen.

„A monky pisst on my head!“

Wir lachen uns halbtot. Sogar, die uns entgegenkommen wissen es längst. Hinter der Kuppe stapfen wir wieder abwärts. Große Bäume mit weit ausladenden Ästen. Tatsächlich sitzt ein Affe auf einem Ast direkt über dem Pfad.

Wir sind nicht die einzigen, die sich totlachen. Ich schätze mal, die machen sich einen Sport draus. Pissdart.

Silent Pipi Anapurna Monkeys.

In Jhinu checken wir ein. Ich bin ungeduldig. Wir wollen zu den hot springs. Es geht mindestens eine halbe Stunde den Berg runter. Und ich denke mal, unten im engen Tal ist die Sonne bereits weg. Das bedeutet eventuell, nachher im Kalten raufstapfen.

Die beiden netten Russen, die ich unterwegs schon ein paar mal gesehen hatte, waren zwei Stunden im Wasser.

Nakul schaut mich an, als müsse er mir unbedingt was ernsthaftes sagen.

„In unsere Kultur ist das so…das wird nicht akzeptiert…wenn du dich umziehst, musst du aufpassen, dass du nicht nackig bist.“

„Nakul, als ich im Fluss gebadet habe, da war niemand.

-Du hast geschaut!“

Voll süß, wie er lachen muss.

Endlich können wir los. Plötzlich ist Nakul, wie ausgewechselt und springt und hüpft den Hang runter. Der freut sich, wie ein Kind, richtig schön.

Abends spendiere ich mal wieder Millet.

Aber später vergesse ich voll die Zeit, als ich mich mit Eugene unterhalte. Er hatte erwähnt, das er mal im Kaukasus war. Ich hatte vor meiner Fahrt ja auch die Idee, dort zu wandern. Es passte aber nicht in die Jahreszeit. Und nun muss ich unbedingt mehr erfahren. Es stellt sich heraus, dass seine Vorfahren aus dem Kaukasus kommen und er immernoch oft seine Mutter dort besucht. Und Trekkingtouren macht.

Außerdem wusste er eine buchreife Geschichte von Frauenraub (seine Oma) zum Zwecke der Hochzeit und mehrfacher, endlich gelingender Flucht zu erzählen. Der Mann, bei dem sie Schutz findet ist sein Opa.

„Tja, wenn ihr die mutige Flucht nicht gelungen wäre, könntest du mir jetzt diese Geschichte nicht erzählen.“

Samstag, 16.11., Tag 9

Diese lustige Koreanische Gruppe ist uns unterwegs ein paar Mal begegnet. Heute morgen tanze ich ausgelasen mit.

Ich hätte mich auch für einen Nachmittg in Pokhara entscheiden können. Aber Nakul macht den AlternativVorschlag, den überzähligen Tag für eine weitere Wanderung nach Ghandrup, einer etwas größeren Bergortschaft mit historischen Häusern, zu nutzen.

Bin ich sofort dabei. Keine Lust auf Großstadtbetrieb nach der ruhigen mächtigen Bergwelt.

Über diese Brücke musst du geihn…

Ghandruk

Die besten ChickenMomos

Sonntag, 17.11., Tag 10

Ein letztes Mal glühende MorgenAnnapurnaMountains

Und heim gehts nach KTM mit einigen Staus. Statt früher Nachmittag wird es 23:00 bis ich völlig fertig und erfüllt an der Hostelrezeption stehe.

Wegen des doppelten Abschiedes und überhaupt, haben Nakul und ich die ganze Fahrt über im Schüttelbus Händchen gehlten, wie Hänsel und Gretel. Das war schön.

Annapurna Base Camp trekking 2

Weiterhin Sonntag, 10.11. , Tag 3

Auf gehts nach Tadapani

Hier hätten wir fast dieselbe Aussicht. Zumindest auf die hohen Berge. Aber die Sonne kann man hier nicht aufgehen sehen und der Blick ist nicht so frei nach allen Seiten. Ich bin sehr froh, dass wir das Morgenspektakel auf Poon Hill erleben durften.

Die blaue Blume fehlt auch in nepalesischen Bergen nicht am Wegesrand.

Schon gestern Nachmittag hab ich irgendwann zu Nakul gesagt: „Ich weiß, es ist nur psychisch. Aber, wenn du vor mir läufst, verliere ich instantan meine Energie und werde schlapp, komm bald kaum noch ein paar Stufen hoch. Wenn ich vor dir laufen darf, fühl ich mich dagegen superfit.“
Er vergisst es noch ein paar mal. Dann merke ich es wieder und erinnere ihn freundlich.
Fortan läuft Nakul einen halben Schritt hinter mir.
„So kannst du mich auch auffangen, bevor ich einen steilen Abhang herunterfalle.“
Wir tapern so dahin, mehr oder weniger steile Stufen auf und ab, teils wurzelige oder geröllige Stolperpfade, über Hängebrücken und Bergrücken.
Nach und nach finde ich meinen Rhythmus.
Und plötzlich muss ich anhalten. Ein kuzer, aber intensiver Weinkrampf schüttelt mich.
„You ok?“ Da muss ich wieder weinen. Und diesmal sprudelt es aus mir heraus. „Weißt du, das ist schön, dass du da bist. Ich bin so froh darüber, dass ich nicht alleine gehe und dich an meiner Seite habe. Da ist plötzlich jemand, der immer da ist und sich so aufmerksam kümmert. Und während ich das genieße, werde ich auch sehr traurig, weil ich nun merke, wie sehr ich es vermisst habe.“
Nakul schaut erst sehr verzweifelt. Dann ist seine Reaktion auf meine Traurigkeit, dass er sich noch herzlicher um mich kümmert. Er will unbedingt meinen MiniBabyRucksack tragen und hält mich mit hoch erhobenem Arm an der Hand, damit ich den steilen Hang mit nassen Wurzeln und unrgelmäßigen Steinen stolperfrei bewältige.
Alle, die uns überholen, vor allem die Nepali grinsen fett.
Kann ich auch verstehen.
Ich will unbedingt meinen Rucksack wieder. Sowas, wie meine Selbständigkeit. Ich kann das alleine!
Aber den krieg ich erst weiter unten, als ich mich etwas beruhigt habe und mit festerer Stimme sagen kann, dass ich mich krank und schwach fühle, wenn er meinen Kram trägt.
Zu Mittag futtere ich ein paar Mandeln. Ich merke selbst, dass mir der Appetit abgeht.
Und dauernd quatschen wir wieder von vorne davon, dass Nakul sich Sorgen macht und „I am sad, when you are sad.“
„Ja, aber ich hab doch bloß geweint, ist doch längst alles wieder gut.“ Wieder und wieder die gleiche Schleife. Nakul beruhigt sich überhaupt nicht. Und das macht mir so langsam Sorgen.
Als wir recht früh, wohl so gegen 14:00 in Tadapani ankommen, organisiert Nakul mir ein Zimmer. Ist fast alles belegt, aber im dritten oder vierten Hotel bekommt er noch ein Zweibettzimmer, dass ich mit einem jungen deutschen Mädel teilen soll. Ist mir egal, alles prima. Ich leg mich sofort ins Bett.
So langsam wird mir klar, dass ich wirklich nicht ganz in Ordnung bin. Ich müsste echt mal duschen und es müsste doch ganz nett sein, nach einer anständigen Mittagspause noch die schöne Sonne zu genießen und eventuell mit ein paar Leuten ins Gespräch zu kommen. Aber ich hab steinern zu nix Lust. Will mich bloß nicht rühren und Bett und Kammer nicht verlassen.
Habe die letzte Nacht fast nicht und die Nacht davor auch kaum geschlafen. Beide Nächte zusammengerechnet waren es nicht mehr als drei, vier Stunden.
Verdammt nochmal, du gehst jetzt einfach mal raus!
Und siehe da: an einem Tisch im Hof sitzt Margot! Und malt Berge. An einem anderen Tisch sitzt das deutsche Mädel aus meinem Zimmer.
Ich setzte mich erstmal in die Sonne und sag nicht viel. Plötzlich kann ich mich nochmal zusammenreißen, springe fast auf und schreite tapfer zur Dusche.
Genau das markiert den wesentlichen Schritt heraus aus einer kurzen depressiven Phase.
Es ist zu spät, als dass meine Haare noch in der Sonne trocknen könnten. Auch diese Hütte hat einen Ofen und Margot, das Mädel und ich bilden einen munter plappernden Frauenraum in dem ich mich gut aufgehoben fühle.
Ab und zu steht Nakul hinter mir und sieht nach dem Rechten. „Nakul, when you are happy, I am happy.“ Und er versucht ein klägliches Lächeln, das ihm nicht so recht gelingen will. Aber ich lache zurück. „Siehste, klappt doch!“
Zum Abendessen blättere ich lustlos in dem fettigen, dreckigen, klebrigen Menü. Später machen wir Witze über Geschmacksproben oder dass man satt wird, wenn man nur an der Karte leckt. Jetzt aber hab ich keinen Appetit. Ich stelle mir jedes Gericht vor und kann mir absolut nicht vorstellen, dass ich es essen würde. Zusätzlich regt es mich auf, dass alles so teuer ist. Das Essen ist zwar gut, aber überall in den Hütten ist was kaputt, alles ist dreckig. Hygiene wird nicht nur in den Städten, sondern hier in den Bergen genauso, weder groß, noch klein geschrieben.
Ich muss alles vergessen, was ich mir über Immunsuppression einbilde oder was ich in der Klinik an Hygienerichtlinien gelernt habe. Ja, ich darf nichtmal daran denken, wie es zum Ausbruch von Pest und co kam. Und bloß nicht, dass ich wegen eines bakteriellen, eitrigen Ausschlages, den ich mir auf den Fijis geholt hatte, 5 Tage in Aucklands Krankenhaus absolviert habe. Den anderen Gästen gelingt es ja scheinbar auch, wegzuschauen. Ich habe nie jemanden klagen hören.
Der Dame geb ich erstmal das klebrige Menü zurück. „Tut mir leid, mir geht es heute nicht gut (deute dabei auf meinen Bauch und mache peristaltische Bewegungen nach). Ich kann garnichts essen.“
Später futter ich heimlich einen kleinen Apfel und ein paar Mandeln auf dem Zimmer.

Montag, 11.11., Tag 4

Zwanzig vor sieben wache ich auf aus einem unruhigen Unschlaf. Plötzlich hält mich nichts mehr. Ich glaube, es war der Sonnenstrahl auf der Gardine, der mich aus der Lethargie gehoben hat.

Schwupp, steh ich draußen…

…die frühe Morgensonne taucht Dunst und Berge sanft in goldenes Licht.

Margot sitzt an der Hauswand und malt wieder Berge. Sie strahlt diese himmlische Ruhe eines Menschen aus, der schön im Flow ist.

Ich genieße die kühle frische Morgenstimmung und mache ein wenig Gymnastik. Nun taucht auch das Mädel aus meinem Zimmer auf. Sie ist aus Köln und freut sich, dass heute der 11.11. ist. Ups, bisschen befremdlich.

Sie genießt ihren letzten Bergetag, denn sie kommt vom ABC zurück. Und auch Margot macht ’nur‘ den Rundweg, dessen Highlight der Sonnenaufgang auf Poon Hill war.

Ich dagegen habe noch so viel Weg vor mir und bin nun innerlich voll bereit und voller Vorfreude.

Nakul taucht auf. Er schaut immernoch verzweifelt. So langsam verstehe ich auch, warum. Er fühlt so viel Verantwortung und weiß nicht, ob und wie er mich gut durch die Berge bringen kann. Mit anderen Worten, er kann die Situation mit mir nicht einschätzen, weil er es nicht kennt, dass jemand ‚dauernd‘ weint.

Hilft alles nix. „Nakul, kannst du garnicht lachen? Wenn du worried bist, bin ich es auch…we should stop that.“

Endlich kriegt auch er die Kurve und wir können frischen Mutes nach einem guten FS starten.

Die Mädels verabschiede ich ungern. Ich spüre, dass unsere Begegnung besonders ist.

Heute wandern wir plangerecht nach Sinwa.

Ich will meine Schlafanzughose waschen, denn die hab ich Tag und Nacht an. Habe nicht damit gerechnet, dass es tagsüber meist heiß ist. Und so hab ich die Wanderhose, die ich extra im Kalapathar gekauft habe, kaum an.

Ich frag extra noch, ob die Hütte auch einen Ofen hat. Und irgendwie missverstehen wir uns wohl.

Ich muss meine nasse Hose draußen aufhängen, wo sie garantiert nicht zur Nacht und sicher auch nicht bis zum Morgen trocken wird.

Nakul erklärt mir, dass auf dem letzten Stück zum ABC kein Holz verbrannt werden darf. Es gibt nur Gasherde für die Küche. Auf beiden Seiten der Küche sind Dining Halls. Aber jeder lässt die Türen auf, so ist es recht frisch und Wäsche darf man auch nicht mit rein nehmen.

Ich hänge den ganzen Abend mit Nakul im Locals Dining room ab. Nakul hat mir erklärt, dass auf den Feldern, die wie Reisfelder aussehen, Milet angebaut wird. Und auch, lang und breit, wie aus Miletporridge und ein paar Heilkrätern der lokale Wein destilliert wird. Nu muss ich natürlich mal probieren. Nakul besteht darauf, das vor dem Essen zu tun. Klar, so wirkt er besser. Hat man mehr vom Geld. Wir bekommen den ‚Wein‘ in gläsernen Teepötten serviert. Schmeckt bisschen komisch, aber ich kriege es durchaus runter. Erst schmecke ich bloß den Alkohol, dann entfaltet er auch seine Wirkung. Wir sind mal richtig entspannt und lachen uns über nix und alles halb tot.

Zum DalBath Dinner tapere ich rüber zu den anderen. Da sitzen auch die beiden Engländer, denen ich unterwegs schon begegnet bin. Tief in Lektüre versunken. Es ist weit und breit kein Gespräch in Sicht. Die beiden Jungs hätte ich wohl schon anhauen können. Ich bin aber nicht in der Laune.

So gehe ich wieder rüber zu den Locals, schaue ihnen noch beim Essen zu und bekomme dafür ne richtig dicke Decke für die Nacht. Weil eine über ist. Die ist so schwer, ich kann sie kaum tragen. „Oh, this is a mans blanket.“

Zuerst versuche ich, in der Plastikwanderhose zu schlafen, dann ohne Hose. Geht alles nicht. Bis ich die rettende Idee habe, meinen Hoody überziehe und den Pulli kurzerhand zur Hose unfunktioniere. Zusammen mit der Bleidecke falle ich endlich in tiiiiieefen Schlaf.

Dienstag, 12.11., Tag 5

Way to Himalaya and Deurali

Sobald es dunkel wird mögen die meisten eigentlich schon schlafen gehen. Aber dann muss man noch zu Abend essen. So wirds meistens gegen halb acht.

Klar, dass ich von alleine früh um 6e aufstehe.

Wir stolpern mal wieder einen ganzen Hang hinunter, um über eine BaumstammBrücke den nächsten Hüchel zu erreichen. Auf und ab. Thats how mountains are.

Und wieder bildet der glasklare Fluss verlockende Becken. ‚Nakul! I GO bathing!‘ Er, in meinen Ohren schon schwächer: ‚No, don’t go, its too cold. You already cought a slight cold…‘

Tja, er hat nix mehr zu sagen, bekommt mein Handy in die Hand gedrückt. Juhuu!

Das’s mal wunderbar erfrischend und ein Spaß, wie ich ihn mag!

Ist auch längst nicht so kalt, wie der Gletschersee in NZ. Außerdem sind wir ja warmgeturnt, die Sonne scheint heiß und gleich gehts wieder den Hang hinan.

In Dovan finde ich diese herzige Karte.

Buddhistische ‚I am here bells‘ bei einem schönen Wasserfall

Mittagspause in Himalaya auf einer sonnigen Holzbank. Hinter der Terrasse bekommt jemand seine Haare lang und breit geschnitten. Da ist auch ein Schlauch, an dem sich einige Locals die Haare waschen… nett schläfrige zufriedene Stimmung.

Weil wir so früh in Himalaya waren, geht es heute bis Deurali. Da isses schon.

Die letzten Meter nutze ich, um mal meinem inneren Antreiber Einhalt zu gebieten. Ich fühle mich, wie ein Dunkey, der dauernd mit der Peitsche eins drauf kriegt. Als ob ich immer die Schnellste und erste sein müsste. Schluss jetzt!

Schön langsam genieße ich die letzten Schritte.

Eine lustige Brücke

Ich habe nicht nur immernoch etwas Durchfall, sondern verliere auch weiterhin Wasser. Ich kann trinken, soviel ich will. Muss einfach nur öfter auf Klo. So auch in dieser Nacht, zum Beispiel um 23:45.

Wow! Vollmond über mir. Die Landschaft, die sich nachmittags zusehends in Wolken verhüllt hatte, präsentiert sich nun glasklar in stahlblauem Licht. Es ist arschkalt, aber ich bin schön aufgewärmt von meinem Bettchen. Seit heute Nacht schlafe ich in meiner lieben Daunenjacke.

Ich muss unbedingt ein paar Meter den Hang hinan. Überwältigend.

Das Mondlied singt sich von allein.

Mittwoch, 13.11., Tag 6

Deurali nach ABC

Wie meistens ist es morgens klar. Ich liebe diese Stimmung, wenn alles so langsam aus den Betten krabbelt, halb schlaftrunken mit einer Tasse Tee in der Hand dem grauenden Morgen und dem langsam erwachenden Licht auf den Bergen zuschaut.

Mittlerweile, ich wills ja nicht wahrhaben, hat mich auch eine ordentliche Erkältung erwischt.

Ich sage ‚auch‘, weil man von allen Seiten rotzen, niesen und husten hört. Wohl kaum einer, den es nicht erwischt hat. Ziemlich häufig höre ich auch von Durchfall.

Ganz leicht klopft es auch im Hinterkopf, dass heute 900hm zu bewältigen sind. Die Kletterei stelle ich mir anstrengend, aber nicht so schlimm vor. Es sind 4,5h dafür veranschlagt und ich bin bisher immer, auch in schlechter Verfassung schneller gewesen. Eher macht mir Sorgen, dass ich Nakul extra gebeten habe, in ABC zu buchen. Weil dat Köllner Mädel nämlich dort kein Bett bekam. Das Machapuchhre(Fishtailmountain)BaseCamp (MBC) liegt ungefähr in der Mitte zwischen Deurali und ABC. Und 500hm niedriger. Ich spüre, es wäre die bessere Idee, dort abzusteigen und extra früh für den Sonnenaufgang nochmal hoch zu laufen, zum ABC.

Aber ich konzentriere mich darauf, meinem Antreiber Einhalt zu gebieten, was die Schrittgeschwindigkeit angeht und verliere den Sicherheitsplan aus dem Sinn.

Diese Eishöhle…

…ist der Rest einer alten Schneelavine.

Ich brauche keine Gebetsfahnenschnur, um zu erkennen, dass das Ding brandgefährlich ist. Dummerweise haben vor zwei Wochen ein paar Trottel da rumgespielt. Welche standen drunter und welche sind raufgeklettert. Einer davon ist eingebrochen, ein unterer erschlagen.

Mein Blick wandert immer wieder zurück ins Tal

Nach vorne tut sich eine veränderte trockene Landschaft auf

MBC

Annapurna Base Camp trekking

Freitag, 8.11.

Ich bin schon um 4e wach und stehe um 5 auf. Stelle meine ganzen Taschen leise vor die Dormtüre um dort noch mal alles richtig zu packen. Die Zeit reicht locker für einen Kaffe.
Der Wasserkocher ist unten im Foyer, wo zwei, manchmal auch drei Mitarbeiter schlafen. Draußen ist auch viel Polizei und in SuperMärkten sieht man einige gelangweilte Mädels an den Gängen sitzen und einen Extramann an der Kasse. So denke ich, die Mitarbeiter schlafen zu unserer Sicherheit dort und weil es eben ihr Bett ist.
Nakul kommt recht pünktlich. ‚Ah, I think, you are coming for me?‘ Es ist auch noch ein Paar hier, das zur Abreise bereit ist. Unten im Foyer ist es noch dunkel. Ich sehe Nakuls Gesicht kaum. Dennoch bin ich instantan erleichtert und erfreut, dass es es ist. Wir verstehen uns auf anhieb. ‚Hello‘, ein Lächeln und eine gute Umarmung.
Wir verbringen die nächsten 10 Tage zusammen. Alles ist gut.

Nakul muss erstmal meinen Schlafsack to rent besorgen. Dann gehts mit dem Taxi zur Überlandbushalte.
Vielleicht hätte ich es noch hingebracht, ein Taxi anzuhalten. Das machen die ja sogar freiwillig. Obwohl am Morgen kaum was los ist. Geht erst um 9e weiter mit Touristenrummel.
Aber der Busplatz macht mir zu schaffen. Es ist alles völlig chaotisch, dreckig und verwahrlost. Der Bus, der unserer sein soll, sieht halbwegs nach Bus aus. Aber, obwohl Nakul kurz hektisch wurde, bevor wir das Taxi hatten: jetzt sind wir die ersten und lange Zeit kein weiterer Fahrgast in Sicht. Wäre ich alleine, ohne Guide unterwegs, hätte mich das nervös gemacht. Tatsächlich fahren wir mit nur einer handvoll Fahrgästen sehr verspätet los. Der Beifahrer hängt sich aus der offenen Tür raus und ruft hektisch und laut nach weiteren Fahrgästen.
Nakul rät mir, mich vorne hinzusetzen, wo mehr Beinfreiheit ist. Er sitzt auf der anderen Seite des Ganges. Mir ist wohl, dass er jetzt näher ist. Als ich mich bisschen anlehne, gibt er mir den Schlafsack rüber, damit ich mich schön drauflegen kann. Er weiß offenbar schon vor mir, was ich will und brauche.
Die Fahrt dauert 7h. Wir haben zwischendurch Pinkelpausen, Lunch und Dinner.
In irgendeiner Stadt hält der Bus plötzlich an und muss angeblich zum Service. Wir steigen in einen Jeep um. Passt alles genau rein.
Auf der mittleren Sizbank sitzt eine alte Frau zwischen uns. Sie schaut mich strahlend an, als könnte sie sehen, dass Nakul und ich uns gut verstehen.
Um das gleich klarzustellen: ich war und bin nicht verliebt. Aber wir haben eine besondere Verbindung, die vom ersten Augenblick an spürbar war. Da wir uns zehn Tage auf der Pelle hockten, war es ein Segen, dass nix erotisches im Spiel war. Durchaus aber Geschwisterliebe.
Kaum sitzen wir im Jeep, gehts steil und rumpelig- immer rumpeliger den Berg hoch. Schon klar, dass der Busfahrer nicht sein schweres Gefährt mit sieben Leuten da hoch hiefen wollte.
Nach elend langer Fahrt landen wir in Nayapul. 50 min walk to Birethati.

Unser erstes Hotel

Ich habe Lust, mir nach den paar Metern mit Rucksack nochmal die Füße ohne Gewicht zu vetreten.

Zum Dinner erklärt Nakul mir, dass ich in jedem Hotel Dinner und Frühstück zu mir nehmen muss, weil sie sonst das Doppelte und Dreifache des Unterkunftpreises verlangen (den er bezahlen muss).
Ich habe überhaupt keinen Hunger. Habe zu Mittag schon wenig gegessen, aber ringe mir ab, eine kleine Suppe zu bestellen. Ich finde das System total beschissen, entdecke aber immerhin die Lücke für mich, meine Bananen, die ich vom Bus aus kaufte, meine Äpfel und Nüsse und Kekse in den Mittagspausen zu essen.
Beim Dinner erklärt Nakul mir seinen Plan.

Er fängt immer wieder einige Tage vorher an, dadurch wiederholt sich seine Rede einige Male. Das ist sehr irritierend. Dazu der starke Akzent und das schwache Englisch. Aber ich komme halbwegs mit.
Mir wärs am Liebsten, dass er einfach nur erklären würde, wie lange und wie viel ups and downs es morgen gibt.

Außerdem umterhalten wir uns zum ersten Mal länger. Nakul ist verheiratet. Er erzählt mir von seiner arrangierten Ehe und dass es üblich ist hier. Wenn die Eltern sich auf ein Arrangement geeinigt haben, haben die Kids die Chance, sich öfters zu treffen, bis zu einem Jahr lang. In der Zeit sollten sie sich einigen. Eine Chance, nein zu sagen, gibt es nicht. Macht mich irgendwie traurig. Aber seine süße ist blutjung und sehr hübsch. Nakul selbst ist 35 und eines von fünf Geschwistern. Zwei weitere sind früh verstorben. Er nennt mich Schwester. Später erfahre ich, wieso sich das so selbstverständlich anhörte. In Nepal nennt jeder jeden kleiner/großer Bruder/Schwester. Bai ist kleiner Brudet, Dai großer. Baini kleine Schwester, Didi geoße.

In meinem Zimmer angekommen, probiere ich den Schlafsack aus, nachdem ich die vergleichsweise halbwegs erträgliche Klosituation überwunden habe. Dann kommt ein junges Mädel in mein Zimmer, um mir eine Decke zu bringen. Ich weiß noch nix von den hiesigen Regeln und wehre ab: nein, ich brauche keine Decke, Nakul hat schießlich den Schlafsack für mich raufgeschleppt.

Samstag, 9.11.

Von Birethati nach Gorepani

Zunächst geht es relativ eben durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet.

Bevor wir den Hüchel, der vor uns liegt, hochsteigen können, müssen wir erstmal ganz runter. Das wird das steilste und anstrengendste Stück des ganzen Weges. Obwohl es bloß so 200hm sind. Es ist heiß, ich muss alle meine Klamotten im Rucksack tragen und ich bin wohl auch einfach noch nicht warm gelaufen.

Wir werden aber mit schönster Natur belohnt.

Ich bin ziemlich geflasht, das sind zwar keine Kirschblüten, sieht aber genauso aus und ist einfach die falsche Jahreszeit.

 

Zwischendurch sehen wir auch die spitze eines ersten weißen Berges hervorblitzen. Nach Ulleri gehts weiter aber weniger steil bergan nach Gorepani.

Das Hotel hat eine Terrasse mit atemberaubender Aussicht. Jetzt kriegt mich erstmal keiner ins Haus.

Zunächst ist er noch etwas wolkenverhüllt, dann zeigt er sich in all seiner Schönheit: Dhaulagiri, mein erster über 8000er. Und der höchste Berg der Region mit 8171m.

Ich bin tief gerührt und muss ein bisschen weinen. Das muss ich ab jetzt öfter. Ist bisschen hart für Nakul, aber was will ich machen. Da mus er durch. Er denkt, er kann damit schlecht umgehen, verhält sich aber furchtbar lieb.

So langsam trudeln die Gäste in der Dining Hall ein. Nakul möchte mit paar Jungs Karten spielen und fragt mich allen Ernstes, ob er sich zurückziehen darf. ‚Äh, ja, be a happy man tonight.“

In der Dining Hall steht auch  ein Holzofen. Guuute Idee. Uns ist ziemlich kalt und so wärmt sich an diesem geselligen Ort jeder erstmal gründlich auf. Es sind drumherum auch ein paar Holzstangen und Schnüre angebracht. Ja, bisschen Wäsche hätte ich auch zu machen. Dazu muss ich raus an den kalten Wasserhahn. Seife liegt da. Während ich so schrubbe, wirds um die Ecke rosa. Ich leg mein nasses Zeug auf eine halbwegs saubere Mauer und nix, wie hin auf die Terrasse.

Da erglüht gerade Annapurna South im Abendrot.

Zum Dinner bestelle ich fortan DhalBath. Reis mit Pupssoße und Curry. Manchmal sind noch etwas Salat, ein paar Pickles und ein dünner Teigkeks dabei. Das einzige Essen, bei dem man kostenlos nach bekommt. Regel ist, dass der Guide bedient. Gerade, als ich einem netten Paar am Tisch erzähle, wie sehr ich es genieße, dass sich jemand um mich kümmert, kommt Nakul und gibt mir Reis nach. Von der anderen Seite kommt jemand aus der Küche und bedient mich mit mehr Curry und Dal. Sehr, sehr freundlich. Das bin ich echt nicht gewöhnt und fühle mich einen Moment wie eine Königin.

Was ich nicht so mag ist, dass die Locals erst essen, wenn die Gäste fertig sind. Ich fände es viel netter, wenn wir alle zusammen essen würden. Das Argument, dass die Küche überfordert wäre, verstehe ich schon. Die Guides essen allerdings eh alle DalBath (auch zu Mittag) und bezahlen dafür auch deutlich weniger.

Ich glaube, die eigentliche Regel dahinter ist: die Gäste werden zuerst und zuvorkommend bedient, weil sie und solange sie für alles zahlen. Übrigens auch für Wifi, das nur einen Abend funktioniert, für das Aufladen der Batterie und warm duschen.

Nach dem Dinner nich ne Runde Ofenwärme, bis die Klamotten trockwn sind. Ich quatsche gerade mit einem anderen Quide, als Nakul um die Ecke kommt. „Er nennt mich geoße Schwester, behandelt mich aber, wie seine Oma: pass auf, es könnte rutschig sein, tritt nicht auf diesen Stein hier, geh nicht zu nah an die Kante….“

Nun aber ab ins Bett. Morgen geht es früh um 5e raus.

Sonntag, 10.11.

Der Plan war, dass Nakul mich weckt. Gut, dass ich doch meinen Wecker gestellt habe. Ich warte einige Minuten in voller Montur, das heißt, mit zwei Hosen, UnterPulli und zwei Jacken, Handschuhe…zusammen mit einem anderen Mädel auf Nakul. Dann kommt ein anderer Guide vorbei, der ihn wecken geht.

Nun kanns losgehen. Sternenklare Nacht. Immer den Hang mit dem wohlklingenden Namen Poon Hill hinan. 400hm. Nakul bremst mich aus. Ich muss nicht so rennen. Bin aber irgendwie excited.

Auf der Hälfte des Weges erkenne ich auch, dass kein Grund zur Eile besteht. Es zeichnet sich erst ganz wenig fadenscheiniges Tageslicht am Horizont ab.

Tatsächlich verbringen wir oben eine geraume Zeit. Bis die Sonne aufgeht. Und bis ich mich endlich lösen kann.

Ich knipse Fotos…

…genieße die sich langsam verändernde Aussicht, springe übermütig auf dem Platz rum, verliere Nakul aus den Augen und suche ihn lange zwischen den hunderten von Besuchern, trinke dann doch einen Kaffe (was übrigens das Foto Knipsen deutlich erschwert…

…und lerne ganz am Schluss noch die wunderbare Margot kennen.

Auf dem Weg runter zum Hotel. Dann gibts ordentliches Frühstück.

Nepal

Dienstag, 5.11.
7:30 reichhaltiges FS mit Kartoffelpuffer, Spiegelei und Toast.
Um 8e bin ich am Bahnhof.
Klappt alles prima. Ich bin saumüde und schlafe vor dem boarding und im Flugzeug. In China, etwas nördlich von Hongkong habe ich 4,5 h Aufenthalt. Ich schlafe erstmal ne Runde, bis ich erfahren kann, in welchem Gate das Boarding ist. Dort lege ich mich auf eine gemütliche, weil gepolsterte Spielplatzumrandung und lass die Youngsters um mich herumtoben.

Endlich im Flieger habe ich zwei supernette MaschineningenieurNepali neben mir, die geben mir die ersten Tips. Zum Beispiel, wo ich am besten Jacke und Hose fürs Trecking bekomme. Nämlich im Kalapathar.
Dann schlafe ich ein. Hm, der Tag ist ja auch 3,15h länger.
Das auschecken am Kathmandu Flughafen dauert nevenzerreißend lange. Es gibt Maschinen für Visabeantragung. Aber da keiner kapiert, wies geht, wartet man ewig in der Schlange. Ich will nach dem Geldabheben noch eine DatenSim kaufen. Als die ein Foto von mir wollen, passe ich. Ich habe jede Menge dabei, aber ich weiß gerade nicht, wo und habe einfach keine Lust mehr. Nun der Taxiparcours, den ich erfolgreich neinsagend überwinde und mit einigen unbedeutenden Schwierigkeiten finde ich auch mein heruntergekommenes Hostel. Jetzt ist es so 22:30. Ich fühle mich ausgelaugt und totmüde. Die Tür ist zugesperrt.
Nach einigem Klopfen kommt jemand. ‚Tut mir leid, wir sind ausgebucht.‘ ‚Aber ich habe gebucht.‘ ‚Ist aber nix frei, hier sind nur Doppelzimmer. Aber keine Angst, ich fahre dich in ein anderes Hotel.‘
Ob ich vorher noch duschen will, was trinken…’Nee, bloß zu meinem Bett.‘
Dann schwingt der junge Mann meine Reisetasche auf sein abgewracktes Mofa, ich hintendrauf und los gehts durch Kathmandus slummige Hintergässchen. Vor jedem einzelnen Sträßchen erklärt er mir, ob es schlechter oder besser ist. Die schlechteren sind wirklich schlecht. Zum Glück fährt er langsam, während er mit mir um die halbmetertiefen Schlaglöcher und übriggebliebenen Teerinseln schlingert. Ich muss einmal an einer falschen Stelle ja gesagt haben, denn nun zeigt er mir das Hotel, fährt aber daran vorbei und macht noch ne Runde Sightseeing mit mir.
Es ist ziemlich offensichtlich, dass er für irgendwas anbandeln will. Mir bleibt bis zum Schluss schleierhaft, für was. Im Hotel schleppt er meine Sachen nach oben, nachdem ich den ausgemachten Preis bezahlt habe. Das kann ich zu dem Zeitpunkt aber nicht nachprüfen, weil noch kein Internet. Ich bekomme ein wunderbar großes Zimmer mit sauber wirkendem Doppelbett und nicht sehr furchtbar dreckigem Boden.
Irgendwie druckst er noch rum, bis er endlich erkennt, dass ich bloß schlafen will.
Und das tue ich richtig gut.

Mittwoch, 6.11.

Im Sonnenlicht erkennt man mit etwas gutem Willen die eigenwillige Schönheit in allen Dingen.

Auf dem Weg zum Flughafen, der auch von diesem Hotel nicht weit ist, verlaufe ich mich, weil das GPS mal wieder überhaupt nicht hinterherkommt. Krass staubiger und heruntergekommener Eindruck. Der ‚Fluss‘, der Marker, an dem ich mich schließlich orientieren kann, eine stinkende eingetrocknete Kloake. Verdammt!

Ich denke, der ist aus Bronze, bis ich bemerke, dass die Fliegen um seiner Nase sich träge bewegen.

Bis ich beim Flughafen bin, hab ich von diesem Stadtteil echt genug gesehen.
Ich hole mir die SimCard, aber Google zeigt mir keine öffentliche Verbindung zu meinem Hostel an. Also muss ich ein Taxi nehmen. Es stellt sich heraus, dass ich doch fähig bin, ein wenig zu verhandeln. Ich dachte, Nepal wäre billig, offensichtlich wars das mal. Der Fahrer, der mich für etwas weniger fährt, ist jedenfalls supernett, ohne Aussaugtendenzen und versöhnt mich wieder. Er ruft sogar im Hostel an, damit jemand kommt und mich durch die letzten undurchblickbaren Hintergässchen zum Ziel bringt.
Ich erwarte fast schon Schreckliches, aber ich schließe mein Billighostel gleich ins Herz.
Zunächst traue ich mich allerdings nicht weit vom Hostel weg, weil es verdammt schwer ist mich hier zu orientieren. Alle paar Gässchen hat es auch noch wieder die gleichen Läden.

Auf einer Kreuzung nearby steht ein dicker schwarzweißer Yeti. Prima Merkmal! (Allerdings stelle ich am nächsten Morgen fest, dass sie den alsemol woanders hintun.)
Das Hostel hat, wie fast jeder hier, eine integrierte Reisagentur. Das schrieben sie mir auch schon nach der Buchung. Eigentlich möchte ich bloß paar Tipps für eine selbstorganisierte Trekkingreise bekommen. Aber ich schließe dann doch einen Vertrag für eine Tour mit Guide ab. Der Futterposten scheint mir zu teuer. Und so mache ich aus, dass ich das Essen aus dem Vertrag lasse und selbst vor Ort bezahle.
Er hat denselben Tip für Treckingklamotten, wie auch schon mein Flugzeugnachbar. Und der -huch? -winzige Laden ist gleich um die Ecke. Ein Herr schickt mich aber drei Häuser weiter in den zweiten Stock ins Lager. Hier gibt es in Kompostkästen buchstäblich haufenweise Fakeklamotten  und wohl davon wieder zweite Wahl. Unerreichbar hoch hängen an einer Stange weitere hunderte von Jacken. Mit fällt natürlich trotz der überbordenden Reizüberflutung und der Massen an wühlenden Leuten, sofort die einzige orangene Dauenenjacke ins Auge. Die lasse ich mir von einem gelangweilten jungen Mädel, das flugs auf einen der Komposthaufen klettert, herunterreichen. Sie nennt mir auch nach kurzem abschätzendem Blick darauf einen passablen Preis.
Klar, passt, wie angegossen. Ich hole mir noch einen dünnen, aber wärmenden Pulli dazu. Die Wahl der Hose ist schon schwerer. Aber bald habe ich alles. Zum Bezahlen muss ich wieder in den kleinen Laden ein paar Häuser weiter unten an der Straße. Ich wundere mich, denn im Straßengewühl könnte man zu einfach einfach mit seinen Klamotten verschwinden.
Einer hält eine große Mülltüte auf, der andere zählt die Klamotten rein. Auch er: kurzer abschätzender Scheißegalblick, noch günstigeren Preis genannt, und rein in die Tüte.
Nebendran ist ein Laden, der unter vielem anderem auch diese netten bunten Fähnchen verkauft. Ich will bloß erstmal fragen, was die kosten. Na prima, dann komme ich nach dem Trekking und hol mir welche. Da meint er, er traut jedem Nepali, aber keinem Foreighner und sein Blick sieht echt zutiefst frustriert aus. Ja, meine ich, die Nepali, die alle in diesem Klamottenladen einkaufen, scheinen auch alle zu bezahlen. ‚Klar bezahlen die. Jeder Nepali tut das.‘
‚Weißt du was? Du merkst dir jetzt, dass ich hier war. Ich komme nach dem Trekking wieder und du registrierst dann, dass ich wirklich gekommen bin und tust deinem Herzen was Gutes.‘

Das Abendessen, richtig lecker DalReis mit Gemüse, bekomme ich von der Agenturseilschaft spendiert.

Sogar ein Bier dazu. Zum Glück lasse ich mir das leichtere Bier mit dem schönen Namen ‚Mount Everest‘ empfehlen. Selbst das krieg ich nachher kaum runter.
Man erklärt mir, dass ich soviel essen darf, wie ich möchte, also immer wieder nachbestellen darf. Und je mehr ich esse, desto glücklicher ist dann der Wirt. Prima win-win Geschäft.

Donnerstag, 7.11.
Superlanges Frühstück auf dem Dach

mit einer Japanerin aus Hokaido und dem netten jungen Bettnachbarn aus Holland, mit dem ich dort bereits gestern gute lange Gespräche geführt habe.
Ich habe richtiges Brot geholt von der Bäckerei nearby und wir genießen das alle drei mit Peanutbutter. Jeder steuert was zum FS bei und wir sind super zufrieden.

Heute habe ich den ganzen Tag pretty much of nothing vor. Außer, ein Eratztuch für mein damals in einem Flugzeug vergessenes zu besorgen. Das hatte ich vor ca. 10 Jahren in einem Nepalladen in Kroatien gekauft und echt geliebt.
Nur leider gibt es die nicht mehr. Hier hat echt jeder fast das gleiche Angebot. Im Grunde reicht es, wenn man 5 Geschäfte abklappert. Dann wiederholt sich alles. Hier gibt es Tücher, Klamotten, Leder, Filz, Dinge aus Metall und Futter… etc.

Hier gibt es Kathi Rolls

Ich erreiche den Garden of dreams.

Der ist eingemauert und kostet 3€ Eintritt. Trotzdem alles staubig. Ich werfe nur von der Kasse aus einen kurzen Blick hinein.

Nebendran ist ein Tempel. Alles bisschen anders.

Manche Sträßchen sind bisschen breiter. Dann rauscht der Verkehr mit Affenzahn und mit allem, was irgendwie rollen kann halsbrecherisch durch die Stände und an den Fußgängern vorbei. Das macht mich völlig fertig. Bis ich mich entspanne und einfach mitfließe. Ein strudelnder Fluß.

Hier ist es mal kurz ruhiger, sodass ich mein Handy zücken kann, ohne, das es gleich über den Haufen gefahren wird.

Heute muss ich kalt duschen. Das sonnenkollektorengewärmte Wasser hat wohl nicht für alle gereicht.

Nochmal Seoul

Samstagmittag, 2.11.

Nachdem auch in Seoul an drei weiteren Stellen meine Plastikkarten nix wert sind, bezahle ich cash für mein Bettchen und konzentriere mich bei einem Powernap auf mein Moneyproblem.

Ich checke mal die Bankhomepage. Da fällt mir die Möglichkeit auf, eine Pin für die Kreditkarte zu kreieren. Und mir fällt es gleichzeitig wie Schuppen aus den Augen, dass ich nämlich vor vier Jahren, als ich extra für die Weltreise meine erste Kreditkarte besorgt habe – nämlich diese – ich mich viel besser damit ausgekannt und im folgenden alles wieder vergessen hatte.

Pin kreiert, Problem gegessen. Und ich versuche nicht wieder, mit meiner Bankkarte Geld abzuheben. Das ist nämlich deutlich teurer, weil ING zusätzlich zu den Automatengebühren noch 5€ extra berechnet. So, wieder was gelernt, Kapitel abgeschlossen.

Und zur Feier des Tages gibts  ein paar Sträßchen weiter seit langem mal wieder richtigen Kaffee…

…und gute Unterhaltung.

Ein netter NZler kommt auch vorbei. Und als ich ihm den Bukhansan Park empfehle, hab ich selbst die Idee, dass doch damals die Jungs im Bus dorthin eine ‚andere‘ Route auf den Baegundae genommen haben. Sind ja noch ein paar schwarze KletterWege in dem Wald zu erkunden. Und the weather will be fine 🌞.

Mag sein, dass es für den werten Leser meines Blogs längst stinklangweilig ist, immer nur Steinhaufen zu betrachten. Aber mir machts Spaß 😀!

Da bessert sich direkt meine Laune von mehreren Seiten. Die Erleichterung sieht mir sogar der nette und besorgte Hostelbetreiber an, als ich rechtzeitig zum Porridge machen zurückkomme.

Übrigens ist es hier nicht schön. Die auf Booking.com angepriesene Terrasse ist ein echtes Goldstück…

…und macht mich bisschen traurig, weil sie mit so wenig Handgriffen richtig cool sein könnte.

Richtig schlimm ist das Bad. Das Zimmer selbst ist auch nicht wirklich besser. Alles ist kaputt und versifft und niemand tut einen Handschlag. Offenbar seit sehr langer Zeit nicht mehr.

Ein Besipiel: das Duschwasser rinnt an der Badezimmertür direkt ins Zimmer und unter den aufgeplatzten PVC. Kein Spaß. Als ich das Bild mache, ist der ganze Krempel oberflächlich mal trocken. Naß siehts noch schlimmer aus.

Dieser Stadtteil!

Die Bars heißen Buddhas Belly und thirsty Monk…
Ich fühl mich unpassend, wie Oma in der Disco. Das hier hat nix mit mir zu tun. Dreckig, eine Bar an der anderen Bar und lauter betrunkene junge Leute, die ihren -aus meiner Sicht- oberflächlichen Spaß haben.

Wie issn das eigentlich, wenn man garnichts erwartet-
und tatsächlich nichts (was sich nahrhaft anfühlt) kriegt?

Erstmal ist es schockig, wie eine große Leere, in die ich fallen könnte.
Und dann besinne ich mich endlich wieder auf mich selbst.
Richtig gut.
Ist auch mal eine Wohltat, nichts aufregendes zu erleben. Einfach sein.
Und eine Weile diesen dreckigen ungesunden Trubel akzeptieren.

Obwohl mir höchstens danach ist, ein paar Tröpfchen Alk vermischt mit viel heißem Wasser und ganz in Ruhe vorm Schlafen gehen zu trinken, kaufe ich um die Ecke eine Flasche Soju. (Keine Angst, Gunnar, ich saufe tatsächlich nicht zu viel. So eine Flasche hat die Größe einer kleinen Bierbuddel. Und mir war das jetzt zu viel für die drei restlichen Koreaabende.)
Das Hostel hat keine Küche, aber an der Rezeption eine Mikrowelle, Heißwasserautomat und ein CanapéSofa. Außerdem ist es hier wenigstens himmlisch ruhig, wenn man das Brummen des kaputten Kühlschrankes ausblendet. Der Frauendorm geht zu einer Straße raus, die aus lauter kleinen Bars besteht. Die Straße ist so 1 m breit. Kriegste also jede Unterhaltung und die ganze Musik mit. Insgesamt ein aufgedrehter Bienenschwarm.
Ich mixe mir meinen großzügig mit Wasser vedünnten SojuTee (eigene Erfindung). Da kommt wieder dieser Mann vorbei.
Das gibts doch nicht, wie der rumläuft. So was hab ich noch nicht gesehen. Sein Brustkasten erhoben und zu einem Panzerschrank fixiert. Sein hartes Gesicht das Schloss mit sieben Siegeln dazu. Nicht grad minus 273Grad, der bewegt sich ja noch. Aber kaum drüber.
‚Magst du auch’n Becher Soju? Ist mir zu viel.‘
‚Ne, hab in jungen Jahren schon alles getrunken. Reicht für mein Leben.‘ Aber die Temperatur steigt um 2-3°.
Wir kommen tatsächlich ins Gespräch. Als er davon erzählt, wie er früher auf House abgedanced hat, registriere ich fasziniert, wie sein Gesicht und seine ganze Haltung sich verändern, während er auftaut.
Und sogar mit viel Fantasie unter der harten Kruste seiner Oberfläche ein klein wenig zu leuchten beginnt.
Überhaupt ist er Amerikaner (der allerdings halbwegs langsam und deutlich sprechen kann) und ich kann ihn wesentlich besser verstehen, als english sprechen. Also bin ich damit zufrieden, seinem Redefluss zu lauschen und nur ab und zu eine Verständnisfrage zu stellen oder ihm ein bisschen Feuer zu geben. So reden wir über Gott und die Welt. Mir macht es einfach Freude, zuzusehen, wie sehr er sich verändert (der von sich behauptet, dass er sich meistens zurückzieht und mit garkeinem redet).
Unter anderem fand ich dies bedenkenswert: er wohnt in China und muss ab und zu kurz ausreisen, um sein Visum zu verlängern. ‚Empfindest du China als deine Heimat?‘-‚Die ganze Welt ist meine Heimat.‘ ‚Hm, ich habe beim Reisen die Erfahrung gemacht, dass die Heimat letztlich in mir selbst ist.‘
Auf einmal ist es echt 24:00. War ein guter Abend, Jerome.

Sonntag, 3.11.

Ich schlafe bis 9. Bukhansan ist keine Option, habe das Gefühl, ich sollte es heute nicht überreißen. Das Wetter spielt auch mit. Es ist sonnig, aber so diesig, dass kaum eine gute Aussicht zu erwarten ist.
Also laufe ich nach dem FS auf der Goldstückterrasse (meine Zimmergenossinnen schlafen allesamt noch ihren Rausch aus und auch das RezeptionsCanapé ist von einer regungslosen Frau occupiert) durch kleine sonderbare Gässchen die 2km zum botanischen Garten. Der eher ein nicer Stadtgarten ist. Mit public Gym und Mineralquellen.
Es ist warm und ich fühle mich wunderbar langsam. Probiere wenig engagiert einige Trainingsgeräte. Deutlich aktiver suche ich sonnige Liegebänke auf und schaue den Blättern beim Fallen zu.
Eines von diesen ca. 3x 3 m großen Podesten wähle ich für eine ausgedehnte Mittagspause. Ich wandle längst in entfernten Gefilden, als sich eine Dame ganz dicht mit ihrem Gesicht zu meinem legt, ihren Hut über den Kopf stülpt und sofort anfängt, zu schnarchen. Ab und zu schreckt sie hoch und legt sich sofort wieder hin um friedlich weiterzuschnarchen. Schließlich hab ich ihren Arm auf meinem. Irgendwie find ich sie auch süß.

So drücke ich mich im Botanischen Garten des Namsan Park rum, bis ich zum Seoul Tower aufsteige. Diesmal von der anderen Seite. Hier führt ein alpiner kleiner Pfad hoch. Man hat, wenn es einem gelingt, die Straßengeräusche auszublenden, absolut nicht das Gefühl, mitten in der riesigen Stadt zu sein.

Fasziniert schaue ich ein paar Portraitzeichnern zu. Könnte ich echt auch mal wieder Lust kriegen.

Dann fliegt ein Drache über den Himmel und ich komme gerade rechtzeitig auf die Plattform.

Eigentlich wollte ich schon zum Hostel tapern. Ich finde, der Drache ist ein wunderbares Abschiedsgeschenk von Korea. Habe ich bereits erwähnt, dass die Christenheit auch in Korea die Drachen gekillt hat?

Dann plötzlich taucht die glutrote Sonne nochmal unter der Wolke hervor und flasht alle Anwesenden.

Eins ist wirklich gut in Korea (nach den tollen Bergen, natürlich). Sie haben an allen öffentlichen Plätzen und in allen öffentlichen Verkehrsmitteln freies Internet. Der Vertrag meiner DatenSim ist vor paar Tagen ausgelaufen. Aber ich komm recht gut ohne klar. Ist kurz vor dunkel und ich hab mir gerade eine praktische Busverbindung (Infrastruktur ist auch sehr geil) über NaverMap herausgesucht. Da hebt diese schöne junge Dame an, ihre eigenen Lieder zu singen.

Wunderbar! Endlich ein schönes koreanisches Lied!

Ich habe ihren Instagramm Zugang, aber muss noch hoffen, dass sie mir ihren Text in lesbarer Form zukommen lässt.

Als ich von der nahegelegenen Bushalte zum Hostel laufe ist die Sauf- und Kotzmeile signifikant ruhiger, als am Vorabend. Ist ja auch Sonntag. Na prima. Ich lausche noch kurz einem andern Sänger, der zu Selbstkaraoke einen kleinen Blauzahnbrüllwürfel auf die Straße gestellt hat.

Im Zimmer haben wir Neuzugang. Die Frau hat ein graugrünes und kaltschweißig anmutendes Gesicht. Sieht ziemlich gehetzt aus.

Später, als ich im Bett liege (unten, sie im gleichen Etagenbett oben), bewegt sie sich ruckartig und das Bett wackelt erschüttert. Das Problem ist nur, das macht sie oft.

Nein. Sie macht das

DIE GANZE NACHT.

Montag, 4.11.

Morgends dreht sie nochmal richtig auf. Ruckt mit den Armen, klopft hektisch auf die Matratze, gegen die Wand. Sie hat son paar Muster. Jetzt fallen ihre Sachen nacheinander aus ihrem Bett.

Ich steh mal lieber auf. Dann fällt auch noch ihre Geldbörse runter. Ich packe die Gelegenheit beim Schopfe und frage, ob das ihre ist.

Sie dreht ihr Gesicht aus Kissen und Decke heraus und zu mir um und schaut mich freundlich an.

‚How are you?‘

‚Good, good.‘

Tourette und restless legs habe ich schon vor Stunden ausgeschlossen.

‚Dear, you did’nt sleep. All night. You should see a doctor.‘

Erreicht hab ich sie wohl nicht.

Zum FS unterhalte ich mich auf der Goldstückterrasse mit Assis, einem Marrokaner. In aller Ruhe nach Incheon gurken, wo ich mich flugplatznah eingebucht habe, Reistasche im Hostel lassen, einchecken darf ich erst um 3.

Auf dem nahegelegenen Spielplatz in der Sonne liegen und den ganzen Tag so gut, wie nix tun.

Doch: ich lese mich schon mal bisschen ein. Hole Infos über Kathmandu und Pokhara trekking.

Der Hostelbertreiber labert mich mehrmals zu. Der Koreanische Nationalstolz geht mir mittlerweile gehörig auf den Zeiger.

Aber hier macht duschen und Wäsche waschen wieder Sinn und das ist doch schon mal was. Geräumig und sauber ist es hier. Wunderbar.

 

Erkenntnisse SüdKorea

  •  Eine Schule, meine Energie auch zu halten, wenn ich unfreundlich abgeflappt werde.
  • Auf der anderen Seite immer wieder dieses Geschenk besonders herzlicher Freundlichkeit anzunehmen. Das fällt mir leicht. Und die Freude darüber schwingt noch lange in meinem Herzen nach. Ich hoffe, ich bin manchmal auch so.
  • Also, ich weiß nicht, was ich kriege. Und das ist ok. Im Gegensatz dazu konnte ich mich in Japan auf Freundlichkeit fast verlassen.
  • Reisen macht, dass man lernt, heiter Raum um Raum zu durchschreiten, an keinem, wie an einer Hameimat hängen zu bleiben. Reisen macht, dass ich spüre, ich hab immer mich selbst dabei. Nichts anderes.
  • Ich werde mir selbst Heimat
  • Ich darf ruhig sehr viel langsamer machen
  • Wenn ich meine Ressourcen ausschöpfe, und mein Körper das netterweise mitmacht, muss ich auch wieder runter von dem Leistungsross. Und zwar immer viel weiter runter, als mir lieb ist.
  • Ich suche Menschen und auch Völker, die sich die Liebe in Herzen bewahrt oder sie wiedergefunden haben

Sokcho 2, Seoraksan overnight hike

Mittwoch, 30.10.

Ich hab so viel gefragt, Information Center, Hostelmann, Passagier, der mir den Plan an der Haltestelle interpretieren kann, die Uhrzeit, die an der vorigen Haltestelle steht…jeder sagt was anderes, wann der erste Bus geht. Ich wäre gerne früh aufgestanden, um viel Zeit zum Wandern zu haben. Nun muss ich vom worst case ausgehen: erster Bus um 7:25. Ich wills ja nicht glauben. Und es ist eine Stunde Fahrt zum Seoraksan Park.
Jetzt hab ich aber die ganze Nacht kaum ein Auge zugetan, weil ständig mit ExtremDurchfall auf dem Klo gesessen. (Seit dem letzten Morgen in Japan war mir eh dauernd leicht übel.)
Morgens denke ich bewusst an den Rogen und muss auch gleich bestimmt dreißig mal stark würgen, bis mir die Luft wegbleibt. Kommt aber nix mehr. Prima, alles leer. Dann kanns ja losgehen.
Ich gehe früher zum Bus, weil ich schon fertig bin und siehe da, einer kommt um 7:09. Wäre sicher auch noch früher einer gefahren, aber ich bin zufrieden.
Innehalten am großen Buddha…

…und für gutes Gelingen der Wanderung beten.

Gelb und grün bedeutet leicht, rot und dunkelrot ist anstrengender, schwarz ist mit bisschen Klettern.

Die erste Stunde geht es flach, dann easy bergan. Immer am Bach entlang, der viele schöne grün-klare Pools bildet.

Dennoch merke ich, dass mir schnell die Puste ausgeht.

Windige Aussichtsplattform kurz vor der HuiungakShelterHütte.

Um 13:00 komme ich völlig fertig an der Huiungak Shelter an. Ich darf früh einchecken, als ich sage, dass es mir nicht so gut geht und ich etwas Schlaf brauche.
Für teuer Geld leihe ich mir zwei Filzdecken aus. Eine als Matratze (wir schlafen auf Holzboden), die andere als Decke.
Mein Bettplatz ist an der Heizung!
Dennoch zittere ich mich in den kurzen komatösen Schlaf.
13:30 schon hält mich nix mehr. Und ich stehe als Zombie wieder auf. Muss doch mal sehen, wie weit ich den Hang noch hinaufkomme. Der eigentliche Plan war, die höchste Erhebung des Nationalparkes, den Daecheonbong zu erreichen. In meinem Kopf pulsiert dauerhaft der Satz: „Wer klettern will, muss auch Nein sagen können.“
Ich setze mir als Zielmarker: um 16:00 kehre ich um, dann bin ich gut 2h hochgeklettert und habe noch gut 1,5 Stunden Licht, um wieder in meine Hütte zu kommen.
Unterwegs überholen mich einige Paare. Ich stehe nach jeweils drei Stufen gebückt da und schnaufe.

Es sind drei Bergspitzen auf dem Weg angekündigt. Wär doch gelacht, wenn ich nicht wenigstens die erste schaffen würde.
Hier denke ich, es wäre die erste. Man kann schon das Meer sehen.

Hier denke ich es nochmal.

Aber vieeeeeele, viele alpine Steinstufen später ist es dieser Ort.

Der Golfballberg ist die zweithöchste Erhebung, links der Daecheonbong.

15:30. Ein Mädel meint, es seien noch 20min bis zur letzten Shelter und dann nochmal 20min zum Daecheonbong. Na, wenigstens den Golfballberg schaffe ich doch noch bis 4.
Der Weg, auf dem ich einmal Eis sehe, führt aber an seiner Spitze vorbei. Jetzt sehe ich auch die Hütte. Noch 12 min. Nun weiß ich, dass ich mein Ziel erreiche und bin plötzlich supermotiviert.
Dieses Foto mache ich exakt um 16:00

Juhuuu, on top of the world!
Ich kann mich leider nicht lange aufhalten und der starke Wind ist eiskalt.
Beim Runterhüpfen überhole ich drei gechillte Monks. ‚You alone? Don’t you fear?‘
Was soll ich fürchten? Den Wind? Ich hab jedenfalls keine Angst vor dir. So ein freundliches Lachen.
Ich hab mal ein paar alleinreisende Männer gefragt. Natürlich fragt keiner: ‚You allone, don’t you fear?‘
Aber es ist echt global, dass Frauen das von jedem gefragt werden. Das kenne ich auch schon von meinen Fahrradtouren, egal, wo ich bin. Bisher hab ich noch nicht wirklich danach gefragt, was ich denn befürchten sollte. Das nehm ich mir jetzt vor.
Das einzige, was mir einfällt, was echt doof ist am allein Reisen und speziell in den Bergen klettern, gilt für Männer genauso: Wenn was passiert, kommt eventuell mal lange Zeit keiner vorbei.
Aber es ist sowieso scheiße, wenn was passiert, also muss ich auch nicht extra doller aufpassen. Man muss eh auf jeden Schritt achten.
Kurz nach 5 bin ich zurück. Mein erster Weg ist zur Heizung und unter die Decke. Schüttelfrost und ich krieg von meiner Umwelt nix mehr mit. Bin nur noch zufrieden, dass es hier richtig heiß ist.
Um 19:00 ziehe ich mir nochmal alles an (die Klamotten hatte ich zum Teil über die Heizung gelegt), um in dem Stehessraum was zu essen. Ich biete den Altherrenjungs, die hier noch vor sich hinköcheln von meinen Datteln an und wir kommen etwas ins ‚Gespräch‘. Besser, als ein nettes Paar hereinkommt. Sie spricht ganz gutes Englisch. Hat sie studiert und hat in der Botschaft und als Übersetzerin gearbeitet.
Inzwischen meinen die Jungs, ob ich Manhunter wäre? – Äh, nee.
Während ich mit dem netten paar weiterrede oder eigentlich mit der Frau, meint der eine noch, ich wäre ein sehr nettes Mädel. ‚Tja‘, sage ich, ‚wir sind alle sehr nett. Sagte ich nicht, dass ich kein Manhunter bin?‘
Der Mann der netten Frau aus dem Hintergrund: ’nice try‘.
Draußen aufs Plumpsklo. Ein ganzes Stück Weg durch Dunkelheit (Handylampe) und eisigen Wind.

Wieder vor der Hütte, guckt ein Stück Schlauch aus dem Boden. Ich nehme mal an, hier wird Wasser aus einem Quellbach abgezwackt. Da kann man Zähne Putzen. Die nette Frau sagt, das Wasser kann man auch trinken. Wozu hab ich dann 2l gekauft? Na, ist sicher sicherer für meinen Magen.

Schlaaafen um 8e

2:00 wache ich auf, die Heizung ist aus. Voll cool, aufs Klo zu gehen: Sterne, Sterne! Und zum ersten mal in diesem Jahr mein lieber Orion!

4:45 geht das Licht an und die Leute fangen an, sich zu unterhalten und fertig zu machen. Was wollen sie so früh? Vor 6 wirds eh nicht hell.
Ich dreh mich nochmal um auf meinem Holzboden. Aber egal, ich muss eh auf Klo. Mach ich mich auch gemütlich fertig. Vielleicht sehe ich ja die nette Frau von gestern wieder.
Tatsächlich stehen viele in der Küche, manche brechen auch schon mit Kopflampen auf.

Hier wird jetzt ordentlich gekocht. Jeder scheint seine eigene Campingküche dabei zu haben. Ich gehe gleich zu der netten Frau. Mit dem Resultat, dass ich einen Kaffee bekomme. Da sag ich mal nicht nein.
Von ihrer gebratenen Wurst wollen sie mir auch abgeben. Aber mir genügen meine Dates and Almonds.

6:20 mit dem ersten anbrechenden Tageslicht breche ich auf.
Ziemlich kalt, aber ok, denn ich habe alles an, was ich dabei hab: Bustier, Top, orangenes T-Shirt mit Mütze, grauer und grüner Hoody, rote dünne Windjacke, Buff und grünes großes Halstuch. Wanderhose und Blumenhose, dünne Socken und meine wasserdichten Wanderhalbschuhe.

Morgenrosa, 6:28

Dann komme ich das erste mal über einen Grat und der eisige Sturm haut mich fast um.

Erste Sonne für mich, 7:27

7:45 finde ich einen super FSPlatz in der Sonne und im Windschatten. Auf einem zum Stuhl gewachsenen Baumstamm. Ich futtere gemütlich, während es über mir wütend tost und braust.
Manchmal führt der Weg über den Grat, sogar auf Felsspitzen. Dann pustet einem der garstige eisige Wind die Füße unterm Hintern weg.
Das führt dazu, dass ich mich an den wunderbaren Aussichtsplätzen nicht aufhalten kann. Ich weiß auch nicht, ob die Bilder was werden, weils mir die Hände verreißt, wenn ich das Handy nach vorne halte.
Dragon (Dinosaur) ridge bedeutet: es geht beständig sehr steil auf und ab. Teils muss man etwas klettern, aber es ist keine schwierige oder beängstigende Passage dabei. Einfach nur anstrengend und es macht Freude.

Im Hintergrund immer wieder der Daecheonbong.

Es geht nach dem  Madeungryeong Point, der das Ende der ridge markiert, ordentlich bergab. Langsam wird es wieder lieblicher.

14:15 viele steile Treppenstufen führen zur Höhle sehr weit oben in der Felswand.

Der Mönch himself bietet mir an, ein Foto von mir zu machen.

Als ich wieder runterkomme, ist die Aussicht auf ein Plumpsklo doch sehr verlockend.

Die letzten drei Kilometer gemütliche Abschiedsstimmung

Ich fühle mich stolz. Und noch mehr dankbar.

17:30: ‚Yu! Check in, check in‘
und gleich: ‚Do you have laundry?‘ Sogleich macht er zeichen, ich soll ihm die Wäsche geben. Ich lache und sage, auf meine abgewanderten Klamotte zeigend, ‚ich kann dir jetzt meine Wäsche nicht geben!‘ Er lacht auch, ‚I love you!‘

Jetzt bloß noch den Plan verfolgen: Waschmaschine anmachen, duschen, schlaaafen! Oh, schön warm. Draußen ist irgendein Fest. Oropax. Und Buff über die Augen, damit ich nicht merke, wenn jemand reinkommt.
Gegen 19:30 Wäsche draußen auf der Terrasse aufhängen, ich koche mir ein schönes Porridge und dann nix, wie ins Bett.

Freitag, 1.11.

7:30 aufgewacht.
Schlafanzug stinkt auch wie die Sau. Wasche ich den per Hand auch noch. Jetzt hab ich nur noch den Minirock und ein letztes Top. 1 Hoody hab ich mir noch übergelassen, wird beim nächsten Mal gewaschen.

Ich habe immernoch Durchfall.
Plötzlich seh ich auch dünn aus. Vorher war ich wohl aufgebläht.
Aber mir gehts prima, nur ein bisschen zitterig von der Auszehrung. Und immerhin ist mir seit dem Durchfall nicht mehr schlecht.
FS draußen. Die Sonne scheint schon warm. Ich beobachte eine Kohlmeise, die auf einer Zaunlatte sitzt. Wie ein Gruß von zu Hause.
Dabei fällt mir auf, ich hab kein Heimweh.
Ich quatsche noch mit einem Jungen aus den Philipines. Er war schon in Nepal und kann mir paar Tipps geben.

‚Yu, was kostet es, ein Rad zu leihen?‘ -‚It’s free.‘
Such ich mir wie immer das Kinderrad mit dem höchsten Sattel aus.
Oh, bremst nicht, erstmal nachstellen. Braucht nu immernoch auf gerader Strecke minimum 5m Bremsweg. Vorrausgesetzt, ich ziehe beide Züge. Die Gangschaltung geht nicht, weil Bowdenzüge durchgerostet…
Na, ich will ja erstmal nur zum Pavillon.
Diesmal ist alles ruhig, weil Werktag. Sogar der Wind ist sehr sanft.
Ich spiele ein bisschen zwischen den Steinen rum, auf denen ich am ersten Tag mein Mittagessen einnahm. Gerade kann man trockenen Fußes rüber. Ein paar Angler stehen auch da.
Ich finde einen netten Stein zum Hinsetzen und Anlehnen, aber nach kurzer Zeit konstatiere ich, er ist auch gut zum Hinlegen. Das eintönige Geklatsche der Wellen an die Steine ist so beruhigend. Dazu die tropische Wärme von angeblich nur 18° nach dem eisigen Sturm gestern.
Hach!
Als ein paar kühlere Luftzüge kommen, schwing ich mich wieder aufs Rad. Dann stelle ich fest, dass man sich die Gangschaltung auch manuell einstellen kann. An der Kette macht man sich ja nicht die Finger  schmutzig. Weil kein Öl. Den trockenen Rost kann man sich prima abputzen.
Und ich mache mich auf den Weg, den See zu umrunden.
Das ist mal ein Gym!

Ich schwinge mich gleich unter die Langhantel.
Alle 5 Meter halte ich an für ein Foto.

Impression mit Schrottmöhre

Es ist still und warm und ruhig hier. Gerade so, wie ich es jetzt brauche.
Für den Sonnenuntergang suche ich mir einen schönen großen Stein aus.

Ich schreibe noch ein bisschen, dann ist es soweit. Ich hatte die Idee, dass es schön wäre, mich auf diese Weise von den Bergen zu verabschieden.
Meinen Eltern bin ich unfassbar dankbar, dass ich das alles erleben darf.

Jetzt erst wird mir klar, dass ich hier nochmal meine drei höchsten Hügel und den DinosaurerRücken, der für mich natürlich ein Drachenrücken ist, sehen kann.

Voll coole Vorstellung, dass ich dieses ganze große Stück Horizont abgehüpft bin.

Als aus den Zelten nahe des Hafens die gleiche grausame Musik ertönt, die mir gestern abend die Oropax in die Ohren gezaubert hat, will ich doch mal sehen, was sich dahinter verbirgt.

Peru

Und Pakistan will mir einen Drachen verkaufen, hat aber nur einen riesen groben aus Onyx. Tja.

Da isser, der Krachmacher.

Oh, Hell

Ich denk mir schon, das ist Karaoke, wegen des Bilddchirmes auf der Bühne. Na, da isses ja ok. Bloß bisschen laut.

Hier gibt es alles, was irgendwann mal jemandem vom Laster gefallen ist.

Man darf aber nicht falschrum! Der ganze 200m Parcours muss abgelaufen werden.
Ich finde ein Gummiband für 80Cent, um meine Brille zu reparieren.Vor einigen Wochen ist mir ein Bügel gebrochen. Ich fands erst mies, den anderen Bügel auch noch abzubrechen. Aber nun hab ich eine prima UmDenHalsHängeBrille. Ist viel praktischer.

Bei den grob geschmiedeten SchlachteMessern könnte ich schwach werden.

Und auch bei einigem Reisebdarf. Aber ich bin tapfer. Es geht kaum was über eine leichte Reisetasche.

Zu meiner Verabschiedung gibt der Hafen noch ein Feuerwerk. Aber ich bekomme nirgends Geld aus den Automaten. Macht langsam keinen Spa§ mehr.
Und entwickelt sich zu einem echten Rausschmeißer. Haha, ich komm ja garnicht raus hier, mit gerade mal 6€ in der Tasche. Ich klappere alle Bankautomaten der Innenstadt, die zum Glück nicht weit entfernt ist, ab.
Das ist echt kein Grund, weinerlich zu werden. Ich entscheide mich dafür, aufgebracht zu sein.
Das waren mir jetzt entschieden zu viele ‚only for Koreans‘.
Gate für die Buchung der Berghütten; SchwerbehindertenNachlass; eben auf dem Markt, eine Amerikanerin schleppt mich zum Karaoke: ‚only for Korean‘, kostet außerdem 8€. Sollen sie doch froh sein, dass jemand da singen will. Nu krieg ich auch kein Geld. ‚Only for Koreans‘.

Freitag Abend und ich fahre morgen nach Seoul. So zumindest der Plan.

‚Yu, I have a problem!‘ Ich hoffe noch, er akzeptiert meine Kreditkarte und gibt mir das Bargeld für die 5 Tage zurück. Aber auch sein Apparat kann meine Kteditkarte und auch meine Bankkarte nicht lesen.
Letzte Idee: der Fuffi, den ich von Papa an SEINEM Geburtstag bekommen habe. (Den anderen bekam Lis, die wirklich geholfen hat, von mir.)
Yu tauscht ihn tatsächlich, will mir 15000Won geben. Ich bin aber schon mit der InternetUmrechnungstabelle auf dem Handy zu ihm runtergekommen: 65000.
Weil es echt so wirkte, als wollte er mich grob verarschen, hab ich auch keine Lust, ihm für den Aufwand was zu geben. Ich mag trotzdem nicht glauben, dass es Absicht war und bedanke mich für seine Rettung herzlich.