Okayama

Donnerstag, 10.10.

Panik in Nagoya Station, ich schaue auf den Boden. Traue mich aber wegen der langen Schlange am normalen Schalter, ein Ticket am E-Schalter zu kaufen. Klappt diesmal problemlos.
Auf dem Gleis (habe zweimal gefragt, welches) frage ich, welcher Zug. Und bekomme gesagt, der übernächste. Der nächste fährt aber auch nach Okayama. Ich frage wieder zweimal und bekomme gesagt, den kann ich auch nehmen. Nun schaue ich nochmal googlemaps Zugverbindung. Sagt eindeutig, der spätere. Und der ist schneller.

Öfters geht es so kompliziert. Aber genauso bekomme ich auch oft Tipps, die mir auf Anhieb cool weiterhelfen.

Uff, endlich kann ich essen: im Zug gibts den Rest der Suppe von gestern, jetzt sehr lecker. Vor allem, weil ich mich auch immer erleichtert beruhige, wenn ich erstmal im Zug sitze.
Dann nochmal Panik am Bahnhof Okayama. East gate. Dann finde ich den empfohlenen Schleichweg ob des riesiegen Busbahnhofes nicht. Muss einen Umweg machen, über breite Straßen als Zombi laufen.
Füße und Hände sind rott. Ich bin völlig fertig. Der Kilometer scheint endlos vor mir zu liegen. Auf halber Strecke mache ich Halt an einem Getränkeautomaten. Ist wohl vor einem Theater oder so. Es hat Bestuhlung mit Tischchen im Hof. Als ich sitze, weine ich verzeifelt. Dann nehme ich eine Nova. Die dann aber nicht wirkt.

Der Hostelmann ist nett. Ich sollte in den dritten Stock, es gibt aber nur eine Treppe in den zweiten. Da kommt er an und meint, das eigentliche Hostel sei im Nachbarhaus. Dieses sei gerade erst dazugemietet und noch nicht so ganz eingerichtet. Ich sage, dass ich Probleme mit meinen Händen habe. Er: ich könne aber auch hier schlafen. Und zeigt mir ein Zweibettzimmer. Macht die Klimaanlage an. Oh, bitte nicht. Aber die Fenster kann man nicht öffnen wegen der Moskitos.
Unten sei noch ein Einzelzimmer.  Mit Moskitonetzen vor dem Fenster. Etwas vollgestopft. Aber ich bin zufrieden.
Er bringt meine Tasche runter.
Ich gehe noch bisschen raus an den Kanal und kaufe Eis und Bier.

Mal Ruhe reinbringen.

Dann muss ich doch mit Augenschutz und Oropax schlafen. Von der Straße grelles Licht und Autolärm.

Freitag, 11.10.

An den Kanälen entlang…

…zum Okayama Schloss (handycaped kostenlos) ich schlaf davor davor erstmal ne Runde.

Der berühmte Koraku-en garden, gleich dahinter

Die Schlange schwamm formschön auf der Teichoberfläche.

Mit Miguel Angelo aus Spanien hab ich mal wieder ein erfrischendes Gespräch. Er begleitet mich zum Bahnhof.
Ich will dem Tipp des Wirtes folgen und nach Kurashiki fahren.

Im Zug lerne ich einen Dänisch-Neuseeländischen Asiaten und seine Frau, eine Japanerin mit einem zuckersüßen Kleinkind kennen. Der Mann spricht sehr viel und hilft mir, läuft mir mit schwerem Gepäck nach und zeigt mir die Richtung zum Bikan Historical Quarter.

Ist echt ganz nice hier. Aber auch supertouristisch.

Interessant finde ich die Raku- Töpferei, die in diesem Viertel in jedem zweiten Haus ausgstellt ist. Von Chant habe ich ja auch eine von ihm selbstgetöpferte tolle Vase in RakuTechnik.

Er hatte mir damals erklärt, dass das glühende Werkstück in Stroh geworfen wird. Durch verschiedene Oxidationsprozesse entstehen dann diese Zufallsmuster.

So müde: mitten in der Altstadt schlafe ich in einem ruhigeren Seitensträßchen auf einer Bank.

Der Bär bewacht mich:

Natürlich laufe ich noch den Berg rauf zum Tempel. Dann will ich eigentlich gehen. Am Ausgang der Altstadt drehe ich mich nochmal um, weil eine Passantin ihr Handy so intensiv in den Himmel hält:

Da wirds doch nochmal so richtig schön. Gut, dass ich gerade schon im Convenience store war. Mit Bier in der Hand lässt sich die laue Abendstimmung hervorragend genießen.

Am Bahnhof höre ich LiveMusik und singe nach kurzer Zeit hinterm Micro mit.

Die ganze Bande (nebendran stehen nocht etliche) singt für den Frieden. Außer japanischen Liedern gibts ‚we shall overcome‘. Bevor alle versammelt sind darf ich auch mein japanisches Liedchen singen und später singe ich ’sympathy‘ von Rare Bird, das ich auch schon mal in Darmstadt auf einer Friedenskundgebung gesungen hab. Der Kopfmann der Gruppe schreibt sich das Lied gewissenhaft auf.

Samstag, 12.10.

Gestern Nacht kamen recht spät noch zwei weitere Gäste in mein Zimmer. War zum Glück nicht lange Getöse und ich habe gut geschlafen. Bis 4:15.

Bin jetzt eh wach und meine Wettervorhersage meint, je später, desto stärker Sturmböen durch die Ausläufer von Hagibis und ab 7 auch Regen. Darauf hatte ich irgendwie keine Lust: 1 guten Kilometer mit vollem Gepäck bei Sturm und Regen laufen.
Jetzt ist es noch schön warm. Ich packe meinen Kram leise zusammen und mache mich fertig. Um kurz nach 5 bin ich aus dem Haus. Ich möchte statt des angepeilten Busses um 8:50, den um 6:30 nehmen.

Bin 1h zu früh, aber das ist mir wurscht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.