Nagoya

Samstag, 5.10.

Heute Morgen habe ich schön Ruhe und Zeit. Ich packe sorgfältig. Trotzdem ist der Trolly einfach zu voll. Um die MitbringSchnapsflaschen von Arnos Obstbäumen zu schützen, hatte ich am Ende noch eine dünne Decke eingepackt. Auch mit dem Gedanken, die kann man immer brauchen. Hab ich aber kaum. Wenn ich in Südkorea bin, kommt die weg mit der Post und noch ein paar Kleinigkeiten. Mich nervt es, den Trolly über Treppen tragen zu müssen. Zum Beispiel an den Bahnhöfen. Die kleineren U-Bahnhöfe haben oft keine Fahrstühle oder Rolltreppen. Dafür gehts vieeele Stufen runter und eventuell noch ein paar mal rauf und wieder runter, wie heute morgen. Zur Zeit macht nichtmal das hinter mir herziehen Spaß. Allein, den Reißverschluss zuzukriegen, ist scheiße schmerzhaft.

Im Hauptbahnhof Tokyo krieg ich wieder Panik, als ich mir die Karte kaufen will und später, als ich meinen Zug und mein Gleis suche. Ich weiß, dass es überhaupt keinen Grund dafür gibt, weil jeder gerne hilft. Mir ist es hier einfach zu viel im Hauptbahnhofgewühl..

Sobald ich im Zug sitze, ist alles wieder gut.

Eine junge Mutter mit zwei süßen kleinen Kindern sitzt neben mir. Das Töchterchen fängt sofort an, Papier zu falten. Nach kurzer Zeit schenkt sie mir ein Origamiherz!

Ich lass mich nicht lumpen und ziehe mein O-Papier aus dem Rucksack. Sie bekommt einen rosanen Mount Fuji.

Im Hostel bin ich im 4. Stock einquartiert. Der junge Mann an der Rezeption ist so nett…

Jetzt warte ich auf Keiji. Der holt mich gleich für ein gemeinsames Abendessen ab.

Oh, superlecker!

Keiji weiß nur von mir, dass ich Fisch mag. Und Rind. Und bestellt ein Menü. Er kennt nicht mal das Lokal. Hat unsere Plätze in einem Restaurant im Bahnhofhochhaus gebucht, weil er sah, wie nah mein Hostel ist. Und kam mit dem Bus.

Zuerst mal Bier. Dann, weil noch ein paar Fische kommen – ups – doch ne ganze Flasche Weißwein.

Ein Gang nach dem anderen in schneller Reihenfolge. Es ist sogar Keiji zu schnell.

Er bittet um LANGSAMKEIT.

Jetzt kommt Urchin. Bisschen glibbrig.

Auf einmal gibts den Lobster

– ich hab den Koch schon die ganze Zeit fasziniert beobachtet. Wie er – krackckcks, die Lobster mit einem großen Messer mittendurchschneidet.

– auch für uns! Krass!

Keiji freut es, dass es mich freut.

Zum Rind, naklar, Rotwein. Yammie!

Beim Dessert, ein Blatt gedämpfter Reisteig und darauf Kürbiseis, Obst, Kräuter… fällt Keiji ein, dass er doch gerne noch einen Schnaps trinken würde. Sie haben aber nur Whiskey. Ok, on the Rocks.

Keiji bringt mich mit Taxi die paar hundert m heim. Wir tauschen unsere Geschenke aus: ich habe ein MarzipanGlücksschwein von unserer Marzipanfabrik und Obstler von Arno. Dafür bekomme ich eine Flasche guten Sake. Und er mag bitte Yoko, seine liebe Frau, grüßen.

Im Hostel würde ich gerne noch mein Bierchen trinken, das ich mir vorher im Supermarkt besorgt habe. But, to be honest:

ich bin bedient.

Und hatte einen schönen geselligen Abend. Mal wieder Datenabgleich mit Christofs Umgebung. Aber auch natürlich mit allem, was Keiji angeht.

Und nebenbei viel Spaß!

Sonbtag, 6.10.

„Morning!“

Die Gäste hier sind strange. In der schmuddeligen Gemeinschaftsküche sitzen einige über ihre electronic devices gebeugt und heben mit  genervt abweisendem Blick ihre Köpfe, um gleich darauf wieder in autistisches IT Delir zu versinken. Jemand hat den Ton abgestellt.

Ich bin die einzige, die sich ein halbwegs vernünftiges Frühstück macht. So gut es eben geht, mit dem, was die MiniSupermärkte hergeben.
Mein Handgelenk ist ‚alleine‘ wieder besser geworden. Ich kann es jetzt wieder halbwegs bewegen. Habe sogar Wäsche mit der Hand gewaschen. (Neben der Notwendigkeit war es auch Ergotherapie 😁.)
Die Schmerzen sind jetzt innerhalb des erträglichen Bereiches. Also signifikant unter ‚auf den Nerv bohren‘.

Ich bin superfroh, dass ich wohl ohne weitere Cortisonpulstherapie auskomme.

Nun fahre ich mit dem Zug zum Atsuta Shrine. Auf dem Weg lockt mich dieses lustige POPO Schild über die Straße. Daneben das ‚Bright Stand‘. Hm, Kaffe wär mal gut. Der ewige Instant hängt mir schon zum Hals raus.

Nette Ausstattung. 2Barhocker drinnen und draußen das winzige Bänkchen für zwei schmale Popos. Mit dem Weitwinkel sieht der Stand größer aus, als er ist. Über mir hängt ein wunderschönes weißes Segelschiff, das in der Luft fliegt. Es lädt dazu ein, mit seinen Träumen davonzufliegen. Den jungen Mann hätte ich mir am liebsten gleich dazu eingepackt. Bis mein superleckerer Esp + milk ganz langsam alle geht, haben wir eine gute, witzige und schöne Unterhaltung.

Ich lerne ‚mata ne‘ für ’see you‘. Und wir winken uns bright lächelnd, bis wir uns nicht mehr sehen.

Ich gehe mit hell lachendem Herzen weiter.

Am Shrine beten viele, so bleiben sie nur kurz. Er soll einer der wichtigsten Shinto Shrine sein und die Sonnengöttin Amaterasu beherbergen. Was für ein wunderbarer Tag, um ihr zu begegnen.

Ich fühle hier eine riesige Macht und denke an Krieg und Frieden.

Im Park imponiert dieser alte Baum. Viele Kinder sind festlich gekleidet.

Ich erfahre später von einem netten Herren, dass Kinder mit drei, fünf und sieben Jahren festlich in Kimonos gekleidet zum Schrein gebracht werden. Ich verstehe seine Erläuterungen als eine Art Initiation. Er war als Kind auch hier.

Im Nebentempel höre ich so viel Vögel zwitschern und denke an Frieden mit allen Wesen.

Shirotori Garden, gleich in der Nähe

So viel zu entdecken, nach jeder Ecke sieht es wieder überraschend anders aus.

White Spiderlilly

Allgegenwärtig, die gefräßigen Pfützenhaie

Zum freundlichen Rausschmiss wird um 16:45 ‚auld lang syne‘ gespielt.

Wens interessiert, warum dieses Lied so oft in Japan gespielt wird:

https://www.google.com/amp/s/www.pri.org/stories/2015-06-19/why-do-japanese-stores-play-auld-lang-syne-when-they-close-answer-wont-shock-or%3famp

Auf dem Rückweg traue ich mich noch mal ins Bright Stand, um dem jungen Mann zu erklären, dass ich einen guten Tag im Shrine Park und im Garten hatte. Einen guten Tag, der besonders schön angefangen hat.

Zurück in der Hostelbar hab ich Lust auf den kleinen Happyhoursnack mit Beermug. Saulaute Musik heute. Wasn Kontrastprogramm zu der kontemplativen sonnigen Zeit heute am Tag.

Mit zwei Mädels komme ich ins Gespräch, weil sich die eine von der anderen mit dem Wandbildmann neben mir ablichten lässt.

Später erklären sie mir, es wird heute Musik nur von ihm aufgelegt. Er heißt

Sakanaction

Und ist total angesagt.

Wir haben superviel Spaß, da fällt mir ein, auf die Uhr zu schauen. Oh, noch 7 min happy hour. Bestell ich noch ein Bier. Die Mädels holen sich auch noch was. Wir üben ‚Prost‘.

Shoko und Juka sind übrigens 36 und 38. Es grenzt schon an Frechheit, wie jung die Japanerinnen aussehen.

Kurz vor 8te wirds mir absolut zu laut.

Die Krönung dieses besonders schönen gefüllten und erfüllenden Tages ist dann das WhatsAppVideoTelefonat mit meinem lieben Töchterchen.

Also echt, ich bin wohl zu alt. Ich versteh das nicht. Nagoya-Hamburg Viedoübertragung in Echtzeit. Means Totlachspaß ohne Delay.

 

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