Komagane und Kisokomagatake Dake

Montag, 7.10.

Mein Bus geht erst jusan ji sanju bu (13:30) vom Bahnhof. Kann ich also schön langsam aufstehen und so.

Trotzdem bleibt noch massig Zeit nach dem Auschecken. Rezeption ist in der Hausbar. Leihe ich mir mal die Gitarre aus.

Nach einer Weile kommt der Belgier runter, mit dem ich gestern Abend noch kurz in der Küche gesprochen hatte. Er will mit Zelt auf den Fuji. Verdammt, hat er mich echt neidisch gemacht! Fuji ist ja schon Anfang September zu. Also die Hütte aufm Berg und so. Aber jetzt ist die ideale Zeit, zu gehen, weil es nicht mehr diese Pressschlange an Wanderern hat, die sich gegenseitig raufschieben. Oder sich vielmehr gegenseitig am Aufstieg hindern. Und die Bergspitze ist noch nicht schneebedeckt. Dafür muss man halt seinen ganzen Schlafkram mit raufschleppen. Weil ich finde, Fuji von Busstation 5 ist echt gecheatet. Ich würde gerne mal von Kawaguchiko aus gehen.

Sind 3700 hm – 900 von Kawaguchiko macht 2800 hm. Ist auch kein Pappenstiel. In einem Tag mach ich das sicher nicht. Auf jedenfall nicht Retour.

Der Belgier hat allerdings eine gute Frage gestellt: obs wohl flache Stellen gibt, um das Zelt einigermaßen aufzustellen? Keine Ahnung, ganz oben sicherlich 😀.

Also, ich singe gerade meinen Japansong, setzt er sich zu mir. „You share a lot, when you sing“.

Heute möchte er mit dem local Train an den Rand Nagoyas fahren, zu einem Highwayparkplatz laufen und dann nach Tokyo hitchhiken. Schon wieder macht er mich neidisch.

Der Zug hat mich 80 Ocken gekostet. Wenn ich demnächst mit dem Shinkansen nach Okayama fahre, nochmal so viel und so weiter.

Man kann zwar einen Railpass erstehen, bevor man einreist, aber das lohnt sich nur, wenn man in kurzer Zeit sehr viel fährt.

Jetzt sitze ich also im Bus nach Komagane. Auf dem Weg zum Bahnhof fiel mir siedendheiß ein, dass Takuji meinte, die Bustouren sind oft durchaus Monate im Voraus ausverkauft. Hätte ich ja auch mal die Karte vorgestern kaufen können. Hat aber auch jetzt geklappt 😬😃.

Ich werde, wie von Takuji bestellt, vom Wirt nach Haus geschüttelt.
Vom Van aus sehe ich die ersten Affen. Gleich eine ganze Horde im Wald!

Es gibt eine GästeKüche in der JuHe. Prima. Wo kann ich einkaufen. Tjaaaa, Supermarkt?? Das ist schlecht…
Aber es soll dann doch einen Minimarkt und eine kleine Bäckerei geben. Unten im Dorf, 15 Gehminuten.

Nach dem Einchecken lauf ich runter ins (Touri)Dorf. Da sehe ich meinen Ersten Affen live ohne Autoscheibe oder so. Er kommt sogar aus dem Wald auf den Bürgersteig hinter mir und tut so, als würde er Beeren am Waldrand pflücken. Mit Sicherheit war er einfach neugierig. Ich denke jedenfalls, es ist ein ‚er‘.

Im Souveniershop bekomme ich lecker lecker geräucherten Pferdeschinken.
Dann gehe ich ins Onsen, es ist schon stockdunkel. In Japan werden abends nicht viele Lichter angemacht.
Dort liegen oh Wunder noch je eine Packung Möhren und Lauchzwiebeln. Mein Abendessen ist gerettet.
Das Onsen ist ganz nett, es wird mir auch morgen über den Regentag helfen. Es hat auch eine kleine Sauna. Die hat 100°! Und ist furztrocken. Da spürt man gleich, wies einem die Lungenbläschen zusammenschmurgelt.
Ich muss ja nicht lang drinbleiben.

Zu Hause Abendessen mit lecker Sake von Keiji.

Dann stimme ich mal die alte Gitarrengurke, die im Gemeinschaftsraum in der Ecke steht. Da ist noch eine andere, die in einem ehrfuchtgebietenden schönen Wandschrank untergebracht ist. Der ist zwar nicht abgeschlossen, aber deutlich feudaler, als alles andere hier. Und so denke ich, bevor man die benutzt, sollte man lieber fragen.

Nach ein paar Liedern – echt meine Stimme wird immer besser!- kommt der Wirt und freut sich offenbar. Ich spiele als nächstes für ihn Tooku de und er nimmt es auf. Nicht ohne mich vorher gestisch zu fragen, ob er das darf.
Und klar, ich darf auch die andere Gitarre benutzen. Für heute will ich aber bloß noch ins Bett.

Dienstag, 8.10.

Schön ausgeschlafen. Ich habe nur seit gestern Abend wieder mehr Schmerzen in beiden Handgelenken, diesmal mehr links. Trotzdem spiele ich noch ein bisschen Gitarre. Diesmal auf der besseren im feudalen Gitarrenschrank.
Ich darf ja bis 10 im Hostel bleiben. Das nutze ich aus. Der Wirt bietet mir an, dass ich schon um 15:30 wiederkonmen darf. Außerdem einen Regenschirm, den ich dankend ablehne.

Es regnet. In meinen Regenschuhen, Regenhose und frisch imprägnierter Regenjacke fühle ich mich wohl.

Ich finde vor den Wildschweinen und anderen Fressfeinden (beim Essen hört die Freundschaft auf, ihr lieben Äffchen) eine Handvoll frisch heruntergefallener Esskastanien. Die werden mein Abendessen bereichern.
Und tapere in Ruhe durch den Wald. Die Affen haben sich offenbar vor dem Regen zurückgezogen. Ich hätte gerne nochmal welche gesehen.
Dann erreiche ich den Weg zum Tempel. Der Wald ist alt und verwunschen.

Riesige Koniferen. Mit vielfarbigen Moosen und Flechten sind die Steine gevintaged.
Und die Tempelanlage ist so schön!
Gerade, als es richtig dolle zu regnen beginnt, komme ich nach etlichen Fotos zum Haupttempel. Bevor ich eintrete, ziehe ich mir unterm Tor die Regensachen aus.
Glücklicherweise habe ich doch mein Kleingeld dabei. Zum ersten mal zünde ich eine Kerze an, bevor ich zum Schrein trete.
Es ist so schön hier. Ich fühle mich wohl, wie in Liebe eingewickelt.

Ich schreibe einige Zeit regengeschützt an der überdachten Tempelseite. Wird nu doch bisschen kühl. Dann gehe ich durch den Wald zum Dorf. Dieser große Schmetterling flappert irgendwie torkelnd im Regen und setzt sich auf die schönsten Blüten.

Danke lieber Schmetterling, so gibts schöne Bilder.

In der Bäckerei duftet alles so gut. Was soll ich nehmen???

Tickets für morgen kaufen, dann endlich zum Onsen. Die ganze Zeit habe ich mich vor Regen geschützt, nu will ich mich mal klatschnass machen.

Zu Hause bin ich erstmal – im Gunnars Lieblongswort zu benutzen – platt! Schön ausgedehnter Powernap.

Mit den Maronen und allem, was ich noch so erjagt habe (grüner Spargel und getrocknete Pilze), gibts eher einen Gemüsehaufen, als eine Suppe. Mit einem Klacks sündhaft teurer Butter und Sojasoße wirds perfekt.

Und klar, darf der Sake nicht fehlen, solange noch welcher da ist.

Gitarre, nice Hände und Füße- Conversation mit Wirt und noch jemand.

Ich zeige dem Wirt dass er mit seinem Google Übersetzer englischen Text mit Kamera ins Japanische übersetzen kann. Der freut sich und hat was zu spielen.

Mittwoch, 9.10.

 

 

 

 

 

Da oben stand ich auf dem höchsten Stein, cool 😎🤗!

Donnerstag, 10.10.

 

 

 

 

Freitag, 11.10.

 

 

Nagoya

Samstag, 5.10.

Heute Morgen habe ich schön Ruhe und Zeit. Ich packe sorgfältig. Trotzdem ist der Trolly einfach zu voll. Um die MitbringSchnapsflaschen von Arnos Obstbäumen zu schützen, hatte ich am Ende noch eine dünne Decke eingepackt. Auch mit dem Gedanken, die kann man immer brauchen. Hab ich aber kaum. Wenn ich in Südkorea bin, kommt die weg mit der Post und noch ein paar Kleinigkeiten. Mich nervt es, den Trolly über Treppen tragen zu müssen. Zum Beispiel an den Bahnhöfen. Die kleineren U-Bahnhöfe haben oft keine Fahrstühle oder Rolltreppen. Dafür gehts vieeele Stufen runter und eventuell noch ein paar mal rauf und wieder runter, wie heute morgen. Zur Zeit macht nichtmal das hinter mir herziehen Spaß. Allein, den Reißverschluss zuzukriegen, ist scheiße schmerzhaft.

Im Hauptbahnhof Tokyo krieg ich wieder Panik, als ich mir die Karte kaufen will und später, als ich meinen Zug und mein Gleis suche. Ich weiß, dass es überhaupt keinen Grund dafür gibt, weil jeder gerne hilft. Mir ist es hier einfach zu viel im Hauptbahnhofgewühl..

Sobald ich im Zug sitze, ist alles wieder gut.

Eine junge Mutter mit zwei süßen kleinen Kindern sitzt neben mir. Das Töchterchen fängt sofort an, Papier zu falten. Nach kurzer Zeit schenkt sie mir ein Origamiherz!

Ich lass mich nicht lumpen und ziehe mein O-Papier aus dem Rucksack. Sie bekommt einen rosanen Mount Fuji.

Im Hostel bin ich im 4. Stock einquartiert. Der junge Mann an der Rezeption ist so nett…

Jetzt warte ich auf Keiji. Der holt mich gleich für ein gemeinsames Abendessen ab.

Oh, superlecker!

Keiji weiß nur von mir, dass ich Fisch mag. Und Rind. Und bestellt ein Menü. Er kennt nicht mal das Lokal. Hat unsere Plätze in einem Restaurant im Bahnhofhochhaus gebucht, weil er sah, wie nah mein Hostel ist. Und kam mit dem Bus.

Zuerst mal Bier. Dann, weil noch ein paar Fische kommen – ups – doch ne ganze Flasche Weißwein.

Ein Gang nach dem anderen in schneller Reihenfolge. Es ist sogar Keiji zu schnell.

Er bittet um LANGSAMKEIT.

Jetzt kommt Urchin. Bisschen glibbrig.

Auf einmal gibts den Lobster

– ich hab den Koch schon die ganze Zeit fasziniert beobachtet. Wie er – krackckcks, die Lobster mit einem großen Messer mittendurchschneidet.

– auch für uns! Krass!

Keiji freut es, dass es mich freut.

Zum Rind, naklar, Rotwein. Yammie!

Beim Dessert, ein Blatt gedämpfter Reisteig und darauf Kürbiseis, Obst, Kräuter… fällt Keiji ein, dass er doch gerne noch einen Schnaps trinken würde. Sie haben aber nur Whiskey. Ok, on the Rocks.

Keiji bringt mich mit Taxi die paar hundert m heim. Wir tauschen unsere Geschenke aus: ich habe ein MarzipanGlücksschwein von unserer Marzipanfabrik und Obstler von Arno. Dafür bekomme ich eine Flasche guten Sake. Und er mag bitte Yoko, seine liebe Frau, grüßen.

Im Hostel würde ich gerne noch mein Bierchen trinken, das ich mir vorher im Supermarkt besorgt habe. But, to be honest:

ich bin bedient.

Und hatte einen schönen geselligen Abend. Mal wieder Datenabgleich mit Christofs Umgebung. Aber auch natürlich mit allem, was Keiji angeht.

Und nebenbei viel Spaß!

Sonbtag, 6.10.

„Morning!“

Die Gäste hier sind strange. In der schmuddeligen Gemeinschaftsküche sitzen einige über ihre electronic devices gebeugt und heben mit  genervt abweisendem Blick ihre Köpfe, um gleich darauf wieder in autistisches IT Delir zu versinken. Jemand hat den Ton abgestellt.

Ich bin die einzige, die sich ein halbwegs vernünftiges Frühstück macht. So gut es eben geht, mit dem, was die MiniSupermärkte hergeben.
Mein Handgelenk ist ‚alleine‘ wieder besser geworden. Ich kann es jetzt wieder halbwegs bewegen. Habe sogar Wäsche mit der Hand gewaschen. (Neben der Notwendigkeit war es auch Ergotherapie 😁.)
Die Schmerzen sind jetzt innerhalb des erträglichen Bereiches. Also signifikant unter ‚auf den Nerv bohren‘.

Ich bin superfroh, dass ich wohl ohne weitere Cortisonpulstherapie auskomme.

Nun fahre ich mit dem Zug zum Atsuta Shrine. Auf dem Weg lockt mich dieses lustige POPO Schild über die Straße. Daneben das ‚Bright Stand‘. Hm, Kaffe wär mal gut. Der ewige Instant hängt mir schon zum Hals raus.

Nette Ausstattung. 2Barhocker drinnen und draußen das winzige Bänkchen für zwei schmale Popos. Mit dem Weitwinkel sieht der Stand größer aus, als er ist. Über mir hängt ein wunderschönes weißes Segelschiff, das in der Luft fliegt. Es lädt dazu ein, mit seinen Träumen davonzufliegen. Den jungen Mann hätte ich mir am liebsten gleich dazu eingepackt. Bis mein superleckerer Esp + milk ganz langsam alle geht, haben wir eine gute, witzige und schöne Unterhaltung.

Ich lerne ‚mata ne‘ für ’see you‘. Und wir winken uns bright lächelnd, bis wir uns nicht mehr sehen.

Ich gehe mit hell lachendem Herzen weiter.

Am Shrine beten viele, so bleiben sie nur kurz. Er soll einer der wichtigsten Shinto Shrine sein und die Sonnengöttin Amaterasu beherbergen. Was für ein wunderbarer Tag, um ihr zu begegnen.

Ich fühle hier eine riesige Macht und denke an Krieg und Frieden.

Im Park imponiert dieser alte Baum. Viele Kinder sind festlich gekleidet.

Ich erfahre später von einem netten Herren, dass Kinder mit drei, fünf und sieben Jahren festlich in Kimonos gekleidet zum Schrein gebracht werden. Ich verstehe seine Erläuterungen als eine Art Initiation. Er war als Kind auch hier.

Im Nebentempel höre ich so viel Vögel zwitschern und denke an Frieden mit allen Wesen.

Shirotori Garden, gleich in der Nähe

So viel zu entdecken, nach jeder Ecke sieht es wieder überraschend anders aus.

White Spiderlilly

Allgegenwärtig, die gefräßigen Pfützenhaie

Zum freundlichen Rausschmiss wird um 16:45 ‚auld lang syne‘ gespielt.

Wens interessiert, warum dieses Lied so oft in Japan gespielt wird:

https://www.google.com/amp/s/www.pri.org/stories/2015-06-19/why-do-japanese-stores-play-auld-lang-syne-when-they-close-answer-wont-shock-or%3famp

Auf dem Rückweg traue ich mich noch mal ins Bright Stand, um dem jungen Mann zu erklären, dass ich einen guten Tag im Shrine Park und im Garten hatte. Einen guten Tag, der besonders schön angefangen hat.

Zurück in der Hostelbar hab ich Lust auf den kleinen Happyhoursnack mit Beermug. Saulaute Musik heute. Wasn Kontrastprogramm zu der kontemplativen sonnigen Zeit heute am Tag.

Mit zwei Mädels komme ich ins Gespräch, weil sich die eine von der anderen mit dem Wandbildmann neben mir ablichten lässt.

Später erklären sie mir, es wird heute Musik nur von ihm aufgelegt. Er heißt

Sakanaction

Und ist total angesagt.

Wir haben superviel Spaß, da fällt mir ein, auf die Uhr zu schauen. Oh, noch 7 min happy hour. Bestell ich noch ein Bier. Die Mädels holen sich auch noch was. Wir üben ‚Prost‘.

Shoko und Juka sind übrigens 36 und 38. Es grenzt schon an Frechheit, wie jung die Japanerinnen aussehen.

Kurz vor 8te wirds mir absolut zu laut.

Die Krönung dieses besonders schönen gefüllten und erfüllenden Tages ist dann das WhatsAppVideoTelefonat mit meinem lieben Töchterchen.

Also echt, ich bin wohl zu alt. Ich versteh das nicht. Nagoya-Hamburg Viedoübertragung in Echtzeit. Means Totlachspaß ohne Delay.

 

Tokyo

  1. 3.10.

Das deutsche Mädel hat mich gestern damit neidisch gemacht, dass sie ein paar Minuten früher aufgestanden ist und mir ein Foto vom rosa Fuji gezeigt hat.

Stehe ich also heute um 5:30 auf und laufe wieder im Schlafanzug zum verschlafenen OishiPark.

GoodbyeMountFuji Bild

Ich bin mir sehr bewusst, dass jetzt das Kontrastprogramm kommt und will hier nicht weg.

Um 9e zum Bahnhof geschüttelt, um 10e Express Highwaybus nach Tokyo. Dann S-Bahn zur Ogawamachistation.

Easy.

Bloß, in der Stadt zurechtfinden ist nicht so dolle, weil GPS nicht immer ordentlich durchkommt.

Ich übe.

Nicht die Seine, aber…

Und finde nach längerem Herumkrabbeln Takujis Galerie. Eingeklemmt zwischen zwei Giganten.

Es kommen Sturmböen auf. Und ausgerechnet, als ich da bin und die Galerie fotografiere, fallen die Blumen um. Ich heb sie wieder auf.

Ziemlich schnell kommt ein netter nonEnglishspeaking Ordungshüter. Bald auch eine Dame vom Museum. Die wundert sich, dass ich ein Messer dabei habe, um das Holzschild in den Blumen wieder zusammen zu klopfen. Da hab ich Takuji schon eine Mail geschrieben. Aber er kommt eh grad vom Lunch. Witzig, ihn hier zu treffen, mit Sohn und Schwiegertochter.

Dann suche ich noch ein bisschen nach einem Park und finde statt dessen diesen Tempel.

Eine Oase der Ruhe und Schönheit in diesem schmuddeligen Stadteil.

Um 17:00 bin ich beim Park und gleichzeitig fällt mir ein, dass Parks in Tokyo um 5e schließen. Naja, ich bin eh durch. Finde jetzt den (geraden) Weg zurück, esse noch ein schlechtes billiges Dinner (Ich habe das Gefühl, Japan hat ein ernstes Essensproblem. Muss  bei den schlabbrigen Teilen auf meinem Teller, die sehr wahrscheinlich Hühnerhaut sind, oder so, an den alten Film mit ‚Soylent grün ist Menschenfleisch“ denken.). Und bin froh, wieder in meiner KurzzeitKapselunterkunft gelandet zu sein. Ist noch schön warm. Für die überraschend nette Terasse hab ich mir ein weiteres Bierchen geholt.

Aaah!

Leider habe ich heute so brutale Schmerzen im rechten Handgelenk, dass ich meine, mir tut alles weh.

Vor der Reise hatte ich eine Cortisonpulstherapie begonnen, weil mir schon schlecht wurde vor Schmerzen. Die Rheumatologin hatte 20mg als Einstiegsdosis empfohlen. So hätte ich auch geschätzt. Hatte aber nicht gereicht. Das dumme bei Cortison ist, man muss mit der Dosis zuerst über den Schmerz. Nachsetzen nützt aus irgendeinem Grund nix. Bis vorgestern hab ich also ausgeschlichen (das heißt auch, ich war gedopt, als ich über die Berge hüpfte), aber die ganze Zeit weiterhin Probleme gehabt. Nun knallt es wieder so rein, dass ich meine rechte Hand kaum bewegen/benutzen kann.

Ich meine, ich kann schon Schmerzen aushalten. Beim Zahnarzt zum Beispiel lasse ich mir – sehr zum Leidwesen der Zahnärzte – ohne Betäubung auf den Nerv bohren. Weil ich nachher rausgehen will und den Termin vergessen. Und nicht noch stundenlang auf der tauben Backe rumkauen.

Aber irgendwann ist auch mal gut mit Schmerz. Wenn die ganze Welt in Schmerzen zu explodieren scheint, zum Beispiel.

Erstmal ordentliche Dosis Novaminsulfon reintun, schlafen und weitersehen.

4.10.

Takujis Exhibition

Ich wache früh auf und kann den Tag ruhig angehen.
Zu Takujis Galerie ist der Weg heute überraschend kurz. Jetzt, da ich weiß, wos langgeht.
Takuji sieht heute etwas mitgenommener aus, als gestern. Gestern dafür überraschend gut. Ich denke jedenfalls, dass er im Adrenalinrausch ist und mache mir etwas Gedanken, wies ihm morgen geht, wenn keiner mehr kommt.
Er hat sich wahnsinnig Mühe gegeben. Nicht nur die Bilder aufgehängt. Da stehen überall überbordende Blumensträuße, er hat ein Heft drucken lassen, mit all seinen Bildern. Dazu bekam jeder eine Einladungskarte und nun als Willkommensgeschenk drei Postkarten mit selbstgemalten Blumenmotiven. Außerdem hat er noch ein Rätsel vorbereitet. Ich habe vergessen, was man gewinnen konnte. Ich selbst kenne diese Überaktivität von meiner Praxiseröffnung. Krass fühlte sich das an, als trotz aller Mühe kein Fremder aus der Nachbarschaft kam.

Zur Eröffnung spielt sein Freund mit weiblicher Begleitung auf der Querflöte. Das erste Lied: once upon a time in the west. Später auch ‚auld lang syne‘.
Später will Takuji mir seine Bilder erklären,

da kommt der Flötistenfreund dazu. Der kann etwas english. Takuji, freundlich und weitsichtig, verplant mich gleich mit ihm zum Lunch. Seine Duopartnerin und der Mann, der die Stücke angesagt hatte, kommen auch mit.

Es gibt Sushi gleich um die Ecke. Superlecker, schön anzusehen und von guter Qualität.
Oh, das tut meinem 7/eleven (Supermarktkette, die hier alle 5 m eine Filiale hat) geschundenen Magen gut. Frische Rohkost ist hier so schwer zu kriegen. Sei es Obst/Gemüse oder Fisch/Fleisch.

Takuji zeigt auch allen mein Bild, das ich von ihm damals auf dem Flughafen Shanghai mit Kuli gemalt habe. Ich muss viel Lob über lich ergehen lassen. Auch dafür bekomme ich Anerkennung, dass ich in Shikoku gepilgert bin. Davon zeigt Takuji ebenfalls Beweisfotos.

Ich  verabschiede mich herzlich von allen, die noch da sind.

Dann tapere ich zum Park in Richtung Süden. Ausruhen!

Yasukuni Schrein.

Wenn ich vor einem Schrein stand, schreib ich mir immer die Sätze auf, die mir in den Sinn gekommen sind:
„Siehst du nicht die Schönheit überall?“
– ja, doch…
„Und auch die Schönheit in dir.“

Ich lass mich noch weiter durch die Stadt treiben.

Tokyo Daijingu Schrein:

Ich bin gut aufgehoben.
In diesem aufgewühlten, vollen Pool
Ein Pol der Ruhe

Haupttempel:
„Weibliche Schönheit und weibliche Kraft/Energie. Denke nicht immer, dass du das nicht hast.“
-ja, ich brauche einen Mann an meiner Seite, der mir das bestätigt: dass ich eine Frau bin. Die schön ist, anziehend und Weiblichkeit, weibliche Kraft ausstrahlt.
„Das ist dein Manko“

Hier sind so viele Frauen. Und mir ist nach Weinen zumute.
Ich genieße die Wärme ihrer Ausstrahlung. Und fühle mich doch nicht oder doch? – Teil von ihnen.

Es geht so tief. Es wirk so, als WÄREN sie alle selbstverständlich. Auch selbstverständlich Frau. Und ich – immernoch Mogelpackung – tue nur so, als ob. Und das mehr oder weniger erfolgreich.
Eventuell ist es auch für andere nicht oder nicht immer so einfach.
Zu SEIN.

Und diese Oberfläche aufrecht zu erhalten, kostet so viel Kraft. Darum weine ich. Warum mache ich das?
Weil ich, wie jeder andere, geliebt, angenommen sein will. Ist aber Quatsch. Weils ja dann nur meine Oberfläche ist, die ‚geliebt‘ wird.

Auf dem Weg zum Hostel werde ich plötzlich hungrig und finde diesmal ein richtig nettes Lokal.

Ich stopfe mich mit Rohkost voll. Starter: Jackfish Sashimi

Danach Tuna Sashimi, rohes Pferd war leider aus.

Ich versuche es mal mit chopsticks links. Geht so leidlich.

Dann fried Shrimps. Da geht die Schale beim besten Willen nicht ab. Wir ahnen es: wird im Ganzen gegessen. Schmeckt auch prima. Bloß, die Schalenstücke hängen einem noch Stunden später zwischen den Zähnen.

Heute bekomme ich aus irgendeinem Grund im Supermarkt um die Ecke 10% Discount. So stand es gestern auf meiner Quittung, die ich garnicht haben wollte. Aber der nette Verkäufer hats mir erklärt. Also jedenfalls Discount. Ich guck auf  die Quittung: tatsächlich auf alles. Nett.

Wieder eine warme SommerNacht.

Jetzt will ich bloß noch nicht im Hostel bleiben. Garnicht leicht, was zu finden, wo ich unbehelligt ein Bierchen bekomme. In meiner angepeilten Kneipe um die Ecke höre ich mal wieder, dass alles reserviert sei. Das hört sich so an, als sei ich nicht gern gesehen. Weiß ich aber zu wenig drüber.

Jedes zweite Haus ist eine Kneipe oder ein Restaurant. Sieht aber nicht alles einladend aus. Oder ist voll.

Dann lande ich hier:

Flätze mich in einen bequemen Sessel. Und werde ewig nicht bemerkt.

Ist mir aber wurscht. Ich schreibe. Und zur Not hab ich zu Hause noch ne Dose in der Fridge.

Krieg hier doch noch ein Mug Bier und bin zufrieden.

 

Fujikawaguchiko

  1. Samstag, 28.9.2019

Ah, endlich wieder zu Hause!

Hier am Kawaguchi See ist es anders und doch so vertraut. Schon deshalb, weil ich hier vor drei Jahren 5 Tage genossen habe. Damals hab ich mich auch schon von Anfang an heimisch gefühlt. Darum hab ich mir diesen paradiesischen Erholplatz ja auch ausgesucht. Ich musste mich eh von den Strapazen der letzten Wochen in good old Germany erholen. Und mir war ja auch schon vorher klar, dass die Tage mit Takuji kein Pappenstiel werden.

Takuji spricht zum Beispiel nur bruchstückhaft Englisch. Völlig ok, wenn wir Quatsch machen, oder ich ‚japanisch lerne‘. Aber sauanstrengend, wenn es darum geht, wichtige Informationen zu übermitteln.

Dann waren die Tage vollgestopft bis dortnaus. Packen, fahren, klettern, Onsen, essen, wieder Onsen…das ganze im vollen Jetlag.

Und nun endlich…

…entspannen!

Sonntag, 29.9.

Stattdessen lasse ich mich mit dem Schüttelbus zum Bahnhof bringen und nehme den nächsten Bus zum Wanderwegeinstieg zum Mount Mizutoge. Schon an der Haltestelle mache ich Bekanntschaft mit einer Gruppe nonHearing nonSpeaking Japanese.

Sie fragen mich besorgt, ob ich alleine aufsteigen will und nehmen mich unter ihre Fittiche.

Ich sage gerne zu und lasse mich auf ihr langsames Tempo ein. Mal runterkommen beim Aufsteigen.

Fujidistel

Fuji futschi

Die Aussicht von Mount Mitzutoge ist wunderbar nach allen Seiten, nur FujiSan ist schüchtern wrapped in clouds.

Ein Teil der freundlichen Gruppe nonHearing nonSpeaking People. Ich laufe aber einen anderen Weg, nämlich direkt zum Bahnhof, zurück über lange steile Bergrücken und knappe 900hm.

Diese Gruppe war echt super. So herzlich. In den Pausen wollten mir viele von ihrem Picknick abgeben und wir haben uns auch viel mit Händen und Füßen unterhalten. Geht ja genausogut, wie mit jemandem, der nur japanisch kann. Es waren aber auch ein Mann und eine Frau dabei, die sprachen und auch etwas englisch konnten.

Zum Abschied bedanken wir uns alle gegenseitig und schütteln uns die Hand. Herzzerreißend.

Nun wieder ganz allein.

Wo isser denn? Beim nächsten Ausguck ist er wieder da, der liebe Mount Fuji.

Montag, 30.9.

Mit dem Schüttelbus lasse ich mich morgens wieder zum Bahnhof fahren. Von dort starte ich einen sehr langsamen Erholhalbrundweg am Seeufer entlang und über die Brücke nach Hause.

Ich wollte zum YagiSakiPark…

…mit Blick auf die kleine nette Insel bin ich direkt mal auf einer Parkbank eingeschlafen und habe mir einen ordentlichen einseitigen Sonnenbrand geholt.

Ich bin Saumüde!!!

Dieser Schönheit…

…hab ich übern Weg geholfen, nachdem ich beinahe draufgelatscht wäre.

Von denen…

…gibts hier massig. Überall jedenfalls, wo man schön einen Faden drankleben kann. Der Körper der großen Exemplare kann sich mit dem Endglied meines kleinen Fingers messen. Mit ihren langen Beinen passen sie gerade mal in meine Handfläche. Da will ich sie aber nicht gerne haben.

Benzaiten…

…berührt mich, weil sie mich mut einugen Attributen an mich selbst erinnert.

Abends koche ich mir immer selbst was in der klitzekleinen Hostelküche.

Dienstag, 1.10.

Heute mache ich pretty much of nothing. Ausgerechnet im Urban Resort, sprich TouriMall neben dem 100m entfernten Oishi Park finde ich endlich Papier ohne Linien.

Ich habe aber irgendwie doch keine Lust, zu zeichnen und drücke mich im Oishi Park herum. Falte erstmal einen Drachen.

Dann habe ich plötzlich die Idee: gestern habe ich das Plakat vom Puppenkünstler Yuki Atae abfotografiert. Das dient mir nun als Malvorlage.

Da hab ich doch ein prima Geschenk für Takuji, der mir auch für jeden ‚bestiegenen‘ (ich meine, halt gecheatet. Hallo, Ropebahn und Busstation, so, dass ich jeweils nur ca.300 hm laufen musste) Berg ein extra Geschenk gemacht hat. Der ganze Tourimüll im Park ist echt beim besten Willen nicht kaufbar.

Dann laufe ich also zurück zum TouriPapierladen, ob sie was zum Einwickeln hätten. Und zeige ihnen das Bild. Da bekomme ich ein paar Ohs und Ahs und ein großes weißes Blatt Papier. Hatte eigentlich an buntes Geschenkpapier gedacht.

Einmal zwischen den Fingern Qualitätsprüfung gemacht. Was es denn kostet? „Service“.

Ok, dann. Wenn ich zwei Blatt bekomme, bekommt ihr meinen Drachen.

Deal. Mit Win-win. Die beiden Damen waren aus den Häuschen.

So kommt es, dass ich abends für das Hostel noch einen Drachen mit OHenro bastele, viel Freude bereite und im Prinzip heute nix getan hab, außer, mich zu beschäftigen und mich zu erholen.

Später kommen zwei liebe junge JapanMädels, weil es im ganzen Ortsteil nur diese HostelBar gibt. Wir landen im KellerRückzugsraum, wo es wie durch ein Wunder eine kleine Gitarre gibt und haben viel Spaß.

Mittwoch, 2.9.

Ich stehe mal früh auf für MorgenFujis.

Yamanka See Tour mit dem Bus. Dann klettere ich auf den Myojin. Ist wieder ganz anders.

Der Weg ist mit 85 min gekennzeichnet. Nach drei Stunden komplett einsamen Wanderns in zum Teil sengender Sonne bin ich erschlagen zurück am Yamanake See. Ich kann noch schnell was zu Essen erstehen. Oh, ja, Reisbällchen, dann kommt schon der Bus.

In diesem lerne ich eine deutsche Mama mit Tochter (22) kennen. Endlich mal wieder quasseln, wie Wasserfall. Wir drei wollen zu den brühmten Ponds. Very touristic. Aber schön.

Ich gehe noch zum Schrein nebenan. Hier ist plötzlich wieder erholsame Ruhe.

Auf die hübsche Pagode mit FujiBlick, zu der man extra noch mit dem Zug fahren muss, dann 400 Stufen. Und alles Retour… habe ich spontan keine Lust mehr.

Zu Hause kochen, letztes Bier und Rest vom Sake austrinken.

 

Takuji

23.-28.9.2019

Dienstag, 24.9.

Gegen Mittag komme ich aus der Ankunftshalle Narita Airport. Ich denke, ich muss noch durch die Biostufe und so, aber plötzlich werde ich aus dem System gespuckt.

Takuji steht gleich am Ausgang mit seinem selbstgemalten Rosenbild. So hat er mir auch gesagt, damit ich ihn erkenne.

Wir essen was im Sky garden, tauschen Geschenke aus, wie es sich für ordentliche Japaner gehört. Takuji hat mir für meinen Japanmonat einen detaillierten (!) Plan gemacht und mir und sich ausgedruckt. Er ist ganz fertig, weil noch ein paar Tage fehlen. Er will alles mit mir durchgehen. Aber mir purzeln die Daten nur im Kopf rum. Bin total fertig von 2 + 12 h Flug, nahezu ohne Schlaf und mit Jetlag.

Und los gehts nach Tokyo. Flughafen Narita ist so 1,5 Zugstunden entfernt.

Zunächst einchecken in meinem Hostel in Shinjiku. Takuji sagt, hier ist very Korean town. Und die jungen Leute mögen es. Ich auch.

Dann gehts zu Takuji seinem Gym. Wir sind eine Stunde seinem Zeitplan hinterher. Also hopp, hopp!

Cyclen, Maschinen ausprobieren, ins gymeigene Schwimmbad, paar Runden drehen (superkompliziert, sich umzuziehen. Und dabei alles richtig zu machen. Vor allem Klospülung!!! Die ist immer woanders und manchmal auch nur ein Touchknopf. Ich drücke stattdessen den EmergencyKnopf. Naja, Anfängerglück.

Außerdem hatte ich mir einen Badeanzug leihen müssen. Mein Unterwäschebikini hätte wohl nicht gereicht. Größte available Größe: 4L! Und das knallenge Ding anzuziehen, war das anstrengenste vom ganzen Gym. Nee, es auszuziehen.

Danach noch 5 min Onsen (heiße Quelle), schnell fertig machen… und essen.

18:30 Ottimo Seefood garden, italian style, ein Menü, soviel trinken, wie man mag. Sekt Bier, Weißwein, Whiskey on the rocks O-Saft. In dieser Reihenfolge. Takuji meint schon in der Hälfte des Menüs, er sei overdrunk. Prima. Wir haben gute Laune.
Zu Fuß ins Global Hostel,…

…es ist wunderschön warm heute Nacht, ich genieße die helle belebte, aber ruhige und saubere Innenstadt, viele junge Menschen. Einmal sehe ich in einer Bar eine interessante Lampe aus lauter Schnapsflaschen – und stürze auf die Straße. Fuß verknackst, weil ich den kleinen Absatz nicht gesehen hab. Scheiße, tut das weh. Und hat sich saublöd angehört. (Muss das wieder sein? Genau, wie damals in NZ.) Takuji bietet an, dass wir uns ein wenig ausruhen und setzt sich in einen Fenstersims. Aber ich habe Angst, dass das Fußgelenk dann schwillt und will weiter.
Takuji bringt mich bis zum Hostel. Ich packe bloß noch die Taschen für unsere Wandertouren um und mach mich fertig fürs Bett.

Mittwoch, 25.9.

Immerhin in Stücken 5h geschlafen, 5:40 raus aus den Federn, mit dem Zug zum Bus, Kaffee in der BusstationWartehalle.
7:15 highway express Bus nach Kamikochi.
Um 12:00 kommen wir in Kamikochi an und müssen mit vollem Gepäck noch ein ordentliches Stück auf Wanderwegen am Fluss zu Hotel laufen. Schön hier. Das Wasser superklar.

Blick von der KappaBridge:

Mit leichtem Gepäck laufen wir nach dem Einchecken wieder an der KappaBridge vorbei um in 5km über schön angelegte Wanderpfade zum Myojin-ike Pond zu gelangen. Dort gibt es hiesigen Bachfisch am Feuer gegrillt. Wird im Ganzen gegessen. Lecker!

Dann zurück, am Hotel vorbei und weitere 3km zum Pond unterm Yake Dake. Mir tut alles weh. Der volle Plan ist jetzt auch deutlich körperlich zu spüren.
Wir schaffen es genau bis 18:00 ins Hotel, kurz vor dunkel. Onsen. Für mich nur kurz. Ich vertrage das warme Wasser kreislaufmässig nicht so gut. Wonderful french dinner! Three slices of roasted beef.
Ugly wine tasting, Observing stars für die Katz.

Donnerstag, 26.9.

Morgens noch Onsen und fürstlich- japanisches Büffetfrühstück. Tausenderlei Sachen, die wir mehr oder weniger nicht kennen. Ich sach nur süß eingelegter Grillfisch.

Das meiste von den Kouriositäten mag ich. Mehr oder weniger.

Blick von der Kappabridge, andere Richtung

Mit dem Bus zum nächsten Hotel, Einchecken, Gepäck dalassen, Bus und Ropebahn. Aussicht genießen und Takuji für drei Stunden verabschieden. Er hat Knieprobleme. Wegen der langen Wanderung gestern noch mehr. Seine Knieschoner hat er die ganze Zeit im Rucksack mitgeschleppt. Menschlich.

So muss ich die Berge heute und morgen alleine bezwingen.

Meine Ziele heute: Nishihogatake Sanso (Berghütte) und MariaMae (eine kleine Erhebung auf dem Grat zum Nishihogatakedake, Peak).
Das ist ein märchenhafter alpiner Pfad durch den Wald. Schon von der Hütte, bei der ich einen kurzen Raststop einlege und mein Lunch verspeise, das Takuji uns vom Hotel organisiert hat, habe ich eine erhebende Aussicht. Aber von MariaMae wirds wirklich gigantisch. Obwohl ich noch ein paar Meter höher laufe und nochmal ordentlich Pause mache, um die Schönheit der Welt zu genießen, versuche ich eine halbe Stunde früher als verabredet an der Ropestation anzukommen. Das bedeutet, Takujo muss nicht so lange warten und wir können früher zum Hotel, Takuji kann länger im Onsen baden. Darauf ist er echt scharf. Also hüpfe ich wie ein Flummi den alpinen HangPfad hinab. Wenn ich an Leuten vorbeikomme, sage ich immer fleißig Suimimasen (sorry). Und sowieso mit einem netten Lächeln im Gesicht zu jedem Konichiwa (Hallo). Das hat Takuji mir gestern beigebracht. Und dabei hatten wir viel Spaß.
Ich spüre, dass mir das aufleuchtende Lächeln der anderen Kraft gibt, um weiterzuhüpfen. Und gebe diesen Powerschub auch gerne weiter.
Takuji sitzt im Felsengarten vor der Ropestation. Er ist wie ausgewechselt und freut sich, als ich Konichiwa sage. Er erkennt sofort meine Stimme, hebt den Kopf, steht auf und breitet seine Arme aus. Ist stolz auf mich, weil ich den Berg bezwungen habe. Ich bekomme von nun an für jeden Berg ein Geschenk.

Nishihodaka Lodge

Wir haben ein Hotel, das im Onsen 10 Pools hat. Übrigens sind Männlein und Weiblein normalerweise getrennt. Takuji erklärt mir, dass es auch mixed bassins gibt. Unsere Hotels hatten das aber nicht. Die dritte Art von Onsens sind private baths. Da geht man allein, als Paar oder in der Gruppe rein. Entweder ist es so gehalten, dass man einfach reingeht, wenn frei ist. In manchen Hotels muss man sich eine Zeit buchen.

Freitag, 27.9.

Morgens, klar, wieder Onsen. Takuji sagt, wenn man drei mal am Tag geht, wird man sich nicht erkälten. Na, gestern hatte ich schon zwei mal.

Mit japanischem VielerleiFrühstück vollstopfen (Japaner essen allgemein sehr schnell. Keine Zeit, keine Zeit.) – und los. Diesmal fahren wir mit dem Bus auf 2700 m Höhe des Norikura und haben schon auf der Fahrt eine unglaubliche Aussicht.

Das Gepäck geben wir im Haltestellenhaus ab. Hier muss Takuji wieder warten. Mensch echt. Ich hab bloß irgendwann mal erwähnt, dass ich gerne in den Bergen wandern würde. Und Takuji macht uns so einen Plan, bei dem er die geilsten Sachen nicht mitmachen kann.

Auf dem steilen steinigen alpinen Pfad sehe ich viele alte Menschen. Manche ganz sicher über 90. Ich scheine eher zum jüngeren Drittel zu gehören. Und die, die deutlich jünger sind, als ich, scheinen sich richtig schwer zu tun mit dem Aufstieg. Die alten möchte ich ein paar mal echt stützen, wenn sie waaghalsige Halbmeterstufen runtereiern.
Mittagspause auf der Bergspitze mit atemberaubender 360 ° Aussicht.
Ich bleibe ziemlich lange oben, kümmere mich aber nicht um den Tempel. Statt dessen unterhalte ich mich mit einem Mann aus Taiwan, der zur gleichen Zeit in Deutschland war, als ich in Taiwan reiste. Ein deutsches junges Paar hält für einige Sätze hin. Der Schweizer, der eingangs das Abschiedsfoto von Takuji und mir geknipst hatte, taucht auch wieder mit seiner Freundin auf, die mich jetzt unter dem SchreinTor ablichtet.

Norikura Summit

Eine gute halbe Stunde später bin ich wieder zu Takuji runtergehopst, inzwischen haben sich immer mehr Wolken gebildet. Bis ich am Busstop ankomme, ist es aus mit der Aussicht.

Dafür gibt es einen Ruheraum, in dem man sich Kissen unterlegen und einfach auf dem Boden pennen kann. Gesagt, getan.

Ich schlafe gleich ein und bin furchtbar daneben, als Takuji mich viel zu früh wieder hochkomplimentiert.
Japaner packen ihre Tage voll, das es kracht. Aber, wenn sie auf einen Bus warten, sind sie zwanghaft eine halbe Stunde früher an der Haltestelle.
Draußen ist es jetzt wieder kalt und ich bin müde. Richtig ungemütlich. Bis ich mich selbst dazu auffordere, mich zu entspannen.
Auf der Busfahrt lerne ich wieder ein paar japanische Worte. Das macht Spaß. Diesmal weitere Farben und die Uhrzeit.

Wir steigen im letzten Onsenhotel ab. Diesmal Jananese style mit Futons und Schiebetüren. Und werden fürstlich empfangen.
Onsen. Dinner. Onsen (3!)

Samstag, 28.9.

Takuji macht wieder Onsen vor und nach dem FS. Aber mir geht es elend.
Mein Gesicht ist geschwollen, ich bin furchtbar erschlagen müde und voll depressiv. Beim Frühstück setzt Takuji sich an die Wand. Ich bin dankbar, dass die anderen im Raum mich so nicht sehen können.
Ich esse den ganzen japanischen Kram ohne Appettit. Macht eh nur voll, aber nicht satt. Ich finde es total anstrengend, alles aufzuessen, zu kauen und runterzuwürgen.
Während Takujis NachfrühstücksOnsen liege ich nochmal im Halbkoma auf meinem Futon. Werde ich krank? Hab ich was falsches gegessen? War es der Schwefel im Onsen? Keine Ahnung, was mit mir los ist.
Voll undankbar schlecht drauf.
Auf der Zugfahrt redet Takuji solange wegen des Planes auf mich ein, dass ich einen StressPanikHeulAnfall bekomme.
Außerdem rechnet er mir vor, wie viel ich bezahlen soll. In meinem Delir überschlage ich die Umrechnung völlig falsch und komme noch schlechter drauf. Da höre ich ihn noch sagen, dass er in seinem Alter mehr Luxus will. Warum muss ich das dann bezahlen? Viel später raffe ich, dass die Summe zwar recht hoch, aber nicht horrend ist. Schon garnicht für das, was ich erlebt habe. Und Takuji hat sich wirklich um alles gekümmert. Das erste teuerste Hotel hat er mir sogar spendiert. Genauso das Abendessen in Tokyo und viele Kleingkeiten, wie Kaffees und die Lunchboxes.
Schon interessant, wie bei mir die Stimmung von ‚ich stehe ätzend in seiner Schuld‘ zu undankbarem ‚warum muss ich seinen Luxus bezahlen‘ gekippt ist.
Ich schimpfe mit mir, dass ich mich noch einmal zusammenreißen muss. Als wir uns verabschieden, weine ich schon wieder. Ich glaube, Takuji kann überhaupt nicht mit meinen Psychoschwankungen umgehen und scheint irgendwie abzuschalten. Aber auch nicht durchgängig. Als ich weine, fragt er besorgt-verständig, ob ich Panik habe. Und am Ende möchte er, das ich zum Abschied lache.
Das kann ich auch wieder, als wir uns nochmal zuwinken. Er aus dem Zug und ich alleine unter vielen auf dem Bahnsteig.