Der heilige Gotthard

Mittwoch, 28.8.2019

Heute morgen sagt Wetter online, es würde unbedingt jetzt und die nächsten drei Stunden regnen, wie aus Kübeln. Der Regenradar zeigt aktuell eine riesige Regenwolke bis runter zum lago Maggi.
Manchmal hilft auch, aus dem Fenster zu schauen. Ja, grau, aber fadenscheinige Wolkenschicht, das geht schon.
Im Bett frühstücken. Um 9:15 ist alles wieder auf dem Rad verstaut. Dabei lerne ich die beiden netten Französinnen kennen, die auch hier mit dem Radl rumgondeln. Mir gefällt, wie natürlich die sind und wie nice improvisiert sie ihr Gepäck verstauen. Rucksack im Fahrradkorb, Zeltrolle dahinter und viele Gummizüge. Ich beobachte fasziniert beim zweiten (heißen, weil super heißes Kranewasser) Schüttelkaffee, wie lange das dauert.

Auffi ghats!
Bald mache ich ein Foto aus der Höhe auf Airolo runter.

Da kommt Christian angeradelt, wir fahren paar Meter zusammen. Hinter uns fährt sein Töchterchen, 22, ihren ersten Pass.
„Magst du nicht mal nach deinem Töchterchen gucken?“ So hänge ich sie ab (ehrlich gesagt, hat er mich ganz schön aus der Puste gebracht, Pass radeln und quatschen) und hoffe, das Mädel ist langsam genug, dass die beiden mein Siegerfoto machen können.

Die Straße ist aus Kopfsteinpflaster. Ihr Name ist Tremola.

Es gibt auch eine neue Passstraße, die ich eigentlich fahren wollte. Glatt, etwas weiter und dafür deutlich weniger steil. Aber meine nette Restaurantbegleitung gestern hat mir davon abgeraten. Geht auch garnicht. Hat nämlivh den Status einer Autobahn. Als ich auf drittel Höhe mal wechseln will, verbieten eindeutige Verkehrsschilder dies. Na gut. Steil ist sportlich, rumpeln auf Kopfsteinpflaster sicher auch. Und natürlich: mit masse Gepäck den Hang hinan.

Kann ich nachher dreimal stolz auf mich sein.

Auf der Zielgeraden mache ich einmal einen Fotostop zu viel und die beiden netten Radler ziehen an mir vorbei. Ich bin echt alle und der Schluss scheint mir besonders steil. Als ich kurz drauf auch oben bin, sind die beiden entweder im Gewühl verschwunden oder gleich wieder runter gefahren. Hier ist es voll!
Ich fahre bisschen an dem touristischen Trubel vorbei. Ah, da am See steht ja auch das Passschild. Klocke 12e.
Da bitte ich die Dame eines älteren sympathischen Paares, mich zu fotografieren. Sie leitet aber gleich weiter zu ihrem Mann. „Der kann das gut!“
Sogleich verändert er mein Arragement. Das Fahrrad muss weiter nach vorne und ich dorthin…
Gleich in der ersten Session ist mein Siegerfoto dabei.

Ich freu mich riesig und wir unterhalten uns noch bisschen. Als der Herr noch etwas jünger war, ist er auch viel geradelt.
„Einmal bin ich um halb 1 aufgestanden und von Basel bis Locarno gefahren.“
„Und wie weit war das?“
„280 km.“ „Mit diesem Berg dazwischen?!“
Später, wohl kurz bevor sie fahren wollen, kommt der Herr nochmal auf mich zu: „Haben Sie denn auch nachgeschaut, ist wirklich ein gutes Bild dabei?“
Supersüß. Ich soll wirlich gut auf mich achtgeben. Und seine Frau fügt noch hinzu: „Haben Sie denn nur die dünne Hose?““Nee, hab grad meine lange Schlafanzughose drunter gezogen.“ Und ich hebe das dünne Hosenbein zum Beweis.
Inzwischen hat es zu nieseln angefangen. Hat mich bei meinem Picknick auf ‚meiner‘ Parkbank aber erst nicht gestört. Dann hab ich alles an. Schlafanzug drunter und volle Montur Regensachen drüber.
Die Kerze ein paar Steine weiter hinter einem großen Felsen. Dennoch zieht es arg. Und es nieselt weiter.
Im PassRestaurant wärme ich mich bei einer warmen Schoki auf.
Vor dem runter fahren lege ich wieder volle Montur an. Aber das ist weder nötig noch angenehm. Die Wolkenschicht wird schon dünner und bald ist es wieder recht warm. Ich mache so viele Fotostops, wie möglich und trödele rum.

Dennoch bin ich weit vor drei auf der Anhöhe über Hospenthal.

Check in in der JH ab 17:00!
Mittagspause auf der Aussichtsbank, Picknick, Bilder angucken…gegen vier beschließe ich, runter zu fahren. Kann ja schon mal einkaufen.
Is aber nicht. Erst wieder in Andermatt.
Ok, also morgen.
Fahrrad schon mal bei der JuHe abgestellt.
Zu Fuß zum Turm hoch. (Oh, meine Schenkel!)

Turm kann man aber nicht raufsteigen, ist innen hohl.
Durchs Dorf geschlendert… irgendwie bleibt die Zeit stehen.

Hier, der wohl hässlichste Engel, ever seen. Obwohl er bei näherer Betrachtung nett lächelt und
– stoppt!

Immer noch zu früh, als ich wieder an der Herberge bin. Blumenfotoshoot.

Dann gehe ich einfach rein. Ein anderer Gast, eine Frau in meinem Alter ist schon seit drei Uhr da.
Verdammt!
Wieso denke ich manchmal, Türen sind für mich verschlossen?
Bärbel wandert. Morgen auch auf den Oberalppass.
Heidi ist der dritte Gast. Bikerin. „Wir sollten ne AltDamenRunde aufmachen.“ Selbst die Herbergswirtin ist in unserem Alter.
Heidi und ich essen hier. Fürstlich übrigens. Zumal ich Heidis Fleisch bekomme.
Wenn ich sportlich unterwegs bin, bin ich echt ein Eiweißjunkee.

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