Auffi ghaats!

Montag, 26.8.2019
Recht gut geschlafen, stehe ich um 7 auf und bin kurz nach 8e auf der Straße.
Um 14:00 Uhr habe ich mein Pferd auf dem Parkplatz an der Autobahnausfahrt Domat/Ems gesattelt.

Kaum ist das erledigt, sucht eine junge Frau verzweifelt einen Parkplatz. Hab ich aber mal wieder den letzten ergattert.
Viertel vor drei komme ich radelnd am Busbahnhof in Chur an und um viertel nach drei startet der Bus nach Bellinzona. Bleibt mir noch genug Zeit, um mich frisch zu machen und für die frische Klimaanlage warm anzuziehen.
Ich habe, solange der Bus in Chur steht, etwas Wifi. In meiner CampingApp sehe ich einen Campingplatz in Biasca, 25km und einen in Chiggiogna, 40km. Nee, der ist mir zu weit. Camping Bellinzona zu nah.

Halb sechs aus dem Bus. Wow, ist das warm hier!
Oh, ist das schön, wieder Rad zu fahren! Ich habe meine Freude wieder! Die Berge und das wunderbare Sonnenwetter machen es mir zusätzlich leicht.

Es fühlt sich verdammt richtig an, dass ich wieder gekommen bin. Obwohl mein dicker Zeh wie eine unförmige rote Säufernase aus meiner Sandale schaut. Tut aber nicht mehr weh, deshalb mache ich mir auch keine Sorgen.
San Gottardo ist eine Herausforderung, aber auch ein Fest. Und dieses Fest will ich mir nicht entgehen lassen.
Bald ist die Sonne hinter dem Berg und ich fahre wie der Wind in der warmen Abendluft.
In Biasca ist aber kein Campingplatz. Ich habe kein Wifi und auch kein Abendbrot, die Supermärkte haben gerade zu gemacht.
An einer Tanke besorge ich mir eingepackte alte Pizza und Wein, aber es gibt kein Wlan. Die Dame und ein netter Kunde versuchen, mir zu helfen. Am Ende entscheide ich, wenn es nix gibt, schlafe ich halt draußen.
Kurz hinter Biasca frage ich einen Bauern. Der ist erst bisschen verschnupft und kurz angebunden (was angesichts der Tatsache, dass er weder deutsch noch english spricht, von Vorteil ist). Erlaubt mir dann aber, mein Zelt auf seiner Wiese aufzubauen. Nachdem ich nämlich ahne, was ‚domani‘ heißt und behaupte, sette, otto bin ich weg (lerzteres mit Handbewegung).

Dienstag, 27.8.2019

Viertel vor sieben aus den Federn, eine gute halbe Stunde später ungefrühstückt los. Habe auch kaum Wasser übrig.
Der Bauer winkt mir noch hurtig aus seinem Stall nach.
„Chiao, gratie!“
In Personico finde ich den kleinen eingefassten Brunnen und ein nettes Local für Latte und Morgentoilette.

Nee, nicht hier. Dies ist ein uraltes Dorf kurz vor Personico. Die Häuschen sind echt winzig.

Ab jetzt gibt es schon mal nennenswerte Steigungen.

Habe heute knapp 40km und 900 hm.
10:00 Uhr in Chiggiogna, noch 500hm und 20km.
Ok, Zeit für eine lange Pause.

Danach ist es schon sehr heiß. Puh, SiestaZeit!
Ein paar km weiter in Faido mache ich WlanRast und ordere mein AirbnbDomizil in Airolo.
Hinter dem nächsten Dorf finde ich einen Zugang zum Fiume Ticino.

Ich plansche drei oder viermal darin, mit Sonnenpausen auf einem körpergroßen, glatten Stein. Das Wasser ist, wie nicht anders vermutet, recht eisig.

In Ambri sehe ich die Berge, auf die es ankommt. Jetzt wirds ernst.

Mit dem Rest der Strecke lasse ich mir Zeit. Ich mache Fotostops, wo ich nur kann. Sogar Selfiesessions.

Dennoch bin ich schon gegen 17:00 in der Unterkunft in Airolo und glücklich mit Wlan vereint. Das Velo nehme ich mit zu mir ins Zimmer. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass es in der Nacht alleine da draußen stehen würde.
Mein Abendessen nehme ich ein paar Meter neben meinem Bett ein. Gut, dass ich aus dem feudalen Restaurante geflohen bin, als ich nicht unter dem Himmel sitzen durfte, weil reserviert.
Das nächste Lokal ist viel netter. Ich fühle mich so wohl, dass ich sogar einen Gast am Nachbartisch anspreche. Ich darf mich auf meine Anfrage hin zu ihm gesellen. Es stellt sich raus, dass er wandert und die Gegend gut kennt. Schöner unterhaltsamer Abend.
Jetzt muss ich noch meinen Wein von gestern austrinken, damit ich ihn nicht auf den ganzen Berg schleppen muss. Der halbe hat schon gereicht.

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