Rettungsring

Sonntag, 15.9.2019

Vorgestern ist er gekommen, mein Rettungsring.

In der Therapie habe ich schon vor Wochen angesprochen, dass ich mich fühle, als wäre mir mit dem zukünftigen Verlust der Wohnung und der Arbeitsstelle der Boden unter den Füßen wegggerutscht.

Oder, lost in Space. Dann bekam ich das Bild von einer einsamen Kokosnuss, die klitzeklein im weiten Pazifischen Ozean treibt. Sogleich fiel mir aber auch die Hoffnung auf, die in enen diesem Bild liegt:

Die Kokosnuss kann das. Jahrelang herumtreiben und warten. Bis eine Insel kommt und sie aufnimmt. Dann keimt die Kokosnuss und  wurzelt und alles ist gut.

Gehalten im Kosmischen Schoß.

Oh, da mach ich ein Tshirt von!

Bin ich aber nicht zu gekommen, vor meiner Radtour.

Danach wollte ich noch einmal eine Affirmation dieses Gefühls, weil ich die Hoffnung total vergessen hatte, am Lago Maggi schlaflos, mit dickem Onkel.

Wann ich mich denn jemals so gehalten gefühlt habe?

Ja, als ich mit den Delfinen geschwommen bin, besser: sie ganz achtsam um mich herum. Und als die 40 Bullsharks vor, über und hinter uns schwammen und ich verbotenenerweise einen berührt habe (berühren musste), weil sie mich so intensiv angeschaut hatten aus ihren goldenen Augen.

Und andere Tier- und Landschaftserlebnisse. Da reifte mein gestalterischer Plan. Von vielen Situationen hatte ich ja ein Foto.

Das Mondbild ist ein Aquarell von Takuji. Es erinnert mich an Japan, ans Pilgern in Shikoku, an den Tag mit Takuji, an unsere Freundschaft. Es erinnert mich ans malen und musizieren. An den Mondsong ‚Moon’s a harsh mistress‘, den ich so liebe. Und, da es ja wieder geht, gestern auf Poisys musikalischem Abend zusammen mit Manfred vorgetragen habe.

Danach war ich gleich noch auf Charlies Vollmondparty am Lagerfeuer, um den Mond am klaren Himmel nocheinmal direkt anzusingen.

So hat jedes Bild auf meinem Rettungsring seine Geschichte, die mich erinnern soll, dass alles gut ist und gut wird, auch, wenn es sich mal nicht so anfühlt.

Hab ich mir gestern gleich nochmal auf einem weißen top bestellt.

 

Oberalppass und Vorderrhi

Donneratag, 29.8.2019
Ups, schon halb neun!
Die beiden Frauen sind längst über alle Berge.
Super lecker Frühstücksbuffet für hundert Leute steht im Speisesaal.

Der Espresso mit aufgeschäumter Milch aus Solis Aufschäumer. Sehr praktisch und sehr lecker.

So einen Milchaufschäumer will ich auch haben! Ich lasse die Milch zwei von drei Malen überkochen und bin diesbezüglich sehr enttäuscht von mir.

Zur Wirtin sage ich:
„Du machst aus diesem Haus einen wunderschönen Ort!“
Beim Abschied bekomme ich die Karte von den letzten wunderbar qualvollen Kurven der Tremola des heiligen Gotthard geschenkt.

Das Bild hängt auch im Speisesaal in groß. Das hab ich dort schon bewundert.
Für die heutigen 610hm/10km, für die ich nahezu den ganzen Tag Zeit habe, habe ich mir geschworen, so viele Fotostops, wie möglich, zu machen.
Laaangsam…
Und genießen!
Auf der Karte sehe ich, bis nach Andermatt gehts schön eben. Aber wegen eines Radfahrerumweges muss ich gleich rauf. Das gibt mir einen herrlichen Blick auf Andermatts Golfplatz.
Wie sich gleich herausstellen wird, bleibt mir sein Anblick auf einem Großteil des Anstieges erhalten.

Und, gut zu wissen: im Falle eines Konditionseinbruches kommt man auch hier mit öffentlichen Verkehrsmitteln übern Berg.

Da ich aber meine Langsamkeit wiederentdeckt habe und auch celebriere, bleib ich fit, wie Turnschuh. Oder besser: Trekkingsandalen. Mein einziges Paar Schuhe auf diesen Trip.
Um die Wahrheit zu sagen, merke ich auch mein Pumpe-Aircondition-System. Macht aber auf diese Weise nix.

Aber trotz Blümelchen, Käfer, Hummeln, Golfplätze fotografieren…
jeder Passs hat mal ein Ende und viel zu früh bin ich oben.

Die beiden netten Engländer, die von hier mit dem Radel den ganzen Rhein runter fahren wollen, fotografiere ich auch.

„Bye, and have a nice trip to the Netherlands!“

Der Pole, der hinten im Bild sein Bike klarmacht, kommt auf mich zu. Ein imposanter Hühne, der seinesgleichen sucht. Bin echt beeindruckt. Muss ich Angst bekommen? Er versucht, mir irgendwas mit Händen und Füßen zu sagen. Irgendwie süß unbeholfen.

Ah, ich soll ihn auch fotografieren. Mit etwas Mühe bekomme ich auch ihn zum Lächeln. Aber er scheint noch nicht zufrieden. Da kommt seine Frau vom Klo. Ach so! Also ein weiterer Take und wieder sind zwei glücklich gestartet.

Jetzt muss ich noch genau schauen, wo denn hier der Pfad in Richtung TomaSee abzweigt. Ah, drei Serpentinen weiter unten.

Ich schiebe mein Fahrrad über Stock und Stein ein paar hundert Meter in den alpinen Wanderpfad. Will tatsächlich mal sehen, wie weit ich komme. Aber schon bald begegnet mir ein älterer Herr, der mir ganz aufgeregt erzählt (und dabei von einem Stein abrutscht und beinahe sein Gleichgewicht in Richtung downhills verliert), ich könne hier nicht weiter mit dem Rad. „Der Weg wird immer schlechter und selbst für Wanderer kriminell!“
Na gut. Rad an den Hang gelehnt an der nächsten Stelle, an der man noch ganz gut vorbeikommt. Schlafsack in die Einkaufstüte, am Rucksack (in dem nur das Wichtigste ist: Schlafanzug, Proviant und Zahnbürste) festgeknuddelt. Zelt und Isomatte unter den Arm geklemmt.
So stapfe ich weiter.

Und treffe Monia mit ihren Kindern Florian (5) und Robert.
Wir verstehen uns auf Anhieb.
„Ich will am TomaSee zelten. Wie siehts denn da aus?“
„Ich musste leider vorher mit den Kindern umkehren. Oh, aber ich würde das auch sooo gerne machen!“
„Das seh ich dir an der Nasenspitze an! Und an deinen leuchtenden Augen, dass du auch so ein Naturkind bist, wie ich.“
„Ja, klar. Zu Hause finden mich die Nachbarn irgendwie anders, deswegen.“
„Das glaub ich dir gerne. Ist aber so wichtig, dass es Leute wie uns gibt. Und superschön, dich zu treffen!“
Da will der Kleine, dass die Mama sich runterbeugt zu ihm. Und er flüstert ihr ganz lange ins Ohr.
„Florian sagt, wenn du auf dem Weg rauf zum See einen Mann mit Hund triffst, das ist sein Papa.“
Wir verabschieden uns ganz herzlich. Die Begegnung hat mich froh gemacht und gestärkt.
Bald zweigt ein Pfad in Richtung Gipfel ab, der sich in Serpentinen über Fels und Stein nach oben quält.
Ich höre längst eine Ziegenherde bimmeln und einen Hirten pausenlos rufen. Sicher feuert er seine Ziegen an, beim Abstieg zusammen zu bleiben.
An einer weiteren Pfadkreuzung will ich warten, bis sie kommen, um ein paar Bilder zu machen.
Statt dessen kommt Rafael mit Hund vom nächsten Felsen geklettert.
„Du bist Florians Vater.“
„Ja.“
„Gerade habe ich Monia kennengelernt. Wir haben uns super verstanden. Weil sie auch so naturverbunden und naturbegeistert ist.“
„Darum hab ich sie geheiratet.“
„Ich glaube, Florian wollte klarstellen, dass du sein Vater bist. Ich suche auch einen Mann, der eine naturverbundene Frau will.“
„Ok dann. Der nächste Mann mit Hund ist deiner.“
„Danke!“

Ein paar gekletterte Schritte weiter kreuzen die wunderschönen Ziegen. Den jungen Hirten darf ich auch fotografieren.

Er hilft bei seiner Freundin aus, die für drei Monate auf einer Alp Käs macht. Hm, wollte ich auch immer schon mal. Stehe aber nicht soo gerne früh auf.

Da endlich, über den letzten Felsen gekraxelt, der Toma See:

Der Toma See liegt 2344m hoch.

Gut, dass man sagt, in den Alpen sollst du um 17:00 an deiner (sicheren) Schlafstatt sein. Es ist genau fünf und ich bin alleine hier.

Rhein waschen mit drei Schwimmzügen. Mehr traue ich mich nicht, wegen LochNess. Ja, ist auch kalt.
Fotos, Fotos, immer mehr Sonne.

Ich baue schon mal mein Zelt auf.

7% Batterie. Ich habe ja die Powerbank dabei. Nein! Falsches Kabel mit hochgenommen!
Die Sonne lockt noch vom gegenüberliegenden Berg.
So steige ich rüber an die Stelle, wo der See sanft überläuft und den Rhein freigibt.

Oh!

Der Strom reicht noch für drei Selbstauslöser.

CDF ohne Nebel (wer löst das Rätsel? Dann weißt du, welche Emotion ich mit diesem Bild ausdrücken möchte)

Aber ich kann mich kaum lösen.
Überwältigt.
Ganz alleine. Alles, all dies ist heute Abend, heute Nacht, ganz alleine nur für mich.

Sternenhimmel, Neumond.
Trotzdem ist die Nacht nicht allzu kalt.
Ich stecke, da ich kaum schlafen kann vor Glück und sanfter Aufregung und auch ein bisschen wegen Atemnot und -ja, ein bisschen Angst- ab und an den Kopf aus dem Zelt und schaue den Sternen beim Wandern zu. Erhasche drei Sternschnuppen. Ich weiß, was ich mir wünsche.

Freitag, 30.8.2019

Frühstück zwischen Zelt und See. Der Drache schläft noch.

(Mit dem letzten bisschen Strom fotografiert)

Als ich abbauen will, ruft Aarun von hinten den Berg runter.
Er kommt mit einem Paar herunter.

„Es ist Neumond.“

„Ja, war ganz schön dunkel, heut Nacht. Ist der Hund von dir?“

Nee, gehört den beiden.

Aarun möchte mit dem Paar ein Ritual machen, wie jedes Jahr um diese Zeit. Immer bei Neumond. Und er lädt mich herzlich ein.

Klar, warum nicht. Ich hab Zeit, es ist schön hier.

Am Ende des Rituals, an dem wir auch ein kleines Feuer haben, auf flachen Steinen, um die Wiese nicht zu verletzen, lädt Aarun auch die Kinder ein. Mittlerweile sind ein paar Familien angekommen. Wir stellen uns im Kreis um das Feuer und bekommen jeder eine Handvoll Weihrauch. Jeder darf nun drei Wünsche aussprechen, die er mit dem Weihrauch ins Feuer geworfen und als Rauch in die Welt schickt.

Die Kinder machen mir Freude. Ich selbst wünsche mir unter anderem, dass wir wieder zur Liebe zur Natur zurückfinden.

Danach baden wir.

RHeinigen, tut gut. Letztlich auch von seiner Energie. Guter herzlicher Mensch. Aber letztlich bisschen übergriffig.

So komme ich spät los.

Erstmal zur Passstraße marschieren.

Trage in mir Gedanken darüber, ob ich das auslöse, oder, wie ich geschickter damit umgehen kann, wenn ich unangenehme Energien abkriege.

Wenn ich darüber nachdenke, merke ich, dass ich wieder einige Details bemerkt hatte aber aus Nettigkeit nicht darauf reagiert.

Endlich beim Rad angekommen. Unter dem aufgeschnittenen 120l Müllbeutel (hab ich seit zig Jahren dabei), den ich über die Fahrradtaschen gebreitet hette, finde ich ein Taschentuch mit lieben Grüßen von Monia. So eine Freude!

Dann mache ich nochmals Kerzenrast.

Achtsam mit dem Rad über Stock und Stein.
Nun gehts bergab, huiiiii!

Etwas später ärgere ich mich allerdings, dass ich entweder die schnelle laute Straße fahren muss, oder schlechte rumpelige Kiesradwege mit fiesen großen spitzen Stolpersteinen und Schlaglöchern drin, dazu noch permanent auf und ab.

Schaffe ich es heute bis Domat, wo mein Auto steht? Ich muss nicht unbedingt. Habe Zeit genug, unterwegs nochmal einen Schlafplatz einzurichten. Ich will jetzt aber doch gerne heim. Außerdem möchte ich heute Abend nochmal in Zillis schlafen.
Im letzten Viertel der heutigen Strecke muss ich wieder 400hm rauf, um die Rheinschlucht zu umfahren.

Merke ich nun schon.
Dann bin ich aber froh, dass ich nicht in Gegenrichtung unterwegs bin, weil die Serpentinen hier deutlich steiler sind.

Mitten in der Anstrengung kommen mir diese Sätze in den Sinn:

Ich wünsche mir, dass Mann und Frau wieder zu ihrer innewohnenden, wahrhaftigen und aufrichtigen Liebe finden.
Ich wünsche mir, dass ich zu meiner innewohnenden, warhaftigen und aufrichtigen Liebe finde.
Und, dass ich einen Mann an meiner Seite habe, der ebenso zu seiner innewohnenden, wahrhaftigen und aufrichtigen Liebe findet.

Um 19:15 beim Auto, 8e in Zillis auf dem Bauernhof.

Ich unterhalte mich noch mit meiner Massenlagergenossin (ich persönlich ziehe den Ausdruck Matratzenburg vor). Dabei fällt mir alles ein, was mich zu Hause erwartet. Kein Zuhause und eine desolate Arbeitssituation.
Dabei fällt mir auch auf, dass ich all das unterwegs komplett aus dem Kopf hatte.

Samstag, 31.8.2019

Pause am schönen Harder Bodenseeufer.

Noch ein bisschen freies Unterwegssein fühlen.
Wo eine Brötchentüte Frühstücksbrett ist und ein Putztuch als Handtuch fungiert. Wo ich alles, was ich brauche, bei mir habe. Sogar Luxusdinge, wie einen ExLatteMacchiato-Schüttelbecher und zerknitterte kleine Tüten PulverMilchKaffee.
Kleiner Exkurs: Luxus ist für mich: etwas, was ich nicht unbedingt brauche, aber meine Lebensqualität und vor allem -freude erhöht. Porsche ist also kein Luxus (für mich.)
Gleichzeitig zwischen den Welten: Abschied nehmen und auf Ankommen vorbereiten.
Außerdem bin ich saumüde.
Sven erinnert mich an die Gartenparty von Dietmar. Gut, bin ich gut unter heute Abend. Zeitlich geht es so auf, dass ich garnicht erst nach Hause fahre.

Catch and release am Lagerfeuer. Offenbar beeindrucke ich heute Nacht mit diesem einen spontan gesungenen Lied. Denn einige Gäste sprechen mich darauf an, wie gut es ihnen gefallen hat.
Dabei hab ich doch die Knötchen.
Ich freue mich sehr, dass ich gehört wurde.

Sonntag
0:30
Zu Hause!

Montag

1. Arbeitstag nach 2 Wochen krank und 2 Wochen Urlaub.
Laaaaangsam beginnen. Dazu hab ich die Langsamkeit auf meiner Radtour celebriert.
Als erstes ist ein Krisengespräch mit Chefarzt und Oberarzt für uns Ergos angesetzt.

Dienstag
Ich weine wegen eines Patienten, der seit Wochen ’nicht sprechen darf‘, weil Dysphagietherapie abgesetzt ist.

Mittwoch
Alltäglicher Ärger mit einem Pfleger. Dadurch auch mit Gl und Mitarbeiter angespanntes Gespräch.
Nach der Mittagspause will ich mir meinen geänderten Stundenplan rausschreiben, denke dabei an nix böses –

– und breche am PC zusammen. Hyperventilation und Heulkrampf. Ich kann nicht mehr.

Vier Stunden Aufenthalt in der und um die Klinik, OberarztBesuch, einige nette Gespräche mit Kollegen, dann kann ich endlich, immernoch mit zitternden Knien, heimfahren.

Donnerstag
Phoniater: die StimmbandKnötchen sind viiiel kleiner geworden!

Der heilige Gotthard

Mittwoch, 28.8.2019

Heute morgen sagt Wetter online, es würde unbedingt jetzt und die nächsten drei Stunden regnen, wie aus Kübeln. Der Regenradar zeigt aktuell eine riesige Regenwolke bis runter zum lago Maggi.
Manchmal hilft auch, aus dem Fenster zu schauen. Ja, grau, aber fadenscheinige Wolkenschicht, das geht schon.
Im Bett frühstücken. Um 9:15 ist alles wieder auf dem Rad verstaut. Dabei lerne ich die beiden netten Französinnen kennen, die auch hier mit dem Radl rumgondeln. Mir gefällt, wie natürlich die sind und wie nice improvisiert sie ihr Gepäck verstauen. Rucksack im Fahrradkorb, Zeltrolle dahinter und viele Gummizüge. Ich beobachte fasziniert beim zweiten (heißen, weil super heißes Kranewasser) Schüttelkaffee, wie lange das dauert.

Auffi ghats!
Bald mache ich ein Foto aus der Höhe auf Airolo runter.

Da kommt Christian angeradelt, wir fahren paar Meter zusammen. Hinter uns fährt sein Töchterchen, 22, ihren ersten Pass.
„Magst du nicht mal nach deinem Töchterchen gucken?“ So hänge ich sie ab (ehrlich gesagt, hat er mich ganz schön aus der Puste gebracht, Pass radeln und quatschen) und hoffe, das Mädel ist langsam genug, dass die beiden mein Siegerfoto machen können.

Die Straße ist aus Kopfsteinpflaster. Ihr Name ist Tremola.

Es gibt auch eine neue Passstraße, die ich eigentlich fahren wollte. Glatt, etwas weiter und dafür deutlich weniger steil. Aber meine nette Restaurantbegleitung gestern hat mir davon abgeraten. Geht auch garnicht. Hat nämlivh den Status einer Autobahn. Als ich auf drittel Höhe mal wechseln will, verbieten eindeutige Verkehrsschilder dies. Na gut. Steil ist sportlich, rumpeln auf Kopfsteinpflaster sicher auch. Und natürlich: mit masse Gepäck den Hang hinan.

Kann ich nachher dreimal stolz auf mich sein.

Auf der Zielgeraden mache ich einmal einen Fotostop zu viel und die beiden netten Radler ziehen an mir vorbei. Ich bin echt alle und der Schluss scheint mir besonders steil. Als ich kurz drauf auch oben bin, sind die beiden entweder im Gewühl verschwunden oder gleich wieder runter gefahren. Hier ist es voll!
Ich fahre bisschen an dem touristischen Trubel vorbei. Ah, da am See steht ja auch das Passschild. Klocke 12e.
Da bitte ich die Dame eines älteren sympathischen Paares, mich zu fotografieren. Sie leitet aber gleich weiter zu ihrem Mann. „Der kann das gut!“
Sogleich verändert er mein Arragement. Das Fahrrad muss weiter nach vorne und ich dorthin…
Gleich in der ersten Session ist mein Siegerfoto dabei.

Ich freu mich riesig und wir unterhalten uns noch bisschen. Als der Herr noch etwas jünger war, ist er auch viel geradelt.
„Einmal bin ich um halb 1 aufgestanden und von Basel bis Locarno gefahren.“
„Und wie weit war das?“
„280 km.“ „Mit diesem Berg dazwischen?!“
Später, wohl kurz bevor sie fahren wollen, kommt der Herr nochmal auf mich zu: „Haben Sie denn auch nachgeschaut, ist wirklich ein gutes Bild dabei?“
Supersüß. Ich soll wirlich gut auf mich achtgeben. Und seine Frau fügt noch hinzu: „Haben Sie denn nur die dünne Hose?““Nee, hab grad meine lange Schlafanzughose drunter gezogen.“ Und ich hebe das dünne Hosenbein zum Beweis.
Inzwischen hat es zu nieseln angefangen. Hat mich bei meinem Picknick auf ‚meiner‘ Parkbank aber erst nicht gestört. Dann hab ich alles an. Schlafanzug drunter und volle Montur Regensachen drüber.
Die Kerze ein paar Steine weiter hinter einem großen Felsen. Dennoch zieht es arg. Und es nieselt weiter.
Im PassRestaurant wärme ich mich bei einer warmen Schoki auf.
Vor dem runter fahren lege ich wieder volle Montur an. Aber das ist weder nötig noch angenehm. Die Wolkenschicht wird schon dünner und bald ist es wieder recht warm. Ich mache so viele Fotostops, wie möglich und trödele rum.

Dennoch bin ich weit vor drei auf der Anhöhe über Hospenthal.

Check in in der JH ab 17:00!
Mittagspause auf der Aussichtsbank, Picknick, Bilder angucken…gegen vier beschließe ich, runter zu fahren. Kann ja schon mal einkaufen.
Is aber nicht. Erst wieder in Andermatt.
Ok, also morgen.
Fahrrad schon mal bei der JuHe abgestellt.
Zu Fuß zum Turm hoch. (Oh, meine Schenkel!)

Turm kann man aber nicht raufsteigen, ist innen hohl.
Durchs Dorf geschlendert… irgendwie bleibt die Zeit stehen.

Hier, der wohl hässlichste Engel, ever seen. Obwohl er bei näherer Betrachtung nett lächelt und
– stoppt!

Immer noch zu früh, als ich wieder an der Herberge bin. Blumenfotoshoot.

Dann gehe ich einfach rein. Ein anderer Gast, eine Frau in meinem Alter ist schon seit drei Uhr da.
Verdammt!
Wieso denke ich manchmal, Türen sind für mich verschlossen?
Bärbel wandert. Morgen auch auf den Oberalppass.
Heidi ist der dritte Gast. Bikerin. „Wir sollten ne AltDamenRunde aufmachen.“ Selbst die Herbergswirtin ist in unserem Alter.
Heidi und ich essen hier. Fürstlich übrigens. Zumal ich Heidis Fleisch bekomme.
Wenn ich sportlich unterwegs bin, bin ich echt ein Eiweißjunkee.

Auffi ghaats!

Montag, 26.8.2019
Recht gut geschlafen, stehe ich um 7 auf und bin kurz nach 8e auf der Straße.
Um 14:00 Uhr habe ich mein Pferd auf dem Parkplatz an der Autobahnausfahrt Domat/Ems gesattelt.

Kaum ist das erledigt, sucht eine junge Frau verzweifelt einen Parkplatz. Hab ich aber mal wieder den letzten ergattert.
Viertel vor drei komme ich radelnd am Busbahnhof in Chur an und um viertel nach drei startet der Bus nach Bellinzona. Bleibt mir noch genug Zeit, um mich frisch zu machen und für die frische Klimaanlage warm anzuziehen.
Ich habe, solange der Bus in Chur steht, etwas Wifi. In meiner CampingApp sehe ich einen Campingplatz in Biasca, 25km und einen in Chiggiogna, 40km. Nee, der ist mir zu weit. Camping Bellinzona zu nah.

Halb sechs aus dem Bus. Wow, ist das warm hier!
Oh, ist das schön, wieder Rad zu fahren! Ich habe meine Freude wieder! Die Berge und das wunderbare Sonnenwetter machen es mir zusätzlich leicht.

Es fühlt sich verdammt richtig an, dass ich wieder gekommen bin. Obwohl mein dicker Zeh wie eine unförmige rote Säufernase aus meiner Sandale schaut. Tut aber nicht mehr weh, deshalb mache ich mir auch keine Sorgen.
San Gottardo ist eine Herausforderung, aber auch ein Fest. Und dieses Fest will ich mir nicht entgehen lassen.
Bald ist die Sonne hinter dem Berg und ich fahre wie der Wind in der warmen Abendluft.
In Biasca ist aber kein Campingplatz. Ich habe kein Wifi und auch kein Abendbrot, die Supermärkte haben gerade zu gemacht.
An einer Tanke besorge ich mir eingepackte alte Pizza und Wein, aber es gibt kein Wlan. Die Dame und ein netter Kunde versuchen, mir zu helfen. Am Ende entscheide ich, wenn es nix gibt, schlafe ich halt draußen.
Kurz hinter Biasca frage ich einen Bauern. Der ist erst bisschen verschnupft und kurz angebunden (was angesichts der Tatsache, dass er weder deutsch noch english spricht, von Vorteil ist). Erlaubt mir dann aber, mein Zelt auf seiner Wiese aufzubauen. Nachdem ich nämlich ahne, was ‚domani‘ heißt und behaupte, sette, otto bin ich weg (lerzteres mit Handbewegung).

Dienstag, 27.8.2019

Viertel vor sieben aus den Federn, eine gute halbe Stunde später ungefrühstückt los. Habe auch kaum Wasser übrig.
Der Bauer winkt mir noch hurtig aus seinem Stall nach.
„Chiao, gratie!“
In Personico finde ich den kleinen eingefassten Brunnen und ein nettes Local für Latte und Morgentoilette.

Nee, nicht hier. Dies ist ein uraltes Dorf kurz vor Personico. Die Häuschen sind echt winzig.

Ab jetzt gibt es schon mal nennenswerte Steigungen.

Habe heute knapp 40km und 900 hm.
10:00 Uhr in Chiggiogna, noch 500hm und 20km.
Ok, Zeit für eine lange Pause.

Danach ist es schon sehr heiß. Puh, SiestaZeit!
Ein paar km weiter in Faido mache ich WlanRast und ordere mein AirbnbDomizil in Airolo.
Hinter dem nächsten Dorf finde ich einen Zugang zum Fiume Ticino.

Ich plansche drei oder viermal darin, mit Sonnenpausen auf einem körpergroßen, glatten Stein. Das Wasser ist, wie nicht anders vermutet, recht eisig.

In Ambri sehe ich die Berge, auf die es ankommt. Jetzt wirds ernst.

Mit dem Rest der Strecke lasse ich mir Zeit. Ich mache Fotostops, wo ich nur kann. Sogar Selfiesessions.

Dennoch bin ich schon gegen 17:00 in der Unterkunft in Airolo und glücklich mit Wlan vereint. Das Velo nehme ich mit zu mir ins Zimmer. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass es in der Nacht alleine da draußen stehen würde.
Mein Abendessen nehme ich ein paar Meter neben meinem Bett ein. Gut, dass ich aus dem feudalen Restaurante geflohen bin, als ich nicht unter dem Himmel sitzen durfte, weil reserviert.
Das nächste Lokal ist viel netter. Ich fühle mich so wohl, dass ich sogar einen Gast am Nachbartisch anspreche. Ich darf mich auf meine Anfrage hin zu ihm gesellen. Es stellt sich raus, dass er wandert und die Gegend gut kennt. Schöner unterhaltsamer Abend.
Jetzt muss ich noch meinen Wein von gestern austrinken, damit ich ihn nicht auf den ganzen Berg schleppen muss. Der halbe hat schon gereicht.

Gestörte Nachtruhe

Freitag, 23.8.2019
Ich wache nach ein oder zwei Stunden Schlaf davon auf, dass mein rechter großer Zeh am Zeltende das Mashnetz ganz leicht berührt und
– wahnsinnig wehtut!
Der Schmerz fährt alle paar Sekunden in die äußere Seite meines Nagels. Nach einer Weile liege ich bloß noch im lethargischen Delir und versuche in jeder Minute eine andere Fußstellung.
Ich beschwere mich am Morgen liebevoll beim Nachbarn, dass er schnarcht. Dass das aber nicht so schlimm war, weil ich eh vor Schmerzen nicht schlafen konnte.
Als ich erzähle, ich hätte mir meinen Cafe aus Pulver und lauwarmem Leitungswasser selbst gemixt, kommt die Nachbarin hinter der Abgrenzungshecke. Sie muss ganz weit herumlaufen und bietet mir richtigen Cafe an. So ein freundlicher Mensch!
Zelt abbauen
Baden
Lange duschen.

Mein Zeh macht mir jeden Schritt schwer. Kann ich überhaupt fahren? Außerdem bin ich von der 2 wochenlangen Schlaflosigkeit total durch.

Dann rufe ich die Krankenkasse an, wies aussieht mit ärztlicher Behandlung, ich sei ja schließlich in Italien. Das würde klargehen, aber nicht so easy in der Schweiz.
Statt dessen begnüge ich mich dann doch mit der Apotheke. Man verkauft mir dort Antibiotikasalbe.

Trotzdem ich schon ausgecheckt habe, liege ich noch eine geraume Weile schlaflos auf der Steinbank am Strand. Isomatte drunter und im Schlafsack. Schlaflos, aber völlig weggetreten. Irgendwie richtig krank.
Dann Mittagessen am Strand, weil Michael bei sich zu Hause auch Nickerchen macht.
Ich setze einen verzweifelten Anruf ab. Michael will mich abholen. Ich stimme zerknirscht zu.
Der kaputte Fuß! Aber auch der Schlafmangel seit zwei Wochen und die nicht verarbeiteten Schläge haben mich alle zermürbt und eben jetzt kann ich nicht mehr. Schwer genug, mir einzugestehen, dass ich abbrechen muss, Hilfestellung annehmen ist noch schwerer, aber ich kann es gerade gut gebrauchen.
Dazu seine geistreiche Frage: an welchem Fuß denn?
Wär ich garnicht drauf gekommen, dass ich ja schlecht gasgeben und vor allem schlecht bremsen kann.
Sogar an Fahrrad fahren ist im Prinzip garnicht zu denken. Ich schraube den Sattel runter, damit mein rechter Fuß mit dem Ballen auf der Pedale ruhen kann. Ich werde wohl hauptsächlich mit links fahren. Ist ja eben.
Ich will nach Locarno mit dem Rad, sehen, ob ich früh genug da bin, sonst noch an der Nordspitze des Sees Zelten. Oder eben gleich öffentlich nach Domat/Ems. Wo mein Auto steht.
Ich erwische einen Zug um 17:00 Uhr, der mich mit zwei mal Umsteigen bis abends 8te dort sein lässt.
Im Bus stelle ich fest, der hält in Zillis!
Kurzentschlossen steige ich dort schon aus. Hatte gerade telefoniert, Juon, meine liebe Schlafen im Stroh Familie hat Platz für mich.
Wie ein zu Hause fühlt es sich hier schon an, habe mich schon beim ersten Mal wohl gefühlt. Und, es zieht nicht. Ein richtiges Zimmer mit Wänden.

Weitere Gäste sind ein Vater mit Sohn (17). Die wollen zu Fuß über die Via Spluga. Auch ein Traum von mir. Aber sie nehmen sich in ihrem jugendlichen Leichtsinn und männlichen Wahn Gewalttouren vor. Erste Etappe waren 48km bei 60 geplanten. Die spinnen, die Römer.
Halbe Flasche Wein, wie gestern.
Schlaf!

Samstag, 24.8.2019
Spätes FS
10e los
Ich fahre mit dem Rad, mit Zwischenstop in der Via Mala Klamm. Ausgerechnet heute, nachdem ich hier schon paarmal war, habe ich Lust, die 6 Franken zu latzen, um mal die Treppen zum großen Findling herabzusteigen.

Wer erkennt das lächelnde Mädchengesicht auf dem gut gelaunten Stein?

Interessant finde ich auch die ‚Steinmühle‘.
Ein Bub, der grad raufgestiegen war, sagte, „Das isch iiedrückchlichch!“
Ja, wirklich.

Außerdem beobachte ich unten in der Klamm einen kleinen, unscheinbaren Vogel, der hurtig wie eine Wasserratte in die Fluten steigt, die Felsen unterwaser abgrast und wieder ans Trockene Schlüpft.

Die Treppen habe ich allerdings sehr achtsam genommen!

Nun geht es weiter mit dem Rad und gößtenteils bergab, nach Tamins/Domat, wo mein Auto wartet.
Dann die 10km nach Chur. Bremsen ist tatsächlich noch schmerzhaft. Auch die Konzentration im Stadtverkehr lässt signifikant zu wünschen übrig.
Im Parkhaus Nähe Bahnhof bekomme ich Beklemmungen, ja Angstzustände.
Ich muss immernoch nicht hetzen, habe sogar genug Zeit, mir im Sommerschlussverkauf eines Modeladens zwei Tanktops in rot zu kaufen. Und einem spontanen netten StraßenKonzert zu lauschen.
Im Bahnhof wundere ich mich darüber, dass es offenbar keine Hinweise mehr über die Ankunft von Zügen gibt.
Demnächst also nicht nur Ankunft und Gleis sondern auch am besten Zugnummer angeben, wenn man abgeholt werden will.
Michael spendiere ich ein Eis in der Fußgängerzone.
Dann gehts Heim. Mit Zwischenstop und Picknick am Bodensee.

Foto ohne Füße. Geht normalerweise garnicht. Diesmal seis verziehen.

Auf der Fahrt spielt meine geschundene Psyche vollends verrückt. Ich will bloß noch heim, aber wir fahren natürlich zu Michael, weil da sein Auto steht. Wir sind nachts recht spät da.
Auf dem Sofa kann ich einigermaßen pennen.

Sonntag, 25.8.2019

Spätes FS, viel quatschen, dann zum See, Grube Prinz von Hessen. Natürlich nicht mit Rad. Michael fährt uns mit dem Auto.
Ich ‚darf‘ ja nicht Rad fahren. Obwohl mein Zeh sich stündlich bessert und ich so langsam wieder auf heißen unternehmungslustigen Kohlen sitze.

Sonnig am See.
Irgendwas spüre ich bei Michael, ich kann (oder will) es noch nicht einordnen. Als er Zeitung liest, bekommt mein inneres Kind lustige Stichellaune. „Kennst du das, wenn einer offensichtlich seine wohlverdiente Ruhe haben will, dass dir dann lauter Sachen einfallen, die du unbedingt sagen willst?“
So stichel ich an ihm rum und lach mich halb tot.
Dann fällt mir ein – und diesmal strengt es mich an, es ihm zu sagen – dass Lis an Vadders Geburtstag zu mir sagte: „Wegen dem halben Jahr, das du weg bist: wie lange dauert es denn so, bis man jemand passendes findet?“

Etwas später redet Michael vom einsamen Wolf, der er eigentlich ist.
Da wird mir klar, ja es kommt mir vor, als öffnete sich ein Fenster, dass ich mich nun doch offenen Auges in eine Illusion habe hineinzaubern lassen.
Ich drehe mich auf die Seite, von ihm weg, während sich das innere Fenster öffnet. Gleichzeitig steht mir der Plan vor Augen:

• Ich werde ihm gleich Bescheid sagen (dass mir grad klargeworden ist, das mit uns geht ja garnicht), ich trenne mich von ihm
• Dann werden wir gehen und zu ihm nach Hause fahren
• Ich werde sorgfältig alles einpacken
• Zu meinem ZuHause fahren
• Zelt zum Trocknen aufhängen
• Manche Wäsche dalassen, andere einpacken
• Eier kochen für die Fahrt…
• …und morgen gehts wieder los!

Der Abschied gestaltete sich etwas anders, als geplant.

• Michael bietet mir noch am See an, mir ein Eis von der Eissofie zu spendieren. Ich nehms an
• Bei ihm zu Hause angekommen will er, dass wir aussprechen, was uns noch auf dem Herzen liegt. Ich habe vergessen, was wir uns gesagt haben. Irgendwas nettes. Doch, auf jeden Fall sage ich auch dies: wir sollten aufhören, mit dem heiligsten, was wir haben, so schändlich umzugehen.
• Zum Abschied will er eine weitere Umarmung und einen Kuss. Er bekommt zwei KinderKüsschen. Find ich nicht so gut, dass ich das gemacht hab.

Ich weiß, dass ich wütend bin. Mir ist auch bewusst, dass ich die Wutenenergie benutze, um mich wieder klar zu machen, für die Fahrt zurück in die Schweiz.
Spüren tue ich sie erst im Auto. Oder besser, ich lasse es wenigstens stückweise dort zu. Gelauert hat sie darauf schon am See. Aber zeigen hab ich sie nicht können.
„Arschloch! Hast du echt gesagt: ‚ich sag es den Frauen immer, aber sie glauben mir nicht. Ich habe so viel, was Frauen gefällt. Nur das eine biete ich ihnen nicht: mich an sie binden.‘
Hast du ganz vergessen, wie du von deinem Gefühl sprachst, nun endlich anzukommen, davon, dass du dich auch mit U. gebunden hast?
Klar, hast du mir anfangs gesagt, du kannst dich nicht binden. Aber dann hast du alles getan, um dennoch deine Anbindung zu suggerieren und damit klarzumachen, dass du es diesmal ernsthaft versuchst. Wie weit ist dir das eigentlich bewusst?

Wolltest du wirklich das naheste, heiligste, das in einer Beziehung erlebt werden kann dadurch mit Füßen treten, dass du es dir ohne echte aber vorgetäuschte Bindung und bindend ergaukelst?
Und das, nachdem ich dir nahegelegt habe, wie heilig mir das ist, was zwei Menschen miteinander aufbauen?…“

Egal, nützt nix, mich darüber aufzuregen. Mir ist klar, so will ich es nicht. Ich löse mich von dir und damit von meinen Illusonen und Anhaftungen.

Ich hab mein Seelenheil wieder und lege nochmal befreit los.

 

Verschiedene Sorten Wasser

Donnerstag, 22.8.2019

Tief hängen graue Wolken. Die Luft ist feucht und schwer. Morgenstimmung:

Hinter San Bernardino geht’s noch mal rauf. Daran, dass es ok für mich ist, bergauf zu fahren, erkenne ich, dass ich mich gestern nicht übernommen habe.

Frühstücksrast am Wasserfall mit Cafe, Wifi, Bad und Power. Und einem sehr netten Barmann.

Mittagspause am Tessinriver.

Während ich den guten Platz genieße, landet eine Raftinggruppe mit nettem Gruppenleiter.

Die Fahrt durch Bellinzona und nach Locarno ist ätzend. Die Radwegführung bescheuert und ärgerlich.

Endlich am See.

Hier stinkt es nach Super und Reichtum. Und es ist ohrenbetäubend laut. Ihr wisst schon, die was auf sich halten fahren gerne mit kaputtem Auspuff. Eigentlich könnte es hier am See ja ganz schön sein. Es ist aber bitterer Stress.

Trotzdem gondelt es sich in lauer Abendluft ganz prima und es geht am Ufer irgendwie dauernd bergrunter.

Am Straßenrand ergattere ich ein paar wilde Feigen.

Vor lauter Gier nach mehr tapse ich in den grasüberwachsenen ekligen nassen StraßenGraben.

Schon bin ich in bella Italia und am Campeggio, den mir ein älterer Herr gerade empfohlen hat (hier sind nämlich etliche Campingplätze an einem Fleck):

Camping Riviera in Connobio.

Ich bekomme eine kleine Parzelle direkt neben den Facilities.

Baden, Picknick, Wein…

…plötzlich kommt mir der Schwanenkampf vor die Kamera, während ich die Stille Weite des Sees genieße. Ich bin richtig erschrocken.

Auf diesem Steg zünde ich auch meine heutige Kerze an. Schöner, ruhiger, lauer Abend, an dem sich einige Besucher am See sehr still unterhalten.