Pass, passt, passiert

Mittwoch, 21.8 2019
Ich schlafe schon wieder sehr schlecht, langsam wird es zu einer üblen Gewohnheit. Der Mann schnarcht ein bisschen. Aber ganz süß und schlappi. Ich werde einfach nicht müde, wie in den letzten Nächten auch. Lesen, Sudoku…nichts hilft. Gegen Morgen schlafe ich ein und schrecke kurz vor 7, also kurz vor Weckerklingeln aus einem  Alptraum hoch.

Als ich aufwache, befürchte ich zunächst, dass die beiden Mitschläfer mich eventuell haben schreien hören. Aber alles ok, ich bin bloß noch außer Atem.

Trotz des schlechten Schlafes und Traumes komme ich ganz gut aus den Puschen.
Halb Acht Frühstück, dann Fototime zum Abschied, viertel vor neun gehts los.

In der Rofflaschlucht finde ich haufenweise Steinpilze, esse einen kleinen und nehme die zwei schönsten mit.

12:00 Splügen
Ich bin langsamer, als letztes Mal. Aber auch nicht so gestresst gehetzt. Ich will ja auch langsam machen, weil ich so schlechte Voraussetzungen mitbringe. Trotzdem ist es etwas enttäuschend, schon, weil ich in diesem Jahr so viel trainiert habe (aber auch bestimmt fünf Infektionen durchgemacht, nach denen ich mit dem Training immer wieder neu beginnen musste) und ich muss mir gut zureden.
Zwischen Splügen und Hinterrhein muss ich mir nur die Beine bisschen ausschlackern, schon ist die Strecke erledigt.
Dann sehe ich ihn, den heiligen Bernd, oder?
Ach nee, dieser Hang soll es sein.
Ich nehme mir vor, ihn hochzumeditieren.

Statt die Ausatemzüge zu zählen, zähle ich die Serpentinen. Aber nur die Linkskurven. Acht sollen es sein und später eine neunte. Bei den restlichen chaotischen Kurven kann ich auf der OfflineKarte nicht sehen, ab wann es wieder bergab geht.
Schon in der zweiten Serpentine bietet sich eine Pinkelpause an. Dabei finde ich diesen alten Baum.

Danach mache ich Picknick, wo ich doch schon mal stehe. Feudal: housemade Improvisation über Risotto mit Steinpilzsuppe, dazu frischer Steinpilzsalat.

3, 4, 5, … der Pass ist fast bisschen pupsi.

Vor der neunten Extrakurve zeigt der Hinterberg endlich sein Gesicht (ich seh dich noch! Hab ich zu ihm gesagt.)

50 m später verhüllt er sein Haupt wieder in Wolken. Dann ist er hinterm Berg.

Eine junge Frau wartet auf mich, um mein Siegerfoto zu knipsen. Wir unterhalten uns eine Weile schön.

Leider stelle ich dann fest, dass ich noch ganz und garnicht oben bin.
Strengt jetzt doch bisschen an, bin ja auch psychisch garnicht mehr drauf eingestellt.
Alles in allem dennoch easy going.
Juhuu!

In wunderschönen Kurven gehts runter nach San Bernadino Dorf. Da seh ich ein Camping Schild, obwohl ich den nächsten Campingplatz erst in 40 km erwarte. Was mir sicher zu weit wäre.

Nun ist es aber erst 5 oder so. Dennoch entscheide ich: mit diesem Geschenk des Himmels darfs auch mal gut sein.
Ich frage ein paar Camper, wo ich mich denn anmelden soll. Da erfahre ich, dass es gerade ein viertägiges Festival für Kanuten oder so hat. Ein älterer Herr aus der feucht-fröhlichen Runde vor ihren Zelten meint, ich könnte mal im großen Festzelt fragen. Ein jüngerer Bursche findet eher, das ginge auch so, fiele doch eh niemandem auf, wenn ich mich dazustellte.
Ich entscheide mich, keine schlafenden Hunde zu wecken, baue mein Zelt auf und tapere zum nahegelegenen SeeCafe, das Wifi hat.
Die Damen dort verarschen mich, bis ich freundlich erwähne, dass ich poco comprendere, niente parlare Italiano.
Da ist der rote Wein doch nicht sooo superteuer und ich bekomme eine Riesenschüssel Chips dazu.

Blick nach hinten zum Dorf

Als ich später im Zelt liege, kommt ein junger Mann vorbei, leuchtet mit seiner Taschenlampe auf mein Zelt und wohl auch aufs Fahrrad, sagt was zu seiner Begleitung und meint auf eine Weise „hm“, dass ich denke, er macht sich Gedanken, ob ich dazugehöre.
Ich fühle mich trotzdem wohl.
Aber kann wieder nicht schlafen und stehe früh auf.

Voll durchstarten: ein Fuß auf dem Gaspedal, …

18.08.2019, Sonntag

Gestern hat die Großfamilie Papas 80. gefeiert. Schön zu sehen, wie groß wir sind und wie herzlich die Stimmung.
Ich habe schon am Freitag Abend mit Lis ihr dasein gefeiert.
„Wir treffen uns mit Hugo auf dem Hausberg.“
„Wer ist Hugo?“
Ich wollte doch meinem Hamburger Töchterchen zeigen, wie ich hier zu Hause auf dem Lande so meine Abende verbringe. Ich fand oben auf dem Hügel zwei in perfektem Winkel aneinandergeparkte Strohballen. Auf denen machten wir es uns gemütlich. Lis Schulfreund Tobi war auch dabei und während wir zu dritt tief in die Flasche schauten, schaute uns die Sonne beim Untergehen zu.

Gut so. Ich wollte nämlich auf Papas Geburtstag garnichts alkiges trinken, weil ich gleich nach dem sonntagmorgendlichen Nachbrunch und einem tränenreichen Großfamilienabschied in die Schweiz brausen würde.

Nach knapp 2 h Fahrt war ich froh, dass ich nicht nur meine Picknickdecke für ein Schlummerchen dabeihatte. Sondern auch mein STP (stand to pee oder deutsch: Urinella, ein unentbehrliches Autobahnrastplatzkloutensil. Lis empfahl es mir bei meiner letztjährigen Radltour, als ich mir wegen Überbelastung ein zu dickes Knie gefahren hatte, um…)

Ah, SonntagSommerSonnenStimmung am Bodensee. Wenn sich das nicht schon im Vorbeifahren wie Urlaub anfühlt. Das obligatorische billig Tanken in Österreich und dann…

Hoh, hoh, hoh hohe Berge im goldenen Abendkleid!

Ich hatte mich für die erste Nacht i dr Schwiez bei Petr und seiner Freundin Gertrud eingeladen und sie belohnen mich dafür mit einem lecker geselligen Mahl auf der Terrasse in spätsommerlich warmer Abendluft.

19.08.2019, Montag

Die App verspricht einen regnerischen Morgen und so verabreden wir uns zu einem späten guten Frühstück.
Ich bin richtig scharf darauf, das Tempo rauszunehmen. Habe mir auch für die ersten beiden Tage zwei Babyaufsteigeretappen gebucht.

In Chur hole ich noch Franken und fahre dann rüber zu dem Nachbardörfchen Felsberg. Auto parkieren. Peter hat mir allerdings versprochen, das wird nicht einfach.
Ich sollte mal auf der Gemeinde nachfragen. Genau das erzählen mir auch zwei nette Dörflerinnen. Bloß, dass das Büro nicht um 12:00 Uhr schließt, sondern 11:30. Bin ich leider zu spät für. Obwohl noch Leute drinnen rumhuschen. Türen sind zu.

Unterwegs hatte ich ein Hinweisschild zum ansässigen ‚SchlafenimStroh’BioBauernhof Danuser gesehen. Gut, dass mir sein Name von der Radeltour vor zwei Jahren noch geläufig war, obwohl ich dort garnicht abstieg.
(Vergessnisausgleich: Auf dem Weg dorthin besorge ich mir noch einen ReiseHandtuchErsatz: ein MicrofaserPutztuch. Funktioniert sicher genausogut und ist auch billiger.)
Neuer Plan: ich parkiere mein Auto beim DanuserHof und schlafe dafür da in der letzten Nacht. War die Frau des Hauses aber nicht für.
Statt dessen fällt ihr, kurz bevor sie den Fensterladen schließt, noch ein, dass an der Autobahnausfahrt Domat/Ems ein kostenloser Parkplatz zu finden sei.
Ich ergattere den letzten freien Platz dort und finde, das hat doch jetzt ganz gut geklappt.
Um 13:00 bin ich startklar.

Von hier sinds bloß noch 28 km, die mir wie 5e vorkommen. (Meine Beine sprechen dann aber eine andere Sprache.)

Den ersten Schwall des ordentlichen Regengusses, den ich schon im weiten Tal vor dem Tor zur Via Mala

herannahen sah, durchstehe ich im trockenen Halbtunnel mit Sicht auf die Klamm.

Der Hinterrhein tost dort unten nur wenige cm breit. Wie tief muss das sein! Wie hoch die steile Klamm ist, kann man abschätzen, wenn man die winzigen Leute auf der Treppe findet.
Fotos bei besserem Wetter gabs vor zwei Jahren auf der Alptour, deren bekannte Pfade ich erst bei Splügen verlasse.
Im Nieselregen fahre ich durch bis Zillis. Und weil ich auf einmal riesigen Hunger habe, muss ich wenige Meter vor meinem Ziel eine Futterpause auf einem kleinen Bänkchen an einer alten Hausmauer celebrieren.
Die Sonne kommt durch, so langsam hört es auf, zu regnen. Ich bin bloß zufrieden und möchte hier garnicht mehr weg. Einfach nur sitzen. Sein.

Einchecken in Familie Juons SchlafenImStroh und Frühstück auf 9:00 verschieben. Ahhh!

Den Abend verbringe ich mit Wifi und meinen Freunden.

20.08.2019, Dienstag

Wunderbar, es ist den ganzen Tag Regen angesagt! Dieser Umstand erlaubt mir, einfach da zu bleiben.

Auch, wenns dann irgendwie den ganzen Tag kaum regnet.

Um mich zu aktivieren besuche ich am späten Vormittag die Kulthöle. Die ich in maps.me entdeckt hatte. Dafür leihe ich mir von der Bäuerin ein Paar Gummistiefel aus. „Die sind aber ganz dreckig vom Stall.“
„Du sagst doch, ich muss am Ende über die Wiese laufen, da werden sie mal sauber.“

Jetzt ist sie hier Höhlenkönigin

Sonst, viel digitale Kommunikation, Blog schreiben und zwei Mittagspausen. Ach, wunderbar!
Abends kommt ein älteres Päärchen (also älter, als ich). Wir verstehen uns gut. Ich habe zu viel Suppe gegen blaue Lippen und sie haben Wein.

Kurz davor

6.8.2019, Dienstag

Ich sitze bei Bülent in Lützelbachs Pizzaria. Die kleine Rucola mit großem sauergespritztem Radler habe ich mir heute mehr, als verdient.

Als ich mich mit dem Stromradel kraftlos hierherschleppte, dachte ich so:

Während sich nach vorne die Pläne zu den Etappen der Reise(n) so langsam verdichten und sich peu á peu bereit machen, zu Realität auszukristallisieren,

bricht hinter mir meine so gekannte und lieb gewonnene kuschelige Welt zusammen, wie ein Kartenhaus, in das ein garstiger Wind pustet.

Es ist genau vier Wochen her, dass ich mir aus allzulang angestauter Fleischeslust ein lecker lecker Filetsteak brutzelte und mit einer wunderbaren Sangiovesetraube als Beilage nach draußen trug. Kaum im Pavillon mit Blick auf den sagenumwobenen Lagerfeuerplatz angekommen, spricht Arno, mein lieber Landlord mich an. Sehr freundlich. Und er setzt sich zu mir. Komisch, was mag das…

„Hast du eigentlich schon was unternommen wegen der Untermieter während deiner Reise?“

„?“

„Ja, lass das mal. Ich werde da runter ziehen. Jonathan kommt mit Familie. Du weißt ja, haben wir ja immer so ausgemacht, du hast ja selbst gesagt, du willst bloß ein Jahr, du musst dir aber keine Gedanken machen, ich wohne solange bei dir und wenn du im Frühjahr wiederkommst, dann improviesere ich oben mit der Familie und du kannst dir in Ruhe was neues suchen.“

„Was?“

Es dauerte eine Weile und bedurfte einiger Wiederholungen von Arnos Rede, bis ich verstand. Allerdings verstand ich zunächst bloß:

Arno schmeißt mich raus!

„Gehst du jetzt bitte? Ich möchte in Ruhe weinen.“

Schlimm genug, dass ich für mein halbes Jahr Auszeit hab kündigen müssen auf der Arbeit. Irgendetwas Schriftliches mit weiterlaufendem Arbeitsvertrag wäre mir 1000 x lieber gewesen. Nehmen die mich wieder, 53 jährig und chronisch krank, letztes Jahr ein halbes Jahr gefehlt? Jetzt bricht mir die neu gewonnene Heimat zusätzlich weg. Dabei hatte ich mich sicher gefühlt, als Jonathan mir anfangs auf die Schulter klopfte: „Keine Angst, ich will garnicht zu Papa zurück!“ Und noch einmal sicherer, als Gunnar seine neue Wohnung letztes Jahr kostspielig renovierte. Da wird er bleiben, bei so viel Aufwand.

Ich glaube, ich schreibe mal ein Buch mit dem Titel „Sicherheit ist ein Pustekuchen“.

Als ich mich fürs erste etwas ausgeweint habe und ins Haus gehe, um Gunnar von meinem Kummer zu schreiben, sehe ich, dass Mama versucht hat, mich anzurufen.

Von ihr erfahre ich, dass tags zuvor mein nahester Cousin gestorben ist. Einfach umgefallen im Gespräch mit seinen OrchesterFreunden. Gerade mal 2 Jahre älter. Gesund gestorben.

Mit dieser Doppelinformation werde ich nicht fertig. Aber ich gehe tapfer arbeiten. Oder besser: im Nebel.

Vor zwei Wochen die traurige Aussegnung. Schön zu spüren, wie liebevoll die Familie zusammen hält.

Am Donnerstag auf der Arbeit der Supergau: unsere Arbeit wird zum qualitativen Witz. Wir bekommen Anordnungen von Geschäftsführungsebene, die unsere Arbeitstage zu einem undurchdringlichen unproduktiven Dschungel verdichten. Wir Therapeuten müssen aushalten, dass wir so unsere Patienten überhaupt nicht mehr unterstützen können und nebenbei, wie auch immer wir uns verhalten, unaushaltbarem Stress ausgesetzt sind. Wo wir doch eh alle schon längst massiv unsere Ressourcen anzapfen, seit seit zwei Jahren einer nach dem anderen wegen schlechter Bezahlung von der Bildfläche verschwindet. Als wir die Nachricht bekommen, dass wir ab komender Woche viele unserer Patienten nur noch wenige Minuten ‚behandeln‘ dürfen, weint das ganze Team.

Ich bin bereits seit zwei Wochen erkältet, halte aber tapfer durch. Auch die Krisensitzung mit dem BR am Nachmittag und die Krisenteamsitzung am nächsten Morgen, in denen die TeamStimmung gefährlich zwischen sarkastisch gereizt und verzweifelt traurig schwankt.

Für mich ändert sich das Bild noch einmal: mein Heimathafen hat sich vollends aufgelöst. Fragte ich mich vorher noch, ob ich wieder in meiner guten Klinik genommen werde, so muss ich mich jetzt fragen, ob ich überhaupt wieder dort hinwill. Und wenn ich tatsächlich noch wollte, ob es über kurz oder lang noch aushaltbar wäre.

Und woanders? Ist es irgendwo besser?

Am Wochenende verhalte ich mich supervernünftig. Tatsächlich. Trotz Kommz. Das ist echt eine Leistung.

Ich bleibe nur sonntags tagsüber auf dem Festival. Treffe zu meiner Freude ein paar Bekannte. Ein Thema regt mich in den letzten Wochen gründlich auf. Und das ist ‚Treue in der Partnerschaft‘. Und das, obwohl ich garkeinen Partner habe. Aber einen Sparringpartner, von dem ich mir sehr bewusst meine Muster spiegeln lasse. Und ich habe einen riesigen Bekanntenkreis, für den ‚den Partner nicht fesseln‘ und ’sich gegenseitig freilassen‘ zu einer dubiosen Maxime erstarrt sind. Jeder betet es nach und man scheint sich nicht einmal mehr zu fragen, ob es auch freifühlen innerhalb einer Beziehung geben könnte.

Meine BekanntInnen haben also ellenlange Vorträge ganz nach Kaddimanier zu hören bekommen. Aber aufregen tuts mich wirklich. Ganz tief im Herzen.

Susanne sagte mir, ‚Polyamorie ist das öffentliche Ausleben von Bindungsstörungen‘.

Und Jörg und Simone nannten Freiraumparties kurzerhand ‚Swingerclubs für Esoteriker‘.

Na also, geht doch. Fühle ich mich schon nicht mehr so allein.

Ich möchte mich nicht mehr an jemanden binden, der sich nicht wirklich – also nicht – für mich entscheidet.

Bin dann nach sehr wenig BarfußHottenTanz vor der KommzHauptBühne am frühen Abend  nach Hause gefahren. Dennoch sage ich mitten in der Nacht für Montag Nachmittag ein Treffen mit meinem lieben SparringFreund ab. Nach der Arbeit werde ich schlafen müssen. Ich spüre schon in der Nacht, wie sich alles verdichtet, spüre, dass ich nicht mehr kann.

Als ich gestern Morgen mit dem Auto zur Arbeit aufbreche – fast hätte ich mich entschieden, die andere Richtung zu nehmen und mich krank schreiben zu lassen – beginnt es, zu regnen.

An der Ampel, 500m vor der Klinik rutsche und rutsche ich trotz ABS in das Auto vor mir.

Nervenzusammenbruch und Totalschaden.

Das wäre jetzt ein gutes Schlusswort gewesen. Findet zumindest ein schwer zugänglicher, dramatischer Theatralik zugeneigter Seelenanteil von mir. Dabei habe ich heute zum ersten Mal mit Sein in Myanmar telefoniert. Volunteering in einer Schule in Myanmar für minimal 5 Wochen ab Anfang Januar scheint zu klappen. Außerdem habe ich mich aus den Fängen meiner Autoversicherung freigekauft und dabei ein hübsches Gespräch mit meinem sehr netten Unfallpartner gehabt. Und, es wird mein Auto übermorgen dem Schrott anheimgegeben und dann bekomme ich auch schon ein neues altes.

Tschüß Leben, wie ich es kannte.

Hallo, neues Leben!

 

Samstag, 10.8.2919

Gestern abend habe ich mein neues altes Auto bekommen. Es ist 19. Ziemlich vieles ist ähnlich meinem alten jüngeren Schrottrenault. Aber dieser ist kleiner. Keine Mittelkonsolenbox für Knabbereien.

Dennoch ein Raumwunder. Ich richte alles möglichst so ein, wie ich es beim vorigen hatte und bin erst zufrieden, als ich zwei Rücksitze draußen habe und die Isomatte probehalber im glatten Kofferraum ausbreite:

Ha, passt!

Allerdings kündigen sich auch seit Tagen schwere depressive Schübe an. Ich musste viel Rad fahren und zwei mal über die Hügel nach Lützelbach wandern, aber wurde immer schlapper. Gestern fiel es mir bereits sehr schwer, mit dem E-bike den zumeist ebenen Weg nach Mömlingen rauszuradeln. Dazu zog jemand an meinen Nerven, wie an den Fäden eines Paragliders. Es kostete mich unendlich Kraft, dem nicht nachzugeben und einfach die Augen zufallen zu lassen um irgendwann ins Nichts zu kippen.

Heute finde ich mich dauernd im Bett wieder. Ich muss raus! Hab aber keinen Antrieb.

Freunde hab ich alle die letzten Tage schon abgeklappert, hauptsächlich telefonisch.

Man soll ja über belastende Ereignisse reden, sich nicht zurück ziehen.

Bude über kurz verloren, Arbeit unaushaltbar, Auto kaputt…

„Sieh’s doch positiv: du bist frei!“

Ich bin meinen Eltern dankbar, die mich spontan zur Zulassungsbehörde fahren. Und dem jungen Beamten, 26, genau halb so alt, der in den drei Minuten Amtszeit mehr Mitgefühl aufbringt, als alle anderen:

„Autsch, nein, die Sorte Freiheit wünscht sich doch niemand!“

Er sagt, er hätte selbst schon viel durchmachen müssen. Und seine Freunde nennen ihn empathisch.