SommerSonneBadeTag

Donnerstag, 7.9.2017

Ich hatte mir vorgenommen, erst aufzustehen und zu frühstücken, wenn die Sonne hinterm Berg vorlugt. Denn mein Schlafsack ist patschnass vom Tau.
Als es gefühlt 10:00 ist, reichts mir. Ich wische die Plane mit einem Lappen nachlässig trocken und setze mich auf die Matte, den nassen Sack über meinen Schultern und futtere zufrieden.
Gerade als ich alles glibbrige Zeug fertig in meine Taschen gestopft habe und abmarschbereit bin, kommt die Sonne. Es ist 8e.

Oh, es wird ein warmer Tag!
…Wieder Weiden im Morgentau glitzern sehn…

Neues Land, Kaddi 2005

Dann fahre ich allerdings zumeist im morgendlichen Bergschatten.
Am Lago di Mezzola vorbei,

dann wieder auf der SS36 durch den Sumpf der Adda.
Plötzlich bin auf der Addabrücke nach Colico.
Jetzt muss ich mich entscheiden, welcher Campingplatz?
Ich will nach Gera Lario links der Mera. Aber es ist kein Weg dahin auf der Karte eingezeichnet. Vor der Brücke gab es einen beschilderten Radweg in diese Richtung. Aber von meinem Dorf steht nix. Ich versuche es trotzdem und der Weg nimmt nach einiger Zeit eine völlig entgegengesetzte Richtung an.
Einige Male denke ich, ich mag nicht mehr, möchte doch nach Colico zurück, ich hab auch noch nicht Kaffee getrunken und mein Handysaft ist fast leer. Doch zweimal, als ich wirklich umkehren wollte, flog ein Raubvogel vor mir auf und in die Richtung meines Weges. Nagut, noch bis hinter die nächste Kurve…
Endlich bin ich in Ponte del Passo. Brauche dort in einer Café Bar mit draußen sitzen einen Latte und einen Cappuccino. Das Zeug schmeckte schon so dünn. Dafür hab ich mein Handy wieder halb voll. Und eine Empfehlung, dass dieser Campingplatz in Gera Lario auch schön ist. Von hier geht eine Teerstraße hin.

Ich darf für zehn € irgendwo am Strand pennen und bekomme für drei Tage Wifi für 1€, statt nur für eine Stunde. Da mach ich zunächst Emailzeit. Der Tag ist wunderschön, aber ja noch lang!
Dann trotte ich zum Strand vor, am Waschhaus vorbei. Hmm, schön, ist alles nicht so riesig hier.

Gleich an der Stichstraße zum Strand ist der Bomboklat. Als erstes frage ich den netten jungen Surflehrer, ob er mich fotografieren könnte? Ich hätte mein Ziel erreicht, vom Bodensee aus, den Lago di Como zu erreichen.

Ich wasche meine Sachen und hänge sie am Strand auf. Es ist so sonnig und heiß, sie trocknen bestimmt. Meine grüne lange und die schwarze halblange Hose waren echt schon super schmierig.
Dann leihe ich mir ein SUP aus, paddle damit ein Stück in den SommerSonnenSee und lege mich aufs Brett, zum Sonnen. Oberteil ziehe ich aus, hier ist ja keiner.
Jahre später mag ich mich doch wieder aktivieren und paddle noch weiter raus. Ich will auf die Höhe von Colico. Da quert jemand mit einem SUP meine Bahn. Als er etwas näher ist, erkenne ich, dass er nackt ist. Gute Idee.
Was für ein Gefühl! Nun kehre ich um, habe den Blick auf die schroffen Berge, aus denen ich komme und kann ein wenig ins Addatal hineinschauen, in das ich fahre. Und ich stehe nackt in der Mitte des Comoarmes.
Frei!
Frei und mächtig!

Im Anschluss schwimme ich eine Runde. Ich hab bei dem leichten Wellengang vom auflandigen Wind deutlich Angst beim Schwimmen. Ich traue mich nur Brust. Dennoch kann ich mich wegen der Schultern (eine handvoll Schulterluxationen links und rechts) nicht entspannen.
Den Rest des Tages hänge ich in der BomboklatSurfSchulHütte herum, höre immer die gleichen höchstens zehn ReggaeSongs. Die gefallen mir aber gut. Nebenbei schreibe ich was das Zeug hält. Mann, dauert das!
Zwischendurch noch einen Schwimm und weiter geht’s.
Gegen Abend sitze ich auf den Treppen des Bomboklat und komme mit einer etwa gleichaltrigen Frau ins Gespräch.
Sie ist die Via Spluga schon gelaufen. Und fand am schönsten den Abstieg von der rechten Seite des SplugaSees.
Mensch, es gibt sie doch, die verrückten Leute!

Aber ich fühle mich diesmal keineswegs alleine.

Bevor ich ins benachbarte Restaurant gehe, frage ich den netten jungen Surflehrer, ob ich in seiner offenen BomboklatHütte schlafen darf. Ist eigentlich eine Art überdachte Veranda. Und das eine Sofa ist lang genug und gut gepolstert.
Klar, ich darf. Ob er mich morgen wieder sieht?
„Kommt drauf an, wann ich wach werde und losfahre.“
Da greift er sich ans Herz, strahlt mich an und meint: „Nice to meet you!“
„Yes, nice to meet you!“

Im Restaurant bestelle ich Fisch mit einer Mio Gräten. Der schmeckt nicht mal gut. Ein netter Gast hatte mir beim Übersetzten geholfen. Ist wohl Flussbarsch. Mit Salz und Zitrone geht’s. Dazu ButterSpinat und Pommes. Mann, ich bin schnell so satt, dass ich die Pommes fast in Gänze stehen lassen muss.
Dann kommt ein junges Paar an meinen Nebentisch. Sie heißt auch Kaddi.
Wir lassen uns erst in Ruhe essen. Als ich schon zahlen will, kommen wir sehr angeregt ins Gespräch. Ein gelungener Abend.
Zurück im Bomboklat. Er hat tausende von Lichtern angemacht.

Sieht wunderschön aus. Sicher auch als Nachtreklame gedacht. Auf den Treppen sitzt ein junges Paar. Während ich das Bier trinke, das ich mir noch im Vorbeigehen von der Campingbar mitgenommen habe, quatschen auch wir ganz schön. In Richtung Osten hinter den Bergen sehen wir ein beständiges Wetterleuchten. Der Junge meint, über dem Gardasee sei Gewitter angesagt. Deswegen seien sie hier. Das Mädel ist ein bisschen kaputt, sie sind heute auch 1000 hm auf einen benachbarten Berg gefahren. Als die zwei gehen, wende ich mich an Angelika, die ganz außen still auf der anderen Seite der Treppe sitzt. Sie hat ein Ferienmobil hier und kommt jedes WE aus der Schweiz. Diesmal hat sie morgen einen freien Tag.
Ich mache alle Lichterketten aus. Garnicht so leicht, alle Netzstecker zu finden.
Jetzt ist es doch noch mondhell und lauschig. Wir unterhalten uns sehr ruhig. Ich fühle mich in dieser Begegnung verbunden.
Am Ende gehen wir noch gemeinsam zum Waschhaus und umarmen uns zum Abschied.
Es hat aufgefrischt, beginnt nun, richtig zu stürmen. Ich liege, doch recht gut windgeschützt, und lausche dem drängenden, hektischen Wellenschlag.

Aber nicht lange.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.