RegenRuheTag

Samstag, 9.9.2017

Ich wache gut ausgeschlafen um halb 6 auf. Ist natürlich noch dunkel. Aber es wird auch so früh dunkel. Um 20:45 hatte ich bereits die Augen zugemacht.
Trotzdem wälze ich mich noch faul herum. Bis es gegen halb sieben anfängt, zu regnen. Auch gut. Dann probiere ich aus, wie es klappt, mich in die Plane (2x3m) zu rollen, auf der ich liege. Wunderbar. Ich darf mich halt nicht zu schnell bewegen. Das passt mir gut. Überhaupt scheint mir gerade jedes Argument recht, um mich zu drücken.
Irgendwann pelle ich mich doch aus meiner Wursthaut, bekomme meine Sachen trotz Nieselregen recht trocken unter und fahre im Regencape nach Tirano. Zielsicher finde ich ein passendes Café für Frühstück, Morgentoilette, HandyLadung und Hotelbuchung. Es soll bis morgen Mittag regnen!

Das Corona ist gleich um die Ecke, wie gut.
Obwohl es erst halb zehn ist und die unfreundliche Dame am Tresen stumm und mit ätzender Mine auf die Tafel deutet: ‚Check in ab 14:00‘, bekomme ich schon wenige Minuten später ein hässliches kleines Zimmer mit Blick auf den ramponierten Hinterhof und KFZ Werkstatt.
Oh, ich bin zufrieden!
Super WiFi, schön warm…
Ich wasche ein paar Sachen, buche das nächste Hotel und gehe in die Stadt. Es soll zwischenzeitlich nicht regnen. Also kaufe ich ein. Valtelliner Wein, den ich mir an der Supermarktkasse öffnen lasse und was zu essen.
Mit einem heißen halben Hähnchen und dem Wein setze ich mich zufrieden auf den Platz.

Ach, was geht’s mir gut.
Dann wackel ich noch ein paar Meter herum, schaue mir auf dem Bahnhof die hübsche rote Rhätische Bahn an, mit der ich auch fahren könnte und fotografiere den aktuellen Fahrplan.
Den Rest des Tages verbringe ich im Bett. Blogschreibend.

Meine Bluse, die ich immmer in die Tasche knülle, sieht jetzt aus, wie gebügelt, weil ich sie nass aufgehängt hab.

Na, da geh ich jetzt essen.

Ich esse in einer Schnellpizzeria. Vorher bin ich an zwei, drei Restaurants vorbeigekommen. Eines war eher eine angesagte Bar.
Ich bin so gut und gelassen drauf, so schlendere ich durch die Straßen. Mit den Händen in den Hosentaschen. Aufrecht. Und mit Esprit.
Zwei Jungs in der angesagten Bar gucken mir nach.
Tun sie das?
Ich denke: ‚das ist eher ein Café, eine Bar. Gibt’s hier überhaupt was für mich zu essen?‘ Ich sehe auch auf die Schnelle keine Teller mit was drauf. Und schon bin ich vorbei.
In der Pizzeria gucke ich bei meinem lecker Essen an die Wand. Es gibt nämlich nur eine Theke an der Wand lang. Da fällt mir auf, dass ich schon ganz gern gesellig gewesen wäre.
Auf dem Rückweg komme ich wieder an der Bar vorbei.
Die zwei schauen mich intensiv an. Irgendwie lustig.
Und ich trau mich nicht rein.
Was hätte ich auch tun sollen?
Ich bin pappsatt, dazu genug angetrunken von den wenigen Schlucken Wein über den Tag und dem kleinen Bier zur Pizza.
Ich gehe an meinem Hotel vorbei. Hier ist alles so verdammt nah!
Ich bleibe auf einem anderen Platz stehen und denke: ‚dies ist keine Stadt für mich. Und dennoch gibt sie mir heute alles, was ich brauche.‘

Nur keine nette Geselligkeit.
Das gibt mir einen Stich, weil es mich so sehr an früher erinnert. Aber es ist heute auch ganz und gar nicht schlimm.
Ich mag es, wie es von ganz allein passiert. In der Stadt kenne ich mich eben nicht aus.

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