Einmal über die Alpen

Sonntag, 3.9.2017

Vor ca. 12 Jahren hatte ich das schon vor: einmal mit dem Rad über die Alpen. Ich hatte schon gegoogled, einen Erfahrungsbericht von drei untrainierten Jungs gelesen. Sie hatten am Bodensee angefangen, sind den Rhein rauf, haben sich irgendwann auf Seitenwege begeben, mussten das Rad teils über Bäche tragen. Sie haben eine Woche gebraucht und am Pass im August jämmerlich gefroren, weil es Minusgrade hatte. Einer musste mit dickem Knie hoch. Und dann waren alle froh über ein paar Tage mit schönem Wetter am Comer See…

Wie gesagt, die Geschichte trage ich seit 12 Jahren mit mir rum. Denn gerade zur Zeit der Planung bekam ich Rheuma. Und bald richtig dolle.

Hast Du „Das beste kommt zum Schluss“ gesehen?

Man muss ja nicht so spät anfangen, die Dinge zu tun, die einem im Leben wichtig sind. Was steht auf deiner Liste?

Ich bin wieder relativ fit geworden. Aber ich glaube nicht daran, dass ich’s mit mir als 35jähriger nochmal aufnehmen könnte.

Aber ich hab auch schon damals einfach nur mit eigener Kraft drüber wollen. Über die Alpen.

Schieben gilt auch.

Nun hab ich da ja einen wunderbar steilen Hausberg, der es bei 6km zur Arbeit immerhin auf 100 Höhenmeter auf der Hin- und 200 auf der Rücktour bringt.

Ich bin dann gleich größenwahnsinnig geworden, als ich den zum 6. Mal innerhalb von Monaten mit dem Rad gefahren bin: ja, da kann ich auch über die Alpen!

In der letzten Woche bin ich zum Traing an drei aufeinander folgenden Tagen gefahren. Und war so geschrottet, dass meine Euphorie einen deutlichen Riss bekam.

Doch heute ist der Tag, an dem es losgeht:

Ich habe endlich wieder gut geschlafen! Eh ich’s mich versehe, ist es halb sieben und ich stehe zum ersten Mal seit wer weiß wie langer Zeit recht munter auf.
Duschen, einpacken, den ganzen Müll aus dem Haus, oh Gott, was mach ich nur mit dem vielen Essen? -Und los!
Kurz vor 8e, 8 Grad, 7 auf der Höhe. Ich fahre durch Nebelschwaden, die Sonne blinzelt als matte weiße Scheibe hindurch.
Durch neues Land in neue Zeiten!
Ich fühle mich nicht allein.
Um 10 mache ich Pause auf einem AutobahnRastplatz. Eine Dame, die auf die 80 zugeht, kommt auf mich zu. Ich freue mich über Unterhaltung. Sie fährt nach Oberstauffen zum Wandern. Und erzählt mir, dass die Berge über 2500 m schon Schneekuppen haben.

Dann Baustellen, Stau… das wird schon etwas langweilig, aber alles ok. Jetzt regnet es wie blöd.

12:00 nochmal kurz Pipirast und ich muss unbedingt gucken, wie ich in die Schweiz oder AU komme, ohne Vignette. Ah, brauch ich doch nur bei Autobahn.
Also fahre ich Lindau ab und über Stadtstraße durch Bregenz nach Hard. Leider hatte ich nicht die richtige Stelle im Navi angeklickt und so fahre ich ein bisschen sinnlos rum. Aber dadurch finde ich auch die schöne nun sonnendurchflutete Promenadenbucht und bitte einen älteren Herren auf einer Parkbank, mich zu fotografieren. Ich erkläre ihm wies geht und er erzählt mir dafür, dass ich dort auf dem kostenlosen Parkplatz mit dem Auto stehen bleiben kann. Na, da mach ich das doch auch!
Nun laufe ich zum Auto zurück, schraube mein Rad zusammen, packe alles drauf, entscheide mich, den zweiten Schlafsack doch nicht mit zu nehmen, weil ich ohne so schön alle Taschen voll habe, ohne was drauf binden zu müssen.
Ich lasse mich ein weiteres Mal fotografieren, mit dem Hinterrad im Bodensee.

Dann geht’s am Ufersaum zur Rheinmündung.

Der Damm auf beiden Seiten des Rheins ragt ewig weit mitten in den Bodensee hinein. Das hatte ich schon auf der Karte gesehen.
Verdammt, ich machs! Bis zur Spitze. Und ich will auch eine Kerze entzünden. Ja, der Ort mitten im Bodensee ist besonders schön.

Hier mischt sich das graubraune Rheinwasser mit dem klaren blaugrünen Bodensee. Am Ende der Mole stehen einige Angler. Zwei Frauen sitzen auf den Steinen und unterhalten sich ruhig. Ich spreche sie an und wir wechseln ein paar freundliche Sätze.

Als die Kerze brennt, denke ich daran, mir einen kleinen Kiesel auszusuchen, den ich mitnehme, hoch auf den Pass, zum Ursprung zurück.
Sehr zufrieden mache ich mich nun endgültig auf den Weg. Es ist schon nach 15:00. Ich muss einige Male fragen. Auch an der Grenze in St. Margarethen, wo mich der zweite befragte Mann in die Irre geführt hat.
Am end hätte ich einfach am Rhein fahren können. Bis Kriessern. Dort frage ich nach einem Geldautomaten und nach dem Weg zum Steigmatt. Hier bekomme ich klare und richtige Auskunft. Huch, ich musste nichtmal über eine offizielle Grenze.
Martin und Sonja sind nett. Ich bekomme mein wunderschönes aber zugiges Strohlager gezeigt.

Aber zutraulich sind sie nicht gerade. Auch nicht die beiden VogelFotografen mit RiesenOjektiven.
Dennoch, als ich schon denke, der Alfafotograf hätte sich endgültig distanziert, kam der doch auf mich zu und zeigt mir eine Aufnahme. Als sie gehen, verabschieden Sie sich mit lieben Wünschen.
Sind hier ein wenig anders. Aber gut.

Es gibt beim SteigmattBauern auch einen Streichelzoo. Darf man aber nicht streicheln, weil sie auch Kängurus haben.

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