Bike’n hike

31.5.2016

Mein ursprünglicher Plan ist, ein Fahrrad auszuleihen, um den nahegelegenen See zu fahren und das Kloster Ganden Sumptseling zu besuchen.

Es gibt im Hostel aber nur Mountainbikes und damit habe ich in Shaxi meine Erfahrungen gemacht. Für mich recht unbequem. Vor allem die Handgelenke tun mir sofort weh. Also gehe ich doch in die Stadt und leihe mir ein E-Bike.

Ein großer Teil des Sees ist um diese Jahreszeit ausgetrocknet. Dafür grasen unzählige Yaks, Schweine und Pferde auf den jungen Wiesen.
Nach einigen Kilometern sehe ich verlockende Pfade in den Hügeln westlich des Sees. Die versprechen eine gute Aussicht auf die Steppe!
Also suche ich mir einen Pfad aus, der ausssieht, als würde er ohne auf und ab direkt den Berg hinan führen.
Ich holpere über eine Lehmstraße durch ein Dorf und parke mein E-Bike am Fuße des Hügels bei 3300 Höhenmetern.

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Der Anfang ist verdammt steil, aber dann geht es. Schon entdecke ich überall wunderschöne Blumen!
Sogar eine Orchidee (glaube ich jedenfalls)…

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… und vieeele Edelweiß.

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Auch die Rhododendren blühen gerade wie verrückt.

Ich hüpfe von einem Blümelchen zum nächsten und erfreue mich an deren Schönheit und Seltenheit. Dazu die atemberaubende Aussicht auf die Steppe und einige schneebedeckte Berge.

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Da ich schon mal so weit gelaufen bin, könnte ich doch noch auf die Kuppe des Hügels…

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Von hier aus blicke ich in eine blumenübersäte Hochebene, an deren Ende ein felsiger 4300er thront. Den will ich mir doch von nahem ansehen.
Meine OfflineMappe zeigt mir eine Seilbahn, die auf diesen Berg führt. Aber keinerlei Pfade in dieser Umgebung. Die einzige Orientierung sind Höhenlinien.
Um die Richtung zu halten, biege ich auf einen schmalen Pfad ab. Eine Wiedererkennungsblume blüht eingangs mitten darauf.

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Der Pfad ist so steil, dass ich Mühe habe, einen Schritt vor den anderen zu setzen, ohne abzurutschen. Ganz zu schweigen von der Luftknappheit, die mich alle drei Schritte stehen bleiben lässt.
Nach einer Weile verliert sich der Pfad im Dickicht. Da schlage ich mich durch, bis ich auf einen anderen Pfad gelange. Die Mühe lohnt sich, denn ich sehe eine Art Fasanhühner. Und davon eine Menge. Sie wuseln neben mir im Dickicht herum und sind leider sehr scheu. So, dass ich sie immer nur bruchteilsekundenweise zu Gesicht bekomme. Sie haben leicht rosa Schwanzfedern und sind ansonsten braun-weiß gesprenkelt.
Plötzlich stehe ich direkt vor dem rocky Mountain. Ja!

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Meine Karte sagt mir, dass ich mich in 3940 m Höhe befinde. Ok, ich will die 4000 erreichen und gleichzeitig meinen ursprünglichen Weg zum E-Bike wieder finden. Also nehme ich den Pfad, der halbwegs in die richtige Richtung führt und laufe rauf, rauf, rauf. Nach einer Weile erkenne ich, dass mein Pfad zu meinem angestrebten Weg, den ich tief unten im Tal ab und zu sehen kann, relativ parallel verläuft. Auf einer Höhe von 4140 m beschließe ich, mich durch den steilen bewaldeten Hang nach unten durchzuschlagen. Schließlich wird es auch spät. Aber immerhin habe ich mehr als 800 Höhenmeter zurückgelegt.

Als ich wieder auf dem Weg bin, komme ich zunächst an einer Yakherde vorbei.

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Dann finde ich die Erkennungsblume an einem abzweigenden Pfad wieder.

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Nach meiner 6-stündigen Wanderung bin ich froh über die Schönheit und erhabenheit der Natur, die ich durchwandern und bestaunen durfte.

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Und ich bin stolz auf meine Leistung.

Es fühlt sich für mich wie eine angemessene Belohnung an, dass ich bei weiterhin sonnigem Wetter und angenehm warmer Luft mit dem E-Bike an Steppe und See entlangfahren kann.

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Auf der Rückfahrt wird es schon etwas kälter. Eine große Schüssel heißer Nudelsuppe im Hostel wärmt mich nach diesem besonders erfreulichen Tag wieder auf.

 

Ein Gedanke zu „Bike’n hike“

  1. Hi Kaddi
    Sorry,ich bin nicht gerade ein toller Schreiberling,aber
    dafür bin ich bei deiner Reise immer lesend dabei.Ich hab
    Seit einigen Monaten extrem Probleme mit den Händen,
    Ich hoffe es wird wieder besser.
    Also deinen Berichten zufolge wäre ich in China total
    aufgeschmissen,was du da alles erlebst und das noch alleine
    Wow Respekt! Ich hoffe du hast noch viel Spass
    There is no end of voyaging when once the voice is heard,
    For the sea calls the stars call and oh the call of a bird.
    Erinnerst du dich noch an das Gedicht? Es passt total.

    So long Simone

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