Middle Tiger Leaping Gorge

29.5.2016

Ich stehe tatsächlich kurz nach sechs auf, mache mir einen Streifentütenkaffee (ich habe tatsächlich daran gedacht, welchen mitzunehmen) und gehe aufs Dach. Noch ist nix los. Mein Gesprächspartner von gestern kommt kurz aufs Dach und geht wieder.
Da! Ruck zuck laufen die Sonnenstrahlen die Bergspitzen hinunter.

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Während des Abstieges bin ich ziemlich alleine und genieße es.

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Da entdecke ich einen kleinen Tempel. Viele bunte Gebetsfahnen lassen den Platz so heiter erscheinen. Zumal der Wind und die Sonne mit ihren munteren Strahlen damit spielen.

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Die Tür ist verriegelt, aber nicht verschlossen.
Auf der einen Seite dominiert ein schwarzer Reiter auf einem schwarzen Panther.

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Auf der anderen Seite ist es die Mütterliche Kannon (?).

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Als ich wieder herausgehe, begrüßt mich ein kleines Zicklein. Das erweckt in mir die Mütterliche.

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Der Ziegenhirt hat ein sehr gewinnendes Lächeln.

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Da ich eh nicht vorbei kann, gehen wir ein paar Meter zusammen.
Viel zu schnell komme ich bei Tina’s an.

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MeinRucksack steht tatsächlich im Büro. Hier muss ich meine Fahrkarte vorzeigen.
Nun habe ich noch rund fünf Stunden bis zur Abfahrt. Zunächst erkunde ich den Wasserfall hinter Tina’s.

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Dann suche und finde ich den Einstieg zum Ray of Sunshine Path. Eine Mutter mit sehr kleinem Baby findet mich und will Geld für den Weg. Hm, da kann ja jeder kommen. Aber der Weg ist wirklich richtig gut gemacht. Es wurden für die Stufen sehr gerade Natursteine gewählt und gut gesetzt.
Es geht ganz schön weit runter. Angeblich nur 300 m, aber es fühlt sich nach deutlich mehr an. Wahrscheinlich, weil ich heute schon 400 m runtergegangen bin und es ganz schön steil ist.
Dann erreiche ich den Sprungstein. Zunächst muss ich aber nochmal für die Himmelsleiter zahlen. Ich will diesen, einen anderen Weg später hinauf gehen.

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Und ich halte mich auf dem großen Stein vor dem tosenden Wasser, wo ich das junge polnische Paar wieder treffe, recht lange auf. Man beachte den tiefenenspannten Schmetterling!
Natürlich muss ich noch über die Brücke und zum „richtigen“ Sprungstein. Da man auch die Brücke extra zahlen muss, geht hier kaum jemand. Dabei ist es wenig mehr, als ein €. Und den Spaß möchte ich mir nicht entgehen lassen.

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Die Himmelsleiter:

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Am Anfang ist es noch ein leichter Hang, die zweite Hälfte ist senkrecht. Trotzdem ist sie leicht zu besteigen, da sie richtig gut gemacht ist. Jetzt will ich es na klar wissen (ob die Schultern halten). Ich lege meinen Rucksack ab und gehe aus lauter Freude nochmal runter und rauf. Der junge Mann, der zunächst hinter mir hochgeklettert war, ist erstaunt, dass er mich wenige Minuten später wiedertrifft. Da sage ich aus Spaß, ich hätte es nur gemacht, um ihn zu beeindrucken. „I am deeply impressed!“ Na, das geht doch runter, wie Öl.
Sie Sonne brutzelt während des Aufstieges nochmal ordentlich. Mein AirConTuch, das ich in einem Wasserfall zu meiner Kühlung naß gemacht habe, ist nach 5 Minuten trocken.
Irgendwann ist man dann doch oben.
Im BridgeCafe fand ich, dass ich mir ein AufsteigerBierchen (Mitte) verdient habe. Und Lunch.

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Die Busfahrt gestaltet sich recht ruhig. Fast jeder ist ziemlich geschafft und müde. Aber die Ausblicke auf die Schlucht, an der entlang wir zurück fahren, will ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
In Zhongdian laufe ich mit einem der Wanderer die zwei Kilometer zum Hostel. Auf der Dachterrasse trinke ich mein überschüssiges Bierchen aus Lijiang. Ein junger Japaner gesellt sich zu mir und wir kommen gut ins Gespräch. Ich esse in der Lounge noch eine riesige Schüssel Nudelsuppe und dann ist auch gut.

 

Tigersprungschlucht Höhenweg

28.5.2016

In dieser Nacht schlafe ich fast garnicht und stehe mit dem Weckerklingeln um 5:50 auf. Ich will den ersten Bus um 7:30 erwischen.
Als ich das Hotel gegen 6:30 verlassen will, muss ich feststellen, dass der Wirt uns eingeschlossen hat: die Hoteltürflügel sind mit einem Vorhängeschloss von außen verriegelt. Die Tür geht gerade so weit auf, dass ich an das Schloss gelangen kann. Zu!
Ich suche das ganze Büro nach diesem Schlüssel ab, nicht wissend, ob er oder der Wirt sich überhaupt im Haus befinden. Das ist echt ärgerlich, nachdem der Wirt uns schon nicht hat weiterhelfen können.
Nach der dritten SuchRunde finde ich ihn, den Schlüssel, tatsächlich. Ich gehe ohne die zwei Deutschen Paare, weil sich ihr Plan so kompliziert und unzuverlässig angehört hat. Außerdem haben sie sich nicht, wie verabredet am Abend nochmal gemeldet. Und außerdem habe ich letztens zu wenig Geld abgehoben und ich will möglichst noch vor der Abfahrt einen Automaten finden. Schließlich bin ich dann zwei Tage im nirgendwo und es ist nicht wirklich absehbar, wieviel Geld ich brauchen werde. Die Tür lasse ich jedenfalls für die vier auf.

Ich finde bald den angegebenen Ort für die Busstation und auch viele Busse, aber niemand will von einer Fahrt zur Tigersprungschlucht etwas wissen. Nichtmal die Dame im riesigen Hotel hier weiß Bescheid. Nun habe ich noch 19 Minuten Zeit und zur anderen Haltestelle ist es weit. Als mein Taxi mich dort abesetzt sind es noch ganze 10 Minuten. Aber der Bus ist voll!
Das ist ärgerlich, weil ich nun eine gute Stunde warten muss und erst um 11Uhr am Eingang zum Höhenweg ankomme. Es ist ein Südhang und heute wird es heiß!
Ok, ich entspanne mich, laufe diesmal mit großer Tasche ein Paar Kilometer durch die Stadt und suche nach einem ATM. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Als ich wieder in der Wartehalle in der Nähe der unfreundlichen Frau sitze, die die Fahrgäste zu den Bussen lässt – es geht hier fast zu, wie im Flughafen: das Gepäck wird durchgescannt, man selbst auch. Und man muss aufs Boarding warten) – gehen unversehens die Nerven mit mir durch und ich muss furchtbar weinen. Mir ist auf einmal alles zu viel: die fehlende Hilfe in diesem Falle, das nahende Ende meiner Reise, schon wieder eine rausgehüpfte Schulter vor ein paar Tagen…

Ich fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes „alleine am anderen Ende der Welt“.

Die 2 1/2 stündige Busfahrt kostet 23¥, knappe 3 €. Ich frage den jungen Busfahrer, ob er meine Tasche bei Tina’s abladen könne. Dies ist ein Gästehaus fast am Ende der Schlucht, von dem aus die Busse wieder nach Lijiang oder Schangri La fahren. Da lacht der Busfahrer und sagt, das kostet 20¥ mehr. Und wer garantiert mir, dass ich am Ende der Wanderung die Tasche auch dort finde? Da lacht er noch breiter.
– Ich vertraue ihm.

Während der Fahrt beruhige ich mich langsam wieder. Im Bus sitzt, wie ich gegen Ende mitbekomme, auch ein Schweizer, Jonas. Das finde ich jetzt schon erleichternd. Endlich mal jemand, der noch weniger Ahnung hat, als ich. Nun bin ich wenigstens nicht mehr allein damit.
Allerdings ist er Sportler und trainiert schon seit Wochen für Halbmarathon auf über 2000 Meter Höhe. Also verabschieden wir uns, bald nachdem der steile Anstieg beginnt. Die paar hundert Meter vorher laufen wir mit der Chinesin TanNe (so klingt es wenigstens). Wir kommen an einem Baum vorbei, der einem Kirschbaum ähnlich sieht, aber brombeerähnliche Früchte trägt.

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TanNe meint, die können wir essen. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Köstlich! Wenn es nicht schon so spät wäre, würde ich mich an diesem Baum erstmal eine Stunde aufhalten. Meine Finger sehen jedenfalls aus, als hätte ich eine Stunde lang Blaubeeren gepflückt.

Den steilen Aufstieg in der Mittagsglut macht jeder alleine, in seinem eigenen Tempo. Immer wieder ermutigt mich der Anblick der Snowmountains -die andere Seite des JadeDrachenBerges-, munter weiterzulaufen. Wer schwächelt könnte auch reiten…

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Manchmal ergibt es sich, eine Stecke mit jemandem zu laufen, der zeitweise das gleiche Tempo hat. Eine gute Unterhaltung gibt mir ebenfalls Schwung.

Michael verlässt mich dementsprechend, als ich bei einem erneuten Aufstieg richtig langsam werde.
Am Häuschen vor den berüchtigten 28 Steilkehren, das ein paar Erfrischungen anbietet, sehe ich ihn und einige andere wieder. Wir tauschen unsere Powernahrung aus. Jeder hat kompaktes kalorien- und nährstoffreiches Essen dabei.
Ich habe mit einer leicht süßen Masse zusammengeklebte Nüsse und Samen (Raps?) dabei, andere haben CaramelNussRiegel und Fruchtleder.

Die 28 Kehren finde ich garnicht so schlimm. Erstens bin ich jetzt gut warm gelaufen und zweitens „muss“ ich fast bei jeder zweiten Kehre ein Foto von den SnowMountains machen, die sich immer herrlicher und immer noch wolkenfreier präsentieren.

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Oben angekommen will eine hiesige Frau 10¥ Eintritt für die prima Aussicht von einer schmalen Felsnase. Nagut.
Es lohnt sich wirklich und ich rufe dies dem polnischen Paar zu, dem ich einige Male begegnet bin. Die handeln den halben Preis aus. Wir machen eine Fotosession und gehen hernach einige Kilometer zusammen.

Nach der Felsnase geht es ziemlich kurvenreich…

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… aber auf gleicher Höhe in knapp zwei Stunden zum Dorf mit dem bekannten Halfwayguesthouse.

Um 17:15 kommen wir dort an und sogleich wirbt ein junger Chinese, der sich für „uns“ den Namen Roger gegeben hat, für sein neues Hotel, das „Family“. Er ist richtig nett. Aber eigentlich wollte ich noch 200 Meter weiter und mir das Halfway und das Come Inn anschauen. Die Polin bricht das Eis: Und wieviel kostet ein Bier?

Da hat er mich und ich sage: das erste was ich in diesem Haus machen werde, ist, mich mit dem Bierchen aufs Dach zu setzen.
Gesagt, getan. Und ich schaue den abendlichen SonnenStrahlen dabei zu, wie sie weiter über die Felsen klettern.

Das ist Roger auf dem Balkon vor meinem Zimmer.

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Zweite Priorität hat Duschen. Ihr macht Euch kein Bild davon, wie nackte Wanderfüße in Sandalen nach einem staubigen verschwitzten Aufstieg aussehen.
Drittens: Essen.
Roger verkauft uns gleich die Bustickets für die Weiterfahrt. Als ich ihm sage, ich laufe am nächsten Tag möglicherweise frühmorgens los, empfiehlt er mir, um 6:30 nochmal auf das Dach zu steigen und die ersten Sonnenstrahlen dabei zu beobachten, wie sie die rückwärtigen Felsspitzen herabsteigen.
Ein weiteres Bierchen unter dem sternenübersäten Nachthimmel mit einer netten Unterhaltung mit anderen jungen Gästen macht mich vollends bettfertig.

 

Fahrt nach Lijiang

27.5.2016

Die KleinBusse (mit sieben Sitzplätzen) nach Jainchuan fahren ab 7:30. Immer, wenn sie voll sind. Da ich gegen 9e gerade einen Bus verpasse, muss ich eine halbe Stunde warten. In Jainchuan warte ich auch eine gute Stunde auf einen Bus mit Fahrplan. Es ist ein komisches Gefühl, die große Tasche im Bus zu verstauen und erstmal in die Stadt zu gehen.
Die Suche nach einem funktionierenden Geldautomaten, der zusätzlich auch noch etwas mit meiner Karte anfangen kann, gestaltet sich schwierig. Wieder einmal muss ich jemanden um Hilfe bitten, weil die Hinweise auf dem Bildschirm nur in Chinesisch geschrieben sind.
In Lijian angekommen, beschließe ich mal wieder, mir das Taxi für die knapp 2 km zu meinem Hotel in der Altstadt zu sparen, zumal man eh nur in die Nähe fahren kann. In der Altstadt selbst sind nur kleine Gassen.
Nach einer Weile finde ich in dem Gassengewirr mit Hilfe meiner OfflineKarte auch die Stelle, die das Hotel auf GoogleMaps angibt. Dort frage ich mochmal nach, aber niemand kennt mein Hotel, nichtmal die Straße.
Die Leute sind so nett, im Hotel anzurufen, aber die Nummer stimmt nicht. Ich darf inzwischen einen frisch gebrühten Tee im hübschen Hof trinken.
Eine andere Frau sucht im Internet nochmal nach und findet eine andere Telefonnummer und den richtigen Ort auf der Karte. Trotzdem werde ich nun von einem Mädel aus meinem Hotel abgeholt. Das ist höchstens 100 Meter entfernt.
In meinem Zimmer angekommen, lerne ich gleich ein junges deutsches Paar kennen, das, zusammen mit einem weiteren Paar, auch morgen zur Tigersprungschlucht fahren will.
Der Mann kann sogar Chinesisch. Und so fragen wir den Hotelier nach den Transportmöglichkeiten. Der kann uns allerdings nicht weiterhelfen.
Wir wissen nur, dass ein Bus um 7:30 fährt, aber nicht, von wo. Ich finde im Internet 2 mögliche Haltestellen für den LongDistanceBus. Eine ist die, an der ich angekommen bin, eine andere wird öfter angegeben und ist auch auf einem Stadtplan zu finden.
Außerdem fragen mich die beiden, ob ich die 80¥ Eintritt bezahlt habe. Hä, für was?
Na, für die Altstadt, an allen Zugängen sind doch die Sperren und die Zahlhäuschen.
Nee, bei meinem Weg war keines.

Jetzt will ich erstmal in die Stadt und zwei Dinge sehen: den LionsRock und meinetwegen noch die großen Mühlräder. Die geschundene TouriAltstadt sehe ich ja sowieso unweigerlich mit. Ich finde sie, genauso, wie die Altstadt von Dali, zum Wegrennen. Wenn man das in den vollen engen Gässchen denn könnte. So hübsch auch alles gemacht ist. Hier gibt es dieselben unnützen Gegenstände zu kaufen, wie auch in Yangshuo oder Dali und alle drei Stände wiederholt sich das Angebot. In den Läden, in denen afrikanische Gemben verkauft (oder auch nicht verkauft) werden, sitzt je ein hübsches Mädel und versucht zu moderner Chinesischer Musik passende Trommelrhythmen zu lernen und gleichzeitig gewinnend zu lächeln. In der Hälfte dieser Läden haben die Mädels das trommeln Lernen aufgegeben (und das Lächeln) und liegen erschöpft auf ihrer Gembe.
Dann gibt es noch Läden mit Tüchern oder Klamotten und Läden mit Jade- oder Silberschmuck. Vor den Silberläden hämmert meist ein Mann auf einem Stück Silber herum um zu zeigen: das ist alles Handwerk! Selten habe ich jemanden wirklich zisilieren sehen.
Neben den Ess- und Trinklädchen wars das auch schon.
Den Rest machen Restaurants aus, meist mit LiveMusik und maßlos überteuerten Getränkepreisen. Und die unzähligen kleinen Hotels, die meist in den Hinterhöfen liegen und durch ein kleines Tor zu erreichen sind.
Nach einem leckeren günstigen Lunch in einer abgelegeneren Nebenstraße versuche ich, mich zu den Mühlrädern durchzuschlagen und lande unversehens vor dem Ticketschalter zum LionsRock. Super, so kann ich gleich dem Rummel entfliehen.
Die nette Dame am Schalter erklärt mir, ich könne auf dem Gipfel des Hügels das berühmte aus Holz erbaute Gebäude, den Wangu Turm besuchen.

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Im ersten Stockwerk finde ich Wandgemälde, die mir ausnehmend gut gefallen.

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Auch in den anderen Stockwerken wird Chinesische Kunst ausgestellt.
Oben angekommen bietet sich mir ein ausgesprochen schönes Panorama aus dem der schneebedeckte JadeDrachenBerg wunderbar heraussticht.

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Hier oben residiert ein lustiger netter Herr, der einige wenige Dinge zum Verkauf ausgestellt hat. Mir fallen die hübschen Glocken auf. Sie erinnern mich an die Glöckchen, die die Pilger auf Shikoku an ihrem Wanderstock befestigen. Jeder Schritt klingelt dann: ich bin da!
Auf einer Glocke aus Messing entdecke ich das Bild eines Drachens. Am Klöppel baumelt ein Messingfisch. Das gefällt mir. Sogar der Klang ist richtig schön. Was soll das denn kosten?
Der Herr zeigt auf einen Zettel an der Wand, auf dem neben vielen chinesischen Zeichen auch die Zahl 36 zu finden ist. Ich spiele das übliche NeeIstMirZuTeuer-Spiel, da bekomme ich das Glöcken am Ende für 28¥. Ich verstehe die zwanzig nur durch Zeichen, aber Ba für acht kenne ich schon. Und wir machen Witze damit. Ba, Ba, Ba. Ich zähle ihm die 1¥-Scheine in die Hand so gut ich kann und bei Ba lachen wir.
Aber die größeren Glockenspiele, die kosten wirklich 36, meint er. Und ich müsse unbedingt eines haben, die seien doch so schön. Außerdem hänge das Glockenspiel an einer Münze und darauf sei der JadeDrachenBerg abgebildet. Hm, jetzt hat er mich.
Ich zahle aber nur die zwei Finger und Ba!
Aus Freude über seinen gelungenen Verkauf lädt er mich dazu ein, kostenlos durch sein gutes Fernrohr auf den schneebedeckten Drachenberg zu schauen.
Eine Frau aus Taiwan, die sich Sorgen macht, wir würden uns aufgrund der 100% Sprachbarriere nicht verstehen, lenkt hier ein. Und übersetzt, dass es sonst 10¥ kostet, er mich aber einlädt. Ich erkläre ihr, dass ich diesen lustigen Mann sehr gut verstehe. Später komme ich mit ihr, sie ist eine Reiseleiterin aus Taiwan, noch nett ins Gespräch. Auch mit zwei Frauen aus Peking, die etwas Englisch sprechen. Irgendwie kommen wir aufs Alter. Eine der beiden schätze ich auf Anfang, die andere auf Mitte Dreißig. Dabei sind sie 47 und über 60! Ich bin echt baff. Obwohl mir das ist hier schon einige Male passiert ist.
Als die Reiseleiterin geht, ruft der lustige Mann ihr noch was nach. Ich sage halb zu den Chinesinnen und halb zu dem Mann, „er findet sie toll“. Wir müssen alle lachen: ich habe es richtig verstanden.
Nach einer herzlichen Verabschiedung gehe ich runter in den Garten, wo ich einen Pfauenverschlag finde. Außerhalb des Zaunes liegt das Ende einer Feder mit einem hübschen Pfauenauge. Ich mag solche kleinen Erinnerungsgegenstände.
Dann komme ich zu einem kleinen Tempel oder Schrein. Davor gibt es eine riesige Pauke, auf die man für kleines Geld 3 x schlagen darf. Das bringe Glück, steht auf einem Schild.

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Gerne möchte ich Takuji ein Bild schicken, wie ich schwungvoll und mit Spaß das „ich bin hier“ zelebriere. So frage ich einen Arbeiter, der nebendran mit einer Axt einen Baum fällt, ob er mich mal eben fotografieren mag?
Der möchte aber wohl sein Werk schnell vollenden und schickt mich zu einem Mönch.
Der Mönch meint es gut und möchte mich zusätzlich filmen. Ich soll also noch 3 x schlagen. Leider hat er irgenwie falsch gedrückt und das Video geht erst nach dem letzten Schlag los. Das tut mir leid.
Nach einem Gebet im Tempel…
-mir gefallen die Schuhe des Angebeteten ausnehmend gut –

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… schicke ich mich an, nun wieder runter in die Stadt zu gehen. Da höre ich die Pfauen schreien: „Yes, yes, yes!“ Das bringt mich dazu, zurück zu gehen und den Mönch zu bitten, das Video nochmal zu machen.
Diesmal klappt es und ich bin glücklich darüber.

Fast bei den Mühlrädern angekommen, sehe ich, dass man auf dem Hauptweg, auf dem ich mich befinde, die Altstadt verlassen muss, um dorthin zu gelangen. Mit anderen Worten, wenn ich hier wieder rein will, muss ich zahlen.
Schnell suche ich den nächsten Nebenweg, als gälte es, Halsabschneidern zu entkommen. Hier muss ich an einem müde dahindümpelnden Polizisten vorbei. Die großen Mühlräder sind eigentlich garnicht groß.

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Der Polizist lässt mich jedenfalls wieder rein ins Getümmel.

Jetzt könnte ich mal ein Bierchen trinken. Aber natürlich gibt es weit und breit keinen noch so kleinen Supermarkt. Endlich finde ich einen Kiosk mit drei Sorten warmem Bier. Da habe ich mich schon dran gewöhnt. Ebenso an den Alkoholgehalt des DaliBiers von 2.5%. Zwei Sorten sind DaliBier, die dritte Sorte kenne ich noch nicht. Davon lasse ich mir eine Flasche aus dem Regal reichen. Ich setze mir erstmal die Brille auf. Yes! 3.6%. Ist gekauft!
Im Getümmel finde ich am Fluss einen Stein, auf den ich mich setzen kann und Passanten beobachten. Das fühlt sich immerhin ein bisschen distanzierter an, als mitzuwabern. Nach drei Schlucken bin ich angetrunken. Jetzt muss ich wirklich über mich lachen: ist das Bier zu stark, bist Du zu schwach!
Als die Flasche leer ist, gehe ich extra nochmal zurück, um für den langen restlichen Abend eine zweite Flasche von dem lecker Stöffchen zu besorgen. Aber ich fühle mich tatsächlich so betrunken, dass ich sie nicht anrühre.

 

Traing für den Tigersprung

26.5.2016

Das schmerzende Knie fand ich gestern garnicht so lustig. Zumal ich mich auf eine größere Tour mit vielen Höhenmetern freue, die ich für übermorgen geplant habe:

Den berühmten Höhenweg der Tigersprungschlucht und den Abstieg zum Tigersprungstein.

Mein Knie ist heute morgen wieder gut, der Arm fühlt sich deutlich besser an.
Also nutze ich meine funktionierenden Körperteile für eine erneute Wanderung. Ich will nochmal den Berg von vorgestern herauf. Um das Tal diesmal auch noch erwandern zu können, leihe ich mir für die ersten Straßenkilometer ein Fahrrad. Außerdem kenne ich nun einen guten, kürzeren Weg hinauf.

Ich freue mich schon darauf, den selben wunderschönen Pfad wieder gehen zu können und genieße jeden Schritt. Sehr erleichternd ist auch, dass ich nun nicht so viele Fotos machen „muss“. Einige Male kann ich mich dennoch nicht zurück halten.

Nachdem ich oben angekommen bin, erforsche ich das hintere steile Tal und komme auch zu dem Tempel…

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…der beim Eintritt bezahlt werden will. Im Hof sitz ein Mann, der bei meinem Erscheinen sogleich erwacht und das Wort, das in China jeder auch auf Englisch kann, krächzt:

Ticket!

Ooch nee, ich laufe lieber weiter durch den Wald.

Die Felsformation lädt zum Klettern ein (nicht nur diese)

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Mittlerweile habe ich herausgefunden, wie ich zu dem nahegelegenen See gelangen kann. Dazu muss ich zurück zur Straße gehen und in ein weiteres Tal abbiegen.

Die schönen Sandfarben dieses Weges haben eine ungemein beruhigende Wirkung auf mich.

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Dann gelange ich zum See:

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Beim Abstieg nach Shaxi bin ich ein bisschen traurig, weil es hier so schön ist und ich mich schon wieder verabschieden muss. So genieße ich jeden Schritt. Und ich verlängere meinen Aufenthalt auf dem Berg durch eine kleine Schlummerpause auf einem der tollen Knubbelfelsen.

Diese beiden süßen Damen helfen mir am Ende des Weges beim „bye bye“ sagen.

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Am Ende genieße ich auch, dass ich die letzten Kilometer wieder Fahrrad fahren kann. Die Tour war heute ganz schön groß. Inclusive Pausen bin ich 7 Stunden gewandert.

Zum Dinner gibt es essbares Baummoos. Superlecker!

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Zu meinem Zimmer geht es eine Treppe rauf. Will ich in die Dusche, muss ich wieder runter und eine andere Treppe rauf. Mein Knie tut mir heute Abend so schlimm weh, dass ich im Nachstellschritt raufhoppeln und rückwärts wieder runter gehen muss.

 

E-BikeTag

25.5.2016

Mit dem E-bike möchte ich zu der Stelle fahren, an der ich gestern umkehren musste. Ich habe auf der Karte gesehen, dass, mit einem riesigen Umweg, eine Straße dort hinführt.
Ca. 10 km vor meinem Ziel ist ein Schlagbaum. Hier will man umgerechnet 10€ Eintritt in den Wald. Und mit dem E-bike darf ich nicht durch. Ich müsste schon mit dem Bus zu meinem Ziel fahren.
Es ist nicht so leicht, das zu verstehen. Man ruft dann sogar einen Übersetzer an. Mit dem Ergebnis, dass ich mir ein neues Ziel aussuche.
Erstmal finde ich hinter dem Wärterhaus einen Pfad, den man mühelos auch hätte nehmen können, suche mir ein schönes Plätzchen und halte Picknick.
Dann also zum See. Strom könnte reichen.

Einmal erreiche ich eine schöne Stelle, die ein Foto wert ist.
Da will ich das Bike noch einen Meter schieben, um es gut zu parken. Leider hatte ich es nicht ausgeschaltet. Da hupft es mit meinem Arm davon. Diesmal ist es der rechte.
Das Einrenken klappt diesmal auf Anhieb.
Natürlich bin ich gerade mitten in der Pampa der chinesischen Berge. 200 Meter hinter mir liegt ein winziges Bauerndorf. Ich will garnicht darüber nachdenken, wie die Geschichte weitergegangen wäre, wäre ich mit meinem rausgehüpften Arm da vorstellig geworden…
Nach einigen Minuten kann ich schon wieder in die Kamera lächeln…

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…und ich entscheide mich, mit dem schmerzenden Arm weiter zu fahren (20 km zurück. Oder 50 km, wenn ich erst zum Ziel fahre. Dann wäre ich außerdem fast in JainChuan, falls ich doch zum Doc will.) und mich zu entspannen.
Leider fahre ich einmal falsch, da die dicke Straße nicht in meiner OfflineMap eingezeichnet ist. Da verliere ich bestimmt 8 km.
Trotzdem erreiche ich den See (hinten im Bild) genau am kalkulierten Umkehrpunkt.

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Die letzten Meter gehe ich durch das Dorf (links im Bild) zu Fuß.

Hier gibt es dicke schwarze Schweine im Wald. Sie sind jeweils an einem Baum festgebunden, dennoch traue ich mich nicht nah dran vorbei.

Das Bild, das sich mir am Ufersaum bietet, fühlt sich wie eine Belohnung an:

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Auf der Rückfahrt werden die Schmerzen weniger. Und auch die Power im E-bike. Da ich die Kalkulation aufgrund eines Verkehrsschildes machte, auf dem Shaxi mit 20km ausgewiesen war. Das kam mir gleich schon komisch vor und es stimmte auch nicht.
So tuckere ich den langen Berg langsam hoch und rolle ihn dann so gut wie komplett wieder runter. Dann noch 10 km… schließlich bin ich statt 80 ganze 95 km gefahren und mein Bike kann auf gerader Strecke nur noch „schlappe“ 35 km/h fahren.

Dinner in der offenen Küche. Ich bin stolz, dass ich nach wie vor einzelne Erbsen zwischen die Stäbchen bekomme.

Aber am Abend kommen ganz schön dolle Schmerzen und mein linkes Knie mochte die Wanderung und den heutigen Wind auch nicht. Ich fühle mich wirklich ziemlich lädiert. Und gehe erschöpft früh zu Bett.

 

Wandertag

24.5.2016

Wie erwartet, scheint die Sonne wieder. Ich ließ mir gestern einen Wanderweg empfehlen. Und das war gut so, denn die jungen Herrschaften sind gestern (heut) erst um 4 ins Bett. Darum gibt es auch kein Frühstück. Aber ich habe ja was da.

Ich muss ein paar Kilometer an der Straße entlangwandern.
Dann finde ich den traumhaften Weg.

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Oben auf dem Berg angekommen, entdecke ich, dass ich von hier aus eine interessante Tour durch das nächste Tal machen könnte. Doch es wird zu spät. Darum kehre ich um.

Abendessen gibt es in der offenen Küche. Einige junge Chinesinnen aus der Nähe Pekings gesellen sich zu mir an den Tisch.

Später machen wir wieder Musik in der Lounge. Ein Chinese möchte, dass ich Donna Donna spiele. Wohl weil zwei ältere Paare jüdischer Leute aus Israel da sind. Also Binge ich das Lied. Googlen geht ja nicht, weil mein VPN hier nicht verbindet.

 

Fahrt nach Shaxi

23.5.2016

Es regnet. Zum Glück nur leicht, denn ich muss durch die ganze Stadt zum Busbahnhof laufen. Bis dahin bin ich natürlich trotz Regenmantel ziemlich nass. Vor allem die Hose und die Schuhe. Mit Tüchern und der Alukaffeeflasche (die ich mir in Japan aus dem Automaten gezogen habe und seither immer wieder benutze) wärme ich mir die Oberschenkel.
Nach Plan des Hostels muß ich zurück nach NeuDali fahren. Dort bekomme ich sofort den Bus nach JianChuan. Jetzt kann ich endlich Frühstück essen und die DaliTage schreiben. Der Bus hält erstaunlicherweise auch in der Nähe des AltDaliBusbahnhofes. Warum dann der Umweg von mehr, als einer Stunde? Nicht fragen, im trockenen Bus sitzen und zufrieden sein. In JianChuan muss ich nochmal umsteigen, um nach Shaxi zu gelangen. Wieder habe ich Glück und muss nicht warten.
Bis ich ankomme, bin ich längst ziemlich trocken. Nur die Füße…

Ich habe das Gefühl, im positiven Sinne gestrandet zu sein. Weg von dieser TouristenScheinWelt. Diese kleine gemütliche Stadt wirkt auf mich auf den ersten Blick echt und lebenswert. Ich kann mich entspannen.
Schon auf dem Weg zum Hostel ist mir eine offene Küche aufgefallen. Dort nehme ich mein Mittagessen zu mir. Köstlich. Dieser Küche bleibe ich treu, solange ich in Shaxi bin.

Dann wärme ich mich erstmal im Bettchen auf.

Den Abend verbringe ich in der großzügigen Lounge im Hostel. Die jungen Betreiber und einige Gäste sitzen um ein Kaminfeuer. Es wird Musik gemacht und mitgesungen. Da kann ich leider nicht mitmachen, aber ich fühle mich wohl.

 

Regen-Dali

21.5.2016

Heute morgen ist es noch trocken angesagt. Ich möchte endlich mal auf die StadtMauer. Dazu muss ich einige hundert Meter an der Mauer entlang gehen und die Treppe finden. Es ist nett hier. Über dem Tor beobachte ich die Saftfrau, wie sie ruhig, beständig und konzentriert ihre Arbeit tut (Wu Wei!)

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Dann stehe ich eine Weile über einer Kreuzung und fotografiere die Fahrzeuge, die kommen und gehen.

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Von hier aus sehe ich auch ein einladendes Café. Ob ich hier mal einen guten Kaffe bekomme? Der im Hostel ist scheußlich. Er schmeckt nach nichts, aber ekelig. Also bleibe ich meinen Nestle 2 in 1 Streifentüten treu, die es erstaunlicherweise auch in Dalis TanteEmmaLäden gibt.
In diesem Café jedenfalls schmeckt der Kaffee derart nach schlechter Milch, dass ich ihn zurückgebe. Die junge Dame meint, das könne nicht sein, schließlich verwende sie ja Milchpulver. Ansonsten stellt sie auf Verstehnix und ich muss den vollen Preis bezahlen.
Danach bekomme ich Kopfschmerzen und mir ist den ganzen Tag schlecht.
Auf jeden Fall wird es bald so doll, dass ich keine Lust habe, weiter nach interessanten Plätzen Ausschau zu halten. Außerdem beginnt es verfrüht, zu regnen. Und ich erinnere mich nur zu gerne daran, dass ich am ersten Abend einen Massageladen gesehen habe. 1 h Bodymassage. Verlockend!
Was ich nicht wusste: chinesische Massage ist nahezu brutal. Der junge Herr ist außerdem recht kräftig. Seine Behandlung lässt mich an beinahe jeder Körperstelle zusammen zucken.
Danach darf ich liegen bleiben und schlafe fast ein.
Auf dem Weg zum Hostel laufe ich leicht, wie frisch geölt. Dann schlafe ich 2 1/2 Stunden, wie ein Stein.
Am Nachmittag geht es mir garnicht gut. Ich mache ein paar Internetsachen und gehe früh zu Bett.

22.5.2016

Scheinbar habe ich mich etwas gesünder geschlafen. Wieder ist den ganzen Tag Regen angesagt, aber ich möchte mich bewegen.
Das Massagehaus hat zu, aber der Kung Fu – Wu Tempel hat auf.

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Verehrt wird hier Guan Yi, der Bruder eines Königs aus der Ming Dynastie aufgrund seiner Loyalität. Er hat wohl erfolgreich für seinen Bruderkönig das Heer geführt. Die Figur ist riesig und beeindruckend.

Der Regen lässt so weit nach, dass ich ein bisschen wandern will.
Es gibt zwei Wege rauf zu einem Klimaxweg auf 2600m Höhe.
Der südliche wird mir im Hostel abempfohlen, da er nach dem Regen nicht sicher sei. Also nehme ich den anderen.
Ein Fahrer mit so einem roten Klapperkarren will mich fahren. Ok, zum Tempel auf dem Klimaxweg? Ja, für 20. Nee, da laufe ich lieber. Ok, 15.
Da die Karre offenbar keine Stoßdämpfer hat, breche ich mir auf der Fahrt fast das Kreuz. So rumpelig sieht die Straße garnicht aus. Nach knappen 500 Metern hält er an und zeigt auf einen Schlagbaum und ein Schild. Ich denke, ich soll jetzt Gebühren bezahlen, damit wir durchfahren können. Aber nein. Die Fahrt ist hier zu Ende. Der unfreundliche Mann im Wärterhäuschen versucht mir zu erklären: ich könnte jetzt für 60 Tacken die Cabelcar nehmen, wenn sie denn heute fahren würde. Oder ich bezahle 40, um zu Fuß diesen Geopark zu durchschreiten.
Als ich das endlich kapiert habe, wende ich mich ab und gehe. Zum südlichen Aufstieg. Hier gibt es eine Ropebahn. Für die wollen sie sage und schreibe 240. Die spinnen doch. Natürlich gibt es auch hier ein Wärterhäuschen, an dem ich für einen Fußmarsch in den Wald 40 bezahlen soll. Das würde ich ja jetzt auch machen, obwohl es jede Minute wieder anfangen kann, zu regnen und ich nicht weiß, wie lange meine Kondition noch reichen wird (fühlt sich an, wie: nicht mehr lange).
Aber sie lassen mich nicht durch. Zu unsicher.
Ok, Retour.
Nun fängt es auch tatsächlich wieder an, zu regnen.
Im Hostel beschließe ich, das Bild von Takuji zu malen, wie er vor der Statue von Kobo Daishi sitzt und malt.
Das will ich schon seit Wochen machen.
Als ich die Bilder durchsehe, beschließe ich eine kleine Planänderung:
Ich habe ein Foto von Takuji, wie er die Kobo Daishi Statue ansieht.
Da muss ich nur noch die Statue etwas in den Vordergrund rücken.

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Dann habe ich ein nettes Gespräch mit einem weiteren Mann aus Israel. Hier sind fünf Leute aus Israel.

Da die Sonne längst wieder rausgekommen ist, möchte ich doch noch mal in die Stadt. Nun hat das Massagehaus wieder auf, cool, also nix, wie rein! Diesmal massiert mich eine Dame, die hat aber auch kräftige Hände. Ich bitte sie, konkret auch meine Hüften zu massieren und sie gibt sich brutal viel Mühe! Das tut aber richtig gut. Die chinesische Massage ist die beste, die ich bisher hatte. Das ist doch was.

Für ein Bierchen gehe ich noch in die DaliCat. Dort höre ich ein Set von den zwei Musikern dort. Ich bin wirklich beeindruckt. Das Lokal ist mir empfohlen worden, es solle einen wahrhaftigen Eindruck machen. Das stimmt. Hier fühle ich mich richtig wohl.
Trotzdem bin ich einfach nur froh, dass ich morgen fahre. Dali als Stadt hat mir nicht gefallen.

 

Dali

19.5.2016

Da mein Zug erst um halb elf geht, kann ich mir mit dem Frühstück schön Zeit lassen. Für die mehr, als sechsstündige Fahrt plus Busfahrt zur historischen Altstadt von Dali habe eine Menge Proviant dabei. Heißes Wasser für Tee oder Kaffe bekommt man dagegen überall in China. Sogar im Zug.

Viele nehmen deshalb Nudelsuppen mit. Damit habe ich aber schlechte Erfahrungen gemacht. Nach zwei mal zwei Nudelsuppen pro Tag wurde ich unruhig und richtig hyperaktiv. Zum Dinner hatte ich dann Hunger, wie ein Bär. Kann alles andere Gründe haben. Ich esse die Suppen trotzdem nicht mehr.

Kunming MainStation

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Gegen 18:30 bin ich im Hostel. Ich bin natürlich ziemlich erschlagen nach der langen Fahrt. Der Hartseatplatz, den ich für den Zug gebucht habe (die billigste Art, zu Reisen), stellt sich raus als die Hälfte des unteren Bettes eines Schlafwagens. Der Sitz ist dementsprechend nicht hart, nur die Lehne besteht aus der Wand. Also rolle ich mich phasenweise zusammen und liege recht gemütlich.
Im Hostel gibt es heute BBQ, das ich dankbar bestelle. Dann schaue ich mal nach downtown. Ups: der Tourishocker!
In einer Bar ist es leiser, da spielt der deutsche Dave. Der wird aber bald von einem Chinesen abgelöst, der mit Fluppe im Mundwinkel ins Micro schreit. Nach meiner Flucht stehe ich noch eine Weile vor einer Bar mit Seifenblasen zum Zwecke des Anlockens von Passanten. In der Bar spielt ein sensibler Musiker. Für ein kleines Bier in einer solchen Bar muss man locker 5 bis 10€ hinlegen. Jedes zweite Haus beherbergt eine Bar mit Livemusik. Was mir nicht gefällt, ist die Laustärke und die Ausstrahlung. Jeder versucht hysterisch, etwas vom TouriKuchen abzubekommen.

20.5.2016

Zum Frühstück gibt es Cerealien! Mit viel Obst.
Dann, ja, ich habs wirklich gemacht! Zum ersten Mal in meinem Leben leihe ich ein E-bike aus. Schön grün, mit weißen Blümchen.

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Die Fahrt am See bringt mich dazu, ein Bild zu malen…

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…SeeImpressionen zu sammeln…

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…und einen Powernap auf einem alten Steg zu machen.

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Dort sieht mich ein Fischer an, der bald ins Wasser steigt, um sein Netz auszulegen.
Später kommt ein Herr, der mich schön und stark findet und mir aus seiner Manteltasche Blaubeeren anbietet.
Leider ist mein E-bike im Rückwärtsgang als ich losfahren will. Und ich weiß nicht, wie ich wieder vorwärts fahren kann. Ich fummel also an den Knöpfen rum. Bis ich wieder vorwärts fahren kann, fährt der nette Herr an mir vorbei.
Der Ausleihfritze hat mir gesagt, ich könne 36 km fahren. Inwieweit darauf Verlass ist, kann ich natürlich nicht abschätzen. Als ich meine, ca. 18 km gefahren zu sein (mit jedem Stop setzt sich der Zähler zurück), will ich eigentlich zurückfahren. Aber etwas hält mich davon ab. Ich will noch ein bisschen weiter.
Da treffe ich in einem Dorf auf einem kleinen Tempel. Kurz nach meiner Ankunft kommen Frauen. Die schließen den Tempel auf und bringen Opfer dar.

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In der Dorfapotheke kaufe ich Antijuck. Das funktioniert prima.
Auf der Herfahrt habe ich ungefähr 100 Stops gemacht. Jetzt kann ich mal richtig fahren. Der Tacho sagt 56kmh, aber ich denke, mein Bike fährt nicht so schnell.
Weil es noch früh ist und der Strom noch nicht alle, fahre ich noch zu den drei Pagoden. Die wollen im Ernst 120yuen! Da gehe ich nicht rein. Statt dessen kaufe ich im Markt davor Obst, ein Tuch und ein Hemd.

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Vor dem Phönix verkaufen drei Männer auf Tüchern am Boden interessant aussehende Sachen. Sieht aus, wie Second Hand. Ich will bloß mal schauen und vergucke mich spontan in die Lotuskanne mit Frosch. 250 will er. Eigentlich will ich ja garnichts kaufen. Ich ziehe meinen Geldbeutel heraus, um ihm zu zeigen, dass ich nur noch 110 (15€) dabei habe. Er verzieht sein Gesicht etwas, aber dann ist es meine Kanne.

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Nach dem Dinner im Hostel frage ich einen jungen Chinesen, der alleine Billard spielt, ob ich mitmachen darf. Nach dem ersten Spiel gibt er mich ab an einen älteren Chinesen gegen den ich keine Chance habe. Dann will sein Freund mit mir spielen. Nach fünf Spielen voller Konzentration falle ich völlig fertig ins Bett.

 

Kunming

17.5.2016

Mein hochherrschaftliches, etwas heruntergekommenes Zimmer im 23. Stockwerk. Mit KingzizeBett.

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Goldenes Pferd Tor und Jadehahn Tor.

In der Gegend daneben befindet sich ein chinesischer Markt. Dort kann man auch gut und günstig chinesisch essen.

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Ziemlich kaputt falle ich ins Bett. Dieser Mann, den ich auf dem Heimweg gesehen habe, wohl auch.

18.5.2016

Romantischer Sonnenaufgang

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Meinen vollen Tag möchte ich im Park „green lake“ verbringen. Vorher muss ich aber noch zum Bahnhof, meine Zugfahrkarte für morgen kaufen. Da habe ich mir den Spaß gegönnt, mit einem MofaTaxi zu fahren. Eine Achterbahnfahrt ist ein Witz dagegen.

Ungefähr 1000 Menschen warten, zum Glück hier mal diszipliniert an zum Glück bestimmt 20 wohlorganisierten Schaltern. Endlich habe ich mein Ticket.

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Hier der Park.

Er überrascht sogleich

mit Seerosenteich.

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Im Park halte ich mich recht lange auf. Man kann auf den Inseln spazieren gehen. Oder sich einfach irgendwo hinsetzen. Es sind unglaublich viele Bänke da. Die meisten sind besetzt.

Ich suche mir ein etwas abgelegenes Plätzchen für einen Powernap. Als ich mich hinlegen will, kommt ein junger Mönch und gibt mir für kleines Geld ein Buddhakettchen. Das lasse ich mir gleich von meinem Banknachbarn festbinden.

Der Lotustempel ist aber kein Tempel mehr. Sondern ein Restaurant, das von Deutschen geführt wird.

Neben dem Park ist das Militärmuseum.

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Auf dem Rückweg finde ich diesen verzauberten Park. Zuerst muss ich durch eine Menge Tischreihen mit älteren spielenden Herren hindurch. Eine Art Spießrutenlauf. Es sind auch Polizisten im Park. Die starren normalerweise am meisten. Wohl, weil sie sonst nichts anderes zu tun haben.

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Diesen Masseur sehe ich in Aktion. Inclusive Wirbelknacken. Da lasse ich mir gleich eine Straßenmassage geben. Schließlich habe ich mich heute durch die Stadt geschleppt. Ob die Schlappheit und Müdigkeit den 1900 Höhenmetern zuzuschreiben ist? – Vielleicht auch den 1900 vorangegangenen Erlebnissen.

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